<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977</id><updated>2011-09-28T11:03:25.924-07:00</updated><title type='text'>Knaller an der Zeitungsfront</title><subtitle type='html'>Wer liest denn heute noch Zeitung?</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>334</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5585081133145833672</id><published>2008-11-08T00:42:00.001-08:00</published><updated>2008-11-08T00:42:44.419-08:00</updated><title type='text'>Das kann ja wohl nur ein Witz sein“ (Tagesspiegel)</title><content type='html'>„Das kann ja wohl nur ein Witz sein“&lt;br /&gt;Schauspieler Axel Prahl über Peter Sodann als Bundespräsident, Humor im „Tatort“ und Ekel Alfred&lt;br /&gt;Anzeige&lt;br /&gt;document.write('');&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://adfarm1.adition.com/click*lid=40554764346/clickurl=http%3A%2F%2Fbs.serving-sys.com%2FBurstingPipe%2FBannerRedirect.asp%3FFlightID%3D647130%26Page%3D%26PluID%3D0%26Pos%3D1841" target="_blank"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;mediajump('media_','');&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2656169#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;mediajump('media_','');&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2656169#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;mediajump('media_','');&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2656169#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22%22"&gt;&lt;/a&gt;8.11.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;artikeldetail_div_breite('thumbbig','thumbmit','thumbdesc');&lt;br /&gt;artikeldetail_div_breite('thumbbig','thumbmit','thumblupe');&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22%22"&gt;&lt;/a&gt;8.11.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;artikeldetail_div_entscheider();&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onclick="javascript: var los = window.open('http://asp.readspeaker.net/cgi-bin/tagesspiegelrsone?customerid=1004244&amp;amp;id=1&amp;amp;lang=de&amp;amp;type=2&amp;amp;url='+encodeURIComponent(document.location), 'realspeaker', 'width=660,height=560,innerHeight=560,innerWidth=660,left=5,top=5,scrollbars=no,toolbar=no,status=no,resizable=yes'); return false;" href="http://www.blogger.com/post-create.g?blogID=32989977#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;--&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/themen-alarm/"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/_/sendmail.html" rel="nofollow"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onclick="printwin_ps();return(false)" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2656169#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onclick="javascript:var los = window.open('http://www.webnews.de/einstellen?url='+encodeURIComponent(document.location)+'&amp;amp;title='+encodeURIComponent('„Das kann ja wohl nur ein Witz sein“')+'&amp;amp;desc='+encodeURIComponent('')); return false;" href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2656169#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a title="Mr. Wong" href="javascript:" target="_top" alt="Mr. Wong" los="window.open('http://www.mister-wong.de/index.php?action=addurl&amp;amp;bm_url='+encodeURIComponent(location.href)+'&amp;amp;bm_description='+encodeURIComponent(''))&amp;quot;"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Herr Prahl, am Donnerstag haben Sie im „Großen Tatort-Quiz mit Jörg Pilawa“ auf dem Ratestuhl gesessen. Man sieht Sie sonst selten in Quiz- und Talkshows.Ich bin da auch grundsätzlich nicht. Nicht so gerne jedenfalls. Sendungen wie „Clever“, die im Fernsehen Wissen vermitteln, das ist interessant. Talkshows sind in der Regel Verkaufsveranstaltungen. Das „Tatort“-Format hat es aber verdient, in der Form gewürdigt zu werden.Der „Tatort“ „Wolfsstunde“ am Sonntag muss gar nicht groß verkauft werden. Ein eindringlicher Thriller über Sexualmorde und männliche Machtfantasien, weniger burlesk wie sonst der „Tatort“ aus Münster. Ihr Hauptkommissar Frank Thiel zeigt sich von einer ziemlich sensiblen Seite. Fühlen Sie sich in dieser Rolle wohler?Durchaus. Anfangs waren wir skeptisch, ob die Geschichte für unser Format das Richtige sei. Vergewaltigung ist ein heftiges Thema. Der Humor ist bei der Bearbeitung aber nicht gänzlich unter den Tisch gefallen. Ich finde, wir haben da zum ersten Mal einen richtig guten Fall. Das ist ja das, was uns meistens in der Kritik vorgeworfen wird: dass unsere Fälle ein bisschen konstruiert sind.Der Kifferpapa, die zwergenwüchsige Pathologin mit Spitznamen „Alberich“ – das Burleske oder Konstruierte ist beim Münsteraner „Tatort“ zum Markenzeichen geworden. Wie weit kann man das treiben?Das Geheimrezept der Unterhaltung ist immer die Überraschung. Insofern sollte man sich nie in eine Richtung komplett verschreiben. Ich bin mal ganz froh, dass wir jetzt diesen ernsthaften Thriller gemacht haben.Fans von Frank Thiel und Professor Boerne alias Jan Josef Liefers vielleicht nicht.Weil sie einen gewissen Humoranteil einfordern? Abwarten. Ich würde mir für den Münsteraner „Tatort“ schon weitere Experimente wünschen.Die Grundidee mit der ungewöhnlichen Portion Humor, schrägen Ermittlercharakteren und Plots im Münsteraner „Tatort“ wird von Ihnen getragen?Sicher. „Tatort“ ist nun mal einfach … Unterhaltung. Der US-Krimi „Columbo“ war ein Riesenerfolg. Da könnte man in Sachen Ermittlungsmethoden und Sozialkritik auch viele Fragen stellen. Diese vermeintliche sozialkritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart würde ich beim „Tatort“ dann doch eher in Anführungsstrichen sehen. Ist die Kleinstadt Münster eigentlich ein guter Ort für einen Krimi, besser als Köln, Hamburg oder München?Kein schlechterer zumindest. Schauen Sie sich die tollen skandinavischen Krimis an. Kommissar Beck, diese ganzen Sozialstudien, die spielen meistens in der Provinz.Auch in Hamburg wird versucht, mit dem verdeckten Ermittler Mehmet Kurtulus die seit 40 Jahren eingefahrenen Grenzen des ARD-Krimis neu abzustecken, ähnlich wie in Münster. Ich habe den neuen NDR-„Tatort“ leider nicht sehen können. Das werde ich aber garantiert nachholen. Viele Kollegen waren sehr angetan.Das sollten Sie tun. Kurtulus alias Cenk Batu ist ähnlich wortkarg wie Ihr muffiger Kommissar. Wie viel Axel Prahl steckt eigentlich im Griesgram Frank Thiel? Man hat direkt Angst vor Interviews mit Ihnen.Eine meiner Lieblingsserien war „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred, Heinz Schubert. Solche Figuren sehe ich selten in der deutschen Fernsehlandschaft: der griesgrämige Muffel, der sein Herz auf dem rechten Flecken trägt. Und der Thiel ist beim Publikum durchaus wohlgelitten. Ich wollte den einfach nicht immer freundlich grinsend oder jugendlich-tough schimanskihaft spielen.Das breite Publikum scheint aber schon Schwierigkeiten mit Ihnen zu haben. Wieso?Wenn der Bundespräsident aus der Reihe der TV-Kommissare gewählt würde, könnten sich laut Umfrage nur zwei Prozent der Zuschauer Axel Prahl als Bundespräsidenten vorstellen. Vorne liegt Maria Furtwängler, vor Peter Sodann.Ich würde sagen, laut dieser Statistik habe ich doch wohl anscheinend was richtig gemacht. Sind Sie nicht neidisch auf Ihren Ex-„Tatort“-Kollegen Peter Sodann?Diese Debatte um Sodann, der Bundespräsident werden will, finde ich äußerst fragwürdig. Dass jemand, der niemals Politik studiert hat, seinen Namen für diese Kandidatur hergibt – das kann ja wohl nur ein Witz sein. Es markiert eher den Stellenwert, wo Politik heute gelandet ist: in einer reinen Medienveranstaltung.Haben Sie das Herrn Sodann gesagt?Wir sind uns diesbezüglich leider noch nie begegnet. Okay, man kann Verantwortung übernehmen, auch politische Verantwortung. Aber das sollte man doch in einem angemessenen Rahmen tun, meinetwegen als Ortsteilbürgermeister von Dresden, aber nicht als Amtsträger für die Bundesrepublik. Sie hätten sowieso keine Zeit für eine Kandidatur, drehen einen Film nach dem anderen. Wie lange wollen Sie den Kommissar Thiel im Team mit dem nervigen Professor Boerne überhaupt noch spielen?Puuh, das ist von so vielen Faktoren abhängig. Mal sehen, was den Autoren noch so alles einfällt.Und ohne Boerne, ohne Jan Josef Liefers?Gar nicht mehr.Das Gespräch führte Markus Ehrenberg.(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.11.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5585081133145833672?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5585081133145833672/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5585081133145833672' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5585081133145833672'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5585081133145833672'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/11/das-kann-ja-wohl-nur-ein-witz-sein.html' title='Das kann ja wohl nur ein Witz sein“ (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-6833742515580672464</id><published>2008-10-14T02:43:00.000-07:00</published><updated>2008-10-14T02:45:30.351-07:00</updated><title type='text'>Müllbananen gegen das Kapital (FAZ)</title><content type='html'>"Freeganer“ in Amerika&lt;br /&gt;Müllbananen gegen das Kapital&lt;br /&gt;Von Katja Gelinsky, Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;10. September 2006&lt;br /&gt;Adam Weissman ernährt sich aus der Mülltonne. Nicht etwa, weil Not ihn dazu zwingt. Nein, für den jungen Mann ist nur diese ressourcenschonende Art der Nahrungsmittelbeschaffung ethisch vertretbar. „Städtische Futtersuche“ nennen der 28 Jahre alte Amerikaner und seine Gesinnungsgenossen diese Praxis. Im Volksmund nennt man das seltsame obby auch „dumpster diving“ - „Müllcontainertauchen“. Niemand weiß genau, wie viele konsumkritische Futtersucher und Müllcontainertaucher in New York und anderen Metropolen auf Hinterhöfen von Lebensmittelgeschäften und Restaurants nach Eßbarem stöbern. Aber sicher ist, daß es mehr werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einschlägige Internetseiten wie „dumpsterworld.com“ und „dumpsterdiving.net“ verzeichnen einige tausend Einträge. „Wir haben den Eindruck, daß es mehr und mehr Fälle gibt“, heißt es bei amerikanischen Lebensmittelketten mit ökologischem Anspruch wie „Whole Foods Market“, die ein beliebtes Ziel von Abfallstöberern ist. Reges Interesse gibt es auch an den „Trash Tours“ (Mülltouren), die Adam Weissman und andere Aktivisten der radikallinken New Yorker Initiative „Freegan.info“ einmal in der Woche anbieten. Meist kämen 20 bis 25 Teilnehmer, sagt Weissman.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freeganismus, Guerilla Gardening und Squatting&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Lehrstunde zur Wegwerfgesellschaft wird zum Beispiel auf Statistiken der amerikanischen Regierung verwiesen, nach denen in den Vereinigten Staaten jedes Jahr ein Viertel aller zubereiteten Mahlzeiten im Abfall landen - mehr als vier Millionen Tonnen. Am Beispiel einer Banane, die Freeganer aus dem Müll eines Lebensmittelgeschäfts klauben, fächern sie dann ihre Kritik am globalen Wirtschaftssystem auf: Umweltzerstörung, Ausbeutung von Arbeitskraft, Armut, Krieg. Dagegen hilft nach Überzeugung der Freeganer nur ein möglichst umfassender Boykott der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wortschöpfung Freeganismus verbindet den Anspruch, frei zu sein (“free“) und die Ausbeutung von Tieren zu vermeiden (“vegan“). Das Müllcontainertauchen ist für überzeugte Freeganer nur eine von vielen Methoden, ihre Idee von Umweltschutz und sozialer Verantwortung zu verwirklichen. Die Palette reicht von Reparaturlehrgängen und unbezahlten Diensten für sozial Schwache bis zu illegalen Praktiken wie „Guerilla Gardening“ - der Verwandlung urbaner Ödflächen in Gärten - und „Squatting“ - der Besetzung leerstehender Häuser, um sie für soziale Zwecke nutzbar zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der Gemüsetheke in die Tasche des Abfallstöberers&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Adam Weissman bezeichnet sich denn auch als „revolutionären Antikapitalisten“. Aber längst nicht alle Müllcontainertaucher teilten seine politischen Überzeugungen. Im übrigen lebt Weissman, der sein Geld mit Gelegenheitsjobs bei Bürgerrechts- und Umweltschutzorganisationen verdient, bürgerlicher, als man vermuten könnte. Er wohnt bei seinem Vater und seinen Großeltern in Teaneck in einem Vorort Gutverdienender unweit von Manhattan. Der Vater ist Kinderarzt, und jede Generation bewohnt ihre eigene Etage.&lt;br /&gt;Weissman dürfte zu den Pionieren der „Dumpster Diver“ gehören. Seit fast zwölf Jahren ernährt er sich aus Abfalltüten und Abfallcontainern. Ekel empfindet er dabei nicht. Viele Nahrungsmittel seien noch in Ordnung und landeten nur deshalb auf dem Abfall, um Platz für neue, frische Ware zu schaffen. Außerdem seien die „Dumpster Diver“ schnell zur Stelle. Es sei nur eine Sache von Stunden, bis eine Zucchini von der Gemüsetheke im Geschäft in die Tasche eines Abfallstöberers wandere. Gestank und Ungeziefer machen den Müllcontainertauchern angeblich nicht zu schaffen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur eine einzige Ratte in all den Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oft rieche es sogar richtig gut, „nach Früchten, Gemüse und Blumen“. Und Ratten? Eine einzige habe er in all den Jahren vorbeihuschen sehen, sagt Adam Weissman. Michael Greger, ein amerikanischer Mediziner und Ernährungsfachmann, der sich auf populärwissenschaftliche Bücher und Vorträge spezialisiert hat, sieht auch keine gesundheitlichen Gefahren, solange Mülltaucher nicht zu Risikogruppen für Lebensmittelvergiftungen gehörten und einige Vorsichtsmaßnahmen beachteten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel sollten sie darauf verzichten, Fleisch, Fisch und Eier aus der Mülltonne zuzubereiten. Andere Fachleute dagegen sagen, alles Eßbare, das im Abfall gelandet sei, solle zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken auch dort bleiben. Sprecher von Supermarktketten wie „Whole Foods Market“ weisen außerdem darauf hin, daß Nahrungsmittel, die für den menschlichen Verzehr noch geeignet erschienen, nicht weggeworfen, sondern an Suppenküchen und Obdachlosenunterkünfte geliefert würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abwehrmaßnahmen der amerikanischen Supermärkte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies genügt manchen Mülltauchern aber nicht. In Washington, zum Beispiel, durchforsten Mitglieder der radikallinken Bewegung „Food not Bombs“ (“Essen statt Bomben“) Müllcontainer nach Gemüse und Obst, um daraus vegetarische Mahlzeiten für Bedürftige zuzubereiten.&lt;br /&gt;Manche amerikanischen Supermärkte haben mittlerweile Abwehrmaßnahmen gegen Mülltaucher getroffen, nicht zuletzt da sie Gerichtsprozesse befürchten, falls doch einmal jemand krank wird. So wurden Zäune gezogen oder offene Container durch geschlossene ersetzt. Ferner haben einige Gemeinden Verbote erlassen. Aber Ärger mit der Polizei hat Adam Weissman noch nie gehabt. Die New Yorker Polizei habe Wichtigeres zu tun, als sich um Mülltaucher zu kümmern.&lt;br /&gt;Text: F.A.Z.Bildmaterial: REUTERS&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-6833742515580672464?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/6833742515580672464/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=6833742515580672464' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6833742515580672464'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6833742515580672464'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/10/mllbananen-gegen-das-kapital-faz.html' title='Müllbananen gegen das Kapital (FAZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-3445577765136282997</id><published>2008-10-14T02:40:00.000-07:00</published><updated>2008-10-14T02:41:48.122-07:00</updated><title type='text'>In den Mülleimern des Kapitalismus (FAZ)</title><content type='html'>Containerer&lt;br /&gt;In den Mülleimern des Kapitalismus&lt;br /&gt;Von Jochen Stahnke&lt;br /&gt;&lt;a class="normalLinks" onclick="javascript:fnPopUp('/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html', 600, 450, 'status=no,scrollbars=yes,resizable=yes,screenX=0,screenY=0');; 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Oktober 2008 Ausgerechnet Butter zieht Hauke aus dem Müllcontainer des Famila-Supermarktes. „Das ist doch hochsymbolisch in Zeiten der Finanzkrise!“ Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht überschritten, die Verpackung einwandfrei. Trotzdem liegt sie im Abfall. „Wahrscheinlich haben sie keinen Platz mehr gehabt, die einzusortieren“, vermutet der 24 Jahre alte Aktivist. Ein bis zweimal die Woche wühlt Hauke im Müll. Nicht, weil er muss, sondern aus Überzeugung. Zehn Pakete Kräuterbutter liegen schon mal in seinem Korb.&lt;br /&gt;Hauke stammt aus einer Bauernfamilie. Für ihn stehen Lebensmittel noch in unmittelbarem Bezug zum Produzieren und Ernten. Ein bis zwei Mal in der Woche zieht er mit seinen Mitstreitern los, um zu „containern“, wie sie es nennen. Das Ziel: sich vollständig aus dem Müll von Supermärkten, Warenhäusern oder Baumärkten zu versorgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauke möchte alternativ leben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bad Oldesloe ist kein sozialer Brennpunkt, hier herrscht kein Großstadtelend. „Die Metropolenkiddies“, sagt Hauke, mit denen möchte er sich nicht identifizieren. Um wohlfeilen Protest geht es ihm nicht. Er möchte alternativ leben, er möchte sich aus dem Kapitalismus ausklinken, so weit es geht. Geld benötigt er kaum. 100 bis 150 Euro verdiene er im Monat durch Referententätigkeit auf linken Veranstaltungen. „Das reicht dicke.“ Hartz IV bekommt er nicht. „Das wäre auch viel zu anstrengend, es zu beantragen.“ Ein Jahr lang hat er mal bei Greenpeace gearbeitet.&lt;br /&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#323DEBFC1E844B949F9C9D9B9CC0763F"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#008C8D5871874D72BD8D0113AA2D7011"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#BFCF88917E69428093BB91A12DDB91A5"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#5CE25FB58768447C8EB3D8A528CCA128"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#AB227EF5561649AE8373D8AAE96003AE"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a class="BilderGalerie" href="http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E05C15900A8A74840A5C6DEB23CCB891F~ATpl~Ecommon~SMed.html#08C2BD5453F74D8882B1BCC70B46E3F8"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bad Oldesloe ist eine Schlafstadt für Menschen, die im 50 Kilometer entfernten Hamburg arbeiten. FDP und Grüne haben hier 15 Prozent, die Linke ist nicht vertreten. Ideal, um in Ruhe gelassen zu werden. Aus dem Ruhrpott, aus Berlin, aus Hannover sind sie nach Bad Oldesloe gezogen. Kennengelernt haben sich die Mitglieder der Wohngemeinschaft bei gemeinsamen Aktionen wie etwa dem Protest gegen den G8-Gipfel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Thema&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E47FFEAEB539B4829B1F7698E370FD25B~ATpl~Ecommon~Scontent.html"&gt;„Freeganer“ in Amerika: Müllbananen gegen das Kapital&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bad Oldesloe zieht die Gardinen zu&lt;br /&gt;Sie gehen systematisch vor. Heute ist der äußere Ring von Bad Oldesloe dran. Das Industriegebiet und die drei großen Supermärkte Lidl, Aldi und Famila. So zwischen acht und 26 Menschen leben in der Kommune, sagt Hauke. Meist gehen sie in einer größeren Gruppe los. Heute bleiben schlussendlich zwei dabei. Die Presse ist bei den meisten unerwünscht.&lt;br /&gt;Eine Höhlenlampe um die Schirmmütze, Handschuhe mit der Aufschrift der örtlichen Sparkasse, Lebensmittelkörbe und ein Fahrrad mit großem Anhänger - Hauke ist ausgerüstet. Um kurz nach zehn Uhr geht es los. Die Kunden sind längst gegangen und die Angestellten im Feierabend. Bad Oldesloe zieht die Gardinen zu und schaut fern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach zehn Minuten ist der erste Korb voll&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die erste Station ist der Lidl-Supermarkt in einer gottverlassenen Gegend in der Nähe einer Schnellstraße. Vier große Container und drei kleine Mülltonnen stehen am Ende der Verladerampe. Ein Bewegungsmelder springt an. Neonlicht erhellt den tristen Hinterhof. Geübt wiegt Hauke diverse Paprika, Avocados und eine Melone in der Hand hin und her. Eine Mitstreiterin hält ihre Taschenlampe in den Container. Einiges wird zurückgeworfen, vieles wandert in den Plastikkorb im Fahrradanhänger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach kaum zehn Minuten ist der erste Korb voll. Das Gemüse im Korb sieht aus wie gerade eingekauft. „Es ist doch so“, erklärt Hauke, „nur weil auf irgendwelchen Plantagen Arbeiter ausgebeutet werden, lohnt es sich, das hier wegzuschmeißen.“ Manchmal, sagt Hauke, gehen sie auch in Supermärkte und zeigen alten Frauen, die mutmaßlich schon zu Kriegszeiten gelebt haben, Kohlköpfe, die sie im Abfall gefunden haben. „Da geht manch eine Frau zum Marktleiter und macht den dann zur Sau.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch Kaviar lässt sich finden&lt;br /&gt;Den Unterschied zwischen Warenwert und Nutzwert erklärt Hauke anhand einer Flasche Malzbier. So, wie sie dort mit abgerissener Hülle liegt, habe sie keinen Warenwert mehr. Der Nutzwert allerdings sei der gleiche. Trotzdem werde das Malzbier aus dem Wirtschaftskreislauf genommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je edler der Lebensmittelhändler, desto schmackhafter der Abfall. Bei Famila lässt sich ab und an Kaviar finden - im vergangenen Jahr allein sechs Paletten zu je 10 Gläsern. Das Mindesthaltbarkeitsdatum lief bald ab. „Aber bei eingelegter Ware ist das doch lächerlich!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Entwenden von Abfall ist Diebstahl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute riecht der Container, in dem der Schatz gefunden wurde, nach gammeligem Fleisch. Es stinkt bestialisch. Zu sehen sind Kleider und eine ausgebeulte Sporttasche. „Hier mal ein Baby zu finden, das ist mein größter Albtraum“, murmelt Hauke. Wie er es sagt, hält er kurz inne, zieht die Tasche dann aber routiniert aus dem Müllcontainer. Gebügelte T-Shirts und Pullover kommen zum Vorschein. Und Briefe, darunter ein Strafbescheid wegen Fahrerflucht.&lt;br /&gt;Plötzlich ein Mann mit Hund, möglicherweise Wachpersonal. Jetzt heißt es ruhig bleiben und nicht den Eindruck erwecken, man sei ein Einbrecher. Denn auch das Entwenden von Abfall ist Diebstahl. In Köln wurde dafür 2004 eine Aktivisitin angeklagt und gegen Ableistung von Sozialstunden freigesprochen. Doch der Mann ist allein und will wohl nicht eingreifen. Er tut, als sei er nicht da und schleicht leise von dannen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige treibt die Not zum Containern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa 3000 Menschen containern in Deutschland, vermutet Hauke, der gut vernetzt ist in der Szene. Einige treibt auch die Not zum Containern. Selbst in einer Stadt wie Bad Oldesloe. Ein alter Mann containert zwei Mal die Woche für sich und seinen Hund, nachts, damit niemand den Hartz-IV-Empfänger auf seinem Mofa sieht. Es ist ihm peinlich. Mit Hauke und seinen Kumpels möchte er nichts zu tun haben. Und mit den Tafeln, die Bedürftige versorgen, auch nicht.&lt;br /&gt;„Wir unterstützen das absolut nicht“, sagt Anke Assig vom Bundesverband der Tafeln in Deutschland. „Containern ist hochgradig gesundheitsschädlich.“ Niemand müsse in Deutschland hungern. Mittlerweile gibt es fast 800 Tafeln, die gegen einen symbolischen Obolus Nahrung an Bedürftige verteilen. Vor drei Jahren hat der Verband eine Schätzung durchführen lassen. So haben die deutschen Supermärkte etwa 100.000 Tonnen Lebensmittel gespendet. Bloß Aldi Nord, sagt Assig, beteilige sich daran nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemüse im Müll&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Bei Aldi gibt es Gemüse im Müll“, sagt Hauke, „das ist genau so gut wie im Laden selbst.“ Lebensmittel habe er seit einem Jahr nicht mehr eingekauft. Jede bloß rudimentär eingedellte Paprika, jede kaum eingerissene Käsepackung im Mülleimer - für Hauke ein Fanal wider Verschwendung und Kapitalismus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute liegt auch ein Produzent für Krankenhausbedarf auf dem Weg. Eine Mitstreiterin öffnet einen großen Container, fast fällt eine Matratze hinaus. Niemand hat dafür Bedarf, Hauke schläft bereits auf zwei Matratzen übereinander. Sie finden noch ein Sauerstoffzelt und nehmen es mit. Die Ausbeute ist heute durchschnittlich: Obst und Gemüse für alle, Kräuterbutter für den Rest des Jahres, 30 Törtchen, zehn haltbare Schachteln mit Grillkartoffeln. Nur keine Schokolade. Kurz nach Weihnachten wird es wieder soweit sein. Wenn zum 1. Januar wieder tonnenweise Weihnachtsmänner aus den Regalen genommen werden, dann hat das System keinen Schaden genommen.&lt;br /&gt;Text: F.A.Z.Bildmaterial: Jesco Denzel&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-3445577765136282997?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/3445577765136282997/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=3445577765136282997' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3445577765136282997'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3445577765136282997'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/10/in-den-mlleimern-des-kapitalismus-faz.html' title='In den Mülleimern des Kapitalismus (FAZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-7984219492074052881</id><published>2008-10-14T02:36:00.000-07:00</published><updated>2008-10-14T02:39:26.906-07:00</updated><title type='text'>Ein Gesang aus der Hölle (Frankfurter Rundschau)</title><content type='html'>"Terror und Traum"&lt;br /&gt;Ein Gesang aus der Hölle&lt;br /&gt;VON ARNO WIDMANN&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr als achthundert engbedruckte Seiten hat Karl Schlögels Buch "Terror und Traum". Es ist ein Gang durchs Moskau des Jahres 1937 in dreiunddreißig, also kleinen Kapiteln. Das gibt dem Buch, dessen erklärtes Ziel es ist, sich jeder eindimensionalen Erklärung durch die Ausbreitung der unterschiedlichsten Moskauer Aktualitäten des Jahres 1937 entgegenzustellen, eine verblüffende Transparenz. Der Umfang muss Niemanden schrecken. Das Buch türmt sich nicht mit einer gewaltigen Erzählung vor dem Leser auf, sondern es besteht aus dreiunddreißig Novellen. Vielleicht auch Gesänge. Vielleicht hat Schlögel - der Verdacht drängt sich bei soviel kompositorischer Reflexion auf - an Dantes "Commedia" gedacht, deren drei Bücher - Hölle, Fegefeuer, Paradies - auch aus jeweils dreiunddreißig Gesängen bestehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlögels Moskau von 1937 wäre ein Gesang aus der und über die Hölle. Aber eine Hölle, das macht Schlögel klar, in der das ganz normale Leben weitergeht. Freilich so verflochten mit dem sich entfaltenden Terror des Regimes, dass dieser selbst in die intimsten Wünsche eindringt und sie sich zu eigen macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl Schlögel ist ein Meister des Grundakkords. Hier ist es der im Titel genannte Zusammenklang von Terror und Traum, von Utopie und Gewalt, von Menschheitsbeglückung durch Menschenvernichtung. Das ist der basso continuo der achthundert Seiten. Nicht zu schaffen wäre das für ältere, empfindlicher gewordene Nerven, also auch nicht für die des Autors. Also interessiert er sich für die gegenläufigen Motive ebenso sehr. Er versucht uns klarzumachen, dass auch in einer Welt, in der jeder damit rechnen musste, dass morgens die Herren in den Gummimänteln an seine Tür klopften und er in den Gulag verschleppt oder erschossen wurde, die Menschen davon träumten, zu begehren und begehrt zu werden, dass Liebesgedichte auch mitten im Terror Menschen zu Tränen rühren können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Puschkin-Jubiläum vom 10. Februar 1937 installiert - nicht einmal einen Monat nach dem zweiten Moskauer Schauprozess - ein sozialistisch-sowjetisches Innenleben, das nur schwer zu unterscheiden ist von der traditionellen Puschkinbegeisterung. Das und nicht die auch auszumachenden Differenzen sind die eigentliche Pointe dieser Montage der stalinistischen Ingenieure der Seele. Der Terror, der an einem verübt wird und den man selber verübt, wird leichter erträglich, wenn man sein Innerstes mit einer Samthaut versieht, die einem ein schönes Gefühl gibt. Auch das ist eine Aufgabe der Literatur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlögels Buch ist das Buch eines Historikers. Er hat die Quellen genau studiert. Es ist aber auch das Buch eines Erzählers, eines Mannes also, der die Quellen hat auf sich wirken lassen, damit sie auf uns wirken. Nach der Lektüre von "Terror und Traum" wissen wir deutlich mehr über den Stalinismus als vor der Lektüre. Wir sind klüger geworden. Vor allem aber sind wir empfindlicher geworden. Wir spüren in manchen Passagen wie die stalinistischen Texte durch Schlögels Reflexionen hindurchschlagen. Wir bekommen eine Ahnung von der Faszination, die der Wille, die Welt, die ganze Welt und den ganzen Menschen zu ändern, für Schlögel, aber auch für viele von uns - seinen Lesern - hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Schlögel vom "integralen Zugriff" der stalinistischen Planung auf das neu zu schaffende Moskau spricht, dann hat der Leser noch im Ohr, wie wichtig es ihm in seinen Vorbemerkungen war, dass die Vielfalt des ganzen Geschehens des Jahres 1937 verstanden wird. Der Erzähler ist dem alles überblickenden Gott ebenso nahe wie dem zentralistischen Planer, bei dem alle Daten einer Gesellschaft zusammenlaufen. Das weiß Schlögel. Darum hat er die eine große Erzählung, in die er immer wieder gerät, zerpfählt in die dreiunddreißig Novellen aus dem Moskau der Pest der Verleumdung und des Terrors. Er verzichtet so auf den Traum des einen alles umfassenden Blickes zugunsten einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes einzelne seiner Kapitel aber spielt mit dem Grundmotiv von Terror und Traum. Die Nichtveröffentlichung der Daten der Volkszählung vom 6. Januar 1937 gehört ebenso zu diesem Jahr wie die Tatsache, dass dem Moskauer Adressbuch von 1936 kein neues folgte. Man liest das und beginnt eine Ahnung davon zu bekommen, welche Kraft Gorbatschows Begriff "Glasnost" entfalten musste in einer Welt, in der alle Daten über die soziale Realität Geheimwissen waren. Eine solche Gesellschaft ist nicht reparaturfähig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl Schlögel zitiert immer wieder sowjetische Zahlen, er berauscht sich und den Leser an den ungeheuren Umwälzungen jener Jahre. Leider gibt es kein Kapitel, in dem erklärt würde, wie wir diese Zahlen zu verstehen, zu lesen haben. Sie waren schließlich von Anfang an vor allem Propaganda.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlögel macht klar, wie viel Vernichtung der so frenetisch gefeierte Neu-Aufbau voraussetzte. Das alte Moskau wurde systematisch zerstört. Mit ihm die alten Moskauer, die alten Eliten und die alten Bürger. "Terror und Traum" erzählt nicht nur, wie das schön Gedachte umschlägt in blutige Vernichtung oder der befreiende Impuls im Prozess seiner Realisierung bürokratisch verwaltet und damit zu Tode gebracht wird, sondern auch, wie mitten im Terror das Schöne, der Traum davon sich immer wieder Platz schafft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl Schlögel ist auch darin ein Erzähler, dass er ein melancholischer, die Hoffnung aber niemals aufgebender Mitmensch ist, einer, der an die Menschheitsbeglückung nicht mehr zu glauben vermag, der aber gleichzeitig nicht davon ablassen kann, von ihr zu träumen. Das gibt seinen Texten etwas von dem Pathos seiner Gegenstände und der Art, wie sie im vergangenen Jahrhundert betrachtet wurden. Es ist eine in die Jahre gekommene, für mich freilich unwiderstehliche Schönheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karl Schlögel: Terror und Traum - Moskau 1937. Hanser Verlag, München 2008, 812 Seiten, Abb., Karten, 29,90 Euro&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-7984219492074052881?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/7984219492074052881/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=7984219492074052881' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7984219492074052881'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7984219492074052881'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/10/ein-gesang-aus-der-hlle-frankfurter.html' title='Ein Gesang aus der Hölle (Frankfurter Rundschau)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-430964232829599574</id><published>2008-10-14T02:33:00.000-07:00</published><updated>2008-10-14T02:35:09.884-07:00</updated><title type='text'>Techtelmechtel (Frankfurter Rundschau)</title><content type='html'>"Schmidt liest Proust"&lt;br /&gt;Techtelmechtel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was als Blog vor zwei Jahren zu wuchern begann, ist ein vergleichsweise übersichtliches 600-Seiten-Buch geworden: "Schmidt liest Proust" dürfte die abgefahrenste Publikation dieses Herbstes sein. Und die Verleger von Voland &amp;amp; Quist sollten dafür einen Orden bekommen.Wer Proust schon kennt, wird beschenkt, und die anderen - hoffentlich - verführt, ihn kennenzulernen. Mit einer Mischung aus niedrigstapelnder Nonchalance und Lesebühnen-Schnodderigkeit traktiert Jochen Schmidt, Mitbegründer der legendären "Chaussee der Enthusiasten", den französischen Supermythos. Das tut er schlicht und ergreifend, indem er "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" durchliest (in der DDR-Lizensausgabe seiner Eltern). Bildungshuberei geht ihm völlig ab; bei Schmidt wird die Kokotte Odette zum "Techtelmechtelprofi", und Tante Léonie ist ihm schlicht eine "Hypochonderin".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das tägliche Pensum von 20 Seiten bewältigt Schmidt mit zunehmender Begeisterung. Am Ende ist er richtig stolz auf seine "Lebensleistung". Ja: "Man könnte sagen, dass man nicht sterben sollte, ohne Proust gelesen zu haben. Aber in Wirklichkeit ist man dann noch gar nicht geboren." Von gelegentlichen Disziplindellen abgesehen, über die wir pingelig informiert werden, zieht Schmidt sein Experiment durch - egal, ob er auf seinem Ostberliner Balkon den Pennern lauscht oder auf der Krim Russischkurse belegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine scheinnaive Intelligenz ist schlicht hinreißend, als Prousts größtes Talent erkennt er die Komik. Im Juli 2006 hat der Verfasser von "Triumphgemüse" begonnen, "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zu lesen, im Januar 2007 macht Schmidt seinen letzten Eintrag.&lt;br /&gt;Das letzte Wort lässt er Proust: "Wie viele gewaltige Kathedralen bleiben unvollendet!" I.H.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Buch&lt;br /&gt;Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust. Mit CD. Verlag Voland &amp;amp; Quist, Dresden 2008, 608 S., 19,90 Euro.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-430964232829599574?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/430964232829599574/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=430964232829599574' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/430964232829599574'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/430964232829599574'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/10/techtelmechtel-frankfurter-rundschau.html' title='Techtelmechtel (Frankfurter Rundschau)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4253707952978871731</id><published>2008-09-17T10:27:00.001-07:00</published><updated>2008-09-17T10:31:07.642-07:00</updated><title type='text'></title><content type='html'>&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Premier-League-Fan-Proteste-Liverpool;art133,2615775"&gt;http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Premier-League-Fan-Proteste-Liverpool;art133,2615775&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4253707952978871731?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4253707952978871731/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4253707952978871731' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4253707952978871731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4253707952978871731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/09/httpwww.html' title=''/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-973401061004014547</id><published>2008-09-17T10:27:00.000-07:00</published><updated>2008-09-17T10:28:10.175-07:00</updated><title type='text'>weißes rauschen</title><content type='html'>&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Webradio-Internet;art15532,2616098"&gt;http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Webradio-Internet;art15532,2616098&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-973401061004014547?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/973401061004014547/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=973401061004014547' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/973401061004014547'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/973401061004014547'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/09/weies-rauschen.html' title='weißes rauschen'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8347038227788092825</id><published>2008-09-13T01:12:00.000-07:00</published><updated>2008-09-13T01:13:53.345-07:00</updated><title type='text'>Unter Krautern (FR)</title><content type='html'>Unter Krautern&lt;br /&gt;In der Berliner CDU fiel die Mauer nie&lt;br /&gt;VON BERNHARD HONNIGFORT&lt;br /&gt;Berlin. Der dunkle Anzug: tadellos. Das blütenweiße Hemd: kein Fältchen. Die orangefarbene Krawatte: perfekt. Da stand er nun im Flur vor dem Zimmer 311 des Berliner Abgeordnetenhauses, äußerlich eine makellose Erscheinung. Nur das düstere Gesicht sprach die Wahrheit: Es tut so weh. Ich bin ein Wrack, politisch am Ende. "Ich liebe diese Stadt", jammerte der Mann. "Meine Kinder werden hier groß. Ich möchte für sie arbeiten. Das ist meine Lebensaufgabe." Kämpferisch wollte er klingen. Es war Mitleid erregend.Friedbert Pflügers kurze Karriere in der Berliner CDU neigt sich dem Ende zu. Die mächtigen Kreisvorsitzenden wollen ihn nicht, in der Fraktion hagelte es Abwahlanträge gegen den Chef. Am heutigen Donnerstag um elf Uhr wollen sie den Schlussstrich ziehen. Berlins CDU demontiert ihren einzigen vorzeigbaren Politiker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Zerstörungswerk ist schnell beschrieben: Der Fraktionsvorsitzende Pflüger wollte vor einer Woche auch den Landesvorsitz von Parteichef Ingo Schmitt, nachdem ihm Putschgerüchte zu Ohren gekommen waren. Etwas ungeschickt forderte er den Posten. Aber er hatte sich überschätzt und mit den Falschen angelegt. Als hätte er in ein Wespennest gepikst, fiel die CDU über ihren Ex-Hoffnungsträger her. In null Komma nichts machten sie ihn fertig.Die Berliner CDU ist sehr speziell, Pflüger hat das jetzt erfahren. Als er vor knapp drei Jahren kam, sollte er der Retter sein. Er war dritte oder vierte Wahl, denn niemand traute sich, als Spitzenkandidat der CDU in eine Wahl gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu ziehen. Nicht so sehr wegen Wowereit, sondern wegen der CDU. Reihenweise hatten Spitzenleute abgesagt wie Friedrich Merz oder Klaus Töpfer. Nicht einmal in Schutzanzügen wollten sie der CDU nahe kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pflüger scheiterte grandios&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlins CDU ist der verstaubteste Landesverband im Reiche Angela Merkels. Dort ist die Mauer nie gefallen: Die allermeisten der 12 000 Mitglieder sitzen in WestBerlin, die tonangebenden Figuren stammen aus dem Westen. Dort liegt die Partei bei 25 Prozent in Umfragen, im Osten bei 13. Sie ist eine 80er-Jahre-Partei geblieben, ein Klüngelverein, der sich so anfühlt, als würde der gemütliche Eberhard Diepgen noch regieren, der Rias senden und Harald Juhnke auf dem Ku'damm singen. Eine schlichte Kleinbürgerpartei mit Bulettengeruch, miefig und krautig, eingemauert wie das alte West-Berlin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So regierte sie noch bis 2001. Dann fegte der Beinahe-Untergang der Landesbank Diepgen und die CDU davon. Mit ihm Jörg Schönbohm, den knarzigen Innenminister, der gerne die Kreuzberger Multikultiszene aufbrachte. Und Volker Hassemer, den angesehenen Kultursenator. Außerdem Fraktionschef Klaus Landowsky, den alten Strippenzieher.Nach den Westberlinern kam der Sozialdemokrat Klaus Wowereit, der erste Gesamtberliner. Er passte zur Stadt, die sich plötzlich Metropole nannte: frech, leichtlebig, nachtaktiv, ruppig, hemdsärmelig. Er regierte rot-rot und sparte wie ein Schwarzer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2006 packte Pflüger in Hannover die Koffer. Er gab seinen Posten als Staatssekretär im Verteidigungsministerium auf, gab sein Bundestagsmandat zurück, ließ sich ganz auf Berlin ein. Er wollte die alte CDU auffrischen, öffnen für Junge, Ostberliner, Migranten. Er redete über Klimaschutz und schwarz-gelb-grüne Bündnisse. Er wollte die CDU aus ihrem Kiez befreien und fit machen gegen den Partymeister Wowereit.Er scheiterte grandios. An den Berlinern, die ihn weder mochten noch 2006 wählten. An seiner gestelzten Art. Vor allem aber an seinen Parteifreunden, die ihn und das Erneuerungswerk lieber opfern, als ihm das Pöstchen des Parteivorsitzenden zu geben. Könnte ja jeder kommen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8347038227788092825?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8347038227788092825/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8347038227788092825' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8347038227788092825'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8347038227788092825'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/09/unter-krautern-fr.html' title='Unter Krautern (FR)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4437102554056990772</id><published>2008-08-09T01:19:00.000-07:00</published><updated>2008-08-09T01:22:11.151-07:00</updated><title type='text'>Allein gegen alle (fr)</title><content type='html'>Radeln in New York&lt;br /&gt;Allein gegen alle&lt;br /&gt;Radfahrer haben heute Vorfahrt in New York, wichtige Straßen sind für Autos gesperrt. Unser Autor Sebastian Moll fährt jeden Tag mit dem Rad, ihm gefällt der Überlebenskampf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sind zwei Wörter, die in New York zum Radfahren unbedingt dazugehören. Der kurze Fluch: "Fuck you." Erst vor ein paar Tagen habe ich das wieder gemerkt, als einer dieser idiotischen Taxifahrer im Zentimeterabstand an mir vorbeirauschte, nur, um mich an der nächsten Kreuzung beim Abbiegen zu schneiden und vor die unsägliche Entscheidung zu stellen: entweder scharf zu bremsen oder auszuweichen und damit eine Kollision mit einem parkenden Auto zu riskieren. Ich fluchte laut: "Fuck you." Wie ein Echo antwortete der Taxifahrer: "Fuck you." Und dann raste er mit quietschenden Reifen davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewöhnlich bin ich kein besonders zorniger Mensch, aber als Radfahrer in New York ist dieses "Fuck you" meist das Einzige, was einem bleibt. Es ist der verzweifelte Aufschrei des schonungslos Ausgelieferten, gerichtet oft an niemanden Bestimmtes, sondern an die ebenso anonyme wie gleichgültige Übermacht der Autofahrer um einen herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist ein gnadenloser Überlebenskampf, in New York Rad zu fahren, und man gerät in Not, wenn man versucht zu erklären, warum man das nicht nur tut, sondern es auch noch aufregend findet. Warum man beispielsweise das Konzert von Autohupen und Trillerpfeifen (damit machen Hotelportiers, die auf Taxis warten, auf sich aufmerksam) genießt, als wäre es eine Mahler-Symphonie; warum man das Bouquet von schwarzem Rauch, Fleischgerichten aus exotischen Restaurantküchen und faulendem Müll einsaugt, als wäre es die reinste Atlantikluft; warum es sogar auf seine Art Spaß macht, wie ein Matrose vor sich hin zu schimpfen und beschimpft zu werden; warum es so ein unvergleichliches Triumphgefühl ist, allen Schlaglöchern und sich plötzlich öffnenden Autotüren zum Trotz 30 Blocks lang nicht ein einziges Mal den Fuß auf den Asphalt zu setzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht kann man die Faszination so erklären: Ich gehe vollkommen auf im Treiben dieser so chaotischen Stadt. Ohnehin ist Fahrradfahren für mich die einzige Art, eine Stadt wirklich zu begreifen. Ich habe noch nie eingesehen, warum man sich in einem Auto - von der Außenwelt abgeschirmt - in einer Metropole bewegen soll, oder, alternativ, unterirdisch eine Großstadt als Abfolge neonbeleuchteter Bahnsteige erleben soll, die sich nur durch die Namensbezeichnungen auf den Stationsschildern voneinander unterscheiden. Gleich, ob ich in München oder Frankfurt gelebt, Paris oder Berlin besucht habe, das Rad erschien mir immer als das beste Fortbewegungsmittel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insofern war es für mich auch klar, dass ich mir ein Rad besorgte, als ich vor sechs Jahren nach New York zog. Zumal der Stadtplan Manhattan als optimales Fahrradrevier ausweist. Die Fläche der Stadtviertel, in denen man sich in New York meistens bewegt, also zwischen Battery Park im Süden und der 110ten Straße im Norden, sowie von Flussufer zu Flussufer beträgt gerade mal 10 x 3 Kilometer, und auf dieser Fläche gibt es nicht eine einzige Erhebung, für die man eine Gangschaltung benötigte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus der Lenkerperspektive stellte sich die Sache zunächst anders dar. Schon die erste Testfahrt mit meinem stolz für 30 Dollar von einem Trödler auf der Lower East Side erstandenen Schrottrad sollte mich Demut lehren - Manhattan ist mitnichten für Radler konzipiert. Was hatte ich mir auch gedacht? Wie sollte die verstopfteste Großstadt der westlichen Hemisphäre auch ein Biotop für Pedaleure sein? Der erste Versuch, sich im New Yorker Verkehr zu behaupten, endete im frustrierten Lösen einer Monatskarte für die Subway.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch der Gedanke ans Radfahren ließ mich nicht los. Schließlich waren da auch die Fahrradkuriere, die sich scheinbar mühelos durch den Verkehr schlängelten und mit 40 Sachen über den Times Square pfiffen. Es konnte nur eine Frage der Technik sein und der "Attitude" - jener typischen New Yorker "Hoppla, jetzt komm ich"-Einstellung, die man als Zugezogener erst üben muss. Also versuchte ich es noch einmal. Und tatsächlich fiel irgendwann der Groschen. Mittlerweile beherrsche auch ich die Kunst, mit dem eigentlich träge die breiten Avenues herunterrollenden Verkehr mitzuschwimmen. Der Frust ist einem tiefen Glücksgefühl gewichen, das sich jedes Mal einstellt, wenn es mir gelingt, mich wie ein Surfer durch den Verkehr treiben zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist allerdings in den vergangenen Jahren auch deutlich einfacher geworden, in New York Rad zu fahren. Der Moloch ist dem Fahrradfahrer heute wesentlich freundlicher gesonnen, als er das noch vor fünf Jahren war. Man liegt heute als Radfahrer in New York im Trend, wird umgarnt nicht nur von der Fahrrad- und der Fahrradmode-Industrie, sondern sogar vom Bürgermeister selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Teil seines ehrgeizigen Plans, New York zur grünsten Stadt Amerikas zu machen, will Michael Bloomberg neue Radwege in den fünf Stadtteilen anlegen lassen. An wichtigen U-Bahn-Stationen wurden große Fahrradständer aufgestellt, im Zentralpark verleiht die Stadt Räder. Und nicht nur heute, sondern einmal pro Woche im August wird eine Route vom Südzipfel Manhattans bis an die 72. Straße komplett für den Autoverkehr gesperrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine erstaunliche Entwicklung: Noch vor zehn Jahren waren die "Critical Mass-Rides" - die monatlichen Fahrraddemonstrationen gegen den Autoverkehr in US-Städten - Veranstaltungen randalierender Anarchos, die mit Massenverhaftungen endeten. Heute fahren regelmäßig Politiker wie der Ex-Präsidentschaftskandidat Al Sharpton oder der Talking-Heads-Musiker David Byrne bei "Critical Mass" mit, die Fahrten sind zum gesellschaftlichen Event geworden. Und kein Promi versäumt es mehr, sich von Paparazzi beim Einkaufen auf dem Rad erwischen zu lassen - ob das nun Madonna oder Gisele Bündchen in Manhattan ist, die Clintons auf den Radwegen rund um ihren New Yorker Wohnvorort Chappaqua radeln oder Barack Obama an seinem wahlkampffreien Wochenende mit Familie am Lake Michigan in Chicago.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sehr sich das Radfahren in New York von der anarchischen Aktivität zum Trend entwickelt hat, lässt sich auch an der Mode der "Singlespeed"-Räder ablesen. Um das Selbstmörderische ihres Jobs zu unterstreichen, begannen New Yorker Radkuriere vor 20 Jahren, mit Fahrrädern ohne Gangschaltung und ohne Bremse durch die Stadt zu jagen. Ihre Dienstfahrten wurden zum Flirt mit dem Tod - man handelte sich entweder Bewunderung ein, wenn man mit Geschick und Glück wieder einen Tag überlebt hatte, oder landete auf der Intensivstation. Es war - ganz im Geist des Punk - eine Anklage gegen die menschenverachtende Umgebung unter vollem Einsatz der eigenen Gesundheit. An Wochenenden veranstaltete die Szene wilde Rennen im Straßenverkehr, nach denen bei viel Dosenbier neben dem Sieg auch spektakuläre Unfälle und die übelste Verletzung prämiert wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Rennen gibt es noch immer. Es gibt aber auch Singlespeed-Räder in den Boutiquen der schicken Viertel Williamsburg oder SoHo zu kaufen. Die Kunden sind bevorzugt Designer, Architekten und sonstige stilbewusste urbane Jungprofessionelle, die sich in denselben Geschäften gleich komplett im Radkurier-Look einkleiden. Die Kunstfertigkeit der Kuriere, sich mit den schwer beherrschbaren Rädern im New Yorker Verkehr zu behaupten, kann man dort allerdings nicht kaufen. Und so geben, wie die Shop-Besitzer berichten, nicht wenige Käufer die teuren Räder schon nach ein paar Tagen wieder zurück. Denn trotz Bloomberg-Plan ist New York noch lange nicht so Fahrrad-freundlich wie etwa Münster oder Kopenhagen. Es bleibt ein Abenteuer, den Broadway hinunter zu radeln, wenn es nicht gerade Samstag ist und Mayor Mike ihn für ein paar Stunden für Autofahrer gesperrt hat. Ein berauschendes Abenteuer allerdings. Diese Mischung aus Spiel und Kampf, aus Sport und Transport macht süchtig. Meine U-Bahn Karte liegt jedenfalls seit langem ungenutzt in der Schublade.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4437102554056990772?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4437102554056990772/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4437102554056990772' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4437102554056990772'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4437102554056990772'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/08/allein-gegen-alle-fr.html' title='Allein gegen alle (fr)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8676931925991135835</id><published>2008-07-29T02:38:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:40:07.660-07:00</updated><title type='text'>Hab acht vor der Sieben! (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Hab acht vor der Sieben!&lt;br /&gt;Noch 32 Tage bis Olympia. Müh-Ling trainiert heute: Zählen&lt;br /&gt;Zahlen werden in China mit arabischen Ziffern notiert, genau wie bei uns. Für das sinnsuchende Westler-Auge hat das erst mal etwas Beruhigendes: In fremden Zeichenfluten wird die Zahl zum Heimathafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit hören die Ähnlichkeiten aber schon auf. Die Unterschiede beginnen mit simplen Dingen wie der Auswahl einer Handy-Nummer. Eindringlich warnten meine chinesischen Freunde, ich solle Vieren und Siebenen unbedingt meiden! Beides verheiße Unglück: Das chinesische Wort für Vier (si, fallend betont) sei dem Wort für „Tod“ zu ähnlich (si, fluktuierend betont), während die Sieben (hohes qi) nach „Wut“ klinge (fallendes qi).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schüchtern wandte ich ein, mein Problem sei eher, dass ich die Wörter für Vier und Sieben kaum von den Wörtern für Achtzehn, Kernschmelze und Zahnersatz unterscheiden könne. Brüsk wurde mir Leichtfertigkeit vorgeworfen: „Ich hatte mal ein ganzes Jahr lang Pech wegen einer schlechten Handy-Nummer“, versicherte einer. Von dem Übel befreit habe ihn erst sein Vater, ein kundiger Sinologe, der die Unglücksnummer mit Hilfe des „Yijing“ entlarvte, eines altchinesischen Orakelbuchs. Mir wurde versichert, dass ich diese fortgeschrittene Methodik nicht zwingend erlernen müsse – aber zugreifen sollte ich unbedingt bei Sechsen (fallendes liu), die „Reibungslosigkeit“ versprechen (fallendes shun), sowie bei der chinesischen Glückszahl schlechthin: der Acht (hohes ba), die „Reichtum“ verheißt (hohes fa). Für eine Nummer mit mehreren Achten zahlen Chinesen gerne ein paar Hundert Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir dämmerte, warum die große Olympia-Uhr am Platz des Himmlischen Friedens unaufhaltsam auf das Datum 8.8.2008, 08:08:08 Uhr zutickt. Für chinesische Ohren muss der Eröffnungstermin der Olympischen Spiele ähnlich euphorisierend klingen wie für Deutsche die Formel „Sechs Richtige plus Zusatzzahl“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit im Telefonladen nur ja nichts schiefginge, brachten meine Freunde mir noch bei, wie man mit den Händen zählt – wobei nicht die Anzahl der Finger ausschlaggebend ist, sondern die Nachahmung der Schriftzeichen. Die Glücks Acht sieht aus wie eine europäische Zwei: abgespreizter Daumen und Zeigefinger. Die reibungslose Sechs entspricht der Gebärde, mit der man im Westen ein Telefongespräch symbolisiert, während bei der Todes-Vier alle Finger außer dem Daumen hochgehalten werden. Die ziemlich komplizierte Wut-Sieben schließlich ähnelt ein wenig der Fingerhaltung, mit der man beim Schattenspiel einen Vogel Strauß an die Wand projiziert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der „China Mobile“-Filiale legte mir eine schnippische Verkäuferin diverse Nummern zur Auswahl vor, in denen es vor Vieren und Siebenen nur so wimmelte, während Achten gänzlich fehlten und Sechsen rar gesät waren. Ich wollte meiner Verärgerung Ausdruck verleihen, konnte mich jedoch nicht mehr an das chinesische Wort für „Wut“ erinnern, auch die ähnlich klingende „Sieben“ war mir entfallen. Also zeigte ich der Verkäuferin die Vogel-Strauß-Gebärde. Dies wurde komischerweise missverstanden: Ich erhielt eine Handy-Nummer mit besonders vielen Siebenen. Wochenlang kicherten meine Freunde, sobald ich sie anrief.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus Protest gegen die Herabwürdigung eines deutschen Pressevertreters durch einen chinesischen Staatskonzern wurde als Eröffnungstermin für diese Kolumne, die bis zum 8. 8. regelmäßig auf den Kulturseiten erscheint, der 7. 7. gewählt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unsere „Aufschlag“-Kolumnisten Rainer Moritz und Moritz Rinke machen Sommerpause. Wenn die Tage kühler werden, sind sie wieder zurück, jeden Montag an dieser Stelle.&lt;br /&gt; (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8676931925991135835?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8676931925991135835/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8676931925991135835' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8676931925991135835'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8676931925991135835'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/hab-acht-vor-der-sieben-tagesspiegel.html' title='Hab acht vor der Sieben! (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5778308464121258477</id><published>2008-07-29T02:36:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:37:57.302-07:00</updated><title type='text'>Der Große Vorsitzende (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Der Große Vorsitzende&lt;br /&gt;Noch 27 Tage bis Olympia. Müh-Ling trainiert heute: Maoismus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Leiche schwimmt in einem trüben Formaldehyd-Aquarium. Vor dem Glaskasten teilen Volkspolizisten den Besucherstrom in zwei Prozessionen, die links und rechts an Mao vorbeidefilieren. Im Akkord legen die Chinesen gelbe Plastiknelken nieder, die nachts zurück in die Verkaufsstände am Mausoleums-Eingang wandern. Der Gründungsvater des chinesischen Kommunismus ist tot, um ihn herum zirkuliert ein ökonomisches Perpetuum Mobile. Ist ja Kapitalismus jetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Partei sagt: Mao lag zu 70 Prozent richtig und zu 30 Prozent falsch. Unmittelbar nach dem Tod des Großen Vorsitzenden wurde dieser ideologische Wechselkurs ausgegeben, offiziell notiert Mao bis heute unverändert. 70 zu 30: Was sagt das über die chinesischen Geldscheine aus, die immer noch Maos Konterfei tragen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Chinesen immer so skeptisch ihre Banknoten prüfen. Einen gefälschten 100-Yuan-Schein wird man in Peking mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht los. Man kann ihn höchstens den Ausländern andrehen, von denen allerhöchstens 30 Prozent einen echten von einem falschen Mao unterscheiden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine französische Galeristin im hippen Pekinger Künstlerviertel „798“ erzählt, sie sei neulich von der Polizei gezwungen worden, ein pietätloses Mao-Porträt abzuhängen. Sie erzählt die Geschichte lachend, fast kokett. Jede dritte Galerie im Viertel verkauft ungehindert Mao-Porträts, mal in knalliger Andy-Warhol-Manier, mal als ironische Cola-Reklame, mal in der Heldenpose des Kulturrevolutionärs. Die westlichen Sammler, heißt es, kaufen das Zeug wie bekloppt. Die Touristen sowieso. Im Backpacker-Viertel zieht jeden Abend ein greiser Chinese von Hostel zu Hostel und verkauft MaoMemorabilia. „Look-a, look-a!“, sagt er. „Mao book-a! Mao clock-a! Mao shirt-a!“ Die Leute reißen ihm das Zeug aus den Händen. Mao sells.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Finanzpolitiker sind der Ansicht, der chinesische Yuan sei massiv unterbewertet, manche sprechen von bis zu 30 Prozent. Ich dagegen finde Mao zu 70 Prozent überbewertet.Am 7. Juli trainierte Müh-Ling das Zählen, als nächstes lernt er, wie man sich chinesisch entschuldigt. Seine Kolumne wird uns bis zum Beginn der Olympischen Spiele in Peking begleiten.&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 12.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5778308464121258477?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5778308464121258477/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5778308464121258477' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5778308464121258477'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5778308464121258477'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/der-groe-vorsitzende-tagesspiegel.html' title='Der Große Vorsitzende (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-6839336820744196639</id><published>2008-07-29T02:34:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:36:16.185-07:00</updated><title type='text'>Geheimnisse des Ehelebens (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Geheimnisse des Ehelebens&lt;br /&gt;Noch 25 Tage bis Olympia. Müh Ling trainiert heute: Entschuldigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis Ende der 1920er Jahre hing am Eingang des Huangpu-Parks im britisch kolonisierten Shanghai ein Schild, das Hunden und Chinesen den Zutritt untersagte – in dieser Reihenfolge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein knappes Jahrhundert später. Im Pekinger Zhongshan-Park steht inmitten einer Menschenmenge ein älterer Chinese mit Hund. Er ist wütend. Die Umstehenden versuchen, den Mann zu beschwichtigen. Es nützt nichts, er lässt seinem Zorn freien Lauf. „Ausländer“, schreit er, „haben in chinesischen Parks nichts zu suchen!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Gruselgeschichten, die nichts verbindet – außer geschichtlicher Grusel.Vorausgegangen ist dem Wutanfall des Mannes eine Recherche im Zhongshan-Park, wo sich zweimal in der Woche chinesische Eltern treffen, um ihre unverheirateten Kinder unter die Haube zu bringen. Die Recherche verläuft erstaunlich unkompliziert, die Eltern geben bereitwillig Auskunft, etwa 30 Männer und Frauen drängeln sich förmlich um den deutschen Journalisten, seinen chinesischen Übersetzer und dessen deutsche Ehefrau. Jeder will einen Kommentar abgeben, viele stellen ihrerseits neugierige Fragen: wo man denn herkomme, ob das Leben dort sehr anders sei, ob man zu Hause eine Frau habe oder nicht vielleicht hier eine nette Chinesin kennenlernen wolle. Besonders interessiert die Menschen, wie denn eine Ehe zwischen einem Chinesen und einer Ausländerin funktioniert, viele fragen den Übersetzer, ob er das weiterempfehlen könne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis plötzlich ein älterer Mann, der zuvor schweigend seinen Hund an der Leine gehalten hat, vor sich hin zu murren beginnt, leise zunächst und ohne jemanden anzusehen, dann immer lauter und lauter. Von „Geheimnissen“ spricht er, über die man mit Ausländern nicht reden solle, weil man nicht wisse, was die Fremden damit anfangen. Trotz aller Beschwichtigungsversuche redet sich der Mann in Rage, sein Zorn richtet sich besonders gegen den chinesischen Übersetzer, dem er immer wieder mit dem Finger droht: Was ihm einfalle, chinesische Geheimnisse zu verraten! Bestraft gehöre er dafür, dass er eine Fremde geheiratet habe! Den meisten Umstehenden ist der Vorfall sichtlich unangenehm, bittend bedeuten sie den Ausländern, weiterzugehen und das Gezeter nicht zu beachten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später kommen mehrere Menschen aus der Gruppe den Ausländern im Park hinterhergelaufen, um sich aufgewühlt für den Vorfall zu entschuldigen. Man solle nichts darauf geben, sagen sie, sie selbst fänden es gut und richtig, dass man mit Ausländern heute über alles reden könne, eigentlich gefalle das allen Chinesen, der Mann sei eine Ausnahme, man schäme sich sehr für ihn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hat sich Europa jemals für das Schild am Huangpu-Park entschuldigt?&lt;br /&gt; (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-6839336820744196639?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/6839336820744196639/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=6839336820744196639' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6839336820744196639'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6839336820744196639'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/geheimnisse-des-ehelebens-tagesspiegel.html' title='Geheimnisse des Ehelebens (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-683116008638149740</id><published>2008-07-29T02:30:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:33:51.199-07:00</updated><title type='text'>Runter damit! (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Runter damit!&lt;br /&gt;Noch 22 Tage bis Olympia. Müh-Ling trainiert heute: seinen Magen.&lt;br /&gt;Diesmal würde es kein Zurück geben. Lange hatten meine chinesischen Freunde über der Speisekarte gebrütet, und ihre prüfenden Seitenblicke waren mir nicht entgangen. Schicksalsergeben starrte ich den Kessel in der Mitte des Restauranttischs an, in dem bereits der Höllensud der Provinz Sichuan brodelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie oft hatte ich dankend abgelehnt, wenn mir Chinas kulinarischer Reichtum demonstriert werden sollte, wie oft hatte ich abgewunken, wenn Hundeherzen und Gänseköpfe gepriesen wurden? Aber heute würde ich nicht kneifen, was immer auf den Tisch käme. Es war dies zunächst eine Platte grob gehackter Ochsenfrösche, die der Kellner umstandslos in den brodelnden Kessel leerte. Neugierige Blicke maßen mich, als ich die Stäbchen in den Sud tunkte und eine glitschige Froschhälfte an Land zog. Während ich den langgliedrigen Fremdkörper prüfend mit der Zunge betastete, bemühte ich mich, mir keinerlei Irritation anmerken zu lassen. Knackend gab eine Ochsenfroschwirbelsäule dem ungeschickten Druck meiner Backenzähne nach. Lächelnd lobte ich Konsistenz und Würze des Gerichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Derweil hatte der Kellner eine Schüssel undefinierbarer Fleischfetzen in den Kessel geleert. Ich verstand „DachsKinn“, als ich betont beiläufig nach der Art der Speise fragte. „Dog skin?“, hakte ich nach. „Duck skin“, präzisierten meine Freunde. Entenhaut. Es gibt Schlimmeres. Den nächsten Menüpunkt zum Beispiel: eine flache Schale, gefüllt mit einer dunkelroten Masse, die beim Zerschneiden widerlich wabbelte. Zum Glück hat gestocktes Schweineblut wenig Eigengeschmack. Auch im weiteren Verlauf des Mahls – bei dem ich nur noch Schafsmagen und Hühnerhirn eindeutig zuordnen konnte – stellte ich Gleichmut unter Beweis, und fast schon wollte ich glauben, dass meinen Freunden die Ideen ausgingen. Just in diesem Moment aber trug der Kellner eine Platte heran, deren Geheimnis unter einer voluminösen Servierhaube verborgen war. Als sie gelüftet wurde, stockte mir der Atem. „Ist es das, wofür ich es halte?“, fragte ich kühl. Vor meinen Augen lag ein immenser Rinderpenis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kellner schickte sich an, das Gemächt in mundgerechte Scheiben zu zersäbeln. Ein beißender Stellvertreterschmerz trieb mir den Schweiß auf die Stirn, deutlich spürte ich, dass hier eine Schwelle erreicht war, deren Überschreitung mir nicht möglich sein würde. Fieberhaft suchte ich nach Ausflüchten: Könnte ich behaupten, meine Religion verbiete den Verzehr von Genitalien? Aber was für eine Religion sollte das sein? Freudianisch-Orthodox? Genital-Pietistisch? Ödipal-Klerikal?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterdessen erzählte einer meiner Tischnachbarn, er habe früher in einem kleinen Restaurant in der Provinz gearbeitet, in dem die örtlichen Parteikader zu besonderen Anlässen gerne Rinderpenisse verzehrt hätten. Da diese Köstlichkeit nur auf Vorbestellung zubereitet wurde, hätten im Kühlschrank mitunter diverse Gemächte nebeneinander gelagert, versehen mit Zetteln, auf denen der Name des jeweiligen Bestellers vermerkt war: „Parteisekretär Wu“, „Ortsvorsteher Li“ und so weiter. Daraufhin überwältigte mich ein epochaler Schluckauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies wiederum beängstigte meine Freunde so sehr, dass sie mir das Weiteressen untersagten. Ich bin überzeugt, dass meine Enttäuschung glaubwürdig wirkte.&lt;br /&gt;Bisher trainierte Müh-Ling: Zählen (7. 7.), Maoismus (12. 7.), Entschuldigungen (14. 7.). Als nächstes: Propaganda&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-683116008638149740?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/683116008638149740/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=683116008638149740' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/683116008638149740'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/683116008638149740'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/runter-damit-tagesspiegel.html' title='Runter damit! (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8409312758711704338</id><published>2008-07-29T02:28:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:29:42.911-07:00</updated><title type='text'>T wie Tibet (Tagesspiegel)</title><content type='html'>T wie Tibet&lt;br /&gt;Noch 18 Tage bis Olympia: Müh-Ling trainiert heute: Propaganda&lt;br /&gt;Wenn Sie mal erleben wollen, wie ein ansonsten liebenswerter Chinese Gift und Galle spuckt, erwähnen Sie einfach das T-Wort. Leises Flüstern reicht: „Tibet“. Fast jeder Chinese wird sofort in die Defensive gehen, lauthals die Errungenschaften der chinesischen Tibet-Politik preisen, den Dalai Lama einen CIA-Agenten schelten und dem Westler ein völlig verzerrtes Tibet-Bild vorwerfen – noch bevor sich der Westler überhaupt zum Thema positioniert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie gleichzeitig mal erleben wollen, wie sich ansonsten vernünftige Deutsche in kitschbekiffte Ethno-Fundamentalisten verwandeln, erwähnen Sie ebenfalls einfach das T-Wort. Funktioniert auch ziemlich zuverlässig. Ein chinesischer Bekannter erzählte mir neulich, er sei in Deutschland mehrfach von bunt gekleideten, ihm gänzlich unbekannten Menschen als Repräsentant eines völkermordenden Regimes beschimpft worden – noch bevor er sich zu Tibet überhaupt geäußert hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Pekinger Kulturpalast der Nationalitäten wird derzeit eine große Tibet-Ausstellung gezeigt. Sie ist in zwei Teile gegliedert: das „alte“ und das „neue“ Tibet, vor und nach der kommunistischen Angliederung. Das alte Tibet ist eine feudale Sklavenhaltergesellschaft, deren gottesstaatliche Herrscherclique politischen Gefangenen die Haut abziehen lässt. Das neue Tibet ist eine blühende Region Chinas, deren Bewohner „in Erwartung einer noch besseren Zukunft singen und tanzen“, wie es unter einem Foto folkloristisch gewandeter Bauern heißt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verblüffend ist die durchweg defensive Haltung der Propaganda-Schau. Jedes Exponat wirkt hier wie eine trotzige Anfechtung des Tibet-Bildes, wie es seit den Ausschreitungen im März dieses Jahres im Westen kursiert. Manches Gezeigte hätte sogar das Potenzial zum klärenden Dialog – wenn es nicht so unsäglich ideologisch präsentiert wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits: Deutschlands Hobby-Tibeter romantisieren die vorkommunistische Feudal-Epoche und verdrehen Chinas unabweisbare Modernisierungsleistungen zum „kulturellen Völkermord“. Auch das ist Geschichtsklitterung. Man muss sich nur mal den deutschsprachigen Tibet-Eintrag bei Wikipedia und die zugehörige Editionsgeschichte ansehen. Da räumt eine selbst ernannte Gesinnungspolizei gnadenlos mit Abweichlern auf.Beim Verlassen des Kulturpalasts spricht mich ein älterer Chinese auf Englisch an. „Wie fanden Sie die Ausstellung?“, fragt er. Ich zögere. „Etwas parteiisch“, sage ich. „Da haben Sie recht“, antwortet er lächelnd, „aber nicht ganz so parteiisch wie der westliche Blick auf Tibet, oder?“ Wieder zögere ich. „Doch“, sage ich dann, „noch parteiischer“. Der Mann nickt. „Sie haben das Recht auf Ihre eigene Meinung.“ Dann lässt er mich stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man muss den Chinesen lassen, dass sie unsere Vorurteile besser kennen als wir die ihren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bisher trainierte Müh-Ling: Zählen (7. 7), Maoismus (12. 7), Entschuldigungen (14. 7.), den Magen (16. 7.). Als Nächstes: Radfahren&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8409312758711704338?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8409312758711704338/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8409312758711704338' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8409312758711704338'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8409312758711704338'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/t-wie-tibet-tagesspiegel.html' title='T wie Tibet (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4527741873287817025</id><published>2008-07-29T02:25:00.000-07:00</published><updated>2008-07-29T02:27:22.899-07:00</updated><title type='text'>Masse und Macht (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Masse und Macht&lt;br /&gt;Noch 11 Tage bis Olympia. Müh-Ling trainiert heute: Radfahren.&lt;br /&gt;Man sagt gerne, China stehe mit einem Bein im 19. und mit dem anderen im 21. Jahrhundert. An vielerlei lässt sich diese Spagatmetapher festmachen: verwitterte Ziegeldächer neben funkelnden Wolkenkratzern, Pferdekarren, turmhoch beladen mit Flachbildfernsehern, KFC und Konfuzius, Marx und McDonald’s.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht fehlen dürfen in solchen Aufzählungen die omnipräsenten Fahrräder, die gerne in Kontrast zum Transrapid in Schanghai gesetzt werden, dem schnellsten Personenzug der Welt. Vollkommen ungerechtfertigt wird das Fahrrad in solchen Bildern zur Rücktrittbremse der chinesischen Modernisierung stilisiert – obwohl es das chinesischste aller Verkehrsmittel war, ist und bleibt. China steht auf Pedalen. Mit beiden Beinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sonst wäre zu erklären, dass in der explodierenden Irrsinnsmetropole Peking jeder noch so verschlungene Verkehrsknoten penibelst mit Fahrradspuren ausgestattet wird? Mehrere Meter breit schlängeln sich diese Pfade durch Tunnel unter Straßenkreuzungen hindurch, auf Stelzen über Autobahnen hinweg, nicht selten auch quer durch den Pkw-Strom hindurch. Da komme ich nie rüber, denkt der Ausländer, wenn er zum ersten Mal mit dem Rad vor einer zehnspurigen Trasse steht, deren andere Seite nur verschwommen hinter Lkw-Kolonnen und Smogwolken zu erahnen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durch aber kommt man immer – solange man ein paar simple Grundregeln beachtet, die der fahrradfahrende Chinese den soziopolitischen Verkehrsregeln seines Landes entlehnt. Mit dem Strom schwimmen, lautet die erste dieser Devisen. Mag beim ersten Hinsehen der Eindruck entstehen, im heutigen China komme nur voran, wer sich möglichst rücksichtslos durchdrängelt, so entlarvt genaueres Hinsehen diese Strategie als grundverkehrt. Wer voranprescht, begibt sich in Gefahr. Gleiches gilt für den, der zurückbleibt. Der kluge Radler schmiegt sich in den Strom. Stetig sei das Auf und Ab seiner Pedale, nie bremse er ruckartig, auch meide er hektische Sprints. Nur wer sich treiben lässt im weisen Mittelmaß der Zweiradkarawane, den wird sie sicher ans Ziel geleiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweite Regel: Die Regierung steht über dem Gesetz. Der Radfahrer poche nicht auf schriftlich verbürgte Rechte, wo ihnen mündliche Anordnungen von Autoritätspersonen entgegenstehen. Wenn die Fahrradampel rot ist, der Verkehrslotse aber zur Weiterfahrt drängt, so ist dem Folge zu leisten, alles andere wäre lebensgefährlich. Die Ampel ist dumm, sie kennt nur Rot und Grün – dem Menschen aber ist kein Grauton fremd. Gerade für Ausländer sind die omnipräsenten Lotsen mit ihren knallroten Chinaflaggen eine nützliche Orientierungshilfe. Wer gedankenlos auf eine grüne Ampel zurollt, weil er das von zu Hause nun mal so gewohnt ist, bekommt umgehend die Flagge gezeigt – und weiß sofort, wo er sich befindet: rot, China, stopp, nicht Rechtsstaat, sondern Volksrepublik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dritte Regel: Die Vorfahrt gehört der Masse. Wer links abbiegen will und dazu eine mehrspurige Autotrasse queren muss, der suche sich Gleichgesinnte. Erst, wenn sich eine kritische Masse von Linksabbiegern versammelt hat, wird die Kreuzung eingenommen, Reifenbreite für Reifenbreite, Pedal um Pedal. Durch ein wütend brandendes Meer aus Blech bahnt sich dann die Zweiradkolonne unaufhaltsam ihren Weg, und wer Teil eines solchen Triumphzuges ist, wer innerlich jubelnd dem Fluchen der Kraftfahrer lauscht, der spürt ein unbeschreibliches Glücksgefühl in sich aufsteigen: die Macht der Masse. Wir könnten jetzt, sagt dieses Gefühl, immer so weiterrollen, und nichts kann uns stoppen. Die geballten Streitkräfte der Nato, gegen 1,3 Milliarden fahrradfahrende Chinesen wären sie machtlos.&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.07.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4527741873287817025?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4527741873287817025/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4527741873287817025' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4527741873287817025'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4527741873287817025'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/masse-und-macht-tagesspiegel.html' title='Masse und Macht (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4868814391105483079</id><published>2008-07-26T02:29:00.000-07:00</published><updated>2008-07-26T02:30:26.138-07:00</updated><title type='text'>Sonntag ist Schlachttag (taz)</title><content type='html'>26.07.2008  &lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/kommentarseite/1/sonntag-ist-schlachttag/kommentare/1/1/" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/sonntag-ist-schlachttag/?type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fsonntag-ist-schlachttag%2F&amp;amp;cHash=df3fe87656', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fsonntag-ist-schlachttag%2F&amp;amp;cHash=df3fe87656" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Gemüseschlacht auf der Oberbaumbrücke&lt;br /&gt;Sonntag ist Schlachttag&lt;br /&gt;Nach dreijähriger Pause gehen Kreuzberger und Friedrichshainer wieder mit Glibber und Gemüse aufeinander los. Auf der Oberbaumbrücke hoffen die Kreuzberger auf einen historischen Sieg. VON MARTIN KAUL&lt;a onclick="vHWin=window.open('/uploads/tx_hptazarticle/../hp_taz_img/xl/spree_seifenblase_dpa_01.jpg','fullImage','width=710,height=368');vHWin.focus();return false;" href="http://www.taz.de/uploads/hp_taz_img/xl/spree_seifenblase_dpa_01.jpg" target="fullImage"&gt; &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verfaulte Mettwürste über Totalveganern ausdrücken, fremden Menschen mit eigens kultiviertem Faulwasser die Haare waschen, mit schimmeligen Brotbelägen den Nebenmann füttern - das alles sind keine perversen Fantasien. Am Sonntag ab 12 Uhr herrscht auf der Oberbaumbrücke Krieg. Nach dreijähriger Abstinenz rüstet die Berliner Ekelavantgarde wieder zur Wasserschlacht auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu klären sind die Gebietsstreitigkeiten über die Hoheitsgewalt von Friedrichshain-Kreuzberg, die mit den Plänen zur Berliner Bezirksgebietsreform Ende der 90er-Jahre ihren Ausgang nahmen. Seitdem beanspruchen die Gemüsesöldner beider Kieze die Gesamthoheit jeweils für sich. Kreuzberg gilt für Friedrichshainer als Unterfriedrichshain; umgekehrt heißt Friedrichshain in der Oranienstraße nur Ostkreuzberg - beides freilich als Ausdruck des Protestes gegen die Berliner Annexionspolitik.&lt;br /&gt;");&lt;br /&gt;Dabei könnte es in diesem Jahr schwer für die Kreuzberger Brigaden werden, die in den vergangenen Kämpfen durch die Kreuzberger Patriotischen Demokraten/Realistisches Zentrum (KPD/RZ) vertreten waren und zusätzlich mit Unterstützung aus Neukölln rechnen konnten. Nach taz-Informationen ist die revolutionär-demokratische Riege der KPD/RZ mittlerweile geschlossen in den Untergrund gegangen. Die Nachfolgeorganisation Freier Kreuzberger Heimatschutz (FKH) hat die Kampfleitung aufgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem haben die ehemaligen Neuköllner Sympathisanten ihre Abspaltung erklärt. Nach jahrelangen Solidaritätskämpfen an der Seite der Kreuzberger Obstverwerter fühlt sich eine Neuköllner Minderheit nun bedroht von der "Yuppisierung" des Nachbarkiezes - und will diese aktiv bekämpfen. Am letzten Sonntag überfiel die Anti-Dehydration League Neukölln (ADLN) die Kreuzberger bereits an der Thielenbrücke. Für Sonntag hat die ADLN angekündigt, den Kreuzbergern bei der großen Schlacht an der Oberbaumbrücke in den Rücken zu fallen. Das wäre gar nicht nötig, denn aufgrund der massiven Armeepräsenz der Wasserarmee Friedrichshain (WAF) konnten die diversen Kreuzberger Bündnisse auch sonst noch nie einen Sieg für sich verbuchen - auch wenn die Kreuzberger Faulveteranen das gerne anders darstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch trotz kampfbetonter Großbezirkansprüche hegen beide Bezirke auch gemeinschaflich separatistische Ziele. Denn bei allem Hass, der die Kiezparteien trennt, vereint sie doch eine aufrührerische Ablehnung gegen die staatliche Autorität: Als die Gesamtberliner Polizei im Jahr 2004 Auflagen erteilte und das Mitbringen von Weichmachern und Wurfgeschossen unterbinden wollte, flogen die Stinkbomben, Wackelpuddings und Gemüsegeschosse vereint auf die übergeordneten Ordnungshüter. Die Folge: eine Unordnung, die den Uniformierten den Rückzug bescherte - und dem Polizeipräsidenten später eine öffentliche Kapitulation im Innenausschuss abnötigte. Seitdem hält sich die Polizei zurück und kommentiert gegenüber der taz pflichtbewusst: "Unser Auftrag ist es, die angekündigte Kundgebung zu schützen."&lt;br /&gt;Damit die Polizei nicht in zu große Versuchung gerät, dies offensiv zu tun, haben die Kommandostäbe bereits eigene Maßnahmen angekündigt: Erstmals wird es Wurfgeschosskontrollen und eigene Ordnungshüter auf dem Kampffeld geben, auch um sicherzustellen, dass wirklich nur weiche und glitschige Materialien Verwendung finden. Zuletzt war es vereinzelt auch zu Flaschenwürfen gekommen. Erlaubt ist nur Wasser, Mehl - und alles, was weich und glitschig ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasser- und Gemüseschlacht auf der Oberbaumbrücke, Sonntag ab 12 Uhr&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/kommentarseite/1/sonntag-ist-schlachttag/kommentare/1/1/" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/sonntag-ist-schlachttag/?type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fsonntag-ist-schlachttag%2F&amp;amp;cHash=df3fe87656', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fsonntag-ist-schlachttag%2F&amp;amp;cHash=df3fe87656" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4868814391105483079?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4868814391105483079/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4868814391105483079' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4868814391105483079'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4868814391105483079'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/sonntag-ist-schlachttag-taz.html' title='Sonntag ist Schlachttag (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-7969783349444054640</id><published>2008-07-18T01:54:00.000-07:00</published><updated>2008-07-18T01:59:50.859-07:00</updated><title type='text'>Energiezwerg Russland (fr)</title><content type='html'>Sprit- und Strompreise&lt;br /&gt;Energiezwerg Russland&lt;br /&gt;VON ALEXEI GRIGORJEW UND WLADIMIR TSCHUPROW&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/?em_cnt=1369208&amp;amp;em_src=436515&amp;amp;em_ivw=fr_doku" target="_top"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/?em_cnt=1369208&amp;amp;em_src=436515&amp;amp;em_ivw=fr_doku" target="_top"&gt;Russischer Kohle-Kumpel&lt;/a&gt; (rtr)&lt;br /&gt;In Russland beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch knapp zwei Prozent und wird sich im kommenden Jahrzehnt kaum erheblich erhöhen. Und dies, obwohl Russland über kein geringeres Potenzial an erneuerbaren Energien verfügt als die EU oder China. In fast allen Teilen Russlands gibt es drei Arten erneuerbarer Energiequellen, die schon heute ökonomisch effizient genutzt werden könnten: Windenergie, kleine Wasserkraft und Biomasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Insgesamt liegt die Menge ökonomisch nutzbarer erneuerbarer Energien in Russland bei über 300 Millionen Tonnen Öläquivalent. Damit könnte ein Drittel des Primärenergiebedarfs Russlands gedeckt werden. Allerdings wird dieses Potenzial selbst nach optimistischen Schätzungen nur zu sieben Prozent ausgeschöpft, so dass derzeit Primärenergie aus regenerativen Energien in Höhe von etwa 22 Millionen Tonnen Öläquivalent produziert wird. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Produktion von Wärmeenergie aus Biomasse, anders gesagt: um Holzfeuerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moderne Technologien werden bei der Verbrennung von Biomasse wie auch bei anderen erneuerbaren Energien nur sehr wenig genutzt, obwohl die UdSSR in diesem Bereich einst an der Spitze der technologischen Entwicklung stand. Vor dem Hintergrund des weltweiten Booms der Windenergie - der Markt für Windkraftanlagen wuchs im Jahr 2006 weltweit um 32 Prozent - ist insbesondere der Niedergang des russländischen Windkraftanlagenbaus frappierend. …&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Beschlüsse der letzten 20 Jahre, in Russland erneuerbare Energien stärker zu nutzen und die Energieeffizienz zu steigern, zeitigten nur sehr bescheidene Resultate. Wenn es überhaupt Ansätze für eine energiepolitische Wende gab, so bestanden sie nur auf dem Papier. Alle Ankündigungen, die Russland international machte - etwa bei den Gipfeltreffen der G8-Staaten - blieben Lippenbekenntnisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der letzte Versuch, den Ausbau erneuerbarer Energien staatlich zu fördern, datiert aus dem Jahr 2002. Das damals verabschiedete Programm "Energieeffiziente Wirtschaft", thematisierte unter anderem die Energieversorgung des russländischen Nordens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sah vor, bis zum Jahr 2010 in jenen entlegenen Gebieten im Norden, in Sibirien und im Fernen Osten, die nicht an das zentrale Strom- und Wärmenetz angeschlossen sind, mit erneuerbaren Energien betriebene Strom- und Wärmekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 1000 Megawatt bei Strom und 8200 Megawatt bei Wärme zu errichten. Obwohl der Löwenanteil der Investitionssumme - 99 Prozent der veranschlagten sieben Billionen Rubel - auf die Instandhaltung von Atomkraftwerken und den Ausbau der Öl- und Gasförderung fallen sollten, war wenigstens die Idee der Nutzung erneuerbarer Energien aufgekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch im Jahr 2005 wurde das ganze Programm mit fadenscheinigen Begründungen eingestellt. Freilich hat die Regierung ein neues Programm für erneuerbare Energien angekündigt. Doch wann dieses verabschiedet wird, steht in den Sternen. Auch die Verabschiedung eines seit langem angekündigten Energiesparprogramms wird immer wieder hinausgeschoben, gegenwärtig soll es im Jahr 2010 in Kraft treten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Grund für die Rückständigkeit Russlands bei der Nutzung erneuerbarer Energien wird daher meist genannt, dass es kein Gesetz zu ihrer Förderung gebe. Zweifellos spielt all das eine Rolle. Doch die eigentliche Frage lautet: Warum gibt es ein solches Gesetz nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/_img/_cnt/_hermes/080717_1716_tschuprow_grigorjew.pdf" target="_blank"&gt;  Grünbuch (pdf, 220 KB)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Eine erhebliche Rolle spielen die großen Vorräte an den fossilen Energieträgern Erdgas, Erdöl und Kohle. Die russische Führung sieht keinen Anlass zu einer energiepolitischen Wende. Manche sehen in erneuerbaren Energien sogar eine unliebsame Konkurrenz für Russlands fossile Energieträger, deren Export so wichtig für das Land ist. Über die Nutzung regenerativer Energien wird, wenn überhaupt, nachgedacht, wenn es darum geht, wie der Binnenverbrauch von Erdöl und Erdgas gesenkt werden kann, um die Erlöse aus dem Öl- und Gasexport weiter zu steigern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinzu kommt, dass die zu Zeiten der Sowjetunion errichteten Großkraftwerke für eine zentrale Versorgung riesige Kapazitäten geschaffen haben. Damit wird ein energiepolitischer Pfadwechsel enorm erschwert: Die mächtige Atom- und die Kohleindustrie sowie die Betreiber der großen Wasserkraftwerke sind nicht am Ausbau erneuerbarer Energiequellen interessiert, sondern an der staatlichen Subventionierung ihres Sektors. Wie erfolgreich diese Sektoren um staatliche Mittel werben, hat sich erst im Dezember 2007 wieder gezeigt, als die Regierung beschloss, den Kohleabbau in einer Grube in der Republik Tuwa mit mehr als zwei Milliarden US-Dollar aus dem Investitionsfonds zu fördern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine weitere, weniger offensichtliche Ursache dafür, dass selbst kleine Projekte wie die Errichtung von kombinierten Wind-Diesel-Anlagen zur Versorgung entlegener Siedlungen im Hohen Norden scheitern, sind staatliche Transfergelder und die mit ihnen verbundene Korruption. Die hochsubventionierte Belieferung der Außenposten im Hohen Norden mit Energie ist ein Feld für systematische Unterschlagungen und Korruption. An der Erhaltung des Status quo sind ein ganzer "informeller" Wirtschaftszweig sowie die eng mit diesem verbundenen korrupten Beamten interessiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Aussichten für die erneuerbaren Energien sind also wenig rosig. Seit Ende 2007 gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer. Dank der Lobbyarbeit des nationalen Stromversorgers EES Rossii wurden bei der Novelle des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes, die im Herbst 2007 durch die Duma und den Föderationsrat gepeitscht wurde, einige Bestimmungen aufgenommen, die auf die Förderung erneuerbarer Energien zielen.Grund für die Eile war, dass Mitte 2008 EES Rossii umstrukturiert werden soll. In dem neuen Gesetz werden erneuerbare Energien in mindestens vier Artikeln erwähnt. Das ist ein enormer Fortschritt, fiel doch das Wort "erneuerbar" in der Fassung des Gesetzes aus dem Jahr 2003 kein einziges Mal. Allerdings bleiben die staatlichen Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien vage: Gemäß Art. 21 der neuen Fassung des Gesetzes legt die Regierung- Ziele für die Produktion und den Verbrauch von Strom aus erneuerbaren Energien fest, beschließt Pläne zur Erreichung dieser Ziele und fördert die Nutzung erneuerbarer Energien; - Kriterien für die Bereitstellung von Subventionen aus dem Staatshaushalt fest, um den Anschluss von Kraftwerken, die eine Kapazität von maximal 25 Megawatt haben und mit erneuerbaren Energien betrieben werden, an das landesweite Stromnetz zu finanzieren; - auf der Basis des Strompreises auf dem Großhandelsmarkt einen zusätzlichen Vergütungssatz für Strom aus erneuerbaren Energien sowie verbindliche Ankaufsmengen fest.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da der Regierung keine Vorgaben gemacht werden, in welchem Zeitraum, wie konkret und in welchem Umfang sie erneuerbare Energien fördern wird, gleichen die Aufforderungen zum Ausbau regenerativer Energien einer Sammlung frommer Wünsche. Die einzige Bestimmung, die den Einsatz erneuerbarer Energien konkret verlangt, betrifft Verluste in den Stromnetzen, welche die Netzgesellschaften in erster Linie durch Strom aus regenerativen Energien kompensieren müssen. Allerdings gibt es auch hier zahlreiche Schlupflöcher. So ist mit einer Regierung, die bisher keinerlei Neigung gezeigt hat, die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern, von dem neuen Gesetz nicht viel zu erwarten.Vollends könnte der Fortschritt, den es gebracht hat, zunichte gemacht werden, wenn der Strom aus großen Wasserkraftwerken der Energie aus erneuerbaren Quellen zugeschrieben wird. Dann könnte, was unter dem Namen Förderung der regenerativen Energien firmiert, auf eine Subventionierung hydroenergetischer Megaprojekte hinauslaufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch auch wenn der Staat untätig bleibt, spricht vieles dafür, dass sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Primärenergieproduktion in Russland in den nächsten Jahrzehnten erhöhen wird. Zum einen sorgen die steigenden Preise für fossile Brennstoffe auf dem Binnenmarkt dafür, dass jene Siedlungen in entlegenen Gebieten, die nicht an die zentralen Energienetze angeschlossen sind, ihre Energieversorgung umstellen müssen, wenn sie nicht ganz aufgegeben werden. Zum anderen werden sich auch in den urbanen Zentren immer mehr Hausbesitzer mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass die fossilen Energieträger endlich sind und die Wärme und Stromversorgung aus dieser Quelle daher immer teurer und unsicherer wird. Das Ende des fossilen Zeitalters wird kommen, und mit ihm das energiepolitische Umdenken auch in Russland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grünbuch.Politische Ökologie im Osten Europas. Themenheft der Monatszeitschrift Osteuropa, Berlin. 496 Seiten, 28 Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die AutorenWladimir Tschuprow ist Physiker, Energiereferent und Mitarbeiter von Greenpeace Russland in Moskau.Alexei Grigorjew ist Biologe, Energieexperte der Sozialökologischen Union und Pressesprecher der russischen Vertretung der Internationale Union for Conservation of Nature and Natural Resources in Moskau.Der dokumentierte Beitrag ist dem Grünbuch Osteuropa entnommen. Übersetzt aus dem Russischen wurde er von Vera Ammer, Euskirchen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-7969783349444054640?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/7969783349444054640/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=7969783349444054640' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7969783349444054640'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7969783349444054640'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/energiezwerg-russland-fr.html' title='Energiezwerg Russland (fr)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-6639186673174085385</id><published>2008-07-18T01:52:00.000-07:00</published><updated>2008-07-18T01:54:27.545-07:00</updated><title type='text'>Die Tragödie an der Teufelswand (SZ)</title><content type='html'>17.07.2008    16:25 Uhr&lt;br /&gt;Tod in der Eisspalte&lt;br /&gt;Die Tragödie an der Teufelswand&lt;br /&gt;Der Extrem-Bergsteiger Karl Unterkircher steckt in einer Gletscherspalte am Nanga Parbat, seine Gefährten mussten ihn zurücklassen - es gibt keine Rettung mehr.&lt;a href="mailto:gesundheit-online@sueddeutsche.de"&gt;Von Julius Müller-Meiningen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Extrem-Bergsteiger Karl Unterkircher steckt in einer Gletscherspalte am Nanga Parbat, seine Gefährten mussten ihn zurücklassen - es gibt keine Rettung mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es heißt, sie mussten weiter steigen. Einfach weiter. Womöglich hängen Walter Nones und Simon Kehrer noch immer in der Wand, die ihrem Freund Karl Unterkircher zum Verhängnis wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittwochfrüh telefonierten Kehrer und Nones per Satellitentelefon nach Südtirol und berichteten von dem Unglück, das sich in der Nacht zuvor zugetragen hatte: Der bekannte Extrem-Bergsteiger und Bergführer Unterkircher war bei der Erstbesteigung der Rakhiot-Wand des 8125 Meter hohen Nanga Parbat in Pakistan auf einem Schneebrett abgerutscht und in eine Gletscherspalte gestürzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hätten versucht, so berichteten Kehrer und Nones, ihren unter dem Schnee verschütteten Begleiter zu befreien. Es sei ihnen nur gelungen, Unterkircher das Telefon abzunehmen. Mehrere verzweifelte Versuche, den Verunglückten zu bergen, seien fehlgeschlagen.&lt;br /&gt;"Wir können nicht zurückkehren, von wo wir gestartet sind. Das wäre zu gefährlich. Wir sind auf circa 6400 Meter und müssen weiter nach oben, um dann aus der Wand zu steigen", habe Walter Nones am Telefon zu seiner Frau gesagt. Dann brach die Verbindung ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mindestens drei Tage soll es dauern, bis die Überlebenden über die lebensgefährliche Route im Basislager ankommen. "Nones und Kehrer sind jetzt nicht mehr erreichbar." So steht es auf Karl Unterkirchers Webseite geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freunde von Karl Unterkircher haben eine Hilfsexpedition zur Rettung der beiden Bergsteiger auf der Steilwand gestartet. Inwieweit den Männern geholfen werden kann, ist unklar. Für Unterkircher gibt es keine Rettung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der bekannte Extrem-Bergsteiger Unterkircher war bei der Erstbesteigung der Rakhiot-Wand des 8125 Meter hohen Nanga Parbat in Pakistan auf einem Schneebrett abgerutscht und in eine Gletscherspalte gestürzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Leider können wir für Karl im Moment überhaupt nichts tun. Es ist uns unmöglich, den Punkt zu erreichen, wo er abgestürzt ist", sagte ein Freund des Verunglückten, Agostino Da Polenza. Der Unfallort scheint für Hilfsaktionen zu entlegen, selbst der Einsatz eines Hubschraubers ist wegen der steilen Wand unmöglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der 38-jährige Unterkircher hinterlässt drei Kleinkinder und seine Frau Silke. "Sie haben bestimmt alles getan, um ihn zu retten. Soviel ich weiß, gibt es kaum Hoffnungen", sagte sie einem italienischen Fernsehsender. Bergsteigen sei eben das gewesen, was Karl liebte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reinhold Messner, dessen Bruder Günther wie 61 andere Kletterer am Nanga Parbat ums Leben kam, bezeichnete Unterkircher einmal als "neuen Stern am Bergsteiger-Himmel". Die Besteigung der Rakhiot-Wand am neunthöchsten Gipfel der Welt sollte nur eine weitere Etappe des aus dem Grödnertal stammenden Bergführers sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Der Berg ruft"&lt;br /&gt;Allein 40 Erstbesteigungen in den Dolomiten gehen auf Unterkircher zurück; 2004 ließ er sich ins Guinness-Buch der Rekorde eintragen, weil er als Erster innerhalb von 63 Tagen die beiden höchsten Gipfel der Welt, den Mount Everest und den K2, ohne Sauerstoffflaschen bestiegen hatte. Eine lebensgefährliche Jagd nach Rekorden, die nicht erst seit dem Unglück vor wenigen Tagen auf der Zugspitze die Diskussionen anheizt. Am Sonntag waren zwei Extremsportler nach einem Wettlauf auf den höchsten deutschen Berg gestorben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"In meinem Verantwortungsbewusstsein empfinde ich so etwas wie Furcht, ich denke oft an zu Hause, an meine Lieben. Das Beste, um sicherzugehen und Unvorhergesehenes zu verhindern, wäre natürlich, aus diesem Projekt auszusteigen", schrieb Unterkircher drei Tage vor seinem Absturz in seinem Blog - und stieg weiter auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Anziehungskraft des Berges war wohl zu groß. Zwischen Furcht und Verklärung pendeln Unterkirchers auf seiner Internetseite nachzulesende Einträge. Von einer "verwunschenen zerklüfteten Eiswand mit den vielen Gletscherspalten", einer "Märchenwelt" ist da die Rede.&lt;br /&gt;Selbst die Furcht wird mystifiziert: "Sicher verursacht diese Wand schon seit Jahrzehnten Angst und Zittern im ganzen Tal und fordert die Einheimischen zu Respekt und Heiligkeit auf. Diese trotzige Teufelswand ließ mich schon am ersten Tag unserer Ankunft nicht in Ruhe, sie macht mich unschlüssig und skeptisch. Es ist wahrhaftig eine gefährliche Mission!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zu zwölf Stunden berechneten die drei Bergsteiger für die Besteigung der 3000 Meter hohen Steilwand aus Eis. Es klingt wie ein Vermächtnis, als Karl Unterkircher am 28. Juni in sein Tagebuch einträgt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Eiswand genau während unseres Hochsteigens loslöst, ist minimal. . . Ich bin mir bewusst, dass die breite Öffentlichkeit nicht meine Meinung teilt, denn sollten wir wirklich nicht mehr zurückkehren, würden viele sagen: "Was haben sie denn dort nur gesucht? . . . Aber eine Sache steht fest, wer keinen Kontakt mit dem Berg findet, wird es auch nie erfahren. Der Berg ruft!"&lt;br /&gt;(SZ vom 18.7.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-6639186673174085385?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/6639186673174085385/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=6639186673174085385' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6639186673174085385'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6639186673174085385'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/die-tragdie-der-teufelswand-sz.html' title='Die Tragödie an der Teufelswand (SZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5342621320655948197</id><published>2008-07-18T01:49:00.000-07:00</published><updated>2008-07-18T01:51:40.183-07:00</updated><title type='text'>Halbmond auf Halbmast (taz)</title><content type='html'>&lt;a href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/halbmond-auf-halbmast/"&gt;18.07.2008   &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/kommentarseite/1/halbmond-auf-halbmast/kommentare/1/1/" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/halbmond-auf-halbmast/?type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fwahrheit%2Fartikel%2F1%2Fhalbmond-auf-halbmast%2F&amp;amp;cHash=ae1f03b734', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fwahrheit%2Fartikel%2F1%2Fhalbmond-auf-halbmast%2F&amp;amp;cHash=ae1f03b734" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;die wahrheit&lt;br /&gt;Halbmond auf Halbmast&lt;br /&gt;Kreuzberg trägt Trauer. Wie viele Viertel, in denen Menschen mit Miracoli-Hintergrund leben. Dort weht der Halbmond auf Halbmast. Denn ... VON MICHAEL RINGEL&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kreuzberg trägt Trauer. Wie viele Viertel, in denen Menschen mit Miracoli-Hintergrund leben. Dort weht der Halbmond auf Halbmast. Denn der Ölpreisschock hat sein erstes Opfer gefunden: den BMW-Türken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Wochen schon hatte er sich rar gemacht auf den Straßen, trat an den Kreuzungen kaum mehr in Erscheinung, der prächtige Kerl mit seinen kecken Goldkettchen um den Hals. Sonst ließ er an jeder roten Ampel den Motor aufheulen; winkte beim Kickstart den Kindern auf den Schulhöfen freundlich zu; bretterte mit 100 Sachen durch die Tempo-30-Zone; jagte fröhlich hupend Rolator-Omas über den Zebrastreifen; ließ sommers wie winters seinen muskulösen Arm lässig aus dem Autofenster hängen, aus dem gar köstliche Klänge drangen: umpfff zwirbel, umpfff zwirbel …&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher da eröffnete Vater Türk einen Gemüseladen, leaste einen Geschäftswagen und übergab den BMW dann dem ganzen Stolz seiner Familie, dem Erstgeborenen, der fortan Abend für Abend seine Runden drehte zwischen McDonald's und McFit. Heutzutage aber fließen bittere Tränen statt Benzin und Super, die zu teuer geworden sind für den jungtürkischen Liebhaber bayerischer Riesenkutschen. Immer mehr Limousinen werden derzeit aus Kostengründen zurückgegeben oder stillgelegt, heißt es in Autohändlerkreisen. An Neuverkäufe der Luxusschlitten sei gar nicht zu denken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun sitzt der bedauernswerte BMW-Türke daheim fest, denn zu Fuß fortbewegen würde er sich nie. Schlimmer wäre nur, von Freunden in einer japanischen Zwergenschleuder gesehen zu werden. Aber das wird nie geschehen, denn BMW ist sein Leben. Der Fünfer-BMW wird nicht grundlos "Türkenblitz" genannt. Wie klänge denn das Umpfff-Gezwirbel auch aus den schwachen Boxen eines Kleinwagens?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerade erst hatte der BMW-Türke den ersten existenziellen Schock seines Lebens verarbeitet. Sein Elfterseptember fand im Dezember 2002 statt, als im Ärmelkanal der Autotransporter "Tricolor" nach einer Kollision mit einem anderen Schiff sank und 3.000 nagelneue BMW mit sich in die Tiefe riss. In Kreuzberg wurden Trauerseminare eingerichtet. Schwarze Schleifen an Rückspiegeln prägten lange Jahre das Bild der türkischen Autogemeinden zwischen Berlin und Istanbul.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quo vadis, Freund Jungtürke?, fragen sich jetzt nicht nur deutsche Fußgänger und befürchten weitgehende Folgen für den sozialen Frieden in Deutschland. War der BMW dem Deutschländer doch immer auch ein Ventil, mit dem er überschüssige Hormone in Zylinder umleiten konnte. Steht der BMW-Türke also am Scheideweg? Wird er umschulen auf Hybridauto? Oder wird er auf das schrecklichste Fortbewegungsmittel umsteigen, das er sich überhaupt nur vorstellen kann? Einen Volkswagen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da könne er ja gleich deutsche Volksmusik hören, sagt sich der zutiefst verunsicherte Bosporus-Bleifuß. Seinen fellbesetzten Autositz hat er ausgebaut und sich beleidigt in sein von Wehklagen und Wandteppichen verhangenes Schneckenhaus zurückgezogen. Dort träumt er von seiner großen Vergangenheit und einer glücklichen Zeit, als er abends noch mächtig rumseldschukte in seinem "Busen müssen wackeln", abgekürzt: BMW.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="interner_link" href="http://www.taz.de/1/wahrheit/selbstdarstellung" target="_blank"&gt;die wahrheit&lt;/a&gt; auf taz.de&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/kommentarseite/1/halbmond-auf-halbmast/kommentare/1/1/" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/halbmond-auf-halbmast/?type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fwahrheit%2Fartikel%2F1%2Fhalbmond-auf-halbmast%2F&amp;amp;cHash=ae1f03b734', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fwahrheit%2Fartikel%2F1%2Fhalbmond-auf-halbmast%2F&amp;amp;cHash=ae1f03b734" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5342621320655948197?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5342621320655948197/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5342621320655948197' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5342621320655948197'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5342621320655948197'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/halbmond-auf-halbmast-taz.html' title='Halbmond auf Halbmast (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5010792715339245542</id><published>2008-07-15T02:39:00.000-07:00</published><updated>2008-07-15T02:41:17.990-07:00</updated><title type='text'>Epochaler Wahnsinn (taz)</title><content type='html'>Epochaler Wahnsinn&lt;br /&gt;Rafael Nadal entthront in einem dramatischen Finale den langjährigen Maestro von Wimbledon. Die Niederlage von Roger Federer markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Tenniswelt. VON DORIS HENKEL&lt;a onclick="vHWin=window.open('/uploads/tx_hptazarticle/../hp_taz_img/xl/Nadal_01.jpg','fullImage','width=700,height=358');vHWin.focus();return false;" href="http://www.taz.de/uploads/hp_taz_img/xl/Nadal_01.jpg" target="fullImage"&gt; &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;WIMBLEDON taz Fehlte nur noch, dass der Kerl da oben auf dem Flachdach der Fernsehkabine die Arme ausgebreitet und den 15.000 Leuten in der von zuckenden Blitzlichtern durchsetzten Dunkelheit zugerufen hätte: Ich bin der König der Welt! Aber so was hätte er nie getan; schließlich war er auf dem Weg zum Thronfolger seines Landes, dem Kronprinzen Felipe. Dennoch hätte es gestimmt, denn nach dem Ende eines epochalen, völlig wahnsinnigen Spiels war Rafael Nadal nichts weniger als der neue Souverän.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von den Dingen, die sich an diesem Sonntag zwischen halb drei und viertel nach neun auf Wimbledons Centre Court zutrugen, werden alle, die dabei waren, ihren Kindern und Enkeln noch erzählen. Mehr an Drama, mehr an Stärke und Beharrlichkeit, mehr an atemberaubendem Wechsel der Strömungen kann in einem Spiel kaum enthalten sein. Und erst recht nicht mehr von der Herausforderung an die Helden des Dramas, mit all dem umzugehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Nadal auf dem Dach stand, hockte Roger Federer unten auf dem dunklen Centre Court auf einem Stuhl, und sein Blick verlor sich im Nirgendwo. Später sagte er, diese ersten Momente seien nicht die schlimmsten, die nehme man kaum wahr. Aber es war in diesem Moment schon klar, dass ihn die Niederlage mitten ins Herz getroffen hatte. Seine Serie von fünf Titeln, das Gefühl, bei diesem Turnier und auf diesem Platz der bewunderte und verehrte Champion zu sein, hatte ihm immer mehr bedeutet als alles andere in der Welt des Tennis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wusste, dass er sich nicht beschweren durfte über die Niederlage in fünf Sätzen (4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 7:9) nach vier Stunden und 48 Minuten im längsten Finale der Geschichte Wimbledons. Denn hätte Nadal alle Chancen genutzt, unter anderem schon Mitte des dritten Satzes, dann wäre das Spiel vielleicht schon vor der ersten Regenpause zu Ende gewesen. Aber offenbar hatte sich der Himmel vorgenommen, ein Schauspiel zuzulassen, wie es das im nächsten Jahr und denen danach nie mehr geben wird. Mit einem Dach über dem Centre Court wären dem Spiel ein verspäteter Beginn und zwei Regenpausen erspart geblieben, aber es hätte eben auch jener dramatische Moment der Verzögerung gefehlt und die schillernde halbe Stunde am Schluss in der hereinbrechenden Dunkelheit. Am Ende, sagt Federer, habe er kaum noch erkannt, gegen wen er spiele, und Nadal meinte: "Als ich zum Match aufgeschlagen habe, hab ich nichts mehr gesehen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er musste nichts sehen, er konnte sich blind auf seinen Instinkt verlassen. Und auf seine offenbar angeborene Fähigkeit, sich von keiner Situation aus der Ruhe bringen zu lassen. Wie konnte er schaffen, die Unterbrechungen und die beiden vergebenen Matchbälle im Tiebreak des vierten Satzes wegzustecken? Das sei gar nicht schwer gewesen, versicherte er. "Nachdem ich den vierten Satz verloren hatte, hab ich mich hingesetzt und gedacht: Ich spiele gut, ich bin gut drauf, ich werde so weitermachen, und dann sehen wir ja, was passiert". Gegen diese mentale Stärke, gegen diese gottgegebene jugendliche Gelassenheit stand der bisweilen zögernde Zauberer Roger Federer auf verlorenem Posten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wird lange brauchen, um sich von dieser Niederlage, der zwölften im 18. gemeinsamen Spiel, zu erholen. Unendlich länger jedenfalls als nach der überaus klaren Niederlage vor vier Wochen im Finale der French Open. "Paris war gar nichts", sagte er eine Stunde nach der Niederlage mit einer Spur von Tränen in den Augen, "das hier ist ein Desaster". Er war untröstlich und wäre vermutlich am liebsten irgendwo in der Dunkelheit verschwunden. Um auch die Diskussion nicht zu hören, ob die erste Niederlage an dieser Stelle nach sechs Jahren so etwas wie eine Zeitenwende sei. Ein Ereignis wie seinerzeit 1981 die erste Niederlage nach fünf Titeln von Björn Borg gegen den aufmüpfigen, stürmischen John McEnroe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Nummer eins des Tennis wird er auf dem Papier zunächst mal bleiben. Aber erst in ein paar Wochen, gibt Federer zu bedenken, könne man Genaueres zu den Machtverhältnissen sagen, nach den Olympischen Spielen und den US Open. Als er am Montagmorgen nach einer kurzen und vermutlich nicht besonders schönen Nacht aus dem Fenster blickte, zeigte Wimbledon dem entthronten Maestro noch mal die kalte Schulter; es regnete in Strömen. So ist das nun mal: Nichts hält für alle Ewigkeit; das kleine Glück wird täglich neu verhandelt. Vielleicht wird es darin bestehen, das Bild des Turners auf dem Dach nicht allzu oft im Traum zu sehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5010792715339245542?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5010792715339245542/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5010792715339245542' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5010792715339245542'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5010792715339245542'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/epochaler-wahnsinn-taz.html' title='Epochaler Wahnsinn (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-690107383852854710</id><published>2008-07-08T09:52:00.000-07:00</published><updated>2008-07-08T09:53:41.725-07:00</updated><title type='text'>Bittere und süße Tränen nach dem Wimbledon-Finale</title><content type='html'>07.07.2008    &lt;a class="r11000000" onmouseover="status=''; return true;" onclick="return newWindow('/sport/ticker/news/GALERIE-iptc-bdt-20080707-214-dpa_18266922/kopfzoom/', 'sueddeutsche',400,300,'no','no','no','yes','no','no')" onmouseout="status='';" href="http://www.sueddeutsche.de/sport/ticker/news/GALERIE-iptc-bdt-20080707-214-dpa_18266922/kopfzoom/" target="_blank" rel="nofollow"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Bittere und süße Tränen nach dem Wimbledon-Finale&lt;br /&gt;London (dpa) - Als Rafael Nadal im Gras lag und heulend vor Glück alle Viere von sich streckte, war das Geschichtsbuch des Tennis um eines seiner ruhmreichsten Kapitel dicker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im vielleicht besten Endspiel auf dem «Heiligen Rasen», auf jeden Fall aber dem längsten Wimbledon-Herrenfinale, zerstörte der muskelbepackte Tennis-Held aus Mallorca brutal und ohne mit der Wimper zu zucken Roger Federers Traum vom sechsten Triumph in Serie. Der Schweizer hätte damit den legendären Björn Borg als Rekordhalter übertrumpft. Doch als das Licht ausging, stand der Branchenprimus im Londoner Regen und musste nach 4:48 Stunden mit 4:6, 4:6, 7:6 (7:5), 7:6 (10:8), 7:9 seine schlimmste Niederlage überhaupt hinnehmen. In der Weltrangliste rückte Nadal bis auf 550 Punkte an ihn heran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;«Daran werde ich noch lange zu knabbern haben», sagte der gestürzte Rasen-König. Seine großen Ziele für 2008 sind nun Gold bei den Olympischen Spielen und direkt danach der erste Grand-Slam-Sieg des Jahres bei den US Open. Wie in Trance erlebte Federer die Minuten nach dem Matchball, den er in der beginnenden Dunkelheit von Wimbledon kaum noch gesehen und ins Netz geschlagen hatte. Wie ein Gentleman gratulierte er Nadal und sackte gedankenverloren auf seinen Stuhl. Die Hände vors Gesicht gepresst, begann er still zu weinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der anderen Seite turnte Nadal hinauf zu seiner Familie in die Spielerbox und balancierte auf dem Dach der Sprecherkabine zur königlichen Loge, wo Spaniens Kronprinz Felipe und dessen Frau Letizia schon warteten. «Der Kronprinz war schon häufiger bei meinen Spielen», erzählte der viermalige French-Open-Sieger. Dass er seinem Land nur acht Tage nach der Fußball-Europameisterschaft den nächsten Triumph geschenkt hatte, machte ihn doppelt froh.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den britischen Zeitungen verdrängte das «epische Match» sogar den Formel-1-Sieg Lewis Hamiltons in Silverstone von den Titelseiten. «Nadal ist der Triumphator von Wimbledon», titelte die «Times», und der «Observer» schrieb von einem «historischen Finale, in dem Federers Traum vorüberging». In markigen Lettern erkor die «Sun» den Spanier zum «Größten» und fabulierte: «Beeindruckender Nadal beendet die Regentschaft von King Roger». Im «Independent» schließlich hieß es: «Nadal ist der Triumphator nach unvergesslichem Wimbledon-Drama.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der nach 65 Siegen auf Rasen erstmals wieder geschlagene Federer war geschockt wie noch nie nach einem Tennis-Match. Seine roten Augen, die leise Stimme und der traurige Blick verrieten, was in ihm vorging. «Ich habe alles versucht. Aber ich bin immer ein bisschen zu spät gewesen. Schauen sie, Rafa ist ein verdienter Champion. Er hat ganz einfach fantastisch gespielt.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den einen kleinen Tick war der 22-Jährige, der als erster Spanier nach Manuel Santana 1966 den goldenen Pokal umarmen durfte, besser. Vor allem war er schneller aus den Startlöchern gekommen. «Ich habe die ersten beiden Sätze gewonnen und dann zweimal den Tiebreak abgegeben. Warum sollte ich deshalb nervös werden», sagte Nadal ganz locker und bedankte sich artig bei Federer. «Er zeigt eine großartige Haltung, wenn er gewinnt, aber auch, wenn er verliert. Er ist die Nummer eins und hat hier fünf Mal gewonnen. Ich erst ein Mal.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einig waren sich beide, dass die einsetzende Dunkelheit am Ende des Matches eine Zumutung war. «Als ich zum Match servierte, habe ich nichts mehr gesehen», sagte Nadal. Und Federer meinte: «Ich will nicht motzen. Aber es war schon sehr, sehr dunkel. Das hat das Finale noch dramatischer gemacht und für den Champion noch fantastischer.»&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Tennis-Legenden unter den 15 000 Zuschauern rund um den Center Court waren begeistert von dem Finale, das sich nahtlos in die Reihe der Klassiker wie Goran Ivanisevic gegen Patrick Rafter im Jahr 2001, Stefan Edberg gegen Boris Becker 1990 oder Björn Borg gegen John McEnroe 1980 einreiht. «Es war das größte Match, das ich je gesehen habe», urteilte McEnroe, der 1981 Borgs sechsten Wimbledon- Triumph verhindert hatte. Und auch der dreimalige Wimbledonsieger Becker stimmte ein: «Es gab noch nie ein besseres Endspiel.»&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-690107383852854710?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/690107383852854710/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=690107383852854710' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/690107383852854710'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/690107383852854710'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/07/bittere-und-se-trnen-nach-dem-wimbledon.html' title='Bittere und süße Tränen nach dem Wimbledon-Finale'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-3925976947485278727</id><published>2008-05-26T10:13:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T10:14:11.533-07:00</updated><title type='text'>Wie man eine Stadt kaputt macht (taz)</title><content type='html'>26.05.2008  &lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/kommentarseite/1/wie-man-eine-stadt-kaputt-macht-1/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=b3df587f08" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/wie-man-eine-stadt-kaputt-macht-1/?src=SE&amp;amp;cHash=11d8302dff&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fwie-man-eine-stadt-kaputt-macht-1%2F%3Fsrc%3DSE%26cHash%3D11d8302dff&amp;amp;cHash=ae2421b3d0', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2Fregional%2Fberlin%2Faktuell%2Fartikel%2F1%2Fwie-man-eine-stadt-kaputt-macht-1%2F%3Fsrc%3DSE%26cHash%3D11d8302dff&amp;amp;cHash=ae2421b3d0" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Kommentar&lt;br /&gt;Wie man eine Stadt kaputt macht&lt;br /&gt;In Berlin gibt es zu viele Einkaufszentren. VON WALTRAUD SCHWAB&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bekannt ist: In Berlin haben die Menschen weniger Geld als im Rest der Republik. Ihre Kaufkraft lag 2007 ein gutes Drittel unter der der MünchnerInnen. Und im Vergleich zu Hamburg und Köln haben BerlinerInnen immer noch ein Viertel weniger im Portemonnaie. Diese schlechte Ausgangslage hindert die Investoren nicht, Berlin mit Einkaufsfläche ohne Ende zu bestücken. Am schlimmsten ist es mit den Shoppingmalls. 58 gibt es im Stadtgebiet, 15 im Umland dazu. Köln hat nur acht Shoppingcenter, München gar nur drei. Einkaufszentren en masse, gepaart mit einer armen Bevölkerung: Diese Mischung ist fatal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptstadt der Shoppingcenter&lt;br /&gt;In Berlin gibt es zu viele Läden und Einkaufszentren: Nach dem enormen Zuwachs in den vergangenen Jahren wird mittlerweile ein Überhang von mehr als einer halben Million Quadratmeter Ladenfläche verzeichnet, für die es keine Kaufkraft gibt, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Allein im vergangenen Jahr sei die Verkaufsfläche in der Hauptstadt um rund 215.000 auf etwa 4,56 Millionen Quadratmeter angewachsen. Fast die Hälfte des Zuwachses entfiel nach Angaben des Handelsverbands Berlin-Brandenburg auf Shoppingcenter. Berlin führt damit bundesweit: Es gibt 58 dieser Center. Bis 2010 soll die innerstädtische Verkaufsfläche sogar noch mal um 20 Prozent anwachsen. "Was da passiert, stimmt uns mit Sorge", sagt Rolf Pangels vom Handelsverband BAG, der vor allem den Einzelhandel in Deutschlands Innenstädten vertritt. "Wir fragen uns, wer da noch alles einkaufen soll." Der BAG rechne mit einer enormen Verschärfung des Wettbewerbs - zulasten der kleineren Unternehmen. "Für kleine inhabergeführte Geschäfte wird der Druck immer stärker."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;DPA&lt;br /&gt;Wer in einem Berliner Shoppingcenter war, weiß, wie es in den anderen aussieht. Überall sind die gleichen Franchise- und Supermarktketten. In Berliner Einkaufszentren wird die Bevölkerung mit globalisiertem Konsumgut terrorisiert. "Am billigsten" steht dabei in der Kategorie der Superlative ganz oben. Für den letzten Ramsch wird den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen. Viele Einkaufscenter-Junkies merken es nicht. Andere sparen nicht freiwillig, sie müssen ja sparen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer aber etwas merken müsste, das sind die, die die Entwicklung der Stadt im Senat steuern. Denn der Run auf die Shoppingcenter trägt nicht nur zur Verdummung der Bevölkerung bei. Er zerstört auch die Kieze. Kleine Geschäfte - und damit informelle Anlaufstellen - können sich nicht halten, die Inhaber werden zu Hartz-IV-Empfängern. Der Schwatz vor dem Bäckerladen ist längst passé - es gibt ja kaum noch Bäcker. Eine lebens- und liebenswerte Stadt kann aber auf die soziale Mikrostruktur intakter Nachbarschaften nicht verzichten. Auf weitere Einkaufszentren schon.&lt;a href="http://www.taz.de/zeitung/taz-panter-stiftung/?src=Sticker"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-3925976947485278727?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/3925976947485278727/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=3925976947485278727' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3925976947485278727'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3925976947485278727'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/wie-man-eine-stadt-kaputt-macht-taz.html' title='Wie man eine Stadt kaputt macht (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-311898390216153731</id><published>2008-05-26T10:03:00.001-07:00</published><updated>2008-05-26T10:03:57.495-07:00</updated><title type='text'>Hauptstadt der Shoppingcenter (taz)</title><content type='html'>26.05.2008  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hauptstadt der Shoppingcenter&lt;br /&gt;In Berlin gibt es zu viele Läden und Einkaufszentren: Nach dem enormen Zuwachs in den vergangenen Jahren wird mittlerweile ein Überhang von mehr als einer halben Million Quadratmeter Ladenfläche verzeichnet, für die es keine Kaufkraft gibt, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Allein im vergangenen Jahr sei die Verkaufsfläche in der Hauptstadt um rund 215.000 auf etwa 4,56 Millionen Quadratmeter angewachsen. Fast die Hälfte des Zuwachses entfiel nach Angaben des Handelsverbands Berlin-Brandenburg auf Shoppingcenter. Berlin führt damit bundesweit: Es gibt 58 dieser Center. Bis 2010 soll die innerstädtische Verkaufsfläche sogar noch mal um 20 Prozent anwachsen. "Was da passiert, stimmt uns mit Sorge", sagt Rolf Pangels vom Handelsverband BAG, der vor allem den Einzelhandel in Deutschlands Innenstädten vertritt. "Wir fragen uns, wer da noch alles einkaufen soll." Der BAG rechne mit einer enormen Verschärfung des Wettbewerbs - zulasten der kleineren Unternehmen. "Für kleine inhabergeführte Geschäfte wird der Druck immer stärker." DPA&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-311898390216153731?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/311898390216153731/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=311898390216153731' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/311898390216153731'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/311898390216153731'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/hauptstadt-der-shoppingcenter-taz.html' title='Hauptstadt der Shoppingcenter (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-9100706925044868254</id><published>2008-05-26T09:55:00.001-07:00</published><updated>2008-05-26T09:57:27.780-07:00</updated><title type='text'>Der RBB sucht sein Sparschwein  (tagesspiegel)</title><content type='html'>Der RBB sucht sein Sparschwein&lt;br /&gt;So sehen die Radiomodelle der heutigen Zeit aus: schließen, fusionieren, kooperieren.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/;art15532,2533056#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Joachim"&gt;Joachim Huber&lt;/a&gt; 18.5.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je länger die Geschäftsführung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) schweigt, desto lauter werden die Gerüchte im Sender über den angekündigten Sparkurs. Am Faktum, dass in der Gebührenperiode 2009 bis 2012 dem RBB 54 Millionen Euro im Etat fehlen, kommt keiner vorbei, an der Frage, wo diese Summe gespart werden soll, scheiden sich die Meinungen. Die bisherigen Signale aus der Geschäftsleitung um Intendantin Dagmar Reim machen deutlich, dass es in dieser Sparrunde die Programmleistungen der Zwei-Länder-Anstalt treffen wird. Von bis zu jährlich zehn Millionen Euro geht die Rede. Und wie selbstverständlich fürchtet sich die Abteilung Hörfunk mehr als das Fernsehen. Im Radio veranstaltet der RBB sieben Wellen – ist das nicht eine zu viel? Zieht man die Stimmen zusammen, ergeben sich drei intern diskutierte Modelle. Erstens wird ein Programm komplett aufgegeben, das würde am ehesten Radio Multikulti treffen; zweitens werden zwei Wellen zusammengelegt: Antenne Brandenburg mit Radio Berlin 88,8 oder Radio Eins mit Radio Fritz. Drittens wird bei allen Wellen gespart und beim Kulturradio wieder mit der Kulturwelle des Norddeutschen Rundfunks kooperiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Sparmodell, sagte RBB-Sprecher Ralph Kotsch, werde es definitiv nicht geben – das Modell „Rasenmäher“. Andererseits läuft die Aktion „Eichhörnchen“. Beim Inforadio beispielsweise wurden Schichten von 36,5 Stunden auf 38,5 Stunden hochgefahren oder Moderationshonorare gekürzt. Derartige Schritte werden die Sparsumme nicht erbringen, zumal an anderer Stelle Zusatzausgaben anfallen. Im neuen Gebäude von Inforadio an der Masurenallee wurde auch ein kleines Fernsehstudio für „rbb aktuell“ eingerichtet. Mitarbeiter berichten, die neue Technik sei derart fragil, dass in Potsdam stets ein zweites Nachrichtenteam bereit stehe – falls im Berliner Studio Mensch und Maschine versagen.&lt;br /&gt;Joachim Huber&lt;br /&gt; (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.05.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-9100706925044868254?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/9100706925044868254/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=9100706925044868254' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/9100706925044868254'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/9100706925044868254'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/der-rbb-sucht-sein-sparschwein.html' title='Der RBB sucht sein Sparschwein  (tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2379101519831988799</id><published>2008-05-26T09:52:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T09:54:59.695-07:00</updated><title type='text'>Die Überflieger (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Die Überflieger&lt;br /&gt;Der „Tatort“ aus Münster nimmt innerhalb der ARD-Krimireihe eine immer skurrilere Sonderrolle ein. Denn der lebt vor allem von den zwischenmenschlichen Verwicklungen, was aber oft zu Diskrepanzen zwischen Drehbuch und Regie führt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Von"&gt;Von Kurt Sagatz&lt;/a&gt; 18.5.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In welcher Beziehung der germanische Gott Wotan und Alberich, der Zwergenkönig aus dem Nibelungen-Lied, standen, ist nicht überliefert. Das mag vor allem daran liegen, dass diese Epoche in den Nebeln der Geschichte versunken ist. In der Fernsehgegenwart verstehen sich die beiden hingegen prächtig, auch wenn sich dahinter im „Tatort“-Krimi aus Münster mit dem Titel „Krumme Hunde“ ganz andere Geschöpfe verbergen. Wotan ist ein Kalb von einem Hund, das am liebsten Wiener Würstchen aus Kalbfleisch verspeist. Sein Herrchen, nur in den ersten Minuten des Films halbnackt und blutverschmiert zu sehen, ist ein Privatdetektiv und das Opfer eines heimtückischen Mordes. Er haucht sein Leben auf einer Baustelle inmitten einer Pfütze aus Säure aus. Seine Dogge, der treue Freund des Menschen, wird von Silke Haller (Christine Urspruch) adoptiert, besser bekannt unter ihrem Spitznamen Alberich als die kleinwüchsige Assistenten von Münsters bekanntestem TV-Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) – zumindest für diese Folge. Zum norddeutschen Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) hätte Wotan auch gar nicht gepasst. Denn zu all sein Marotten kommt seine Angst vor Hunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch der Hund ist nur der Runnig Gag, der durch die Gerichtsmedizin streift. Ansonsten dreht sich dieser „Tatort“ um Familien, ihre Traditionen, aber auch um ihre dunklen Seiten. Die Familienverhältnisse von Kommissar Thiel und seinem unsteten Vater Herbert (Claus. D. Clausnitzer) sind leidlich bekannt. Beide werden wohl nie zusammenkommen, auch wenn Herbert Thiel seinem Sohn dieses Mal sogar seine Quasi-Stiefmutter Asha präsentiert, die er nach dem indischen Hindu-Ritus geheiratet hat, der in Deutschland jedoch nicht rechtsgültig ist. Immerhin lässt sich Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) von deren Mantra-Weisheiten beeindrucken, die Asha leicht sächselnd vorträgt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Handlung erheblich bedeutsamer ist die zweite Familiengeschichte, die in der Industriellenfamilie Rummel angesiedelt ist. Junior Markus Rummel interessiert sich mehr für die Hobbyfliegerei, zumindest ist er dabei offensichtlich erfolgreicher als bei der Weiterführung des von seinem Vater aufgebauten Betriebes. Und er hat noch eine andere Leidenschaft für seine äußerst zielstrebige Assistentin Christine, an der nicht nur im Betrieb niemand vorbeikommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Familiengeschichte drei spielt sich bei den Boernes ab. Karl-Friedrichs ebenso betagter wie gut situierter Onkel Rudolf (Traugott Buhre) wird 100 und zwischen dem Mediziner und seiner Cousine Henriette kommt es zum Wettkampf um die Gunst des potenziellen Erbonkels. Allerdings sind stille Wasser tief, und Onkel Rudolf war nicht immer schwerhörig und an den Rollstuhl gefesselt. So kommt es, dass der TV-Mediziner Boerne über den altdeutschen Begriff Bankert für ein uneheliches Kind sinnieren darf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So typisch das alles für einen „Tatort“ aus Münster ist, so wenig war selten von dieser Stadt in der westfälischen Provinz zu sehen. Keine Autofahrt über den Prinzipalmarkt mit Blick auf St. Lamberti, wo einst die Wiedertäufer in Käfigen am Kirchturm hingen. Und auch der St.-Paulus-Dom mit seinen prägnanten mit Grünspan überzogenen Kupferdächern kommt nur ganz kurz ins Bild, aus äußerst ungewöhnlicher Perspektive eines Motorseglers.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie so oft lebt darum auch dieser Münster-„Tatort“ vor allem von den zwischenmenschlichen Verwicklungen, dafür stehen nicht zuletzt die Autoren Stefan Cantz und Jan Hinter, die bereits zum sechsten Mal das Buch verfassten. Für den „Tatort“ erprobten Regisseur Manfred Stelzer ist es der zweite ARD-Krimi aus Münster. Dabei haben Buch und Regie vor allem mit einem Problem zu kämpfen. Während Boerne und Thiel als Einzelpersonen ihre Besonderheiten immer überzeugender präsentieren können, gelingt es kaum noch, die gegenseitige Widerborstigkeit aufrecht zu halten. In einer Szene redet der Kommissar den Mediziner versehentlich mit „Du“ an und Boerne erkundigt sich verwundert, wann er Thiel diese Anrede gestattet hat. Der Streit in dieser Szene schließt das zwar tatsächlich aus, ansonsten fragt sich der Zuschauer im 13. Münster-„Tatort“ schon, wie lange der bärbeißige St.-Pauli-Fan seine demonstrativ zur Schau getragene Antipathie gegen den Society-Snob Boerne noch aufrecht erhalten will – vor allem, wenn dieser den Streit mit einem Six-Pack Bier beizulegen versucht. Dass dieses „Tatort“-Duo dennoch funktioniert, liegt an den kriminalistischen Geschichten selbst. Sicherlich wäre dieser Münster-Krimi ohne Originale wie Christine Urspruch, Mechthild Großmann und Claus D. Clausnitzer nur halb so unterhaltsam. Dennoch muss es den Autoren immer wieder gelingen, genügend Spuren zur Aufklärung des Verbrechens zu legen. Typisch Münster daran ist, an welchen Orten die Beweise versteckt werden – wobei man wieder bei Alberich und Wotan wäre. „Tatort: Krumme Hunde“; ARD, 20 Uhr 15&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.05.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2379101519831988799?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2379101519831988799/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2379101519831988799' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2379101519831988799'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2379101519831988799'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/die-berflieger-tagesspiegel.html' title='Die Überflieger (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2396250722129818070</id><published>2008-05-26T09:48:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T09:51:57.231-07:00</updated><title type='text'>Die „Bunte“ für Männer (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Die „Bunte“ für Männer&lt;br /&gt;Andere Welten: Italien leistet sich drei tägliche Sportzeitungen. Eine davon ist sogar die meistgelesene Tageszeitung des Landes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Von"&gt;Von Tim Klimeš, Rom&lt;/a&gt; 18.5.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der römische Bekannte schüttelt den Kopf: „Gli Italiani sono strani“, sagt er, „die Italiener sind komisch.“ Drei tägliche Sportzeitungen? So viel gebe es doch gar nicht zu berichten. Er selbst liest sie nicht, ist nicht solch ein Tifoso, vom Fußball beseelter Fan, wie viele seiner Landsmänner. Einer seiner Söhne spielt Basketball. Vielleicht liegt es daran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn der Erfolg der Sportblätter in Italien ist vor allem der einen Sportart Nummer eins zu verdanken, dem Fußball. Mehr als die Hälfte ihrer Berichte drehen sich um den Calcio, auf den hinteren Seiten folgen Radsport, Motorsport und Randsportarten. „Gazzetta dello Sport“, „Corriere dello Sport“ und „Tuttosport“, so heißen, aufgezählt nach Auflage, die drei Tageszeitungen mit einer Gesamtleserschaft von rund sechs Millionen. Zwar wird auch in Italien üblicherweise nur am Wochenende Ligafußball gespielt – berichtet aber wird jeden Tag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das ist Italiens meistgelesene Tageszeitung“, sagt Birgit Schönau und zieht den rosafarbenen Bestseller aus dem Stapel Altpapier, „besser als die ‚Bild‘-Zeitung“. Mit einer Auflage von durchschnittlich 520 000 Exemplaren und mehr als drei Millionen Lesern täglich ist die „Gazzetta dello Sport“ zugleich Europas größte Sportzeitung. Als Italiens Fußballer 2006 die Weltmeisterschaft gewannen, verkaufte sich das Blatt rund 2,3 Millionen Mal – ein Rekord. Der Verlag musste die Ausgabe, in der das Zeitungslogo die Farben der italienischen Trikolore trug, sogar nachdrucken lassen. Noch immer wird der Titel mit der Überschrift „Tutto vero!“ („Alles wahr!“) im verlagseigenen Fanshop als 38-mal-53-Zentimeter-Poster verkauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn an diesem Wochenende der letzte Spieltag der Serie A ausgetragen wird, können sich Inter Mailand oder der AS Rom noch den Gewinn der italienischen Meisterschaft sichern. Die Kioskverkäufer werden den Montag sehnlichst erwarten, immerhin bringt das Spieltagsresümee am Wochenanfang Italiens Sportzeitungen wöchentlich bis zu 30 Prozent mehr Auflage. Entsprechend üppig dürften die Verkäufe mit dem diesjährigen Saisonrückblick ausfallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Birgit Schönau sind die Sportzeitungen auch Informationsquelle. Die deutsche Journalistin lebt seit 1990 in Italien, berichtet für „Zeit“ und „Süddeutsche Zeitung“ aus der ewigen Stadt. Und oft auch aus dem Stadion. „Nichts ist Fußball in Italien weniger als ein Sport“, das schrieb die Journalistin bereits 2005 in ihrem Buch „Calcio – Die Italiener und ihr Fußball“. Das Land lasse sich durch den Sport wunderbar erzählen, sagt sie im Gespräch. Deshalb ihr Buch. Deshalb vielleicht auch die Sportzeitungen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Italiener kaufen sich morgens am Kiosk nichts weiter als eines der drei Blätter. Alles Wichtige zum Weltgeschehen bekommt man in Italien immerhin am U-Bahn-Eingang zugesteckt. Drei Gratisblätter sind landesweit erhältlich, eine davon, die „Leggo“, ist mit über zwei Millionen Lesern die zweitgrößte Gratispublikation Europas. Und selbst wer die Gratiszeitungen meidet, bekommt ein paar Nachrichten vom Tag mit auf den Weg: Auf drei von rund 60 Seiten informiert etwa die „Gazzetta“ auch über nationale und internationale Politik. In der Rubrik „Altri Mondi“ („Andere Welten“) – wenn ein neuer Papst gewählt wird oder amerikanische Hochhäuser einstürzen. „Spektakel hat hier eine lange Tradition“, sagt Birgit Schönau. Ihre Wohnung liegt fünf Laufminuten vom Kolosseum entfernt, dem Ort, an dem im Jahr 404 n. Chr. etwas geschah, was symptomatisch ist für die italienischen Tifosi. Der Mönch Telemachus hatte damals, zwölf Jahre nachdem das Christentum zur Staatsreligion ausgerufen worden war, versucht, zwei kämpfende Gladiatoren zu trennen. „Wir sind jetzt Christen“, soll er den Zuschauern entgegengeschrien haben, „diese Kämpfe sind ein unwürdiges Spektakel.“ Dann steinigten sie ihn zu Tode.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„In Rom gibt es über 300 Kirchen“, sagt Schönau, „und keine einzige ist nach ihm benannt. Raten Sie mal, warum?“ Das Spektakel, der Fußball sei in Deutschland nicht so stark im gesellschaftlichen Leben verankert wie in Italien – und so wird auch die Sportzeitung zum Gesellschaftsblatt. Man suche sich in Deutschland nicht das Lieblingscafé nach dem Wirt aus, der denselben Lieblingsklub habe. „In Italien wird im schlimmsten Fall die Partei nach der Klubzugehörigkeit ausgewählt“, sagt die Journalistin. Sport und Politik – in Italien hängt das zusammen. Als der gebürtige Mailänder Silvio Berlusconi 1994 erstmals an die Macht kam, entdeckte er den Fußball als besonders effektives Instrument der Politik. Der Cavaliere, wie Berlusconi auch genannt wird, nannte seine Partei „Forza Italia“, nach dem Stadionausruf der italienischen Fußballfans, und er instrumentalisierte fortan seinen AC Mailand. Brachte die eigene Partei gerade keine Positivnachrichten, brachte sie eben sein Verein. Als Präsident eines Top-Serie-A-Klubs kommen auch die einschlägigen Gazetten nicht an einem vorbei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die italienische Gesellschaft hat starke Züge einer postdemokratischen Gesellschaft, in der die Teilnahme am kollektiven Spektakel die demokratische Partizipation ersetzt“, sagt Schönau. Im Klartext, was die Italiener im Parlament vermissen, bekommen sie im Stadion oder beim gemeinsamen Fußballfernsehen: Teilnahme. Schon deshalb ist aus deutscher Sicht der Stellenwert des Fußballs in Italien schwer zu ermessen – und mit ihm der Stellenwert der Sportzeitungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Deutschland gebe es die Tradition der akademischen Auseinandersetzung mit dem Fußball nicht, „die Disziplin des calcio parlato, des gesprochenen Fußballs“. In Italien könne im Fernsehen auch zwanzig Minuten über eine Schiedsrichterentscheidung diskutiert werden – „Fußball-Debatten werden in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang gerückt“, sagt Schönau. 1998 beschäftigte eine strittige Schiedsrichterentscheidung gar das italienische Abgeordnetenhaus. Und sollte, was die Mandatsträger beschäftigt, nicht auch die Presse beschäftigen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass es in Deutschland keine Fußballsprache gebe, merke man schon an den hiesigen Fernseh-Sportkommentatoren. „Die sind erstaunlich sprachlos“, sagt die Journalistin: „Ecke – Lahm, Pass – Schweinsteiger; das war’s.“ Die italienischen Kommentatoren würden „eine Geschichte erzählen“, „eine Dramaturgie entwickeln“. Ähnlich auch die Sportzeitungen, die „neben den Hintergrundberichten über die Unterhaltungsindustrie Fußball auch Mythen schaffen, einen Voyeurismus bedienen“. Dann hat Birgit Schönau die Formel gefunden: „Eine ‚Bunte‘ für Männer, das ist die italienische Sportzeitung.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Obgleich sich etwas geändert hat im Land der Tifosi. Der Fußball-Korruptionsskandal von 2006 habe einen Bruch verursacht, sagt die Journalistin. Die Gewalt in den italienischen Fußballstadien tat ihr Übriges. „Viele Italiener betrachten ihren Sport heute kritischer.“ Die täglichen Sportzeitungen hat das nicht weiter tangiert, in den vergangenen drei Jahren haben sich die Auflagenzahlen nur unmerklich verändert. Was früher live im Stadion verfolgt wurde, wird heute eben vom Sofa aus im Fernseher gesehen – oder in der Zeitung nachgelesen. „Der Ausflug ins Stadion ist tot“, sagt Schönau, „nicht der Fußball.“ Mit ihm leben die täglichen Sportzeitungen weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.05.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2396250722129818070?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2396250722129818070/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2396250722129818070' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2396250722129818070'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2396250722129818070'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/die-bunte-fr-mnner-tagesspiegel.html' title='Die „Bunte“ für Männer (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4924709616297569141</id><published>2008-05-17T04:43:00.000-07:00</published><updated>2008-05-17T04:44:13.264-07:00</updated><title type='text'>Das kollektive Kauen (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Das kollektive Kauen&lt;br /&gt;Die Alltagsdroge Qat ist im Jemen beliebter als Kaffee. Das bringt einige Probleme mit sich - zum Beispiel Wassermangel&lt;br /&gt;Regina Kerner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SANAA. Was ist bloß los in diesem Land? Es sieht aus, als grassiere eine hoch entzündliche Zahnkrankheit oder als hätten alle verabredet, sich Tennisbälle in eine Gesichtshälfte zu schieben. Ab der Mittagszeit begegnet man im Jemen kaum einem Mann ohne pralle Backe, egal ob es sich um Bauern, Lkw-Fahrer, Polizisten oder Geschäftsleute handelt. Sprechen diese Männer, schiebt sich ein grellgrüner Brei zwischen ihre Zähne. Es sind nämlich keine Pingpong- oder Tennisbälle, sondern Bällchen aus zerkauten Blättern des Qatstrauchs, die sie stundenlang in der rechten oder linken Backe "lagern", wie es im arabischen Sprachgebrauch heißt.&lt;br /&gt;Das Ganze sieht ziemlich dämlich aus, aber das scheint keinen zu stören. Denn der säuerlich-bittere Saft der Qatpflanze euphorisiert. "Ich fühle mich stark", beschreibt der 23 Jahre alte Ahmed, der in der Hauptstadt Sanaa als Fahrer arbeitet, die Wirkung des Qats. Meist sitzt er beim Kauen mit Freunden beisammen und redet angeregt, "über alles", wie Ahmed sagt, Politik, Arbeit, Familie. "Ich kriege beim Qat die besten Ideen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gesellschaftliches Ritual&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn er hinterm Lenkrad sitzt, kaut Ahmed. Es hält ihn wach, sagt er. Seine tägliche Ration kauft er nach dem Mittagessen auf einem der vielen Märkte am Straßenrand, wo große Ballen von Qatzweigen liegen, oder bei einem der Händler, die am Morgen im Umland geerntete Zweigspitzen in kleinen Plastiktüten an jeder Kreuzung anbieten. Je nach Qualität kostet ein Beutel zwischen 300 und 3 000 Rial, ein bis zehn Euro - viel in einem Land, in dem das Jahres-Durchschnittseinkommen bei umgerechnet knapp 500 Euro liegt. 42 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat weniger als zwei US-Dollar am Tag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dennoch kauen 72 Prozent der Jemeniten, die in der Mehrzahl noch den traditionellen Wickelrock und den Krummdolch im Gürtel tragen, nach einer Statistik der Weltbank regelmäßig Qat. Ob in Sanaa oder in abgelegenen Dörfern des Nordjemen, überall sitzen ab ein oder zwei Uhr nachmittags Grüppchen von Männern zusammen, grüne Büschel in der Hand, von denen sie die zartesten Blättchen abpflücken. Zum Ritual gehört, viel Wasser, Tee oder Cola zu trinken und Zigaretten zu rauchen. Auch ein Drittel der jemenitischen Frauen kaut Qat, allerdings nur zu Hause, im Kreis von Freundinnen und Nachbarinnen, schließlich herrscht strenge Geschlechtertrennung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der soziale Zwang zum Qatkauen ist groß. "Wer nicht kaut, ist ausgeschlossen", sagt Ahmed. Auch Scheich Mohammed Saleh, Dorfältester in Qaratil, etwa eine Autostunde von Sanaa entfernt in einem der Hauptanbaugebiete von Qat gelegen, kann sich diesem Zwang nicht entziehen. "Eigentlich weiß jeder, dass Qatkauen schädlich ist", sagt er. "Es macht Jemen zu einem armen Land und ist schlecht für die Gesundheit." Trotzdem schiebt sich der Scheich die grünen Blätter in den Mund, wenn die Männer des Dorfes nachmittags in den Empfangsraum seines Hauses, den Diwan kommen, und Probleme und Streitigkeiten besprechen. So will es eben das gesellschaftliche Ritual.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ich sage den Männern aber immer wieder, dass sie ihr Geld lieber für ihre Kinder ausgeben sollen statt für Qat", beteuert Scheich Mohammed. Viele Kinder im Jemen sind nicht zuletzt deshalb unterernährt, weil die Eltern dem Qat verfallen sind. Donia, die verschleierte Hebamme in der Gesundheitsstation von Qaratil, beklagt, dass viele Säuglinge mit Blutarmut auf die Welt kommen, weil die Schwangeren Qat kauten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass Qat den Jemen zu einem armen Land macht, stimmt nur zum Teil. In den Hauptanbaugebieten der Pflanze, den Hochebenen nördlich von Sanaa und im Bergland von Amran, die um die 2 500 Meter über dem Meeresspiegel liegen, leben die Bauern gut davon. Die Frage ist nur, wie lange noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Landschaft hier ist ausgedörrt und sandgrau. Regen fällt nur im Frühjahr sowie im Juli und August, dann aber zuweilen als Sturzflut. Seit Jahrhunderten wird Wasser in Zisternen aufgefangen und durch ausgeklügelte Bewässerungssysteme auf terrassierte Felder geleitet.&lt;br /&gt;In diesem Jahr warten die Bauern vergeblich auf den Frühjahrsmonsun. Das letzte Mal hat es im August geregnet. Sie haben den steinigen harten Boden der Felder wieder und wieder gepflügt, damit er das Wasser, wenn es denn endlich kommt, überhaupt aufnehmen kann. Dann sollen hier Sorghumhirse und Hartweizen sprießen, sie sind genügsam, kommen mit wenig Wasser aus. Aber Getreide bringt nicht viel Geld. Das für eine jemenitische Mahlzeit unverzichtbare Fladenbrot wird von der Regierung subventioniert, der Weizen dafür kommt meist aus dem Ausland. Qat bringt den Bauern etwa fünf Mal mehr ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hamid Rashid aus dem Dorf Beit Ghufr baut zwar Weizen an, um seine etwa 50-köpfige Großfamilie zu ernähren. Geld verdient er aber mit seinen Qatfeldern. Gemeinsam mit Söhnen und Enkeln erntet er jeden Morgen die frischen Zweigspitzen. Qat gedeiht zwar auch auf schlechtem Boden, aber im Gegensatz zu Weizen müssen die Sträucher und Bäume regelmäßig bewässert werden. Hamid Rashid zahlt für das Wasser jedes Jahr 100 000 Rial, etwa 330 Euro. Das ist viel, aber er verdient das Drei- bis Vierfache, wenn er das Qat an Händler verkauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil die Bauern immer mehr Qat anbauen, fließt inzwischen die Hälfte des für die Landwirtschaft genutzten Wassers auf die Qatfelder. Selbst Kaffee, das einmal ein wichtiges Exportprodukt war, ist durch Qat verdrängt worden. Und viele Landstriche trocknen aus. Die Bewohner fürchten, dass sie bald nicht einmal mehr Trinkwasser haben werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Im Amran-Becken sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr um sechs Meter", sagt der deutsche Geograf und Islamwissenschaftler Gerhard Lichtenthäler. Er berät gemeinsam mit anderen Experten der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) seit 2004 die jemenitischen Behörden und das Wasserministerium, wie kostbare Vorräte geschont und gerecht verteilt werden können. Allein aus den 2 500 Brunnen der Qatregion Amran holen die Bauern zehnmal mehr Wasser, als durch Regen nachfließt. Um neue Brunnen zu bohren, muss man inzwischen 250 bis 400 Meter tief vordringen, bis man auf Wasser stößt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Nach islamischem Recht ist Wasser für alle da, man kann es nicht besitzen und also auch nicht verkaufen", erklärt Gerhard Lichtenthäler. Allerdings gibt es Nutzungsrechte. Wer zum Beispiel Land über dem Grundwasserspeicher besitzt und einen Brunnen bohrt, kann von anderen Geld für die Nutzung verlangen. Das führt häufig zu Streit. "Diese Auffassung steht oft im Konflikt mit dem Anspruch des Staates als Eigentümer und rechtmäßigem Verwalter der Wasserressourcen", sagt Lichtenthäler. Mit Unterstützung der GTZ-Berater haben viele Dorf- und Stammesgemeinschaften Abkommen geschlossen, wie sie das Wasser aufteilen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der zuständige Vize-Gouverneur von Amran, Abker Ali Baker, ein Mann mit imposantem schwarzem Schnurrbart, verweist darauf, dass in seinem Distrikt illegale Bohrungen für die Qatbewässerung verboten wurden, neue Qatfelder auch. Wer sich nicht daran halte, der müsse eine Strafe zahlen. Allerdings steht nur eine halbe Autostunde vom Gouverneursgebäude entfernt, kilometerweit sichtbar, ein Bohrfahrzeug in der Hochebene, das ohne Genehmigung nach Wasser bohrt. Zwanzig Qatbauern aus der Gegend hätten dafür Geld zusammengelegt, erzählt Khaled, der in einem klapprigen Pickup-Wagen vorbeifährt. Die Abschreckung per Gesetz scheint nicht ganz zu funktionieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Massive Unruhen bei Verbot&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fatima el Hababi ist Geschäftsführerin der Vereinigung zum Kampf gegen Qat, die ihren Sitz in der Hauptstadt Sanaa hat und der etwa 200 einflussreiche Jemeniten angehören. Sie hält dieses Beispiel für typisch. Die Regierung gehe nicht konsequent vor, um das Qatproblem einzudämmen. So sei es verboten, während der Arbeit Qat zu kauen. Aber kein Mensch halte sich daran. Das Laster schade der Wirtschaft des Landes erheblich. "So viele Jemeniten kauen stundenlang Qat, statt ihre Energie sinnvoll einzusetzen", klagt Fatima el Hababi. Es genüge nicht, dass Präsident Ali Abdullah Saleh im Dezember erklärt hat, er kaue künftig nicht mehr. Die Regierung müsse den Anbau und Konsum von Qat strikt verbieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerhard Lichtenthäler glaubt nicht, dass sich diese Forderung umsetzen lässt. "Qat beruhigt die politische Situation im Jemen. Es gäbe schnell massive Unruhen, wenn es verboten würde", sagt der GTZ-Experte. Und Vize-Gouverneur Abker Ali Baker sagt: "Es leben einfach zu viele Menschen vom Qat." 80 Prozent der Jemeniten arbeiten in der Landwirtschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines allerdings könnte die Situation grundlegend ändern: Auch im Jemen werden durch höhere Weltmarktpreise Nahrungsmittel teurer. Ein kleines Brot kostet zwanzig Rial, doppelt so viel wie vor ein paar Wochen. Weizen und Gemüse anzubauen, könnte für die Bauern vielleicht genauso lukrativ werden wie der Verkauf von Qat. Und würde das Qat-Angebot knapper, könnten sich viele das Kauen nicht mehr leisten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ahmed, der Mietwagen-Fahrer aus Sanaa, will sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn er nicht mehr täglich sein Qat in der Backe hätte, das ihn so stark macht. Eher würde er weniger essen, sagt Ahmed. Qatkauen dämpft schließlich auch das Hungergefühl.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4924709616297569141?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4924709616297569141/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4924709616297569141' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4924709616297569141'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4924709616297569141'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/das-kollektive-kauen-berliner-zeitung.html' title='Das kollektive Kauen (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-483120661783095842</id><published>2008-05-17T04:34:00.000-07:00</published><updated>2008-05-17T04:40:30.705-07:00</updated><title type='text'>Im Interview: Michael Palin (SZ)</title><content type='html'>03.05.2008    Im Interview: Michael Palin&lt;br /&gt;"Es muss weh tun"&lt;br /&gt;Als Mitbegründer der Komikergruppe Monthy Python hat Michael Palin dem englischen Humor seinen Stempel aufgedrückt. Nach seiner Auffassung wollen die Engländer gedemütigt werden, um sich zu amüsieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Michael Palin wird von allen Menschen auf den Straßen am Covent Garden nicht nur erkannt, sondern mit irgendwie herzerwärmender Dankbarkeit angelächelt. Zunächst gibt es ein Mittagessen im privaten "Two Brydges"-Club. Reizend. Steile Treppen. Kamin. Ölgemälde zeigen schöne gelangweilte Aristokratinnen. Mit "Monty Python" feierte man hier rauschende Partys. Er ist ein sehr zuvorkommender und hellwacher Brite, gutes Hemd, feiner Trenchcoat, aufmerksam funkelnde Augen. Nach dem Essen und aufschlussreichen Anekdoten aus dem Leben der Pythons geht es in sein Büro in der Tavistock Street. Reden wir nun über seine Landsleute!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Mister Palin, in Ordnung, dass wir jetzt über die Engländer sprechen? Und über eine gewisse, wie soll ich sagen . . . recht besondere Eigenart?&lt;br /&gt;Palin: Gerne. Ich habe mir alle Zeit genommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Max Mosley und die Nazi-Huren, Prinz Harry in Nazi-Uniform . . .&lt;br /&gt;Palin:. . . absolute Einzelfälle . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . Fotomontagen deutscher Fußballspieler in Wehrmachtsuniform in den Zeitungen, und es ließen sich weitere Belege nennen für ein Nazi-Faszinosum . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . nun gut, nun gut. Ich muss Sie nicht zum Lachen bringen, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Nicht zwingend.&lt;br /&gt;Palin: Und wenn Sie doch lachen müssen, tun Sie es bitte einfach. Ich hingegen werde versuchen, stets ernst zu bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Mit Monty Python erforschten Sie die Abgründe der Briten, heute haben Sie über Ihre Reisefilme in der BBC ein riesiges Publikum. Sie kennen sich aus, mit den Briten, mit der Fremde, und darin, wie man Briten die Fremde näherbringt, oder?&lt;br /&gt;Palin: Wissen Sie, was ich grundsätzlich merke, wenn ich sehr weit weg bin?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Was?&lt;br /&gt;Palin: Dass es einen englischeren Menschen als mich womöglich nicht gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Woran merken Sie das?&lt;br /&gt;Palin: Es ist mehr ein Gefühl. Eine Mischung aus Neugier und Blässe womöglich. Nun zu diesen tatsächlich evidenten Nazidingern hier in der Presse und so weiter, tja . . . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: ...schon müssen Sie lächeln.&lt;br /&gt;Palin: Aus einer gewissen Scham heraus. Wie so vieles, was das Königreich Großbritannien in seiner Alltagskultur auffährt, ist auch das alles ja überaus beschämend. Andererseits könnte man sagen, es ist Teil unseres weltweit einzigartigen und zu Recht vielfach preisgekrönten Humors.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Warum?&lt;br /&gt;Palin: Dieser Humor basierte immer schon auf Demütigung - darauf, eine Niederlage zu erwarten, sich mental rechtzeitig auf sie vorzubereiten und dann Pointen parat zu haben, um sich totzulachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Niederlage? Es wäre gewagt zu behaupten, dass England zwei Weltkriege gegen Deutschland verloren hat.&lt;br /&gt;Palin: Natürlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Was man als Deutscher oft nicht versteht: Ihr habt den Krieg gewonnen - wir sind doch sozusagen eh schon blamiert.&lt;br /&gt;Palin: Sie greifen zu kurz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Inwiefern?&lt;br /&gt;Palin: Sie dürfen die Jahre, die dem letzten Weltkrieg folgten, nicht vergessen. England hatte einige prächtige Jahrhunderte hinter sich - wir waren die Weltmacht schlechthin. Aber absolut nicht mehr im 20.Jahrhundert. Und nach dem Zweiten Weltkrieg schon mal gar nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Eine geschlagene Siegermacht?&lt;br /&gt;Palin: England lag vollkommen am Boden. Der Eindruck war, dass die Deutschen nur ein paar Wochen brauchten, um den Staub von der Kleidung zu schütteln und einen Wirtschaftsmotor anzuschmeißen, der einzigartig erfolgreich war, und das ist er doch, Krise hin oder her, bis heute! Schauen Sie sich die deutschen Exportzahlen an. Und es ging den Deutschen schon in den 50ern und in den 60ern schlicht viel besser als uns. Das hat . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . zu einer gewissen Verstimmung unter den Briten geführt?&lt;br /&gt;Palin: Der Eindruck war: Es ist schon okay, dass sie eine Demokratie und eine Chance haben, die Deutschen, nach dem Blut, das sie ja auch selbst vergossen haben. Aber: sie hätten sich ein wiiiiinziges bisschen mehr schämen können für das Grauen, das sie angerichtet haben. Stattdessen sind sie wieder so effizient. Und diszipliniert. Da wiederum sind wir bei einem englischen Trauma. Wenn es zwei Eigenschaften gibt, die wir Engländer nicht haben: Effizienz und Disziplin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Verzeihen Sie, aber die Disziplin der Engländer ist berühmt.&lt;br /&gt;Palin: Ich rede ja nicht von den kleinen Gelegenheiten, von der Schlange vorm Bus und derlei. Sondern von den großen. Von Kriegen. Vom Gesundheitssystem. Von der Eisenbahn. Oder von der Einweihung eines tollen neuen Flughafenterminals in Heathrow, das viereinhalb Milliarden Pfund kostet - aber keine Parkplätze fürs Personal einplant!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Okay, zu Heathrow gleich mehr.&lt;br /&gt;Palin: Von mir aus übrigens bitte gerne nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Vorweg eine gewagte These, und Sie können mich ja dann rausschmeißen . . .&lt;br /&gt;Palin:. . . nein, nein, demütigen Sie mich!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Hat der Automobilverbandspräsident Mosley stellvertretend für viele Gefallen daran gefunden, mal so richtig, nun ja: dizipliniert zu werden?&lt;br /&gt;Palin: Wir werden hier nicht in Vulgärpsychologie verfallen, nicht wahr? Nur, zweifellos ist er der Sohn des ehemaligen britischen Faschistenführers, und, nein: keine Spekulationen darüber, wieso sich der Sohn des Faschistenführers von einer deutschen Hure entlausen lässt - mein Gott!! Als Autor von Drehbüchern und als Komiker mit einem gewissen filmhistorischen Strafregister muss ich, wenn ich so was lese, natürlich auch sagen: Ich bin stolz, zu einem Volk zu gehören, das solche Prachtkerle auf die Wirklichkeit loslässt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Aber meine anmaßende Frage war . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . ob Mosley es stellvertretend für alle Briten erregt, von Damen in SS-Uniformen über den Stuhl gelegt zu werden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Gut, lassen wir das, Mister Palin.&lt;br /&gt;Palin: Nein, nein, also . . . wenn Sie es ein wenig metaphorisieren vielleicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Tun Sie es!&lt;br /&gt;Palin: Also, hier, Sir: Yes, we love to be spanked! Wir Engländer lieben es gottverdammt noch mal, den Arsch versohlt zu bekommen - hahaha! Anwesende natürlich ausgenommen. Aber unser Humor, wie gesagt, er basiert darauf, erst zu demütigen und dann gedemütigt zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Oder umgekehrt.&lt;br /&gt;Palin: Oder umgekehrt. Jedenfalls gibt’s was auf den Hintern. Es muss weh tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Er ist nicht so offensiv wie der amerikanische Humor, zum Beispiel der Humor des Rat Pack in Las Vegas, der darauf abzielte, dass man das beste Mädchen . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . exakt. Heute hat sich der Humor natürlich internationalisiert, es gibt ja womöglich auch bei deutschen Komikern Beispiele für eher britischen Humor . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . kein gutes Thema . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . gut. Aber der amerikanische Humor gründete seit der Stummfilmzeit darauf, dass gerade der Underdog es schafft, das Mädchen zu kriegen. Wenn aber Briten etwas nicht finden, niemals, dann: den Zubringer auf die Gewinnerstraße. Unser Vorbild bei Monty Python war nicht das Rat Pack, sondern die "Goon Show" von Spike Milligan . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . neben Peter Sellers die große bipolare Persönlichkeit des britischen Humors.&lt;br /&gt;Palin: Spike war manisch-depressiv, und er war der größte Komiker, den ich kenne. Und die "Goon Show", sie verhandelte vor allem Spikes Kriegsneurose. Er war traumatisiert von seiner Zeit bei der Royal Artillery in Afrika. Das Prinzip der "Goon Show" war nicht die große, rührende oder jedenfalls alles auflösende Pointe am Ende. Die gab es meistens nicht - wie es sie ja bei Monty Python auch nicht gab. Die jeweilige Maßeinheit pro Sketch war dafür: das Ausmaß des jeweils gestifteten Unfriedens. Und die Deutschen hatten einfach ein ungeheures Traumapotential abgefeuert. Sie waren einschüchternd, alles glänzte, war spitz und scharf, es war perfekt choreographiert und dabei furchtbar in der Wirkung, es war wirklich insgesamt sehr, sehr, wie soll ich sagen: eckig? Ja: eckig! Und effizient!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es muss weh tun"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Oh Gott . . . wirken wir heute noch eckig?&lt;br /&gt;Palin: Nein, beruhigen Sie sich. Das war einmal. Und diese Horrorshow nun, sie kam nicht aus einem Land wilder Irrer, sondern aus einem künstlerischen und aufgeklärten Land, einem Land großer Regisseure und Autoren, aus dem Land von Thomas Mann, Bertolt Brecht. Es gab hohe künstlerische und moralische Maßstäbe. Die moralischen waren dann aus der Mode gekommen . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . das haben Sie fein gesagt.&lt;br /&gt;Palin: Aber rein künstlerisch sind - das ist das Irritierende - diese sehr fatalen Filme von Leni Riefenstahl Meisterwerke, diese ganze Nürnberger Maschinerie aus Licht und Choreographie . . .&lt;br /&gt;SZ: . . . womit im Pop viel gearbeitet wurde. Nehmen wir Texte der Rolling Stones wie "Sympathie For The Devil" oder Shows von Pink Floyd oder David Bowie. Regelrechte Teufelsaustreibungen, oder?&lt;br /&gt;Palin: Richtig. Und auch hier sind wir wieder bei der Demütigung. Nennen Sie es Pop oder nicht Pop. Fakt ist: die Zeichensprache der Nazis, die Inszenierung, sie war ziemlich scharf. Das sah - in der Inszenierung, wir wollen uns nicht missverstehen - smart aus. Ich meine, schon diese verdammten Wehrmachtsuniformen, sie waren todschick. Bis heute machen wir hier Witze über die Helme unserer Soldaten!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Wieso?&lt;br /&gt;Palin: Während die Wehrmacht verdammt gut geschnittene Helme hatte, sahen unsere aus wie umgedrehte Suppenschüsseln. Natürlich schauten die weltberühmten englischen Segelohren an der Seite raus. Solche Sachen. Wir waren nicht cool. Es hielt sich zudem lange der Eindruck, dass wir den Zweiten Weltkrieg nicht in dem Sinne gewonnen hatten. Sondern dass wir uns eher bei den unkultivierten Amerikanern bedanken sollten, dass wir ihn nicht verloren haben, dass also das Königreich von den deutschen V2-Raketen nicht vollkommen planiert wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Insgesamt starben bei den deutschen Luftangriffen, den "Blitz" im Herbst 1940 eingeschlossen, mehr als 66.000 Zivilisten in England.&lt;br /&gt;Palin: Und beachten Sie: Es war ja eben der Blitz aus dem Himmel, es war in dem Sinne zunächst kein Frontenkrieg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Sie meinen, dass die Paranoia durch die Insellage zusätzlich kultiviert wurde?&lt;br /&gt;Palin: Durchaus, der Tod kam aus dem Himmel: wie ein Fabelwesen. Nicht, dass es für Polen oder Holländer leichter gewesen wäre, Gott bewahre. Aber die Insellage, sie schürte den Wahnsinn, was bleibt dir übrig: Du kannst nicht abhauen, du kannst in Dover vom Felsen springen. Paranoid! Da gibt es dann in der Umkehrung auch einen komischen Aspekt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Welchen?&lt;br /&gt;Palin: Das Inseldasein hat ja in glorreicheren Zeiten maßgeblich zur britischen Selbstüberschätzung beigetragen. Wir selbst waren nicht die Insel - alles andere war die Insel! So kann man es sehen. Wenn man nur irre genug ist. Aaaah, diese Selbstüberschätzung liebe ich! Sie war Anlass für zahllose Python-Sketche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Es gab diese berühmte Zeitungsüberschrift in England zu Beginn des 20.Jahrhunderts: "Fog over the channel, continent isolated." Nebel über dem Kanal, Europa isoliert. Toll.&lt;br /&gt;Palin: Die Mutter aller Selbstüberschätzungen. Kein Wunder, dass wir seither masochistisch veranlagt sind. Es ist inzwischen Teil der britischen DNS, zu scheitern, mit vollen Hosen dazustehen und aber relativ gute Witze darüber zu machen. Und zwar scheitern wir bis heute immer dann, wenn es um große Projekte geht. Ich nenne es: das "Big Occasion Syndrom".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Noch einmal: Den Krieg haben die effizienten Deutschen verloren.&lt;br /&gt;Palin: Ja, aber nicht aufgrund von angeborener Unfähigkeit zur Effizienz. Sondern weil man in Deutschland an ein totalitäres System glaubte, das, weil es so total war, zu allem fähig sein würde. Es gibt viel Unheil in Großbritannien, auch politisches, aber ich glaube, der Brite ist eher mal nicht in der Lage, an ein totalitäres System zu glauben. Er glaubt überhaupt nicht an eine Systematik. Er glaubt an ein paar Benimmregeln für den Alltag, die das Leben erleichtern. Und im Übrigen glaubt er ans totale Chaos. Diese Einstellung ist mir auch sympathisch. Wie gesagt, einen englischeren Menschen als mich finden Sie nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Und doch nehme ich Ihnen nicht ab, dass jedes Großprojekt hier zum Scheitern verurteilt ist. Zum Beispiel haben Sie mit Monty Python große Filme gestemmt. Denken Sie an "Life Of Brian"!&lt;br /&gt;Palin: Den hat nur George Harrison gerettet. Wie überhaupt in England etwas meist nur dann funktioniert, wenn sich ein reicher Musiker einschaltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Wie kam das?&lt;br /&gt;Palin: Der Chef der EMI, die den Film produzieren sollte, las - kurz vor dem Drehstart - das Drehbuch. Bisschen spät.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Und dann?&lt;br /&gt;Palin: Eine Parodie auf Bibel-Verfilmungen. Singende Menschen am Kreuz. Kalkweiß saß er da: "Wenn ich den Film finanziere, bin ich dem Untergang geweiht. Tut mir leid, Jungs!" Wie auch in Heathrow scheiterte also ein Projekt in der Vorbereitung, das aber faktisch schon begonnen hatte. Die Kreuze und Römer-Kostüme waren ja schon am Drehort in Tunesien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Wieso hat Harrison ausgeholfen?&lt;br /&gt;Palin: Hab’ ich ihn auch gefragt: "George, es geht um viel Geld! Fünf Millionen Pfund! Bis morgen! Wieso tust du das für uns?" George, auf seine wunderbar nasale Art, sagte nur: "Weil ich den Film sehen will." Bei "Monty Python And The Holy Grail" waren es dann die humorbegabten Herren von Pink Floyd, die viel Geld ’reinlegten. Sie waren gerade durch die "Dark Side Of The Moon"-Sache zu einem überraschend unüberschaubaren Reichtum gekommen. Aber: Wehe, es wird etwas von offizieller Seite geplant hier in England! Ich gebe Ihnen meine Hand drauf: es wird schiefgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Das neue Terminal in Heathrow . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . Jahrzehnte der Planung. Jahrzehnte politischer Diskussionen. Milliardenkosten. Und? Ein Desaster. Was groß ist, scheitert. Es liegt an der hochexplosiven Mischung in unserer lustigen DNS: Empire-Übermut und gleichzeitig maximale Selbstdemütigungsdrehzahl. Als wollten wir vor der Welt dastehen wie die dummen "Upper Class Twits" aus dem Python-Sketch . . . Sie erinnern sich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Die "Meisterschaften um den Blödmann des Jahres aus der Oberklasse"? Hurra! Im Namen der Leser möchte ich Ihnen auch für diesen Sketch sehr danken.&lt;br /&gt;Palin: Bitte sehr! Also, hier eine kleine Chronik des Versagens: Nehmen Sie die beiden Prestigeprojekte mit dem Architekten Richard Rogers. Der Millennium Dome, 320 Meter Durchmesser, das neue Terminal in Heathrow für 30 Millionen Passagiere unserer sensationellen Fluglinie British Airways. Der Dome begeisterte im Jahre 2000 am Eröffnungsabend dadurch, dass keiner reinkam, weil die Türen kaputt waren. Dann ging er pleite, was mich nicht wundert. Heute können wir froh sein, dass die Amerikaner von O2 ihn 2005 übernahmen und eine Konzertarena draus machten. Sonderbarerweise läuft alles seitdem reibungslos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;03.05.2008    8:35 Uhr&lt;br /&gt;Im Interview: Michael Palin&lt;br /&gt;"Es muss weh tun"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Im Terminal 5 . . .&lt;br /&gt;Palin: Im Terminal 5 verschwanden Hunderttausende Koffer, weitere Einzelheiten wollen wir uns ersparen. Schon beim Tunnel unterm Kanal müssen wir uns bei den Franzosen bedanken, denn ohne die hätten wir womöglich bis zu den Kanarischen Inseln weitergegraben. Nur am Rande erwähnen will ich, dass sogar die Spanier - die Spanier! - inzwischen schnellere Züge bauen als wir. Dass der Großcomputer, der unser marodes Gesundheitssystem NHS revolutionieren sollte, ein Totalausfall ist, wussten Sie es schon? Und das neue Wembley Stadion wurde zwei Jahre zu spät fertig, weshalb ich nicht verstehe, dass alle Welt Angst hat, ob die Südafrikaner mit ihrer Infrastruktur fertig werden bis zur WM 2010, weil: wirklich Sorgen machen sollte man sich darüber, dass die Olympischen Spiele 2012 in London stattfinden - ich sage Ihnen: Machen Sie sich auf was gefasst!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Sie sind ja ganz außer sich.&lt;br /&gt;Palin: Natürlich. Denn immer werden diese "big occasions" hier als die Ankunft des leibhaftigen Gottes in London gepriesen - und immer ist das nur die Overtüre zum dann größten Witz der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Ich darf daran erinnern, dass England bei der Fußball-Europameisterschaft nicht dabei sein wird . . .&lt;br /&gt;Palin: ... ich danke Ihnen! Übrigens das vielleicht beste Anschauungsmaterial für meine These von Wahn und Scheitern des Empires. Denn was passiert eigentlich immer, wenn unser Team gefragt ist?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Es scheitert.&lt;br /&gt;Palin: Ja, aber nicht einfach so. Das Vorspiel ist interessant: Wir scheitern bei der WM in ausgerechnet Deutschland, peitschen uns vor aller Welt selbst fast zu Tode vor Scham - und schwören dann plötzlich über Nacht in unseren feinen Zeitungen, derselben Welt bei der EM zu zeigen, welche Nation gottverdammt nochmal den Fußball erfunden hat und dann halt Europameister werden wird! Statt uns nun aber - wie die effizienten Deutschen - ordentlich zu organisieren, vergessen wir, eine halbwegs den Anforderungen entsprechende Qualifikation zu spielen und werden dann nicht Europameister, weil es dazu ja zum Beispiel zwingend nötig gewesen wäre, überhaupt zur Europameisterschaft hinzufahren, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Schon, ja, aber . . .&lt;br /&gt;Palin: Beachten Sie die Kurve, die nur extreme Koordinaten zeigt: Übermut - Schande - Selbsthass - Komik - und dann wieder Übermut. Alles in drei Sekunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Mister Palin, könnte in der Gewissheit, mit der zum Beispiel die Menschen hier in London das Chaos einkalkulieren, nicht aber auch der Charme liegen, der diese Stadt so überaus liebenswert macht?&lt;br /&gt;Palin: Sie meinen . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Zum Beispiel: Wie bewegend der lässige Stolz war, mit dem man hier im Juli 2005 bewiesen hat, dass man sich durch Terroristen nicht beeindrucken lässt . . .&lt;br /&gt;Palin: . . . natürlich . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: . . . in Amerika wäre die nackte Hysterie ausgebrochen, in Deutschland finstere Nacht, tiefe Depression.&lt;br /&gt;Palin: Ich hoffe, dass ich mich klar ausgedrückt habe: Ich liebe dieses Land, und ich liebe diese Stadt. Sollte ich von einem Problem gesprochen haben, so bin ich selbstredend Teil des Problems und habe immer auch von ihm profitiert. Ohne dieses England hätte es Monty Python nie gegeben. Das Faszinierende an London ist für mich bei all dem Chaos ja auch: diese Masse an glücklich aussehenden, an so überaus fröhlichen jungen Menschen. Ich weiß, wie hart sie arbeiten, um das Leben hier zu finanzieren, aber wo auf der Welt finden Sie so viele glückliche junge Menschen? Es war immer so, und dass es heute noch so ist, wo alles hier so teuer ist: Ich finde das sehr bemerkenswert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Sehen Sie das bei Ihren Reisen durch Deutschland auch?&lt;br /&gt;Palin: Was? Chaos? Nein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Sehr viele glückliche junge Menschen?&lt;br /&gt;Palin: Hm . . .&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Nein?&lt;br /&gt;Palin: Ich habe eben dieses interessante Buch von Sebastian Haffner gelesen, seine Erinnerungen an die Zeit von 1914 bis zur Machtergreifung durch die Nazis ("Geschichte eines Deutschen", dtv, die Red.). Haffner schreibt vom großen Talent der Deutschen zur Melancholie. Ich musste beim Lesen an meine letzten Reisen denken, nach Meißen, Dresden, Berlin. Ich hatte Kontakt zu absolut großartigen und sehr nachdenklichen jungen Leuten, als wir unsere Reportage für die BBC drehten. Aber wenn Sie mich fragen, ob es Glück, Spaß oder Zuversicht war, was sie dort im Osten mit ihrem Leben verbanden, ich könnte das jetzt nicht mit einem Jubelschreib bejahen. In Bayern, an den Seen, auch in München sieht die Sache für einen Außenstehenden allerdings schon wieder anders aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Wir werden nur durch das kleine, lästige Land Österreich von Italien getrennt!&lt;br /&gt;Palin: Ich finde München immer wieder sehr hinreißend. Auch mag ich diese Affinität der Bayern zum Wahnsinn. Denken Sie nur an Ludwig II.! Wir waren bei den Pythons absolut besessen von ihm. Wir wollten ihn sogar ins Ensemble aufnehmen. Leider war er schon tot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Es ist Höflichkeit, dass Sie das vom englischen Boulevard gepflegte Klischee vom dumpfen Deutschen nicht bestätigen.&lt;br /&gt;Palin: Nein, es ist keine Höflichkeit. Bitte, wie sollte ein Land, das Monty Python bis heute traumhafte Absatzzahlen beschert, dumpf sein? Geben Sie nichts auf den britischen Boulevard! Zeitungen pflegen Ressentiments, weil sie glauben, dass sie so näher am kleinen Mann dran sind. Aber der kleine Mann hier, er hat keine Ressentiments mehr gegen Deutsche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ: Sicher?&lt;br /&gt;Palin: Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es liegt einfach länger schon nicht mehr an den Deutschen, wenn in Paddington exakt zu den Stoßzeiten alle Züge gleichzeitig ausfallen.&lt;br /&gt;Palin: Danke.&lt;br /&gt;SZ: Gerne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(SZ vom 03.05.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-483120661783095842?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/483120661783095842/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=483120661783095842' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/483120661783095842'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/483120661783095842'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/im-interview-michael-palin-sz.html' title='Im Interview: Michael Palin (SZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1375598065861994817</id><published>2008-05-06T09:50:00.000-07:00</published><updated>2008-05-06T09:52:00.531-07:00</updated><title type='text'>Die Hoffnung wird bürgerlich (Tagesspiegel)</title><content type='html'>1. Mai&lt;br /&gt;Die Hoffnung wird bürgerlich&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Von"&gt;Von Gerd Nowakowski&lt;/a&gt; 3.5.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hass und Liebe lautet das Motto der legendären Italo-Punkband „Banda Bassotti“ – früher meinten die das ernst. Beim Auftritt am 1. Mai in Kreuzberg war das nurmehr anarchistische Folklore. So ändern sich die Zeiten. Jetzt werden keine Verhältnisse mehr zum Tanzen gebracht, und Pogo auf der flammenden Barrikade gibt es erst recht nicht mehr. Trotz 138 Festnahmen – so friedlich war es selten. Ein Bezirk atmet auf. Die radikale Linke, die ihren Aufbruchmythos in Hass und Scherben hinter sich hat, ist längst heimisch geworden in ihrem Kiez. Der Bezirksbürgermeister ist ein Grüner, der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele als direkt gewählter Kiezvertreter bundesweit bekannt, die Revoluzzer von einst mit grauem Haar sind stramm auf dem Marsch in die Rente. Von Kreuzberger Straßenkampf wird nur noch geträumt, wenn es um die Kampagne für eine Rudi-Dutschke-Straße geht – vor der Haustür des Springer-Verlags.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gut so. Das Ritual der Gewalt, ehedem nahezu ein Pubertätssymbol, das erlebnishungrige Randale-Jugendliche aus der ganzen Bundesrepublik, Migrantenkids und gewaltbereite Autonome am 1. Mai nach Kreuzberg führte – es hat sich überlebt. Endlich. Die Polizei, die einst überhart auch gegen Unbeteiligte den Aufruhr zuweilen provozierte, hat durch kluge Zurückhaltung immer besser gelernt, das Aggressionspotenzial zu dimmen. Tausende Beamte waren auch diesmal im Einsatz, aber fernab im Hintergrund, in Zivil oder als Streitschlichter unterwegs. Nur wenn es knallt, sind die Polizisten zur Stelle und greifen sich zielgerichtet die Krawallmacher heraus. Das findet niemand mehr falsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem ist der 1. Mai anders geworden, weil Kreuzberg anders geworden ist. Ihren Kiez lassen sich die Kreuzberger nicht mehr von betrunkenen Randalierern kaputt machen. Das „Myfest“ hat dieser Stimmung eine Stimme gegeben. Schon als im vergangenen Jahr die legendäre Politband „Ton Steine Scherben“ „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ spielte, dachte keiner mehr an den eigenen Bezirk. Die Alternativen und Autonomen von damals sind heute die Menschen, die ihrem problembeladenen Bezirk mit dem ganz eigenen Lebensmodell eine Art bürgerlicher Hoffnung geben. Anteil an der erfolgreichen Befriedung haben viele Menschen, auch die türkischen Fußballvereine mit dem am 1. Mai ausgespielten Muslim-Cup.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob der flammende 1. Mai in Kreuzberg endgültig Geschichte ist, haben die Kreuzberger nicht allein in der Hand. Der globalisierte Protest benötigt die lokale Basis. Im vergangenen Jahr war es der G-8-Gipfel, der die Gewaltbereitschaft in der Bundeshauptstadt befeuerte, diesmal zog Hamburg beim Protest gegen den NPD-Aufmarsch die gewaltbereiten Linksradikalen an. Event-Hooligans, die ihren Adrenalinkick ausleben wollen, wird es immer geben. Da braucht es als Auslöser nicht einmal den öffentlichen Cafébesuch von Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch. An die Provokation des einstigen Berliner Innensenators Heinrich Lummer, der sich 1981 nach der Räumung von besetzten Häusern in unsäglicher Siegerpose auf dem Balkon präsentierte, muss sich niemand erinnert fühlen. Jeder hat das Recht, sich am 1. Mai in Kreuzberg zu zeigen, auch ein Polizeipräsident. Dass dies nicht als kollektive Provokation begriffen wurde, zeigt, wie weit sich Kreuzberg von 1987 entfernt hat. Ob der Auftritt klug war, ist eine andere Frage. So normal ist Kreuzberg dann doch noch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.05.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1375598065861994817?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1375598065861994817/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1375598065861994817' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1375598065861994817'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1375598065861994817'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/05/die-hoffnung-wird-brgerlich.html' title='Die Hoffnung wird bürgerlich (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4608759511804259287</id><published>2008-04-29T07:04:00.001-07:00</published><updated>2008-04-29T07:04:25.979-07:00</updated><title type='text'>Leben am Abgrund (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Leben am Abgrund&lt;br /&gt;Immer wieder brechen Kreidefelsen und Hänge an der Steilküste der Ostseeinsel Rügen ab. Nun könnte erstmals ein Dorf ins Meer rutschen&lt;br /&gt;Andreas Förster&lt;br /&gt;LOHME. Ostseeblick heißt die alte Dorfstraße von Lohme erst seit knapp zwei Jahren. Die Gemeinde hat die Straße umbenannt, weil man von hier aus nun den Leuchtturm von Arkona sehen kann und die Schaabe, den feinen Sandstrand an der Tromper Wiek, wie die langgezogene Bucht zwischen Kap Arkona und den Kreidefelsen des Jasmunder Nationalparks heißt. Über Jahrhunderte hinweg war dieses Panorama hinter Bäumen verborgen. Sie standen auf dem gut vierzig Meter hohen Steilhang, der vom Strand hoch zum alten Fischerdorf Lohme reichte. Bis in einer Märznacht vor drei Jahren ein gewaltiger Erdrutsch 150 000 Kubikmeter Hangwald in die Ostsee stürzen ließ.&lt;br /&gt;An Rügens Kreideküste gibt es seit Jahrhunderten immer wieder spektakuläre Steilhangabbrüche. Im Jahr 2005 brachen die weltberühmten Wissower Klinken im Jasmunder Nationalpark ab, vor wenigen Wochen stürzten unweit von Kap Arkona Kreidefelsen und Geröll in die Tiefe. Wetter und Frost sind die Ursache, meist rutschen die Steilhänge in unbewohnten Gebieten der Insel weg. Im Februar 2005 wurde eine Spaziergängerin am Strand von herabstürzenden Kreidefelsen erschlagen, bislang sind Unglücke dieser Art aber selten.&lt;br /&gt;Bei Lohme liegt der Fall anders. Hier ist eine ganze Gemeinde gefährdet. Der Ort, der vor 150 Jahren Rügens erstes Seebad war, liegt im Norden der Insel Rügen, seine rund fünfzig Häuser stehen auf einem Plateau am Rande der vierzig Meter hohen Steilküste. Hier können keine Felsen abbrechen wie an der nahen Kreideküste in der Gegend um den Königsstuhl. Die Zukunft des Dorfes mit seinen 320 Einwohnern ist durch einen Hang bedroht. Ingenieure haben festgestellt, dass er ins Rutschen kommen und Häuser mit in die Tiefe reißen könnte. Vor drei Wochen sind deshalb Teile der Gemeinde gesperrt worden.&lt;br /&gt;An der alten Dorfstraße in Lohme kniet eine Frau im Garten ihres Hauses und zupft Unkraut aus dem Blumenbeet. "Kapitänshaus Trost, Zimmer frei" steht auf einem Schild am Zaun. Das Grundstück liegt gut hundert Meter von der Stelle entfernt, wo vor drei Jahren ein Stück Steilhang zum Strand abstürzte. Hat sie keine Angst, dass auch hier der Boden plötzlich in Bewegung kommen könnte? "So ein Quatsch", sagt die Frau unfreundlich. An dieser Stelle sei alles sicher, Panik würden nur die Medien machen, so wie vor drei Jahren, als wegen ein paar toter Vögel am Strand die Vogelgrippe in Rügen ausgerufen wurde. "Anderthalb Monate lang hatte ich keinen Urlauber wegen dieses Theaters", schimpft sie.&lt;br /&gt;Andere Einwohner Lohmes pflichten ihr bei. Peter Müller etwa, der hier geboren wurde und heute einen Andenkenladen in der Nähe vom Hafen betreibt. "An der alten Abbruchstelle ist immer schon mal was abgerutscht, aber der Rest vom Hang ist sicher, da ist noch nie was runtergekommen", sagt er. "Na klar bewegt sich das Ufer, aber das ist doch alles nicht so dramatisch, wie es jetzt gemacht wird", meint auch Fred Schneewitz, der seit fünf Jahrzehnten in Lohme lebt.&lt;br /&gt;Jörg Gothow kennt solche Argumente. Mit Argwohn wird der junge Ingenieur aus Bergen von vielen Lohmern betrachtet, weil er den Untergrund des alten Fischerdorfes seit dem Abbruch vor drei Jahren regelmäßig untersucht und jetzt Alarm geschlagen hat. In dem Bereich zwischen der alten Abbruchstelle im Westen und dem Hafen im Ortszentrum besteht seiner Überzeugung nach die Gefahr, dass der zum Teil bebaute Hang bei extrem hohen Grundwasserständen ins Rutschen kommen könnte.&lt;br /&gt;Die Gefahr bestand wohl schon immer. Doch erst seit der Hang untersucht wird, ist sie auch bekannt. Nach den starken Regenfällen Anfang April ist nun der malerisch gelegene Hafen, der in der Saison von vielen Segelbooten angelaufen wird, ebenso gesperrt wie die vom Ort hinunter führende Holztreppe, eine der Attraktionen des alten Seebades. Das Grundwasser steht zu hoch, der Hang ist gefährlich durchfeuchtet, wie Ingenieur Gothow sagt. Die Sperrung gilt vorerst bis 5. Mai. "Vielleicht müssen wir sie auch verlängern", sagt er.&lt;br /&gt;Der Ingenieur hockt auf der alten Dorfstraße und hebt eine kleine, oval geformte Stahlabdeckung aus der Erde. Zwei Rohre führen darunter in die Tiefe, sie sind vierzig und sechzig Meter lang. Es ist eine von zehn Grundwassermessstellen, die Gothows Firma Wastra-Plan in den letzten Jahren in Lohmes Untergrund gebohrt hat. Darin wird elektronisch gemessen, wie hoch das Wasser im Uferhang steht. Normalerweise werden die Werte alle zwei Wochen abgelesen. Nach den Regenfällen von Anfang April kommen die Bergener Ingenieure aber nun täglich hierher und kontrollieren von Hand mittels eines Lichtlots die Wasserstände.&lt;br /&gt;Gothow hängt das Lichtlot, eine kleine metallene Röhre, in das Messrohr und wickelt das daran befestigte Bandmaß ab. Nach einigen Sekunden hört man einen Piepton, das Lichtlot hat die Grundwasserschicht erreicht. "13,72 Meter", liest der Ingenieur ab und trägt den Wert in eine Tabelle ein. Er ist niedriger als an den Vortagen, aber immer noch deutlich höher als der sogenannte Referenzwert. Der wurde Ende Juli 2007 gemessen, nach einem zwei Tage andauernden Starkregen, und galt bislang als der höchste in den vergangenen drei Jahren gemessene Pegel.&lt;br /&gt;Jörg Gothow holt ein Blatt Papier hervor, um die komplizierte Untergrundstruktur des Lohmer Hanges zu verdeutlichen. Mit Bleistiftstrichen zieht er die verschiedenen Bodenschichten nach: Wasserundurchlässige Lehm- und Mergeladern, dazwischen die sogenannten Wasserleiter, in denen sich das Grundwasser sammelt. Auf all dem liegt eine zwischen vierzig Zentimetern und einem Meter starke Erdschicht aus Mutterboden und Sand. "Wenn diese oberflächliche Schicht feucht ist, muss man jederzeit damit rechnen, dass sie ins Rutschen kommt", erklärt Gothow. "Wir haben daher einen Sicherheitskorridor für den am stärksten gefährdeten Bereich des Ortes festgelegt."&lt;br /&gt;Der Sicherheitskorridor beginnt an der alten Dorfstraße, dem Ostseeblick, die unmittelbar an der Abbruchstelle von 2005 einen Knick macht. Hier befindet sich das inzwischen leer stehende Diakoniezentrum, an dessen Vorderkante vor drei Jahren der Hang in die Tiefe gerutscht war. Jetzt soll das absturzgefährdete Haus von einer Spezialfirma abgerissen werden.&lt;br /&gt;Vom Diakoniezentrum aus verläuft der Sicherheitskorridor an zwei nahe gelegenen Ferienhäusern und einem Wohnhaus am Ostseeblick vorbei und biegt dann auf unbebautes Gelände ab, um in der Ortsmitte, am oberen Teil der Hafentreppe, zu enden.&lt;br /&gt;Nur gut hundert Meter weiter westlich und damit außerhalb des Sperrgebiets liegt das Panorama-Hotel, das erste Haus am Platz. Und dasjenige, das sich am kühnsten über den Steilhang der Lohmer Küste erhebt. Bei schönem Wetter ist die Hotelterrasse hoch über dem steinigen Ostseestrand stets voll belegt, weil man von hier aus den schönsten Blick über die Tromper Wiek nach Kap Arkona hat.&lt;br /&gt;"Mein Haus ist absolut sicher", sagt Hotelbesitzer Matthias Ogilvie zur Begrüßung und eilt ins Büro, um das Gutachten eines Geologen zu holen. Darin steht, dass sein Hotel auf einer massiven so genannten Kreideschuppe steht. "Der Boden ist hier so fest, dass man nicht tiefer als zwanzig Meter in den Kreidefelsen bohren kann", sagt Ogilvie nicht ohne Stolz. Außerdem bezeugten alte Messungen, dass die Küste zu Füßen des Hotels in den letzten hundert Jahren um keinen Zentimeter zurückgewichen ist.&lt;br /&gt;Die Baubehörde des Landkreises vermag Ogilvie mit seinen Fakten allerdings nicht zu überzeugen. "Ich will anbauen, ein neues exklusives Hotelgebäude auf meinem Grundstück errichten. Aber ich bekomme keine Baugenehmigung, obwohl dieser Teil Lohmes überhaupt nicht gefährdet ist", klagt er. Seit dem Abbruch vor drei Jahren sei praktisch ein Baustopp über den ganzen Ort verhängt worden.&lt;br /&gt;Ilona Reimann hat es noch härter getroffen als den Hotelier. Sie betreibt einen kleinen Imbisskiosk an dem seit drei Wochen gesperrten Hafen. Und auch die Holztreppe, die vom Ortszentrum hinunter führt zu den Booten und zu ihrem Kiosk, ist mit einem Metallgitter abgeriegelt. Ein Plastikschild mit der Aufschrift "Achtung Lebensgefahr! Betreten verboten" hängt daran. "Von einem Tag auf den anderen hieß es, ich muss meinen Kiosk dicht machen", sagt sie. "Aber mit dem Geld, das ich jetzt in der Saison verdiene, muss ich über den Winter kommen. Nun ist mir schon ein Monat verloren gegangen - wer ersetzt mir den Verlust?"&lt;br /&gt;Karl-Heinz Walter, Leiter des Amtes Rügen-Nord, zu dem neben sieben weiteren Gemeinden auch Lohme gehört, weicht einer Antwort darauf aus. Die Frage der Entschädigung müsse noch gemeinsam mit der Gemeinde geklärt werden, sagt er vorsichtig. Auch weil er weiß, dass es schon die ersten besorgten Urlauber gibt, die ihre Hotelbuchung stornieren wollen.&lt;br /&gt;Und dann referiert Walter in seinem Amtsbüro in Sagard eine halbe Stunde lang über Grundbrüche und Oberflächenrutschungen, über Bodenschichten und Gefahrenabwehr, über Monitoring, wie er die Grundwassermessungen nennt, und die "tickende Zeitbombe" im Lohmer Untergrund. Geduldig breitet er Zeichnungen aus und liest aus Gutachten vor. Als er endet, sieht er erschöpft aus - und resigniert. "Wissen Sie, was am schlimmsten ist", sagt er dann. "Dass die grundsätzliche Frage noch immer nicht geklärt ist: Wollen wir Lohme retten - oder geben wir den Ort auf?"&lt;br /&gt;Rein technisch gesehen gibt es laut Walter bereits konkrete Ideen, wie der gefährdete Steilhang im Ort gesichert werden kann. Mit horizontal verlaufenden Leitungen könnte demnach das Wasser aus dem Boden zur Seeseite abgeführt werden, eine etwa fünf Meter hohe Schüttung am Hangfuß würde den Hang zusätzlich stabilisieren. Dazu ließe sich mit sogenannten Erdnägeln die obere Hangschicht mit den tiefer liegenden, stabileren Bodenschichten verbinden. Die Kosten veranschlagen Experten auf insgesamt vier Millionen Euro.&lt;br /&gt;"Aber es ist kein Geld dafür da", sagt Amtsleiter Walter. Zwar existiert in der Schweriner Landesregierung seit drei Jahren eine interministerielle Arbeitsgruppe, die regelmäßig über Maßnahmen zur Rettung Lohmes diskutiert. In der entscheidenden Frage jedoch, welche Ministerien wie viel Geld für das Projekt beisteuern, hat man bislang keine Einigung gefunden. "Die Zeit verrinnt, und ich hab die Angst im Nacken, dass was passiert", sagt er. Dabei seien schon eine halbe Million Euro allein in die Gutachten und den Bau der Messstellen geflossen. "Das ist doch aber rausgeschmissenes Geld, wenn man nach dem A nicht auch B sagt und Lohme vor der Katastrophe bewahrt."&lt;br /&gt;------------------------------&lt;br /&gt;"Die grundsätzliche Frage ist: Wollen wir Lohme retten - oder geben wir den Ort auf?" Karl-Heinz Walter, Leiter des Amtes Rügen-Nord&lt;br /&gt;------------------------------&lt;br /&gt;Foto: Ingenieur Jörg Gothow am Diakoniezentrum in Lohme. Vor drei Jahren brach hier der Steilhang ab - das Haus wird jetzt abgerissen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4608759511804259287?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4608759511804259287/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4608759511804259287' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4608759511804259287'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4608759511804259287'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/leben-am-abgrund-berliner-zeitung.html' title='Leben am Abgrund (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-109578236934721487</id><published>2008-04-29T07:02:00.003-07:00</published><updated>2008-04-29T07:02:48.788-07:00</updated><title type='text'>Ost gegen West, unten gegen oben (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Ost gegen West, unten gegen oben, rechts gegen links&lt;br /&gt;&lt;a title="Flughafen Tempelhof" onclick="window.open(this.href+'&amp;amp;popup','popup','width=738,height=650,top=0,left=0').focus();return false" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/99527/index.php?pos=0" target="popup"&gt;&lt;/a&gt;Mike Fröhling Am 31. Oktober dieses Jahres wird Tempelhof geschlossen.&lt;br /&gt;Die Mehrheiten für oder gegen den Weiterbetrieb Tempelhofs spalten die alte Frontstadt – entlang dem Mauerverlauf&lt;br /&gt;Jan Thomsen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Meinungsgrenze verläuft tatsächlich fast exakt entlang dem alten Mauerstreifen. Hier dagegen, dort dafür, je nachdem, wo man steht: Der Berliner Osten stimmte beim Volksentscheid klar gegen den Flughafen Tempelhof, der Westen ebenso klar dafür – die Tempelhof-Frage scheint also doch die alte Frontstadt wiederzubeleben. Oder war sie etwa nie tot?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wolfgang Brauer sieht das gelassen. „Kein Ostler hat sich beim Volksentscheid für irgendetwas gerächt“, sagt er. Nicht für das Schleifen des Palastes, nicht für die Abwicklung von Betrieben, Instituten, Lebensläufen. Der 53-jährige Kulturexperte Brauer von der Linkspartei, Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf, war in der DDR Geschichtslehrer. Die Aufregung um Tempelhof habe im Osten eben kaum jemanden interessiert, sagt er. Die emotionale Aufladung, mit der die Debatte im Westteil geführt wurde, verstand man nicht. „Der Ostler hat ja auch gelernt, dass scheinbar hochwichtige Symbole quasi über Nacht ihre Bedeutung verlieren können – daher lässt er sich nicht so leicht beeindrucken“, sagt Brauer. Zudem habe es im Osten ja nie einen „Mythos Tempelhof“ gegeben. Wurde die Luftbrücke von 1948 im Westen als Rettung vor dem kommunistischen Aushungerungsversuch interpretiert, sprach man im Osten von der „Sperrung der Zufahrtswege“ durch die Sowjetarmee, damit nach der West-Währungsreform nicht die Einheit der Stadt gefährdet werde. Schließlich gefährdete die Luftbrücke in offizieller Perspektive den Weltfrieden, erinnert sich Brauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch der CDU-Abgeordnete Mario Czaja – einziger Ost-Christdemokrat mit Direktmandat – sagt, Tempelhof habe die Ost-Berliner kaum interessiert. Die CDU müsse künftig in der Wirtschafts- oder Bildungspolitik Themen ansprechen, die auch im Ostteil wichtig seien. Etwa das Straßenausbaubeitragsgesetz und die Belastungen durch Gebühren. „Das betrifft und interessiert Ost- und West-Berliner gleichermaßen“, sagt Czaja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinungsforscher Manfred Güllner vom Forsa-Institut sieht im Osten aber durchaus auch eine gewisse antikapitalistische Tendenz wirken, weil ja der Flughafen Tempelhof von seinen Gegnern als Airport der Bonzen geschmäht wurde. „Das wirkt bei den Genossen der Linken, wenn es gemeinsam gegen die Reichen gehen soll“, sagt Güllner. Auch der HU-Stadtsoziologe Hartmut Häußermann erkennt eine Oben-unten-Systematik im Ergebnis. „Vor allem in wohlhabenderen Bezirken wurde mit Ja gestimmt – dort wohnen die, die so einen Flughafen auch benutzen.“ Umgekehrt habe die massive Ja-Kampagne vor dem Abstimmungstermin zuletzt auf viele nur noch aufdringlich gewirkt. „Ich glaube, das hat etliche Menschen geärgert, dass ihnen hier offenbar etwas aufgezwungen werden soll.“ Entscheidend sei aber, glaubt Häußermann, dass sich im Westen die Hauptargumente für den weiteren Flugbetrieb auf die Vergangenheit Tempelhofs bezogen haben. „Da haben sich wohl viele gesagt: Das lassen wir uns jetzt nicht auch noch nehmen.“ Nicht auch noch, nachdem im Westen schon Schiller-Theater, Kudamm und Bahnhof Zoo so leiden mussten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;CDU und Linkspartei werfen sich derweil gegenseitig vor, mit der Flughafen-Auseinandersetzung zur „Spaltung der Stadt“ beigetragen zu haben. Der CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger schimpfte noch spät am Abstimmungsabend gegen die „politisch motivierte Anti-Tempelhof-Kampagne“ der Linken; die Linksfraktionschefin Carola Bluhm gab gestern zurück, dass Pflüger so doch nur selbst Ressentiments schüre. Bluhm schlägt nun – damit „die Gräben überwunden werden“ – die öffentliche Inbesitznahme des traditionsreichen Geländes am 1. November vor: Einen Tag nach der offiziellen Schließung Tempelhofs soll ein Volksfest das neue flugfreie Zeitalter einleiten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-109578236934721487?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/109578236934721487/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=109578236934721487' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/109578236934721487'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/109578236934721487'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/ost-gegen-west-unten-gegen-oben_29.html' title='Ost gegen West, unten gegen oben (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2935699571775720924</id><published>2008-04-29T07:02:00.001-07:00</published><updated>2008-04-29T07:02:47.713-07:00</updated><title type='text'>Ost gegen West, unten gegen oben (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Ost gegen West, unten gegen oben, rechts gegen links&lt;br /&gt;&lt;a title="Flughafen Tempelhof" onclick="window.open(this.href+'&amp;amp;popup','popup','width=738,height=650,top=0,left=0').focus();return false" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/99527/index.php?pos=0" target="popup"&gt;&lt;/a&gt;Mike Fröhling Am 31. 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Die Aufregung um Tempelhof habe im Osten eben kaum jemanden interessiert, sagt er. Die emotionale Aufladung, mit der die Debatte im Westteil geführt wurde, verstand man nicht. „Der Ostler hat ja auch gelernt, dass scheinbar hochwichtige Symbole quasi über Nacht ihre Bedeutung verlieren können – daher lässt er sich nicht so leicht beeindrucken“, sagt Brauer. Zudem habe es im Osten ja nie einen „Mythos Tempelhof“ gegeben. Wurde die Luftbrücke von 1948 im Westen als Rettung vor dem kommunistischen Aushungerungsversuch interpretiert, sprach man im Osten von der „Sperrung der Zufahrtswege“ durch die Sowjetarmee, damit nach der West-Währungsreform nicht die Einheit der Stadt gefährdet werde. Schließlich gefährdete die Luftbrücke in offizieller Perspektive den Weltfrieden, erinnert sich Brauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch der CDU-Abgeordnete Mario Czaja – einziger Ost-Christdemokrat mit Direktmandat – sagt, Tempelhof habe die Ost-Berliner kaum interessiert. Die CDU müsse künftig in der Wirtschafts- oder Bildungspolitik Themen ansprechen, die auch im Ostteil wichtig seien. Etwa das Straßenausbaubeitragsgesetz und die Belastungen durch Gebühren. „Das betrifft und interessiert Ost- und West-Berliner gleichermaßen“, sagt Czaja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinungsforscher Manfred Güllner vom Forsa-Institut sieht im Osten aber durchaus auch eine gewisse antikapitalistische Tendenz wirken, weil ja der Flughafen Tempelhof von seinen Gegnern als Airport der Bonzen geschmäht wurde. „Das wirkt bei den Genossen der Linken, wenn es gemeinsam gegen die Reichen gehen soll“, sagt Güllner. Auch der HU-Stadtsoziologe Hartmut Häußermann erkennt eine Oben-unten-Systematik im Ergebnis. „Vor allem in wohlhabenderen Bezirken wurde mit Ja gestimmt – dort wohnen die, die so einen Flughafen auch benutzen.“ Umgekehrt habe die massive Ja-Kampagne vor dem Abstimmungstermin zuletzt auf viele nur noch aufdringlich gewirkt. „Ich glaube, das hat etliche Menschen geärgert, dass ihnen hier offenbar etwas aufgezwungen werden soll.“ Entscheidend sei aber, glaubt Häußermann, dass sich im Westen die Hauptargumente für den weiteren Flugbetrieb auf die Vergangenheit Tempelhofs bezogen haben. „Da haben sich wohl viele gesagt: Das lassen wir uns jetzt nicht auch noch nehmen.“ Nicht auch noch, nachdem im Westen schon Schiller-Theater, Kudamm und Bahnhof Zoo so leiden mussten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;CDU und Linkspartei werfen sich derweil gegenseitig vor, mit der Flughafen-Auseinandersetzung zur „Spaltung der Stadt“ beigetragen zu haben. Der CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger schimpfte noch spät am Abstimmungsabend gegen die „politisch motivierte Anti-Tempelhof-Kampagne“ der Linken; die Linksfraktionschefin Carola Bluhm gab gestern zurück, dass Pflüger so doch nur selbst Ressentiments schüre. Bluhm schlägt nun – damit „die Gräben überwunden werden“ – die öffentliche Inbesitznahme des traditionsreichen Geländes am 1. November vor: Einen Tag nach der offiziellen Schließung Tempelhofs soll ein Volksfest das neue flugfreie Zeitalter einleiten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2935699571775720924?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2935699571775720924/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2935699571775720924' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2935699571775720924'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2935699571775720924'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/ost-gegen-west-unten-gegen-oben.html' title='Ost gegen West, unten gegen oben (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1833703081297120196</id><published>2008-04-29T06:51:00.000-07:00</published><updated>2008-04-29T06:52:56.696-07:00</updated><title type='text'>Kein Homerun ohne T-Bone-Steak (taz)</title><content type='html'>Kein Homerun ohne T-Bone-Steak&lt;br /&gt;Seit Baseball-Profi Prince Fielder sich vegetarisch ernährt, bleiben die Homeruns aus. Die Fans sind schockiert und skandieren: "Iss mal ein Steak!". VON THOMAS WINKLER&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Baseball-Profi Prince Fielder sich vegetarisch ernährt, bleiben die Homeruns aus und die Fans skandieren: "Iss mal ein Steak!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Ball flog. Und flog. Flog weiter, übers Feld hinweg und hinein in die Zuschauerreihen. Ein Homerun, dessen Flug die Kommentatoren später "gigantisch" nennen würden, "majestätisch" gar. Doch für Prince Fielder, dessen Schläger den Ball auf seinen weiten Weg befördert hatte, war es nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zurück zur Normalität.&lt;br /&gt;Denn Fielder, gerade mal 23 Jahre alt, hoffnungsvollster Homerun-Prügler im Baseball und seit wenigen Monaten überzeugter Vegetarier, steckt in einer tiefen Krise. Der Homerun half seinen Milwaukee Brewers zwar die Florida Marlins mit 4:3 zu besiegen, war aber erst sein vierter in dieser Saison. Im vergangen Jahr hatte er insgesamt 50 Mal den Ball über den Zaun geschickt, so oft wie niemand sonst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für die Fans in Milwaukee gibt es eine einfache Erklärung für das Schwächeln des 120 Kilo schweren Schlagmanns: Der hat sich letzten Winter entschieden, seinen Athletenkörper fortan nur noch vegetarisch zu ernähren. Der Grund ist kein medizinischer oder gesundheitlicher: Fielder las einen Artikel über Tierhaltung und war erschüttert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der bis zu seiner folgenschweren Entscheidung nicht gerade austrainiert wirkende Fielder hat mittlerweile drei Kilo abgespeckt und fühlt sich so fit wie nie zuvor. Doch als die Homeruns ausblieben, skandierte das Publikum in Milwaukee, wo eine große deutschstämmige Community lebt, vor dem Stadion traditionell Koteletts in Bier gegrillt werden und eine zünftige Bratwurst unbedingt zum Baseball gehört: "Iss mal ein Steak!" Kein Wunder: Ist es im Miller Park doch Tradition, dass nach dem sechsten Inning fünf bedauernswerte Menschen um die Wette laufen - verkleidet als Würstchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von einigen Fans immerhin bekam Fielder vegetarische Kochbücher zugeschickt und Brewers-Manager Ned Yost äußerte Verständnis: "Was immer er tut, wird schon das Richtige für ihn sein." Dann aber stellte Yost erst mal klar, dass er keine Ahnung habe, was zum Teufel Tofu sei, und heuerte einen Ernährungsberater an, der der ganzen Mannschaft einen Vortrag über die Unverzichtbarkeit von Proteinen hielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatsächlich ist Fielder der einzige Vegetarier in den beiden großen Major Leagues. Jedenfalls der Einzige, der sich dazu bekennt, in einem Sport, der so sehr verwurzelt ist wie kein anderer in der amerikanischen Kultur - und dazu gehören neben Homeruns nun einmal auch T-Bone-Steaks und Spare Ribs. THOMAS WINKLER&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/sport/artikel/kommentarseite/1/kein-homerum-ohne-t-bone-steak/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=a0748ec0cd" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/kein-homerum-ohne-t-bone-steak/?src=MT&amp;amp;cHash=1b98ccd197&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fsport%2Fartikel%2F1%2Fkein-homerum-ohne-t-bone-steak%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3D1b98ccd197&amp;amp;cHash=c2ebd13a09', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fsport%2Fartikel%2F1%2Fkein-homerum-ohne-t-bone-steak%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3D1b98ccd197&amp;amp;cHash=c2ebd13a09" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1833703081297120196?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1833703081297120196/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1833703081297120196' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1833703081297120196'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1833703081297120196'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/kein-homerun-ohne-t-bone-steak-taz.html' title='Kein Homerun ohne T-Bone-Steak (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2659134887672077466</id><published>2008-04-03T02:19:00.000-07:00</published><updated>2008-04-03T02:21:48.078-07:00</updated><title type='text'>Es schimmert was im Zwielicht (SZ)</title><content type='html'>31.03.2008    15:08 Uhr&lt;br /&gt;Es schimmert was im Zwielicht&lt;br /&gt;IM "Gregor": Schweigen, Kleinhalten, Verdrängen - so wollte der Chefredakteur der Berliner Zeitung offenbar die Stasi-Affäre rund um einen leitenden Mitarbeiter überstehen. Erst ein gepfefferter Brief aus der Redaktion brachte Bewegung in die unappetitliche Sache. sueddeutsche.de dokumentiert ihn. &lt;a href="mailto:kultur-online@sueddeutsche.de"&gt;Von Hans-Jürgen Jakobs&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In der alten DDR war die Berliner Zeitung als SED-Zeitung eingebettet in die Propaganda des Systems. Nach der Wende wollte das Blatt unter Ägide des Bertelsmann-Konzern so etwas wie eine "deutsche Washington Post“ werden, ehe sie schließlich an den Investor David Montgomery verkauft wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine unangenehme Altlast stört jetzt die ohnehin von Erschütterungen geplagte Zeitung – die Welt enthüllte die offensichtliche Stasi-Vergangenheit eines wichtigen Redakteurs: Demnach war Thomas Leinkauf, der Verantwortliche für die Seite 3 und das Magazin der Berliner Zeitung, einst als Spitzel IM "Gregor" aktiv gewesen. Die Art, wie der von Montgomery eingesetzte Chefredakteur Josef Depenbrock mit der Affäre umging, warf intern viele Fragen auf, wie aus der Redaktion zu erfahren ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Davon kündet ein Brief, den der leitende Redakteur Christian Bommarius am Samstag dem Verantwortlichen Depenbrock geschrieben hat. "Was nicht vergeht, was seit 1990 mit jedem Jahr gewachsen ist, das ist der dramatische Mangel an Integrität und Glaubwürdigkeit Thomas Leinkaufs“, schreibt er: Sollten sich die in der Akte der Birthler-Behörde vermerkten Ausforschungen von Kommilitonen als wahr herausstellen, dann habe Leinkauf "mit jedem Monat, mit jeder Woche, mit jeder Ausgabe der Berliner Zeitung, in der er seine Rolle in der DDR verschwieg, das alles in den vergangenen 18 Jahren restlos verspielt und zugleich die mühsam erarbeitete Glaubwürdigkeit des ehemaligen SED-Parteiblatts Berliner Zeitung auf das Höchste gefährdet“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann sprach Bommarius direkt seinen Chefredakteur an, dem gegenüber Leinkauf seine Stasi-Tätigkeit wohl eingestanden hatte. In diesem Fall sei es "mit einem Wort hinter verschlossenen Türen durchaus nicht getan“ gewesen, klagt der Redakteur: "Dieses Wort hätte Thomas Leinkauf schon zur Redaktion, vor allem aber zu den Lesern sprechen müssen.“ Von einem Journalisten sei ein gutes Gedächtnis in eigener Sache schon deshalb zu verlangen, "weil sonst jedes kritische Wort von ihm über Angelegenheiten Dritter unlauter, ja verlogen erscheint“.&lt;br /&gt;Thomas Leinkauf, Verantwortlicher für die Seite 3 und das Magazin der "Berliner Zeitung" soll einst als Spitzel IM "Gregor" aktiv gewesen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beleg sind die Artikel über Stasi-Themen, die Leinkauf in den vergangenen Jahren bei der Berliner Zeitung initiiert oder selbst verfasst hat – sie "schimmern im Zwielicht“, schreibt Bommarius. Da ging es zum Beispiel in einem Magazin-Beitrag des freien Autors Paul Kaiser über den als unerbittlichen Stasi-Aufklärer bekannten Hubertus Knabe, den Direktor der Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Das sei "ein Text mit eindeutiger Diffamierungstendenz“ gewesen, dessen "gravierende handwerkliche Fehler zu einer umfangreichen Gegendarstellung“ geführt hätten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Fazit des leitenden Redakteurs ist klar: "Glaubwürdigkeit ist das einzige Kapital, über das Journalisten verfügen. Geht es verloren, ist es mit dem Journalisten vorbei. Die Berliner Zeitung hat Jahre gebraucht, um ihre Glaubwürdigkeit nicht etwa zurückzugewinnen, sondern ganz neu zu erarbeiten. Was sie bis 1989 vom Neuen Deutschland unterschied, war nur der geringere Grad ihrer Verlogenheit. Ihren Ruf als einzigartiges Ost-West-Labor, den sie in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erworben hat, verdankt sie auch ihrer unvoreingenommenen Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit, nicht zuletzt ihrer eigenen. Das 18 Jahre lange Schweigen Thomas Leinkaufs droht diesen Erfolg schlagartig zunichte zu machen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In eigener Sache hat Depenbrock bisher nur in Spurenelementen berichten lassen. Dabei ist klar, dass die IM-Akte Leinkaufs eine persönliche Verpflichtungserklärung sowie handschriftliche Spitzelberichte enthält. "Ich war damals jung, ich war Student“, sagte Leinkauf selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Bekanntwerden der Stasi-Verwicklungen war zunächst unklar, was mit dem Beschuldigten geschehen würde. Erst der Bommarius-Brief hat offenbar Dynamik in die unappetitliche Angelegenheit gebracht – am Wochenende wurde bekannt, dass Leinkauf seine Ämter ruhen lässt. Damit verliert Depenbrock eine weitere wichtige Stütze in der Redaktion. Viele andere tragenden Kräfte sind bereits gegangen oder werden sich verändern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Chefredakteur – der für Montgomery beachtliche Renditen erzielen muss - gibt sich auch in schwieriger Stunde offensiv. Auf die Anregung des Berliner CDU-Parlamentariers Michael Braun, der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin solle die Akte "Gregor“ sichten und bewerten, erklärt Depenbrock kurzerhand: Er werde nicht zulassen, dass einer seiner Mitarbeiter vor ein öffentliches Tribunal gestellt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht liest er den Brief seines Redakteurs Bommarius noch einmal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2659134887672077466?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2659134887672077466/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2659134887672077466' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2659134887672077466'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2659134887672077466'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/es-schimmert-was-im-zwielicht-sz.html' title='Es schimmert was im Zwielicht (SZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8040800437616089396</id><published>2008-04-03T02:15:00.000-07:00</published><updated>2008-04-03T02:17:14.136-07:00</updated><title type='text'>"Das rächt sich jetzt" (SZ)</title><content type='html'>Stasi-Vorwürfe gegen Redakteure&lt;br /&gt;"Das rächt sich jetzt"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei der Berliner Zeitung ist die Stimmung am Boden. Zwei leitende Redakteure haben jahrelang der Stasi zugearbeitet. Jetzt wird über Verrat in der DDR und die eigene Vergangenheit des Blattes diskutiert.&lt;a href="mailto:kultur-online@sueddeutsche.de"&gt;Von Constanze von Bullion&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es spielen sich in diesen Tagen bei der &lt;a class="lift" href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/748/166272/"&gt;Berliner Zeitung &lt;/a&gt;Szenen ab, die sich eigentlich schon vor 19 Jahren hätten abspielen müssen. Eine ganze Redaktion diskutiert da über ihre eigene Vergangenheit, über Moral und Verrat in der DDR, über den Staatssicherheitsdienst und darüber, wie Journalisten eigentlich mit der Wahrheit über ihr eigenes Leben umzugehen haben.&lt;br /&gt;Auch am Dienstag wurde im Plattenbau am Alexanderplatz stundenlang und in großer Runde gestritten - zur Klärung der Atmosphäre hat das wohl nur wenig beitragen können. Nachdem bekannt geworden ist, dass nicht nur der Leitende Redakteur der Berliner Zeitung, Thomas Leinkauf, sondern auch der stellvertretende Politikchef Ingo Preißler jahrelang der Stasi zugearbeitet haben, ist die Stimmung am Boden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grund für die Aufregung sind die 120 Blatt Papier, die die Stasi mit Hilfe Leinkaufs, des Magazinchefs der Berliner Zeitung, zusammengetragen hat. Die Existenz der Akte ist vor wenigen Tagen bekannt geworden, und wer sie liest, der dürfte Mühe haben, Sympathie für den &lt;a class="lift" href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/398/165925/"&gt;ehemaligen Stasi-Zuarbeiter "IM Gregor" &lt;/a&gt;aufzubringen, der zwischen 1975 und 1977 für den DDR-Geheimdienst geschnüffelt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; "Ich habe gesagt, ich schnüffle keinem hinterher. Ich habe erklärt, es wird hier freiheitlicher Journalismus gemacht, wer da nicht mitziehen kann, der kann gehen." «Erich Böhme&lt;br /&gt;Nun ist der Jammer groß, denn der Berliner Verlag steckt nach seinem Verkauf ohnehin in der Krise. Viele Redakteure gehen, andere werden entlassen oder wollen weg. Nun also auch noch die Stasi-Vergangenheit, das erschüttere das ganze Haus, schrieb &lt;a class="lift" href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/45/159612/"&gt;Chefredakteur Josef Depenbrock &lt;/a&gt;am Dienstag auf der Seite drei: "Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit sind beschädigt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verlagsleitung will radikale Aufklärung, sie darf Stasi-Akten ihrer Mitarbeiter aber nicht anfordern. Nun sollen Forscher der Freien Universität Berlin die Redaktion durchleuchten.&lt;br /&gt;Die Redaktion will eine anonyme Umfrage im Haus starten, die klärt, wie viele Redakteure bereit sind, ihre Stasi-Akte freiwillig zu veröffentlichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der ebenfalls Leitende Redakteur Christian Bommarius, gehört zu den schärfsten Kritikern des ehemaligen Stasi-Zuträgers Leinkauf. Bommarius kritisiert nicht nur dessen jahrelanges Schweigen, er zweifelt auch an den Selbstreinigungskräften der Redaktion. Die hätten sich schon in den entscheidenden ersten Jahren selten bemerkbar gemacht, als aus dem ehemaligen SED-Blatt eine demokratische Zeitung wurde. Auch die Verlagsspitze habe die Vergangenheit verdrängt. "Die haben damals offensiv nichts gemacht, und dieses Versagen der Anfangsphase rächt sich ."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeint sind Gründer wie Erich Böhme, der von 1990 bis 1994 Herausgeber war und mal erklärt hat, er wünsche sich eine Flut, die alle Stasi-Akten wegspült. Laute Debatten über die DDR-Vergangenheit der Redakteure hat sich Böhme bei der Berliner Zeitung "verbeten": "Ich habe gesagt, ich schnüffle keinem hinterher. Ich habe erklärt, es wird hier freiheitlicher Journalismus gemacht, wer da nicht mitziehen kann, der kann gehen." Das habe ihm genügt. Man habe eine gute Zeitung machen wollen, keine nutzlose "Fragebogenaktion".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer Michael Maier fragt, der von 1996 bis 1998 Chefredakteur der Berliner Zeitung war, warum die DDR-Aufarbeitung so wenig interessierte, hört andere Töne. Es seien damals etwa 70 Leute ausgetauscht worden, wenn auch nicht unbedingt aufgrund von Stasi-Akten. "Ich weiß noch, dass ich mit jedem dreimal geredet habe, sicher auch über die Vergangenheit", sagt er. Angeblich hat Leinkauf seine Stasi-Vergangenheit intern offenbart. Ob ihm gegenüber, konnte Maier Dienstag nicht sagen. Er müsse erst in seinen Unterlagen nachsehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Fall Thomas Leinkauf&lt;br /&gt;Die Aussagen ehemaliger Führungfiguren im Verlag könnten mitentscheiden über die Zukunft von Thomas Leinkauf. Wenn er schon vor Jahren über seine Stasi-Vergangenheit berichtet hat, zumindest bei der Chefredaktion, könne ihn das von dem Vorwurf befreien, als meinungsbildender Redakteur kein Wort über seine eigenen DDR-Vergangenheit verloren zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn stimmt, was in den Akten steht, wurde der Diplomatensohn Leinkauf 1975 von der Stasi angeworben. Er war Student für Marxismus-Leninismus und hat sich bei der NVA als verlässlicher Genosse profiliert. Als "IM Gregor" machte er, was der Sprecher der Birthler-Behörde "ordinäre Spitzelei" nennt. Mal referierte er, was seine Frau bei einem Gespräch mit einem West-Berliner redete. Mal ließ er sich über eine junge Frau aus, die lernen müsse, "sich in ihrem Verhalten zu anderen Männern zu kontrollieren, d. h. nicht gleich intimere Beziehungen aufzunehmen, wenn man mal paar Schluck getrunken hat".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seitenweise geht das so, und es sind, es vorsichtig ausgedrückt, keine erfreulichen Berichte. Sie handeln vom Eifer eines Studenten, der Journalist werden will und dafür viele hintergeht. Aus den Akten geht nicht hervor, ob den Bespitzelten Schaden entstanden ist. Es steht da nur, dass Leinkauf 1977 von der Stasi abgenabelt wird, weil ihm bei einem Militärlager 1976 eine Missbilligung ausgesprochen wird: Da er das "Singen und Gitarre Spielen nach 22 Uhr" nicht einstelle und zu einer "destruktiven, oppositionellen Haltung" neige.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leinkaufs Funktionen in der Redaktion ruhen nun, er ist aber nach wie vor im Haus. Nach einer Versammlung der Redakteure soll er einfach auf seinem Stuhl sitzen geblieben sein - um dann an der Planung für den nächsten Tag teilzunehmen. Eine peinliche Szene, fand einer, der dabei war.&lt;br /&gt;Ganz anders soll sich der Politikredakteur Ingo Preißler gezeigt haben. Er outetet sich selbst und erklärte erschüttert der Redaktion, er habe über zehn Jahre für die Stasi gespitzelt und geschwiegen - seinen Kindern zuliebe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erklärung fanden manche unzureichend, Preißler habe aber aufrichtig gewirkt. Leinkauf dagegen soll einen eher gelassenen Eindruck machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fragt man Thomas Leinkauf, ob das stimme, sagt er: Er sei jetzt "sehr nachdenklich und beschäftigt mit den Dingen". Auf weitere Frage will er nicht antworten. Noch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(SZ vom 2.4.2008/gdo)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8040800437616089396?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8040800437616089396/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8040800437616089396' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8040800437616089396'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8040800437616089396'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/04/das-rcht-sich-jetzt-sz.html' title='&quot;Das rächt sich jetzt&quot; (SZ)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-3970187087004196403</id><published>2008-03-28T06:45:00.000-07:00</published><updated>2008-03-28T06:46:13.752-07:00</updated><title type='text'>Tibet? Kein Treffer. (taz)</title><content type='html'>19.03.2008  &lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-tibet/artikel/kommentarseite/1/tibet-kein-treffer/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=840972c4aa" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-tibet/artikel/1/tibet-kein-treffer/?src=TE&amp;amp;cHash=da2fbc0741&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fdossier-tibet%2Fartikel%2F1%2Ftibet-kein-treffer%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dda2fbc0741&amp;amp;cHash=26550551ec', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fdossier-tibet%2Fartikel%2F1%2Ftibet-kein-treffer%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dda2fbc0741&amp;amp;cHash=26550551ec" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Die hohe Schule der Internetzensur&lt;br /&gt;Tibet? Kein Treffer.&lt;br /&gt;Die chinesische Regierung hat - wie andere Zensurstaaten auch - die Internet-Kontrolle perfektioniert. Tauchen subversive Berichte auf, werden populäre Websites wie YouTube kurzerhand abgeklemmt. VON BEN SCHWAN&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;China beheimatet die größte Online-Population der Welt - um da nicht außen vor zu sein, zensieren die Suchmaschinen sich gern selbst.    Foto: dpaFoto: dpa--&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer wissen möchte, auf was die Web-Nutzer in China alles verzichten müssen, kann seit einiger Zeit ein Prüfwerkzeug verwenden, das von Shanghai, Peking oder Hong Kong aus untersucht, ob eine Internet-Adresse in dem Riesenreich nutzbar ist oder derzeit blockiert wird. Wenn es um Nachrichten aus der annektierten Provinz Tibet geht, sieht es eher schlecht aus: Der "&lt;a href="http://www.websitepulse.com/help/testtools.china-test.html" target="_blank"&gt;Website-Test hinter der großen Firewall von China&lt;/a&gt;", der die aktuelle Internet-Situation in den chinesischen Städten widerspiegelt, indem er von dort aus einfach das Netz abfragt, zeigt erwartungsgemäß eine zensierte Weltsicht an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;BBC-Nachrichten? Keine Chance. Google News? Nur das Angebot mit den explizit staatlich kontrollierten Medien, Google News China, ist erlaubt. Human Rights Watch? Nichts da. Selbst beim politisch unverdächtigen Fotodienst Flickr müssen die Chinesen draußen bleiben, schließlich könnten Bilder von Polizeiopfern veröffentlicht werden. Und Bloggen über die US-Dienste Typepad oder Vox ist ebenfalls verboten, der Dienst Blogspot ist zwischenzeitlich immer wieder offline. Und auf neue Entwicklungen reagieren die in einer eigens geschaffenen Behörde sitzenden Zensoren prompt: Als kürzlich Videos von Gewalttaten gegen tibetische Mönche auf YouTube auftauchten, wurde gleich der ganze Server gesperrt. Seither können chinesische Web-User nur noch in China registrierte Video-Dienste nutzen, die streng darauf achten, dass nur Unkritisches online geht. Politisches findet man bei den auch in Peking oder Shanghai populären Minifilmchen-Portalen aus landeseigener Produktion überhaupt nicht - Katzen- und Hunde-Videos sind unverfänglicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber die chinesischen Zensoren sind keineswegs die einzigen Regierungsstellen auf diesem Planeten, die die Internet-Kontrolle perfektioniert haben. Zuletzt erwog die iranische Regierung, trotz vieler meinungsstarker Blogs im Iran einfach anlässlich der Wahl das gesamte Netz abzuschalten. Das geht, weil die Regierung die großen Provider und ihre Außenanbindung in den Rest der Welt kontrolliert. Zwar kann man Tricks verwenden, um die Sperren zu umgehen. Doch die sind meist so kompliziert oder auch mit Gefahren der Verfolgung verbunden, dass sich die Nutzer mit dem Zustand zufrieden geben. Projekte im freien Ausland, etwa das kanadische Universitätsvorhaben "Psiphon", versuchen deshalb, die Nutzung der Anti-Zensur-Technik zu vereinfachen - doch sie arbeiten im ständigen Wettlauf mit den Zensoren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch in westlich orientierteren Ländern wird das Internet kontrolliert. Im "arabischen Märchenreich" Dubai können nur Firmen, die in der Freihandelszone "Internet City" sitzen, ohne Filter auf das Netz zugreifen. Die Blockadetechnik wird recht willkürlich verwendet: So sind laut Koran beispielsweise Sex-Angebote genauso verboten wie der Internet-Telefonie-Dienst Skype, weil der den örtlichen Telekomfirmen Konkurrenz machen könnte. Manchmal hat die Zensur auch unbeabsichtigte Konsequenzen in der freien Welt: Als Pakistan neulich versuchte, YouTube wegen "blasphemischer Umtriebe" in einem Video zu zensieren, gaben Provider den Zensurbefehl nach außen weiter, so dass der Dienst plötzlich auch in Deutschland und Amerika nicht mehr zu erreichen war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch besonders perfekt arbeitet das System in China, denn Zensoren und Medien arbeiten Hand in Hand. Wird dort in diesen Tagen über Tibet berichtet, setzt sich die aus dem Staatsfernsehen leidlich bekannte Propaganda auch im Internet fort: Die Mönche sind die Aufrührer, die Menschen in Lhasa und anderswo - insbesondere die zugezogenen Chinesen - müssen darunter leiden. "Nur dank dem beherzten Polizeieinsatz wird die Ordnung wieder hergestellt", heißt es in Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die stellt auf populären Internet-Portalen wie Sina und Sohu gleich den einzigen Dienstleister mit Neuigkeiten aus der umkämpften Region. Sucht man in der größten Suchmaschine des Landes, Baidu, nach dem Namen des Landes, tauchen keine Nachrichten auf. Und selbst wer unter Verwendung passender Suchbegriffe auf Treffer stößt, muss feststellen, dass die darunter liegenden Seiten plötzlich aus dem Netz verschwunden sind. Nicht dass die chinesischen User die Situation ignorieren würden: In dieser Woche war "Tibet" immerhin in der Top 5 der bei Baidu am Tag eingetippten Suchbegriffe. Nur gefunden wird eben nichts - oder nur die von den Zensoren verordnete Propaganda.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ergebnis ist, dass der Regierung das zu gelingen scheint, nach dem sie trachtet: Viele&lt;br /&gt;Chinesen sind schlicht nicht darüber informiert, dass derzeit ein Freiheitskampf in Tibet tobt oder interessieren sich nicht dafür, weil ihnen nur die staatliche Sicht der Dinge vorliegt. Dass die Proteste von Lhasa längst in andere Provinzen überspringen, wissen nur die, die in der Region leben. Viel Druck muss die Regierung derweil nicht ausüben: Es herrscht ein Klima der Selbstzensur, das insbesondere bei den großen Internet-Portalen vorherrscht (an denen zum Teil ausländische Firmen beteiligt sind). Derweil wird mit den Mitteln des Internet aber auch der Hass geschürt: Erlaubt ist durchaus, die "tibetischen Separatisten" in Online-Foren zu beschimpfen und ihre "Ausrottung" zu fordern. Eine entsprechende Diskussionsgruppe auf dem Portal Sina erreichte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur "AFP" fast 30.000 einzelne Postings mit zum Teil drastischen Aussagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;China beheimatet inzwischen die größte Online-Population der Welt. Bei der Zensur des Netzes setzt das Land auf eine Kombination aus Soft- und Hardware zum direkten Eingriff in das, was die Nutzer sehen können, und auf Selbstverpflichtungen der lokalen Anbieter. Sobald ein einziger Server in dem Land steht, muss sich der Betreiber an die Regeln halten. Ausländische Firmen geben sich erstaunlich zahm: So lässt Google bei seiner in China beheimateten Suchmaschinen-Variante Zensur zu, um in dem riesigen Markt mitmischen zu dürfen.&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-tibet/artikel/kommentarseite/1/tibet-kein-treffer/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=840972c4aa" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-tibet/artikel/1/tibet-kein-treffer/?src=TE&amp;amp;cHash=da2fbc0741&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fdossier-tibet%2Fartikel%2F1%2Ftibet-kein-treffer%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dda2fbc0741&amp;amp;cHash=26550551ec', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fdossier-tibet%2Fartikel%2F1%2Ftibet-kein-treffer%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dda2fbc0741&amp;amp;cHash=26550551ec" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/zeitung/taznews-verlag/panterpreis/"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-3970187087004196403?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/3970187087004196403/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=3970187087004196403' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3970187087004196403'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3970187087004196403'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/tibet-kein-treffer-taz.html' title='Tibet? Kein Treffer. 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Die neuen Platten von Superpunk, Kettcar, Frank Spilker und Co. verlieren sich irgendwo zwischen Einbauküche und Distinktion. VON THOMAS WINKLER&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Träge, müde, ausgelutscht. So in etwa klingt auch die neue Kettcar-Platte.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neueste Nachricht aus dem Bauch der Republik: Es sieht nicht gut aus. Unsere Helden des Alltags fühlen sich alt oder verloren oder auch beides. Sie sind auf der Suche nach einer Erwerbsarbeit, und wenn sie eine haben, dann sind sie mit ihr überfordert oder verzweifeln an der damit einhergehenden Entfremdung. Die Generation, die nun eigentlich alt genug wäre, in die Zentren der Macht aufzurücken, absolviert ihr viertes Praktikum. Draußen regnet es, im Fernsehen läuft Klimakatastrophe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn es stimmt, dass ein Land nur so optimistisch sein kann wie seine Dichter und Sänger, dann ist es schlecht bestellt um Deutschland. Denn unter ihnen grassiert im Frühjahr 2008 die neue Besinnlichkeit und sie stößt auf untragbare Zustände: "Überall lauern Barbie und Ken, In- und Out-Listen und Top Ten" (Kettcar). Die Realität ist hart und die deutsche Rockmusik sorgt sich um die Zukunft: "Ich gestehe mein Scheitern und ich weiß nicht mehr weiter" (Superpunk). Doch die letzte Erkenntnis bleibt, das Dasein ist kurz und voller Leiden: "Das war ihr Leben/ Es war daneben/ Und jetzt sind sie tot." (Frank Spilker)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So siehts aus, die Aussichten sind düster. Vor allem, wenn man das erste Werk der Frank Spilker Gruppe hört, die sich FS.G abkürzt. Der Sänger von Die Sterne, die es - wichtige Information - immer noch gibt und auch weiterhin geben wird, nutzt auf "Mit all den Leuten" die Möglichkeit, sich mal uneingeschränkt von allen demokratischen Bandstrukturen auszutoben.&lt;br /&gt;Das hat musikalisch so interessante wie uneinheitliche Folgen. Seine neu formierte Band probiert sich aus, spielt mal selbstzufrieden krachenden Rock, mal zickigen Country. Ein eher unelegantes Chanson ist ebenso im Angebot wie ein Ausflug ins Atonale, der eine Jugendlichkeit vortäuscht, die der große alte Mann der Hamburger Schule mit seinen Texten geradezu absichtlich konterkarieren muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn wenn er so auf die Welt blickt, entdeckt Spilker, mittlerweile 41 Jahre alt und Vater, vor allem Menschen, die fast schon verzweifelt um Teilhabe ringen in dieser Gesellschaft. "Ich lauf in Kreisen", singt er, "weil mich nichts aufhält". Die Protagonisten seiner Songs sind schwermütig, die meisten drohen im Selbstmitleid zu versinken. Ihr Leben ist ein Buch, in dem sie zwar lesen können, das aber kein Happy-End garantiert. "Was wollen wir machen?", fragt Spilker in seinem nasalen Understatement, aber die Alternativen sind nicht berückend: "Therapie oder gehn wir noch einen heben?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn merke: Kein Alkohol ist auch keine Lösung. Das wussten früher schon Die Toten Hosen. Heute mag das nicht mehr ganz so lustig gemeint sein, aber dafür wissen es Spilker und auch Superpunk. "Die Umgebung kommt mir vor wie in Technicolor, wenn ich trinke", singt Carsten Friedrichs, und so ironisch gebrochen das auch ist, es bleibt einer dieser Bekenntnissongs, von denen es viele gibt auf "Why not?". Die Lieder auf diesem fünften Album von Superpunk tragen Titel wie "Ja, ich bereue alles", "Baby, ich bin zu alt" oder "Ich funktioniere nicht mehr", und gecovert wird ausgerechnet der für eine - wenn auch sexy - Frühvergreisung stehende Serge Gainsbourg. In "Bon Scott" zählt Friedrichs eine Ahnenreihe fett gewordener und dann verstorbener Helden auf, von Buddy Holly über Dylan Thomas und Oscar Wilde bis zu Elvis und schließt mit der ernüchternden Erkenntnis: "Und mir geht es auch nicht so gut." Es ist ein Abgesang auf den liebevollen Umgang mit popkulturellen Zitaten, wie er von seiner Generation noch gepflegt wurde, aber im Internet-Zeitalter in Vergessenheit gerät. Es klingt wie ein Vermächtnis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer das jetzt für Ironie hält, der sei daran erinnert, dass Carsten Friedrichs arg überrascht reagierte, als ihm Journalisten nach den ersten Platten seiner Band zu seinem hintergründigen Witz gratulieren wollte. Nein, in der Hamburger Schule war Friedrichs nie immatrikuliert. Der in St. Pauli lebende HSV-Fan hatte die Lieder, in denen der einfache Kraftfahrer den bösen Fabrikanten zur Rede stellte, in denen Freundschaft und Solidarität beschworen wurden, der Abbau des Gesundheitssystem und die Errichtung der Zweiklassengesellschaft vehement angeklagt wurden, ernst gemeint und ohne doppelten Boden versehen. Hier formulierte ein aufrechter Proletarier, und dass die In-Crowd dazu lässig lächelte, konnte der zwar verstehen, aber nicht tolerieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber renitent und vehement, aufsässig und aufbauend ist auf "Why not?" nur mehr die unvermeidliche Hymne auf die Heimatstadt ("Hamburg ist der Platz für Dich") geraten. Und natürlich das Eröffnungsstück "Ich find alles gut", in dem Friedrichs trotzig das Zigarettenrauchen lobt und den Unterhaltungswert von TV-Wiederholungen. Der Rest aber ist Bitterkeit: In "Eine schärfere Welt" wünscht er gar den eigenen Planeten in den interstellaren Orkus: "Ich kann den alten Plunder nicht mehr sehn/ Wann wird er endlich untergehn?"&lt;br /&gt;Nur die Musik bleibt so unwiderstehlich vorwärtstreibend, so in die Beine gehend, so wundervoll euphorisch, wie man es gewohnt ist von Deutschlands bester Partyband. Zwar klingen Superpunk immer, als würden Profis ganz bewusst so tun, als seien sie Amateure, aber genau mit diesem Trick rekonstruieren sie so gelungen wie sonst keine Band hierzulande das Gefühl eines Northern-Soul-Allnighters voller zeitloser Melodien und Handclap-Rhythmen. Nach dem man, eine Nacht Durchhalte-Soul-Klassiker im Ohr und eine Überdosis Adrenalin im Blut, im Morgengrauen aus dem Saal wankt und glaubt, nie wieder schlafen zu müssen, an der nächsten Ecke der großen Liebe begegnen zu können oder zumindest bei nächster Gelegenheit die Welt aus den Angeln heben zu müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So ziemlich also genau das Gegenteil des Gefühls, das in "Graceland" beschrieben wird. Im Eröffnungssong von "Sylt", dem neuen Album seiner Band Kettcar, wirft Marcus Wiebusch, wie er es gerne tut, einen entlarvenden Blick auf sein Umfeld, auf seine Generation. Die wohnt im "Altbau, 4. Stock", versucht eher schlecht als recht, "Distinktion und Einbauküche" miteinander zu vereinbaren, und weigert sich beständig, das Älterwerden in Betracht zu ziehen: "Das ist Graceland, keiner wird erwachsen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Wiebusch zieht sich nicht, wie es in der Tradition der Hamburger Schule stände, auf eine ironische, leicht abseits vom Geschehen befindliche Position aus dem näheren Dunstkreis zurück. Er verkürzt die Analyse auch nicht wie Superpunk auf einfache, griffige Mitteilungen und zieht sich zurück auf die Position des Traditionalisten, der weiß, dass früher vielleicht nicht immer alles besser war, aber doch wenigstens die Musik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein, Wiebusch, 39, Familienvater mittlerweile und als Teilhaber einer Mini-Plattenfirma gestählt im kapitalistischen Auf und Ab, sitzt mit am Küchentisch, unter dem die demnächst einzuschulenden Kinder spielen, denn die sind befreundet mit seinen Kindern, und bringt einen gänzlich unironisch gemeinten "Toast auf die Freundschaft" auf. Er berichtet wie ein Krisenreporter, durchaus auch mit ähnlicher Dringlichkeit, aus der Alltagshölle. Dort hat man es sich dann doch ganz kuschelig eingerichtet und den Blick auf die größeren Zusammenhänge verloren: "Es gibt kein Außen mehr, kein Drinnen und Draußen mehr". Das eigene Dasein ist das Zentrum des Seins, die prekäre Situation als Kreativ-Jobber der Generation Praktikum (eindringlich beschrieben in "Geringfügig, befristet, raus") ebenso frustrierend wie der Verrat an den eigenen Idealen (erschütternd demaskierend in "Würde"). Nur daraus, am Leid an der eigenen Existenz, kann sich noch eine kämpferische Haltung entwickeln. Die überblickt zwar immerhin die großen Zusammenhänge, aber ist dann doch nur mehr eine diffuse Ahnung von Wiebusch Vergangenheit als Punkrocker bei But Alive. Heute hat er den obdachlos gewordenen Duktus der guten, alten Sozialdemokratie adoptiert: "Für die einen sind es Menschen mit Augen, Mund, Ohren/ Für die anderen Kostenfaktoren."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Band spielt dazu eine Rockmusik, die die aufrührerischen Wurzeln des Genres noch einmal matt aufleuchten lässt. Immer wenn sich die Gitarren gegenseitig aufstören, sich um- und verschlingen, sich aufstacheln und für einen kurzen, glorreichen Moment ihre Domestikation abwerfen, wenn Kettcar ein gutes altmodisches Gitarrenriff reiten, wenn sie die gut geölte Rockmaschine geben, die sie ohne Zweifel mittlerweile sind, immer dann kapituliert die Rockmusik aber auch vor ihrem eigenen Status als konservative Kraft. Dann, wenn ein Break einen Moment zu lange in der Luft schweben bleibt und das Riff im Herzschlag wieder mächtig einsetzt, in genau diesem Augenblick akzeptiert Rock seinen Platz im Fundus mit den Musiken, die für jugendliche Rebellion ausgedient haben. Rockmusik, das ist, sehen wir den Tatsachen ins Auge, längst die Musik des Bewahrens. Und mithin der perfekte Soundtrack für das große Lamento, die Klagen einer vergessenen Generation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frank Spilker Group: "Mit all den Leuten" (Staatsakt/Indigo) Superpunk: "Why not?" (Tapete/Indigo) Kettcar: "Sylt" (Grand Hotel van Cleef/Indigo).&lt;a href="javascript:aufklapp_zustand_wechseln("&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/zeitung/taznews-verlag/panterpreis/"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4178229435742999288?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4178229435742999288/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4178229435742999288' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4178229435742999288'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4178229435742999288'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/verzweifelt-fett-und-alt-taz_28.html' title='Verzweifelt, fett und alt (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2033110255100326347</id><published>2008-03-28T06:41:00.000-07:00</published><updated>2008-03-28T06:42:52.376-07:00</updated><title type='text'>Verzweifelt, fett und alt (taz)</title><content type='html'>28.03.2008  &lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/kommentarseite/1/verzweifelt-fett-und-alt/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=131b41ed9d" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/verzweifelt-fett-und-alt/?src=TE&amp;amp;cHash=fa6eb2ed1b&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Fmusik%2Fartikel%2F1%2Fverzweifelt-fett-und-alt%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dfa6eb2ed1b&amp;amp;cHash=64a6280252', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Fmusik%2Fartikel%2F1%2Fverzweifelt-fett-und-alt%2F%3Fsrc%3DTE%26cHash%3Dfa6eb2ed1b&amp;amp;cHash=64a6280252" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Deutsche Rockmusik am Ende&lt;br /&gt;Verzweifelt, fett und alt&lt;br /&gt;Es sieht nicht gut aus für deutsche Rockmusiker. 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Seine neu formierte Band probiert sich aus, spielt mal selbstzufrieden krachenden Rock, mal zickigen Country. Ein eher unelegantes Chanson ist ebenso im Angebot wie ein Ausflug ins Atonale, der eine Jugendlichkeit vortäuscht, die der große alte Mann der Hamburger Schule mit seinen Texten geradezu absichtlich konterkarieren muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn wenn er so auf die Welt blickt, entdeckt Spilker, mittlerweile 41 Jahre alt und Vater, vor allem Menschen, die fast schon verzweifelt um Teilhabe ringen in dieser Gesellschaft. "Ich lauf in Kreisen", singt er, "weil mich nichts aufhält". Die Protagonisten seiner Songs sind schwermütig, die meisten drohen im Selbstmitleid zu versinken. Ihr Leben ist ein Buch, in dem sie zwar lesen können, das aber kein Happy-End garantiert. 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Stock", versucht eher schlecht als recht, "Distinktion und Einbauküche" miteinander zu vereinbaren, und weigert sich beständig, das Älterwerden in Betracht zu ziehen: "Das ist Graceland, keiner wird erwachsen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Wiebusch zieht sich nicht, wie es in der Tradition der Hamburger Schule stände, auf eine ironische, leicht abseits vom Geschehen befindliche Position aus dem näheren Dunstkreis zurück. Er verkürzt die Analyse auch nicht wie Superpunk auf einfache, griffige Mitteilungen und zieht sich zurück auf die Position des Traditionalisten, der weiß, dass früher vielleicht nicht immer alles besser war, aber doch wenigstens die Musik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein, Wiebusch, 39, Familienvater mittlerweile und als Teilhaber einer Mini-Plattenfirma gestählt im kapitalistischen Auf und Ab, sitzt mit am Küchentisch, unter dem die demnächst einzuschulenden Kinder spielen, denn die sind befreundet mit seinen Kindern, und bringt einen gänzlich unironisch gemeinten "Toast auf die Freundschaft" auf. Er berichtet wie ein Krisenreporter, durchaus auch mit ähnlicher Dringlichkeit, aus der Alltagshölle. Dort hat man es sich dann doch ganz kuschelig eingerichtet und den Blick auf die größeren Zusammenhänge verloren: "Es gibt kein Außen mehr, kein Drinnen und Draußen mehr". Das eigene Dasein ist das Zentrum des Seins, die prekäre Situation als Kreativ-Jobber der Generation Praktikum (eindringlich beschrieben in "Geringfügig, befristet, raus") ebenso frustrierend wie der Verrat an den eigenen Idealen (erschütternd demaskierend in "Würde"). Nur daraus, am Leid an der eigenen Existenz, kann sich noch eine kämpferische Haltung entwickeln. Die überblickt zwar immerhin die großen Zusammenhänge, aber ist dann doch nur mehr eine diffuse Ahnung von Wiebusch Vergangenheit als Punkrocker bei But Alive. Heute hat er den obdachlos gewordenen Duktus der guten, alten Sozialdemokratie adoptiert: "Für die einen sind es Menschen mit Augen, Mund, Ohren/ Für die anderen Kostenfaktoren."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Band spielt dazu eine Rockmusik, die die aufrührerischen Wurzeln des Genres noch einmal matt aufleuchten lässt. Immer wenn sich die Gitarren gegenseitig aufstören, sich um- und verschlingen, sich aufstacheln und für einen kurzen, glorreichen Moment ihre Domestikation abwerfen, wenn Kettcar ein gutes altmodisches Gitarrenriff reiten, wenn sie die gut geölte Rockmaschine geben, die sie ohne Zweifel mittlerweile sind, immer dann kapituliert die Rockmusik aber auch vor ihrem eigenen Status als konservative Kraft. Dann, wenn ein Break einen Moment zu lange in der Luft schweben bleibt und das Riff im Herzschlag wieder mächtig einsetzt, in genau diesem Augenblick akzeptiert Rock seinen Platz im Fundus mit den Musiken, die für jugendliche Rebellion ausgedient haben. Rockmusik, das ist, sehen wir den Tatsachen ins Auge, längst die Musik des Bewahrens. Und mithin der perfekte Soundtrack für das große Lamento, die Klagen einer vergessenen Generation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frank Spilker Group: "Mit all den Leuten" (Staatsakt/Indigo) Superpunk: "Why not?" (Tapete/Indigo) Kettcar: "Sylt" (Grand Hotel van Cleef/Indigo).&lt;a href="javascript:aufklapp_zustand_wechseln("&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/zeitung/taznews-verlag/panterpreis/"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2033110255100326347?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2033110255100326347/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2033110255100326347' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2033110255100326347'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2033110255100326347'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/verzweifelt-fett-und-alt-taz.html' title='Verzweifelt, fett und alt (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8130493193916558379</id><published>2008-03-28T06:31:00.000-07:00</published><updated>2008-03-28T06:33:24.096-07:00</updated><title type='text'>German supermarket chain Lidl accused of snooping on staff (Guardian)</title><content type='html'>German supermarket chain Lidl accused of snooping on staff&lt;br /&gt;Kate Connolly in Berlin&lt;br /&gt;The Guardian, Thursday March 27 2008&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lidl was accused of recording how many times staff went to the toilet, as well as intimate details of their personal lives. Photograph: Graham Turner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The German discount supermarket chain Lidl has been accused of spying on its employees, including recording how many times they went to the toilet as well as details about their love lives, personal finances and menstrual cycles.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An investigation by the German news magazine Stern uncovered an extensive espionage system in its shops across Germany. It obtained hundreds of pages of documents gathered by detectives allegedly employed by the chain to find out about its staff. The surveillance took place via mini-video cameras installed by detectives. The official reason given to store managers was to reduce shoplifting.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Critics have accused Lidl of using "Stasi methods", referring to the secret police of the former communist East German state who kept track of the most banal and intimate details of hundreds of thousands of citizens' lives.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The detectives' records include details of precisely where employees had tattoos as well as information about their friends. "Her circle of friends consists mainly of drug addicts," reads one record. The detectives also had the task of identifying which employees appeared to be "incapable" or "introverted and naive".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;While most incidents seem to have occurred in Germany, the most shocking one allegedly occurred at a Lidl store in the Czech Republic, where a female worker was forbidden to go to the toilet during working hours. An internal memorandum, which is now the centre of a court case in the republic, allegedly advised staff that "female workers who have their periods may go to the toilet now and again, but to enjoy this privilege they should wear a visible headband".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recording how a German employee identified as Frau M spent her break, one report read: "Frau M wanted to make a call with her mobile phone at 14.05 ... She received the recorded message that she only had 85 cents left on her prepaid mobile. She managed to reach a friend with whom she would like to cook this evening, but on condition that her wage had been paid into her bank, because she would otherwise not have enough money to go shopping."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A Hamburg labour lawyer, Klaus Müller-Knapp, said the transcripts were "scandalous to the highest degree" and breached laws on freedom of expression.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Human rights groups and trade unions pledged to take up the case.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;While denying any knowledge of the Czech case, Lidl, which has more than 7,500 stores in 24 countries, including Britain, confirmed that surveillance had taken place in Germany. It said the purpose was "not to monitor staff, but to establish possible abnormal behaviour".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;It added that in retrospect the company distanced itself from the transcripts. "The references and observations are not in keeping ... with our understanding of how people should treat each other."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/profile/kateconnolly" name="&amp;amp;lid={articleBody}{Kate Connolly}&amp;amp;lpos={articleBody}{1}"&gt;Kate Connolly&lt;/a&gt; in Berlin&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/theguardian" name="&amp;amp;lid={articleBody}{The Guardian}&amp;amp;lpos={articleBody}{2}"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;,&lt;br /&gt;Thursday March 27 2008&lt;br /&gt;&lt;a class="sendbyline" id="historylink-byline" style="CURSOR: pointer"&gt;Article history&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8130493193916558379?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8130493193916558379/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8130493193916558379' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8130493193916558379'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8130493193916558379'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/german-supermarket-chain-lidl-accused.html' title='German supermarket chain Lidl accused of snooping on staff (Guardian)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-7984010648246412796</id><published>2008-03-17T04:26:00.000-07:00</published><updated>2008-03-17T04:28:31.773-07:00</updated><title type='text'>Obituary Erwin Geschonneck (Guardian)</title><content type='html'>Obituary Erwin Geschonneck&lt;br /&gt;A respected actor, he survived Hitler's camps to become a star in East Germany Hugh RorrisonFriday March 14, 2008&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erwin Geschonneck, who has died aged 101, was one of the most famous actors of the former German Democratic Republic. He spent years in Nazi concentration camps during the second world war and was a communist of the old school - democratic, idealistic, undogmatic, a man of infinite good humour and integrity, and a popular people's entertainer with a laconic line in sardonic wit. He was perhaps, above all, a survivor, undaunted, ironic, optimistic.&lt;br /&gt;He was born in Bartenstein in East Prussia (now Bartoszyce in Poland), the son of a cobbler, who in 1909 moved to Berlin to work as a night watchman. He grew up in poverty and began working as a delivery boy at 14. He soon joined the Communist party and became a member of Red Megaphone, one of the many workers' agitprop theatre groups that abounded in the Berlin of the Weimar Republic.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Slatan Dudow's 1932 film Kuhle Wampe (Who Owns the World?), which was scripted by Bertolt Brecht and immediately fell foul of political censorship, brought this kind of theatrical activism to the screen. Brecht used the vitality and energy of a communist Sportfest to end the film on an upbeat note after scenes showing an unemployed youth's suicide. "Forwards, never forgetting our solidarity" was the final anthem. Geschonneck was one of the anonymous worker athletes in that scene.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He later recalled that after watching Brecht's Threepenny Opera, the hit of the 1928 season, from the gallery, he became aware of the stage as increasingly becoming a means for rousing the proletariat against oppression.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;When Hitler came to power in 1933, he assumed he was on the Nazi wanted list and fled through Poland to the Soviet Union, where he joined the Kolkhoz theatre of Ukraine, performing in German to country audiences until he was denounced to the NKVD, the secret police, and given three days to leave the country. He returned to Prague, where he was promptly arrested by the Gestapo. He spent six years in the concentration camps at Sachsenhausen, Dachau and Hamburg-Neugamme until, on April 26 1945, he was one of 10,000 prisoners loaded on to the SS Cape Arcona, which was then sunk by the RAF in the Bay of Lübeck. Geschonnek was one of the few survivors.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;After the war he worked from 1946 to 1948 as an actor in Hamburg before being engaged in 1949 by Brecht's wife Helene Weigel for the newly founded Berliner Ensemble, where he appeared in many roles as a character actor with a working-class touch, notably as the lippy chauffeur in Brecht's Baron Puntila and his Man Matti, and the shifty Chaplain in Mother Courage. Shortly before Brecht's death in 1956, he left the company and embarked on a film career.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In 1951 he played the lead in Das Beil von Wandsbek (The Axe of Wandsbek), an early East German attempt to show the criminality of nazism inside Germany. With Hitler about to visit Hamburg, four condemned communists in the cells must be eliminated, and the city has no executioner. Geschonneck played a slaughterhouse worker tricked by the SS into carrying out the executions.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In 1963 he played Kalle in Frank Beyer's Carbide and Sorrel, a critical comedy set in 1945. Geschonneck illuminates the film with laconic, mischievous wit as he brings back two of his seven drums of carbide in a series of begged, borrowed and stolen vehicles. He has a run-in with Russian soldiers, commandeers a US officer's boat, falls in love with a farm-girl and inadvertently strays into a minefield picking mushrooms. This finely judged sequence of comic twists make up what is essentially an East German road movie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The unvarnished picture of the early years in the GDR could easily be related to its ramshackle economy in the 1960s, and the film narrowly escaped the draconian censorship imposed by the 1965 plenary session of the Socialist Unity party.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also in 1963, Geschonneck played the prisoner Walter Kraemer in Naked Among Wolves, in which prisoners in Buchenwald successfully conceal a Jewish boy from the camp guards. He gave the character a real dimension, carefully avoiding the cliche of idealised anti-fascism that the tenets of socialist realism would have required.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In 1974 he played Kowalski in Beyer's Jacob the Liar, the story of a Jew in Lodz in 1944 who is taken into custody and accidentally hears news of the Russian advance on the police radio. Back in the ghetto he pretends he heard it on his radio and is forced to invent more bulletins to keep up morale. It was nominated for an Oscar in 1977 as best foreign film, the only East German film ever to achieve a nomination.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In all he appeared in more than 100 films for screen and TV and his name is intimately bound up with the entire history of the East German national film company, DEFA.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geschonneck with his neatly trimmed, signature moustache was a much-loved figure in Germany and in 1992 was voted "best East German actor ever" in a poll run by the magazine Film und Fernsehen. Audiences appreciated his characters because they were believable, and although he was an anti-fascist by bitter experience, he rarely in his long career indulged in the glorification of heroes of the socialist working class or communist resistance fighters as officialdom would have required.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Always true to his working-class roots, he remained a believer, though not an uncritical one, in East Germany, for as long as it lasted. He was never tempted like so many GDR actors to seek his fortune in the Federal republic, and after the Berlin Wall came down, he transferred his political allegiance to the Party of Democratic Socialism, the successor to the Socialist Unity party.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He made his last appearance on the screen, as he had wished, in a comedy alongside his longtime colleague Fred Delmare. It was in the TV film Matulla and Busch, which was directed for the ARD network in 1995 by Geschonneck's son, Matti.&lt;br /&gt;He is survived by three children.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;· Erwin Geschonneck, actor, born December 27 1906; died March 12 2008&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-7984010648246412796?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/7984010648246412796/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=7984010648246412796' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7984010648246412796'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7984010648246412796'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/obituary-erwin-geschonneck-guardian.html' title='Obituary Erwin Geschonneck (Guardian)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-795298319368827302</id><published>2008-03-15T01:29:00.000-07:00</published><updated>2008-03-15T01:30:39.722-07:00</updated><title type='text'>Der Überall-Zugleich-Mann (taz)</title><content type='html'>15.03.2008  &lt;br /&gt;Schrift&lt;a onfocus="blur()" href="javascript:increaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt; &lt;a onfocus="blur()" href="javascript:decreaseFontSize();"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/leipziger-buchmesse/artikel/kommentarseite/1/der-ueberall-zugleich-mann/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=c7e63f4d87" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/leipziger-buchmesse/artikel/1/der-ueberall-zugleich-mann/?src=MT&amp;amp;cHash=b3c1281ed1&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fleipziger-buchmesse%2Fartikel%2F1%2Fder-ueberall-zugleich-mann%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3Db3c1281ed1&amp;amp;cHash=2bad4fe7ee', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fleipziger-buchmesse%2Fartikel%2F1%2Fder-ueberall-zugleich-mann%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3Db3c1281ed1&amp;amp;cHash=2bad4fe7ee" target="_blank" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Leipziger Buchmessen-Preis für Clemens Meyer&lt;br /&gt;Der Überall-Zugleich-Mann&lt;br /&gt;Der Leipziger Lokalmatador Clemens Meyer hat den Preis der diesjährigen Buchmesse gewonnen - und vor Freude erst mal sein Bier verschüttet. VON DIRK KNIPPHALS&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schriftsteller Clemens Meyer war schon den ganzen Tag über ein ständiger Bezugspunkt und Gesprächsstoff gewesen. In den Gängen der Messehallen traf man auf Kollegen, die einen fragten, ob man "mit zum Meyer" komme; der las gerade im Berliner Zimmer, dem als abgegrenzten Raum gestalteten Leseort. Gefühlte 30 Sekunden später (in Wahrheit vielleicht eineinhalb Stunden) sah man den Meyer dann in der Interviewlounge des MDR sitzen und seine Leidenschaft fürs Boxen erläutern. Bald darauf kriegte man Nachricht, Meyer habe auf der Lesepiazza der Kleinverlage sehr lustig und ein bisschen verschämt eine Geschichte aus der subjektiven Perspektive einer Prostituierten vorgetragen. Der Mann muss eine Zeit lang überall zugleich gewesen sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und um 16.30 Uhr am Donnerstag stieß dieser Clemens Meyer einen großen Schrei aus, reckte erst seinen rechten Arm mit einer Bierflasche darin in die Luft, sprang dann aus der Mitte der Zuschauerreihen auf, musste sich zunächst etwas verschüttetes Bier aus dem Auge wischen, darauf noch schnell einen Schluck nehmen, um sich schließlich seinen Weg durch die Stuhlreihen zu bahnen und auf die Bühne zu eilen. Das war der Moment, als verkündet wurde, dass Clemens Meyer den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse zuerkannt bekommen hat. Ein bisschen wirkte es so, als wolle er sich selbst als mögliches Vorbild einer seiner nächsten Figuren anbieten. Bier, aus dem Rahmen fallendes Verhalten und große Gefühle gehören ja durchaus in sein Repertoire.&lt;br /&gt;Anzeige&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansonsten lief die Zeremonie der Preisverleihung konzentriert und diszipliniert ab - kurze Vorstellung der Nominierten, Verkündung des Preisträgers, Übergabe, Laudatio, nächste Kategorie. Aber auch die anderen beiden Preisträger lieferten rührende Momente. Irina Liebmann, in der Kategorie Sachbuch für ihr Vaterbuch "Wäre es schön? Es wäre schön" ausgezeichnet, erzählte in ihrer kleinen Dankesrede, dass sie hier in Leipzig noch in einem der legendären Seminare von Hans Mayer gesessen habe. Und auch Fritz Vogelgsang, ausgezeichnet für seine jahrzehntelange Übersetzungsarbeit an Joanot Martorells 500 Jahre altem "Roman vom Weißen Ritter", fühlte sich über diese unverhoffte Anerkennung sichtlich bestätigt und beglückt. Zeit-Literaturchef Ulrich Greiner hatte als Jurychef vorab gesagt, dass es bei solchen Preisen nicht um die Medien gehe, nicht um die Kritiker, die Buchmesse, den Betrieb, sondern einzig und allein um die Autoren. In der Tat sind diese drei verschiedenen Reaktionen auf den Preis das, was von dieser Zeremonie im Gedächtnis haften bleiben wird. Und der Preis an den Lokalmatador Meyer geht natürlich in Ordnung. Irgendwie freut man sich ja immer, wenn bei so einer Sekt-und-Häppchen-Veranstaltung ein authentischer Biertrinker ausgezeichnet wird. Obwohl es nun nicht die Sensation ist, die es gewesen wäre, wenn er den Preis vor zwei Jahren für seinen Debütroman bekommen hätte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Besuchergruppe aus Japan und Südkorea war erkennbar erfreut. Zwei Tage zuvor hatte sie sich noch, organisiert vom Goethe-Institut, in Berlin bei einem Buchverlag, der taz und dem Literarischen Colloquium einen Einblick in die deutsche Literaturszene verschafft. Nun traf man sich also überraschend in Leipzig wieder. Das mediale Gesumme in den Messehallen und die ganze Aufregung um die Literatur beeindrucke sie, wie sie lächelnd versicherten. Und der Modus der Preisverleihung leuchtete ihnen sofort ein. Fünf Kandidaten pro Kategorie werden nominiert, einer von ihnen wird ausgezeichnet und darf dann das Zehnfache von seinem Buch verkaufen. Dieses Modell scheint weltweit von großer Evidenz zu sein. DIRK KNIPPHALS&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/leipziger-buchmesse/artikel/kommentarseite/1/der-ueberall-zugleich-mann/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=c7e63f4d87" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/leipziger-buchmesse/artikel/1/der-ueberall-zugleich-mann/?src=MT&amp;amp;cHash=b3c1281ed1&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fleipziger-buchmesse%2Fartikel%2F1%2Fder-ueberall-zugleich-mann%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3Db3c1281ed1&amp;amp;cHash=2bad4fe7ee', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Farchiv%2Fdossiers%2Fleipziger-buchmesse%2Fartikel%2F1%2Fder-ueberall-zugleich-mann%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3Db3c1281ed1&amp;amp;cHash=2bad4fe7ee" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-795298319368827302?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/795298319368827302/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=795298319368827302' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/795298319368827302'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/795298319368827302'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/der-berall-zugleich-mann-taz.html' title='Der Überall-Zugleich-Mann (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5165812215359652060</id><published>2008-03-15T01:26:00.000-07:00</published><updated>2008-03-15T01:27:19.280-07:00</updated><title type='text'>Persisch für Anfänger (taz)</title><content type='html'>Persisch für Anfänger&lt;br /&gt;Jan Willamowius betreibt ein persisches Online-Wörterbuch - unermüdlich und unentgeltlich. Dabei spricht er die Sprache gar nicht. Nicht mal ein einziges Wort. VON KATHRIN STRECKENBACH&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jan hat sich für Persisch entschieden. Bei einem Bier. Ein Freund von ihm ist mit einer Iranerin verheiratet und möchte ihre Sprache lernen. Jan, der Informatiker, beschließt: "Da muss ein Internet-Wörterbuch her." Denn Persisch ist eine Sprache, für die es nur wenig deutsches Lehrmaterial gibt, Wörterbücher dafür sind teuer. Jan sagt sich: Da gibt es Bedarf, und fängt an, ein deutsch-persisches Wörterbuch auf seiner Internetseite zu gestalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das einzige Problem an der Sache: Jan spricht überhaupt kein Persisch. Nicht mal ein einziges Wort. "Macht nix", denkt er sich und setzt sich an die Arbeit. Die Internetseite, farsi.free-dict.de, ist schnell aufgebaut, es ist nicht die erste, die Jan gestaltet. Mit Hilfe eines Freundes kann er einen ersten Wortschatz organisieren, rund 20.000 Wortpaare bekommt er zusammen, zunächst nur persisch-englisch. Und damit fängt die Arbeit erst richtig an. Vokabeln eingeben, Wortpaare sortieren, Übersetzungen prüfen. Wie viele Stunden er am Anfang in die Seite investiert hat, weiß er schon nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wörterbücher im Internet gibt es inzwischen viele: Die letzte Statistik darüber ist von 1996, seither sind unzählige dazu gekommen. Von leo.org bis lessan.de, gibt es deutsche Wörterbücher in allen möglichen Sprachen: Neben Englisch, Französisch, Spanisch gibt es Thailändisch, Ungarisch, Japanisch, Kisuaheli. Und wer aus dem Englischen in eine andere Sprache übersetzen will, findet noch eine viel größere Auswahl: Jiddisch, Thailändisch, Koreanisch, Hindi, Esperanto.&lt;br /&gt;Oft stecken Privatpersonen wie Jan hinter den Wörterbüchern. Sie verbringen Stunden vor dem Rechner, um die Nachschlagewerke für andere kostenlos ins Netz zu stellen. Geld verdienen dabei die wenigsten: "Mit dem bisschen Werbung auf der Seite bekomme ich gerade die Ausgaben für die Homepage wieder herein", sagt Jan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei sind die Besucherzahlen seiner Homepage beachtlich: 90.000 Abfragen hat er pro Monat, aus Deutschland und dem Iran. Bei lessan.org, einem Arabisch-Wörterbuch, das der Münchner Raid Naim von New York aus betreibt, sind es sogar 600.000 - Tendenz steigend. Inzwischen ist Lessan für viele Arabisch-Studenten zum Standardwerk im Internet geworden - ähnlich wie das Studentenprojekt leo.org für Englisch und Spanisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwar reichen auch professionellere Nachschlagewerke im Internet noch nicht an die Qualität der gedruckten Wörterbücher großer Verlage heran. Dennoch verfolgen inzwischen auch große Unternehmen wie Langenscheidt die Entwicklung der Online-Wörterbücher sehr genau: "Auch wir machen uns ja Gedanken über tragfähige, wirtschaftliche Konzepte im Internet", sagt Bernhard Kellner von der Langenscheidt Verlagsgruppe. "Aber für uns als Unternehmen muss man damit eben auch Geld verdienen können."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die privaten Initiativen machen ihnen dagegen kaum Konkurrenz: "Wenn sich jemand hinsetzt und ein Wörterbuch zu Kisuaheli oder Bretonisch auf seine Seite baut, dann bereitet uns das wenig Kopfzerbrechen", sagt er. "Im Gegenteil: Das ist eigentlich eine schöne Sache und trägt zur Sprachenvielfalt insbesondere von Minderheitsprachen bei. Denn wir könnten solch exotische Sprachen nur sehr schwer verkaufen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und genau darin liegt für viele private Wörterbuch-Betreiber die Motivation: Kleinen Sprachen ein Forum zu bieten: "Unser Ziel ist es, das Hocharabisch in alltägliche Bereiche zu integrieren, um gegen die immer währende Einengung des Sprachgebrauchs auf wenige Inhalte - insbesondere religiöse - anzukämpfen", sagt Naid Raim über sein Lessan-Projekt. "Denn Arabisch ist eine Sprache. Und eine Sprache ist mehr als nur eine Religion."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jan Willamowius hat zusätzlich noch die technische Seite gereizt: Das persische Alphabet, das sich nur schwer darstellen ließ. Die Eingabe der Buchstaben, die am Anfang ein Problem waren. Und die Herausforderung, mit einer unbekannten Sprache zu arbeiten. Denn Persisch, das kann er noch immer nicht.&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/kommentarseite/1/persisch-fuer-anfaenger/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=9c6cdc108d" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/persisch-fuer-anfaenger/?src=ST&amp;amp;cHash=d071299036&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Falltag%2Fartikel%2F1%2Fpersisch-fuer-anfaenger%2F%3Fsrc%3DST%26cHash%3Dd071299036&amp;amp;cHash=f1031e24c0', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Falltag%2Fartikel%2F1%2Fpersisch-fuer-anfaenger%2F%3Fsrc%3DST%26cHash%3Dd071299036&amp;amp;cHash=f1031e24c0" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5165812215359652060?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5165812215359652060/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5165812215359652060' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5165812215359652060'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5165812215359652060'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/persisch-fr-anfnger-taz.html' title='Persisch für Anfänger (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5924977202076806088</id><published>2008-03-14T03:31:00.000-07:00</published><updated>2008-03-14T03:32:28.567-07:00</updated><title type='text'>Das Leben als Musical (taz)</title><content type='html'>12.03.2008  Das Web-Video der Woche&lt;br /&gt;Das Leben als Musical&lt;br /&gt;Die US-Gruppe "Improv Everywhere" hat sich auf Flashmob-Theater spezialisiert. Ihre letzte Aktion: Ein spontanes Musical in einem Fastfood-Restaurant. VON MEIKE LAAFF&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein normales Fastfood-Restaurant mitten in einem Einkaufszentrum in L.A. Eine Frau in der typisch demütigend-häßlichen Kluft amerikanischer Fastfood-Ketten steht hinter dem Tresen einer Burgerbräterei und bedient eine Kundin. Niemand beachtet sie - bis sie plötzlich lauthals in Gesang ausbricht. Singend beklagt sie, dass sie dringend neue Servietten braucht. Die Leute an den Tischen drehen sich um, gaffen sie an - und plötzlich stimmt ein weiterer Mann ein, der ebenfalls Servietten verlangt, weil er sich Senf auf die Hose gekleckert hat. Beide springen auf die Theke und wieder herunter und tanzen Polka durch den Foodcourt in der US-Mall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gäste an den Tischen sind verwirrt. Es ist wie ein Wirklichkeit gewordenes Musical, wo die Menschen auch immer aus dem Nichts heraus anfangen zu singen und zu tanzen und sich die ganz alltägliche Welt plötzlich in eine Showbühne verwandelt. Immer mehr Gäste stimmen in Gesang und Tanz mit ein: Eine dicke Frau mit einem Baby, ein Reinigungsangestellter mit Kehrschaufel - und schließlich ein Mitarbeiter des Sicherheitsservices, der per Funk Serviettenverstärkung anfordert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gäste des Fastfood-Restaurants sind Zeuge einer &lt;a href="http://improveverywhere.com/2008/03/09/food-court-musical/" target="_blank"&gt;Aktion &lt;/a&gt;der US-Gruppe "Improv everywhere" geworden. Die lose Gruppe von Hobbyschauspielern begann 2001 in New York, im öffentlichen Raum komische und provozierende Aktionen zu inszenieren. Das Schema ist immer das gleiche: Aus dem Nichts tauchen die "Agenten" von "Improv everywhere" auf und starten in alltäglichen Situationen mitten im öffentlichen Raum ihre Aktionen. Mal ist es nur eine Handvoll "Undercover-Agenten", die aus dem Nichts heraus anfangen zu schauspielern, manchmal sind es ein paar Hundert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im New Yorker Hauptbahnhof froren kürzlich 200 von ihnen &lt;a href="http://improveverywhere.com/2008/01/31/frozen-grand-central/" target="_blank"&gt;mitten in der Bewegung&lt;/a&gt; für ein paar Minuten ein, während die restlichen Passanten durch die gespenstisch erstarrte Masse irrten. Ein paar Hundert von ihnen spielte &lt;a href="http://improveverywhere.com/2007/08/22/the-mp3-experiment-four/" target="_blank"&gt;Twister auf einem gepflasterten Platz&lt;/a&gt;, fünf zockten&lt;a href="http://improveverywhere.com/2006/11/15/swimming-pool-poker/" target="_blank"&gt; Poker im Swimming Pool&lt;/a&gt; eines Edel-Hotels. Die "Missionen" der Gruppe sind gut vorbereitet und minutiös geplant - einzige Unbekannte ist, ob Sicherheitsleute oder Polizisten eingreifen. Einen tieferen Sinn sollen ihre Aktionen nicht haben, meint "Improv everywhere"-Gründer Charlie Todd - es gehe einfach nur darum, sich selbst Unterhaltung zu schaffen, nicht auf Massenmedien angewiesen zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterhaltsam sind die Aktionen, die fast alle als Video auf der &lt;a href="http://improveverywhere.com/" target="_blank"&gt;Homepage&lt;/a&gt; der Gruppe abrufbar sind, allemal. Dort kann man zusehen, wie ein Selbstmörder mit großem albernen Trara von einem 50 cm hohen Betonsims gerettet wird, wie eine schlecht verkleidete Band auf einem Hochhausdach das legendäre Dachkonzert von U2 simuliert und wie 20 Menschen in roten Badekappen im Springbrunnen am New Yorker Washington Square ein Wasserballett aufführen.&lt;br /&gt;Längst beschränkt die "Improv Everywhere"-Truppe ihre Aktionen nicht mehr auf New York. Auch in anderen Teilen der USA und der Welt entstehen immer mehr Zweigstellen, die das Spontan-Theater zurück in den öffentlichen Raum bringen. Auch in Deutschland formieren sich derzeit einige Untergruppierungen, die in Foren eifrig erste Missionen aushecken.&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/kommentarseite/1/das-leben-als-musical/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=4573d26439" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/das-leben-als-musical/?src=MT&amp;amp;cHash=6d630f5f09&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel empfehlen" onfocus="blur()" onclick="window.open('1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Finternet%2Fartikel%2F1%2Fdas-leben-als-musical%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3D6d630f5f09&amp;amp;cHash=e08354eabd', 'ArtikelVersenden', 'width=588,height=729,status=no,scrollbars=no,resizable=no'); return false" href="http://www.taz.de/1/sonstiges/tip/?tipUrl=http%3A%2F%2Fwww.taz.de%2F1%2Fleben%2Finternet%2Fartikel%2F1%2Fdas-leben-als-musical%2F%3Fsrc%3DMT%26cHash%3D6d630f5f09&amp;amp;cHash=e08354eabd" alt="Artikel empfehlen"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5924977202076806088?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5924977202076806088/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5924977202076806088' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5924977202076806088'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5924977202076806088'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/das-leben-als-musical-taz.html' title='Das Leben als Musical (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1982639009809393677</id><published>2008-03-10T12:16:00.000-07:00</published><updated>2008-03-10T12:18:28.678-07:00</updated><title type='text'>Sind die Lehrer schuld? (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Sind die Lehrer schuld?&lt;br /&gt;Jeder zweite Schüler im Osten glaubt, dass die DDR das bessere System war. Ein Beitrag zu einer aktuellen Debatte&lt;br /&gt;Torsten Harmsen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwo hier soll sich die DDR versteckt halten. Vielleicht dort, in diesem alten roten Backsteinbau. Er gemahnt an preußische Strenge und Räume, die nach Kreide, saurer Milch und öligen Bohnerspänen riechen. So jedenfalls roch die eigene Schule, vor fast vierzig Jahren in der DDR. Und sie sah auch fast so aus wie dieser Bau. Drinnen jedoch ist es ganz anders. Der Flur ist hell, freundlich. Eine Gruppe lärmender Schüler zieht vorüber. Aus dem Büro der Schulleiterin riecht es nach frischem Kaffee.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Karla Werkentin ist dreiundsechzig und kam vor zehn Jahren als Direktorin in dieses Haus - die Heinz-Brandt-Oberschule in Weißensee, im tiefsten Osten Berlins. Zuvor hatte sie im Westen unterrichtet und Politik als grüne Bildungsstadträtin in Schöneberg gemacht. Jetzt übergibt sie das Direktorenamt an ihre Nachfolgerin Miriam Pech, auch aus Schöneberg. Karla Werkentin geht in Altersteilzeit - mit gutem Gefühl. Ihre Schule wurde mehrfach ausgezeichnet: unter anderem als eine der besten Hauptschulen Deutschlands.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Musterschule, eine Direktorin aus dem Westen - wo versteckt sich hier nun die DDR? Irgendwo muss sie sein; schließlich finde man sie überall im Osten, behauptete jüngst eine Studie, die großes Aufsehen erregte. Forscher der Freien Universität (FU) Berlin hatten bundesweit über fünftausend Schüler befragt, mit dem Ergebnis: Das Wissen über die DDR ist überall mangelhaft, besonders schlecht aber in Brandenburg und im Ostteil Berlins. Es herrsche ein nostalgisches, vernebeltes Bild. Jeder zweite Schüler glaube, das DDR-System sei besser gewesen als die Bundesrepublik oder zumindest gleichwertig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine eigene kleine Umfrage zeigt, wie es Kinder von Freunden und Bekannten sehen. Es sind Gymnasiasten, alle um 1990 geboren. Woran denken sie als erstes, wenn sie den Begriff DDR hören? Sehen sie die DDR als Diktatur? An den Antworten erkennt man, wie stark Wissen und Meinungen vom Umfeld abhängen, in dem die Kinder aufwachsen, auch davon, wie kritisch in den Familien mit der DDR umgegangen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Petra aus Bayern zum Beispiel hat gar keine Bindungen zur DDR. Sie spricht viel leichteren Herzens über den Staat, als die Kinder, deren Eltern und Großeltern dort gelebt haben. Marie, Gymnasiastin aus Berlin-Treptow, sagt voller Überzeugung: "Keiner, der in der DDR lebte, redet schlecht über sie. Kein einziger, den ich kenne."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was fällt dir beim Begriff DDR spontan ein?&lt;br /&gt;Marie, 17 Jahre, Berlin: "Pioniere. Kinder hatten Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten. Man konnte auf der Straße spielen, ohne Angst haben zu müssen. Alle Leute hatten Arbeit."&lt;br /&gt;Tim, 19 Jahre, Brandenburg: "Mauer, DDR-Mark, Sozialismus."&lt;br /&gt;Lena, 18 Jahre, Berlin: "Honecker, Mauer, Küchenmöbel."&lt;br /&gt;Petra, 19 Jahre, Bayern: "Stunden-langes Anstehen für Bananen. Eher eine Rückentwicklung des gesellschaftlichen Lebens. Der Film ,Good Bye, Lenin!‘"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinungen, wie die von Marie finden sich in der FU-Studie häufig. Die Kinder hören sie an den sonntäglichen Kaffeetischen ihrer Familien. Und blickt man kritisch auf sich selbst - 1961 geboren - dann zeigt sich, wie leicht man auch heute noch vor allem an die schönen Dinge zurückdenkt: Die erste Lehrerin, die man liebte, obwohl sie streng war. Der erste Kuss im Ferienlager. Die Freunde, mit denen man Musik machte. Die Freundin, mit der man zeltete. Es ist schwer, eine Welt, in der man lebte, jenseits aller Gefühle auf eine Formel zu bringen, wie: "Diktatur". Man braucht viel Wissen über das, was geschah. Man muss das alte Umfeld verlassen, neue Menschen kennenlernen, Freunde finden - auch im Westen, auch in der Arbeit, um Abstand zu sich selbst zu bekommen, zu seinem Leben, zu dem Land, in dem man lebte.&lt;br /&gt;Viele Lehrer im Osten machen diese Erfahrungen offenbar nicht. Sie bleiben in geschlossener Gesellschaft und vermitteln ein nostalgisches DDR-Bild, oder schweigen. Dabei sollten sie erzählen, aufklären! Was ist passiert? Was steckt dahinter?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Karla Werkentin vor zehn Jahren an die Heinz-Brandt-Schule in Weißensee kam, traf sie auf eine ihr völlig fremde Mentalität. Da war sie nun im Osten angekommen, die Alt-Achtundsechzigerin aus West-Berlin, stolz auf ihre Demo-Vergangenheit und ihre "dicke Akte beim Verfassungsschutz". Freiheit und Individualismus galten ihr als das Höchste. Und nun stieß sie auf Leute, die organisierte Kollektivität gewohnt waren, die einen "Subbotnik" - organisierten, als es darum ging, die Schule aufzuräumen. Einmal schlug jemand vor, doch wieder einheitliche Sportkleidung einzuführen. "Mehr Zucht, mehr Ordnung, mehr Disziplin! Das hörte ich hier sehr oft", sagt Karla Werkentin. Und noch kürzlich erklärte ein Kollege: "Wenn man sich nichts zu Schulden kommen ließ, hat einen die Stasi auch in Ruhe gelassen." "Wenn das das Resümee der DDR-Geschichte sein soll", sagt Karla Werkentin, "ist das schon bitter!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie bei der Erforschung einer fremden Spezies versucht man nun, dieses seltsame Wesen Ost-Lehrer zu ergründen. Manche haben eindeutige Erklärungen parat. "Vom Beginn der achtziger Jahre an wurden Lehrer in der DDR gezielt aus zuverlässigen Familien ausgewählt", sagte die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier kürzlich bei einer CDU-Veranstaltung im Abgeordnetenhaus zum Thema "DDR-Geschichte im Unterricht". Die Folge: Bis zu achtzig Prozent der Lehrer seien SED-treu gewesen. Anfang der neunziger Jahre habe es einige Demokratisierungsversuche an den Schulen gegeben. "Damals wurden zunächst viele junge Lehrer aus dem Westen gerufen. Die gingen mit Pioniergeist in den Osten. Doch achtzig Prozent von ihnen wurden weggebissen", sagte Freya Klier. Sie berichtete von Kollegien, die Lehrer aus dem Westen mobbten, bis diese entnervt zurückgingen. Und sie machte dafür eine Verschwörung der PDS und ehemaliger hauptamtlicher Stasi-Leute verantwortlich. Diese - studierte Lehrer - seien in der Wendezeit an die Schulen zurückgekehrt. "Das sind keine Seilschaften mehr, sondern mafiotische Zusammenhänge."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Joachim Gauck, der einst die Stasi-Aktenbehörde leitete, widersprach dem vehement. Alle hauptamtlichen Stasi-Leute seien bei der Überprüfung aus den Schulen entfernt worden. Informelle Mitarbeiter (IM) habe man entlassen oder weiter beschäftigt - je nach Aktenlage und persönlichem Gespräch. Er könne sich nicht vorstellen, dass an den Ost-Schulen aktive Seilschaften tätig sind. Dort herrsche viel mehr "die Normalität der Unaufgeklärtheit". Und diese müsse man überwinden. Sagte Gauck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War die DDR eine Diktatur?&lt;br /&gt;Marie: "Für mich war sie das nicht, da es ja genug Freiheiten gab, und die meisten Menschen sich, zumindest bevor die Mauer fiel, nicht eingeschränkt gefühlt haben. Es gab auch keinen Diktator im eigentlichen&lt;br /&gt;Sinne. Die DDR war einfach ein leider nicht vollendeter Versuch, ein für alle geordnetes und gerechtes Leben zu finden."&lt;br /&gt;Tim: "Ja, sie war ’ne Diktatur."&lt;br /&gt;Lena: "Ja."&lt;br /&gt;Petra: "Da muss ich jetzt passen, spontan kann ich jetzt dazu nichts sagen. Müsste ich mich mehr mit auseinandersetzen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stimmt es wirklich, dass die meisten Ost-Kollegien hermetisch abgeschlossene Nostalgie-Verbände sind? Und wenn ja, werden sie sich verändern lassen? Bei der CDU-Veranstaltung im Abgeordnetenhaus wurde gefordert, die kritische Beschäftigung mit der DDR nun durchzudrücken, und sei es mit Sonder-Projekttagen. Dabei war es die CDU, die nach der Wende schnell zum Tagesgeschäft übergehen wollte, auch an den Schulen. "Die CDU leitete die Verbeamtung der Ost-Lehrer ein", sagte der FU-Forscher Klaus Schroeder, "wohl in der Hoffnung auf künftige stramme Wähler." Joachim Gauck verwies darauf, dass ehemalige Parteisekretäre oder SED-Mitglieder oft "viel verheerender" gewirkt hätten als Stasi-Leute, auf die sich nun alles konzentriere. Doch man habe die Lehrerschaft großzügig übernommen, um vor allem die DDR-Fachlehrer nicht zu verlieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War das falsch? Wäre es eine bessere Lösung gewesen, die staatsnahen Lehrer massenhaft zu entlassen? Auf alle Fälle hätte es die Betroffenen noch weniger zu Anhängern der bundesdeutschen Demokratie gemacht. Karla Werkentin bedauert etwas anderes: "Unser Hauptfehler war, dass wir nicht berlinweit gemischt haben." Andere Bereiche, etwa die BVG oder die Berliner Museen, haben in den neunziger Jahren ihre Ost-West-Belegschaften zusammengeführt. "Aber die Lehrer sind sakrosankt", sagt sie. "Die West-Kollegen konnten nach ein paar freiwilligen Jahren im Osten Freudenfeste feiern, weil sie wieder in den Westen zurückdurften."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis heute hat die Berliner Politik nicht viel dafür getan, die Auseinandersetzung mit der DDR an der Schule zu vertiefen. Von eintausendachthundert Weiterbildungsveranstaltungen für Berliner Lehrer drehen sich ganze vier um die Geschichte der DDR. Junge, neu ausgebildete Lehrer für Geschichte und Weltkunde finden keine Stellen, weil Lehrer in anderen Fächern dringender gebraucht werden. Der Senat will nicht "brutal kontrollieren", ob die Schulen in ihrem Unterricht die DDR behandeln. Andere Bundesländer dagegen haben bewusst Schlüsse gezogen. In Brandenburg etwa verabredeten der Bildungsminister und die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, besser zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch im Ostteil Berlins finden sich Lehrer, die ihre Schüler kritisch mit der DDR konfrontieren. Zu ihnen gehört Manfred Quick. Er ist seit einunddreißig Jahren Lehrer, ausgebildet für Mathe und Chemie. Seit einiger Zeit unterrichtet er in seiner Klasse an der Heinz-Brandt-Schule auch Geschichte. Karla Werkentin schwärmt für den kräftigen Mann im weißen Kittel, der wie ein Hausmeister berlinert. "Das ist ein echter Ossi, sehr beliebt bei den Kindern. Streng, aber auch gerecht", sagt sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ich bin ganz ehrlich", sagt Manfred Quick, "ich habe damals auch nicht gesagt: Weg mit der DDR! Damit hätte ich auch nicht Lehrer werden können. Aber dass sich so gar nichts bewegt hat, das war doch zum Kotzen. Und das muss man auch darstellen können, um den Vergleich zu ziehen." Wenn er etwa an die Erpressbarkeit der Leute durch die Stasi denke. Oder an die Häftlings-Freikäufe durch den Westen. "Da sage ich mir auch: Schmierig! Da ließ sich dieser Staat die Leute abkaufen. Wie moderne Sklavenhändler." Neulich sagte eine Schülerin: "Bei uns war die Stasi nie zu Hause." Quick antwortete: "Natürlich, die war bei vielen nicht zu Hause. Trotzdem ist die Stasi ein Merkmal dafür, wie repressiv ein Staat mit seinen Mitteln gegen Leute vorgehen kann, die nicht konform laufen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War die Stasi ein Geheimdienst, wie ihn jeder Staat hat?&lt;br /&gt;Marie: "Mit Sicherheit nicht, wobei man ja auch nicht wissen kann, wie der Geheimdienst in den anderen Staaten war oder heute ist - was sich da unter manchem Deckmantel verbirgt."&lt;br /&gt;Tim: "Eigentlich schon, aber sie hat radikalere Mittel benutzt. Es gab ein sehr eingeschränktes Feindbild. Bürger mit anderer Meinung wurden bespitzelt."&lt;br /&gt;Lena: "Sie war ein Geheimdienst, wie ihn jeder Staat hat. Aber von Staat zu Staat variiert die Art und die Härte des Geheimdienstes. Die Stasi war gewiss härter als manch anderer Geheimdienst."&lt;br /&gt;Petra: "Puh . ich würde auf alle Fälle behaupten, dass die Stasi kein Geheimdienst war, wie ihn jeder Staat hat. Allerdings entwickeln sich die modernen Staaten immer mehr und mehr zu einem Überwachungsstaat. Ob das allerdings mit der Stasi zu vergleichen ist, wage ich zu bezweifeln."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum sind nicht alle Lehrer so offen wie Manfred Quick? Lernten sie nicht auch die neuen Freiheiten schätzen, die mit dem Ende der DDR kamen? Hatten nicht manche von ihnen ihrer Wut, ihren Tränen freien Lauf gelassen bei jenem Gespräch im Oktober 1989 in der Berliner Kongresshalle? Tausende Lehrer waren dabei, als sich vor Vertretern des DDR-Volksbildungsministeriums die Demütigung entlud, unter der viele gelitten hatten - weil sie "schweigen und lügen" mussten, wie einer sagte. Niemals mehr wollten sie das erdulden. Und heute? Heute gibt es Freiräume, von denen viele damals nicht einmal träumten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa den Freiraum, von dem Manfred Quick erzählt: "Während ich vorher dreizehn Jahre lang als Lehrer meinen Lehrplan abzuarbeiten und abzurechnen hatte, gab es jetzt zwar den Rahmenplan, aber mir war freigestellt, daraus Dinge zu machen, wie ich das will." Der neueste Plan schreibt ihm nicht einmal vor, sich explizit mit der DDR zu beschäftigen. Quick weiß nur: Er soll in der zehnten Klasse die Zeit von 1945 bis zur Wiedervereinigung behandeln. Seine Schüler sollen dabei unter anderem "den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur herausarbeiten". Quick versucht das ausführlich am Beispiel der DDR. Viele andere nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum nicht?&lt;br /&gt;"Demokratieauffassungen hängen eng von den Bedingungen der Gesellschaft ab", sagte der FU-Forscher Klaus Schroeder. Viele Westdeutsche hätten sich vor allem zur Demokratie bekannt, weil diese Wohlstand brachte. Das Sein bestimmte auch hier das Bewusstsein. So wie bei der deutschen Einheit. Sie hat für die Lehrer im Osten Neues und Gutes gebracht, aber auch Verschlechterungen. An den Schulen wird gespart, Lehrer sind überlastet. Für hundert aus Altersgründen ausscheidende Lehrer stehen bundesweit nur sechzig Absolventen bereit. Lehrer betreuen immer größere Klassen. Oft müssen sie im Unterricht gegen Desinteresse kämpfen und in Pausen Gewalt schlichten. Da bleibt kaum Zeit, sich über Inhalte auszutauschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schulsystem ist nicht gerecht. An der Heinz-Brandt-Schule etwa lernen zweihundert Schüler aus sogenannten bildungsfernen Familien. Viele Eltern sind arbeitslos, kümmern sich nicht um ihre Kinder, manche sind Alkoholiker. Die meisten kommen nie aus ihrem Bezirk heraus, nicht mal die paar Stationen bis zum Alex oder Zoo. "Wir haben viele enttäuschte Kinder. Die letzten einer Grundschulklasse, die es nicht auf die Realschule schaffen, kommen zu uns an die Hauptschule", sagt Karla Werkentin. Nur ein Drittel ihrer Schüler erhält am Ende eine Lehrstelle. "Dieses Schulsystem ist diskriminierend und gehört grundlegend erneuert oder abgeschafft."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Ost-Lehrer sehen keinen Grund, das DDR-Schulsystem, das sie einst selbst mitprägten, zu verurteilen. Zumal einiges, das ihnen vertraut vorkommt, heute "neu erfunden" wird: Gemeinschaftsschulen, das Abitur nach zwölf Jahren, zentrale Prüfungen. Dass sich Finnland einst an der DDR orientierte, als es 1973 die "Schule für alle" einführte, bestätigte 2004 Markuu Suortamo von der finnischen Schulbehörde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Finnen haben erkannt, wie wichtig es ist, Schüler möglichst lange zusammen lernen zu lassen und sie nicht zu früh zu auszusortieren. Die Lehrer begegnen in ihren Klassen auch einer Sehnsucht nach einer sozial sicheren Welt. "Die Mehrheit der Ost-Schüler wünscht sich heute einen Staat, der plant und lenkt", sagte der FU-Forscher Klaus Schroeder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Joachim Gauck von "Inseln der Aufgeklärtheit" spricht, meint er ein offenes geistiges Klima an den Schulen. Aufklärung kann es aber nur geben, wenn man die alten Denkmuster aufbricht. Mit der Ost-West-Mischung hat es nicht geklappt. Nun hofft mancher auf eine ganz neue Entwicklung: nämlich die jungen Kollegen, die nach und nach an die Schulen kommen.&lt;br /&gt;Daniela Tschiersch ist eine von ihnen. Die heute Vierzigjährige kam 1998 als Englischlehrerin an die Heinz-Brandt-Schule und gehörte zu einer neuen Generation von Lehrern, die noch in der DDR aufgewachsen waren, aber schon im Westen studierten. Plötzlich, so Karla Werkentin, gab es an der Schule keine Spannungen mehr zwischen Ost und West, sondern zwischen Jung und Alt. Auch zwischen den Ansprüchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daniela Tschiersch ist es gar nicht egal, welche Haltung ihre Schüler haben. Auch aufgrund ihrer eigenen Geschichte. Sie wuchs in einem katholischen Elternhaus auf. Ihr Vater wollte mit siebzehn flüchten, wurde erwischt und kam ins Gefängnis nach Bautzen. "Ich hatte also nicht die allerbeste Meinung von meinem Staat", sagt sie. "Als die Wende kam, hatte ich aber auch nicht die Vorstellung, dass der Osten jetzt alles vom Westen übernehmen solle."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die damals Zwanzigjährige ging zu den Runden Tischen, suchte nach einem neuen Weg, auch in der Bildung. Sie will, dass sich ihre Kinder eigene Gedanken machen. "Ich habe den Eindruck, dass sie keine Vorstellungen von Ost-West mehr haben, dass ihnen das Thema nicht wichtig ist", sagt sie. Viele Schüler sprächen einfach nach, was ihre Eltern erzählten. "Geschichtlich und tagespolitisch sind sie leider nicht interessiert", bedauert Daniela Tschiersch, "auch nicht daran, ihre Rechte wahrzunehmen, zu erkennen, in welcher Umwelt sie aufwachsen." Sie höre oft Vorurteile, vor allem in Richtung Türken oder Araber. "Alle paar Monate halte ich ihnen ’ne Gardinenpredigt, aber es gibt wenige, die man erreicht."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schulen sind damit überfordert, nicht nur zu bilden, sondern auch zu erziehen - Probleme zu lösen, die auch in anderen Bereichen der Gesellschaft bestehen. Lehrer wie Daniela Tschiersch oder Manfred Quick versuchen es dennoch. Der Geschichtslehrer läuft mit seinen Schülern Stationen der Mauer ab, bis zu der Stelle am Humboldthafen, wo der erste Mauerflüchtling, Günter Litfin, erschossen wurde. Quick geht es aber nicht nur um Mauer, Stasi und Gewalt, sondern um das alltägliche Leben in der DDR: Aus welcher Situation entstand sie nach dem Krieg? Welche Rolle spielte die SED? Warum gab es vieles nicht? Wie lebte die Jugend? Was war die FDJ? Was machte man in der Freizeit?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War die DDR-Regierung durch demokratische Wahlen legitimiert?&lt;br /&gt;Marie: "Wäre sie das nicht gewesen, hätten die Menschen dann nicht schon von Beginn an rebelliert? Das kam mir spontan in den Sinn."&lt;br /&gt;Tim: "Eher nein."&lt;br /&gt;Lena: "Nein, sie wurde einfach gegründet, und bei späteren Wahlen konnte man sich nur für oder gegen eine vorgegebene Partei entscheiden."&lt;br /&gt;Petra: "Definitiv nicht."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist schwer, Schülern Zusammenhänge zu erklären. Die Lehrbücher seien in ihrer Sprache oft "keine dolle Hilfe", sagt Manfred Quick. Also setzt er sich hin und formuliert die Texte um, schülergerecht. Als er mit seinen Schülern durchs ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen lief, sagte er: "Stellt euch das mal vor, das hätte euch auch passieren können. Erst mal weg! Ohne offizielle Anklage, ganz willkürlich! Du weißt nicht, wo du bist, wie lange du drin bist und was aus dir wird." Die Schüler seien dann meist betroffen, sagt er. Denn sie spürten: Das war eben kein normales Gefängnis. Und die Stasi war eben kein normaler Geheimdienst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Klima in der Schule ist immer auch ein Spiegel des Klimas in der Gesellschaft. Wer von "verbohrten Ost-Lehrern" redet, vergisst, dass Menschen eine Umgebung brauchen, die ihnen mit Verständnis entgegenkommt, wenn sie über ihr Leben reden. Stattdessen sieht man Demokratie-Missionare, die zuallererst Buße einfordern. Nicht alle haben ein so breites Kreuz wie Manfred Quick: "Ich glaube, bei vielen ist es irgendwo Scham. Man denkt: Da hast du mitgemacht, und das sollst du erklären, rechtfertigen. Da hast du keinen Bock drauf. Aber ich sag mir: Was soll das? Gerade weil es mein Leben gewesen ist, will ich es nicht vergessen." Nostalgie entsteht immer dort, wo man sich nicht zu Hause fühlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie interessant wäre doch eine Veranstaltung im Abgeordnetenhaus, in der Ost-Lehrer über ihr Leben reden und Westlehrer über ihres. Woran sie glaubten, wie ihr Alltag war, woran sie verzweifelten. Die meisten DDR-Lehrer haben in ihrem engen Rahmen mehr oder weniger kreativ gearbeitet. Die wenigsten haben Kindern bewusst geschadet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch der Blick zurück nützt nichts, wenn er Pflichtübung bleibt, ohne Erkenntnisgewinn. Die Lehrer im Osten müssen Kinder zu Demokraten erziehen wollen. Genauso wie die Lehrer im Westen. Es geht nicht um Lippenbekenntnisse, sondern um den Umgang mit Unrecht und Vorurteilen, um einfache menschliche Haltungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das zeigt auch das Beispiel eines Schülers der Heinz-Brandt-Schule. Kevin aus der neunten Klasse begegnete beim Praktikum zum ersten Mal in seinem Leben einem Schwarzen. Zu Hause erzählte er das seinem Vater. Dieser fragte seinen Sohn, warum er dem Schwarzen die Hand gegeben und mit ihm die Pause verbracht habe. Na ja, sie hätten sich eben unterhalten, antwortete der Junge. Später erzählte er der Direktorin, er habe einfach wissen wollen, warum der Mann nach Deutschland gekommen sei und so weiter. "Jetzt stellte er sich plötzlich Fragen", sagt Karla Werkentin. Das ist das, was sie will. Da könne sie hier argumentieren, wie sie wolle: "Ohne Kennenlernen verändert sich nichts." Das gilt auch für Lehrer.&lt;br /&gt;Berliner Zeitung, 08.03.2008&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1982639009809393677?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1982639009809393677/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1982639009809393677' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1982639009809393677'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1982639009809393677'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/03/sind-die-lehrer-schuld-berliner-zeitung.html' title='Sind die Lehrer schuld? (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-8578654021843884048</id><published>2008-02-28T02:08:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T02:10:20.826-08:00</updated><title type='text'>Kollateralschaden einer Affäre (taz)</title><content type='html'>15.02.2008  &lt;br /&gt;Unicef und Hans Leyendecker&lt;br /&gt;Kollateralschaden einer Affäre. VON MICHAEL RINGEL&lt;br /&gt;In den vergangenen Wochen bewegte die Öffentlichkeit ein in der Affärengeschichte der Bundesrepublik eher semibrisanter Skandal: Der Führungsetage des Kinderhilfswerks Unicef wurde vorgeworfen, Spendengelder veruntreut zu haben. Als Resultat der Enthüllungen traten zunächst die Vorsitzende Heide Simonis und dann der Geschäftsführer Dietrich Garlichs zurück. Im Windschatten der Affäre aber hat sich ein Kollateralschaden ergeben, der zumindest in der Journalistenbranche für Erheiterung sorgte: der Fall des Hans Leyendecker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leyendecker ist Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung und der selbst ernannte "König des investigativen Journalismus", wie die Wahrheit einmal schrieb. Nun hat Leyendecker zur Aufdeckung der Vorgänge bei Unicef rein gar nichts beigetragen. Losgetreten hat die Geschichte ein Redakteur der Frankfurter Rundschau und früherer taz-Mitarbeiter Matthias Thieme. Es lief alles wie im Lehrbuch ab: Informanten tragen interne Papiere zu; es wird recherchiert; Verantwortliche bestreiten Vorwürfe; es wird intensiver recherchiert; Vorwürfe bewahrheiten sich; Verantwortliche treten zurück.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://ad.de.doubleclick.net/jump/taz.de/nationalnews;sz=300x250;tile=3;ord=1234567890?" target="_blank"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Auch die Verteidigungsstrategie von Unicef zeigte ein bewährtes Muster. In der Unicef-Chefetage wurde die Devise ausgegeben, die Organisation dürfe auf keinen Fall beschädigt werden, dafür sei die Sache viel zu wichtig. Also wurden journalistische Leuchten wie Sabine Christiansen und Rolf Seelmann-Eggebert in Gang gesetzt, aber auch der allerhellste Mitwirkende an der Affäre, der "Unicef-Repräsentant" (dpa) Udo Lindenberg, der erklärte: "Unicef ist stärker und wichtiger als ne kleine Krise, die da mal durchrauscht. Denken wir an ein reinigendes Gewitter - hallo, na klar, wir bleiben knallewach." Wenn sich irgendwann der Rauch gelegt hat, muss man wohl genauer hinschauen, welche Knall- und Sprengköpfe im Umfeld dieser Geldsammelorganisation endgelagert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Vogel aber schoss Hans Leyendecker ab. Am vergangenen Freitag erschien in der SZ ein Artikel, in dem er über "die grenzwertige Strafverfolgung mit Hilfe der Medien" fabulierte und dem Rechercheur Thieme vorwarf, dass dieser bei der Staatsanwaltschaft ein juristisches Verfahren gegen die Unicef-Verantwortlichen anstoßen wollte und so gegen das journalistische Ethos verstoßen habe. Als angeblichen Beweis zitierte Leyendecker eine Mail von Thieme an die Staatsanwaltschaft, in der allerdings ein Informant den Behörden lediglich seine Hilfe bei der Aufdeckung der Vorgänge anbot. Leyendecker aber verstieg sich zu einer moralischen Anklage gegen den Boten der Nachricht - und zwar am selben Tag, als immer mehr Großspender ihre Beiträge für Unicef in Frage stellten und der Geschäftsführer zurücktrat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es waren purer Neid und gekränkte Eitelkeit eines Großfürsten der Publizistik, dass da ein junger Terrier von Journalist eine Geschichte durchhielt, während der Meister sie falsch eingeschätzt hatte: "Die FR agierte ... als gehe es um eine wirklich große Enthüllung", verkündete Leyendecker dickhosig von seinem Hochsitz des Ethos. Mit seinen dicken Eiern aber konnte er nicht mehr herunterklettern und sitzt deshalb noch heute dort: als Gespött einer ganzen Branche.&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-8578654021843884048?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/8578654021843884048/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=8578654021843884048' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8578654021843884048'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/8578654021843884048'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/kollateralschaden-einer-affre-taz.html' title='Kollateralschaden einer Affäre (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1845954210211634002</id><published>2008-02-28T02:06:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T02:08:12.258-08:00</updated><title type='text'>Wann bitte sprengt...(taz)</title><content type='html'>01.02.2008 &lt;br /&gt;Wann bitte sprengt irgendjemand Hertha BSC Berlin in die Luft?&lt;br /&gt;Kann sich irgendjemand vorstellen, dass mitten in Frankfurt hunderte Berliner an einem Fußballwochenende einen ganzen Straßenzug friedlich zu einer liebevoll gestalteten und atmosphärisch angenehmen "Bier- und Bulettenbar" umfunktionieren, um dort sich und ihr Heimatteam zu feiern? VON MICHAEL RINGEL&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann sich irgendjemand vorstellen, dass mitten in Frankfurt hunderte Berliner an einem Fußballwochenende einen ganzen Straßenzug friedlich zu einer liebevoll gestalteten und atmosphärisch angenehmen "Bier- und Bulettenbar" umfunktionieren, um dort sich und ihr Heimatteam zu feiern? Nein? Andersherum geht es allerdings sehr gut. An diesem Wochenende beginnt die Bundesligasaison wieder, unter anderem mit einem Spiel von Hertha BSC Berlin gegen die Eintracht aus Frankfurt. Die Eintracht-Fans werden aus diesem Grund in Scharen nach Berlin kommen, sich mit den in der Hauptstadt ansässigen Eintrachtianern zusammentun und mitten in Kreuzberg erneut ihre "Bembelbar" eröffnen. In diesem Jahr zum fünften Mal. In der Jubiläums-"Bembelbar" wird mitgebrachter Äppelwoi ausgeschenkt, während die Fans sich und ihr Team feiern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun ist Äppelwoi pures Gift und die aus der Zentrale des Handkäs stammende Eintracht ein eher unappetitlicher Verein. Aber umgekehrt ginge das gar nicht, denn Hertha BSC Berlin ist der wahrscheinlich grauenhafteste Verein des Universums. Ich weiß, wovon ich spreche. Seit mehr als 25 Jahren schaue ich mir Spiele der Hertha an. Es ist das Grauen. Alles an diesem Verein ist Müll, ach was, Sondermüll: Vorstand und Management, Trainer und Spieler, Anhänger und Mitglieder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frösche nennt man beispielsweise das, was für andere Klubs Fans sind. Und jedes Mal treten einem bei dieser ersten Lebenslüge der Hertha die Tränen in die Augen. Denn der freundliche Tiername ist so fehl am Platz wie eine Autobombe in einer Fußgängerzone. Jedes Mal, wenn man ins Stadion fährt, fragt man sich schon in der U- oder S-Bahn, aus welchen düsteren Löchern diese Gestalten gekrochen sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trainer und Spieler verkörpern das absolute Mittelmaß, aber mit dem typischen Berliner Schuss Größenwahn. Hertha BSC Berlin ist eine Art Bielefeld mit einer Überdosis Bagdad. Bereits nach einem zufälligen Sieg gegen irgendeine andere graue Maus meint man bei Hertha, mindestens die Champions League gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Management besteht aus einem Einmannbetrieb namens Dieter Hoeneß, der ständig beleidigt ist, weil seine Arbeitsleistung angeblich nicht anerkannt wird. Seine Arbeit besteht darin, bei Spielereinkäufen Geld auf dem Transfermarkt zu vernichten. Der Vorstand wiederum besteht aus den piefigsten Restberlinern, von denen einer tatsächlich vor kurzem einen halblichten Moment hatte. Zur Lage des Elendsvereins, der zuletzt vor 77 Jahren deutscher Meister wurde, befragt, erklärte der Hertha-Präsident Bernd Schiphorst: "Die älteren Generationen im Ostteil der Stadt haben wir leider verloren." Die älteren Generationen?! Alle Generation! Dieses traurige Stück Berlin schafft es in einer Dreieinhalb-Millionen-Metropole nicht mal an einem Spieltag, ein Prozent der Bevölkerung zu mobilisieren. Rund 30.000 Zuschauer verlieren sich alle zwei Wochen im Stadionrund. Und wer nach Berlin umzieht, bleibt zum Beispiel Eintracht-Fan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oder wird Masochist. Wenn nicht jemand diesen Drecksklub in die Luft sprengt, bin ich auch diesen Samstag wieder bei olle Hertha. Es nützt ja nichts. Irgendjemand muss es ja weggucken.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1845954210211634002?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1845954210211634002/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1845954210211634002' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1845954210211634002'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1845954210211634002'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/wann-bitte-sprengttaz.html' title='Wann bitte sprengt...(taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-184864128884225621</id><published>2008-02-28T02:03:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T02:04:42.382-08:00</updated><title type='text'>Roland Koch aufgegessen (taz)</title><content type='html'>26.01.2008 &lt;br /&gt;die wahrheit&lt;br /&gt;Roland Koch aufgegessen&lt;br /&gt;Kannibale von Rotenburg verspeist&lt;br /&gt; kurz vor Wahl hessischen Ministerpräsidenten.&lt;br /&gt;VON MICHAEL RINGEL&lt;br /&gt;FRANKFURT AM MAIN taz Ganz Deutschland ist erschüttert. Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe: Roland Koch wurde aufgegessen. Wie der hessische Landeswahlleiter Wolfgang Hannappel am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden bekanntgab, wurde der Spitzenkandidat der Christlich Demokratischen Union und Ministerpräsident des Landes Hessen, Roland Koch, Opfer des sogenannten Kannibalen von Rotenburg. In ersten Stellungnahmen zeigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck betroffen. Die Oppositionsführerin im hessischen Landtag Andrea Ypsilanti (SPD) erklärte: "Ich bin ein Stück weit entsetzt." Vertreter der Grünen und der Linken sprachen ihr Bedauern über den Vorfall aus. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte eine lückenlose Aufklärung der Tatumstände an und forderte eine Ausweitung der Vorratsspeicherung auf Kannibalen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach ersten Ermittlungen des BKA muss es dem Täter Armin Meiwes gelungen sein, am Freitagmorgen aus der Justizvollzugsanstalt Kassel zu fliehen. Meiwes habe sich zum Wohnort des Ministerpräsidenten begeben und ihn in seinem Haus allein angetroffen. Daraufhin habe Meiwes Koch zerlegt, gekocht und aufgegessen. Ob der für ein ähnliches Delikt bereits einsitzende "Kannibale" Helfershelfer hatte, wollen die Behörden in einer umfassenden Untersuchung klären. Das BKA stellte eine Sonderkommission mit dem Namen "Coq" zusammen, an der 400 Beamte beteiligt sind.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://ad.de.doubleclick.net/jump/taz.de/nationalnews;sz=300x250;tile=3;ord=1234567890?" target="_blank"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner Ausgabe am Montag berichtet, habe Meiwes laut Aussagen von Mithäftlingen seit Monaten Salz und Pfeffer gehortet. Meiwes hätte wörtlich geäußert: "Ich habe noch eine größere Mahlzeit vor mir." Zuletzt hätte sich der "Kannibale" mehrfach enttäuscht darüber gezeigt, dass ihm bei seiner Verurteilung die bürgerlichen Rechte aberkannt worden seien und er bei der Hessenwahl keine Stimme abgeben könne. Meiwes hatte sich im Gefängnis einer von den Grünen unterstützten Häftlingsgruppe angeschlossen, vermutlich auch, um leichter an Bioprodukte und erlesene Gewürze zu gelangen. Wie das Magazin Essen &amp;amp; Trinken vorab meldet, habe Meiwes Ministerpräsident Koch als Coq au vin zubereitet und dafür exquisite Produkte verwendet, die er alle mitgebracht habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach Polizeiangaben befand sich Roland Koch wegen einer Erkrankung allein zu Hause. Wo sich seine Sicherheitsbeamten aufhielten, ist zur Stunde noch nicht geklärt. Gegen 13.45 Uhr sei die Ehefrau des Opfers nach Hause gekommen und habe eine verschmutzte Küche sowie im Esszimmer Knochen und andere Überreste einer opulenten Mahlzeit vorgefunden. Da ihr Mann verschwunden war, habe sie sofort die Mitarbeiter der Senatskanzlei verständigt, die eine Gewalttat ausländischer Jugendlicher vermuteten. Eine eilig eingeleitete Fahndung konzentrierte sich jedoch schnell auf den seit dem frühen Morgen flüchtigen Meiwes, der allerdings wegen des schweren Essens nicht weit kam. Er wurde am Freitagnachmittag von einem Spezialkommando der Polizei in der Frankfurter Freßgass festgenommen, wo ihn einige Börsianer erkannten, die sich zum Wochenschluss des Aktienmarktes mit ein paar Flaschen Champagner über ihre Verluste hinwegtrösteten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer ersten Vernehmung bekannte sich Meiwes zu der Tat, bestritt aber politische Motive. Wie das Magazin Focus berichtet, habe er immer wieder von einem "unbändigen Hunger" gesprochen, der durch die Nahrung in der Justizvollzugsanstalt nicht gestillt werden könnte.&lt;br /&gt;"Ich weiß nicht, ob das lecker war", sagte der bekannte Fernsehkoch Horst Lichter der Nachrichtenagentur dpa. Gegenüber den "RTL II News" erklärten Teilnehmer der Sendung "Das perfekte Promi-Dinner", dass sie Koch nicht gern als Coq au vin essen würden. Der Gastrokritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Dollase, allerdings sprach von einer "interessanten Textur der Sauce", die ihm ein Informant übermittelt habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie es nun in Hessen weitergeht und wann die Landtagswahl stattfindet, ist noch völlig ungewiss. Ob die CDU auch ohne Koch wieder mit dem Thema innere Sicherheit in den Wahlkampf zieht, konnte unter dem Schock der Ereignisse in der Partei niemand sagen. Der potenzielle Nachfolger Kochs, Innenminister Volker Bouffier, kündigte jedoch eine "schonungslose Auseinandersetzung" an über die Frage, ob "Grüne und Kommunisten die Finger im Spiel hatten".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Frankfurt am Main kam es derweil zu unschönen Szenen in den Straßen der Problemviertel. Nachdem die Nachricht von der Verspeisung Roland Kochs bekannt wurde, zogen hunderte Mitglieder arabisch-türkischer Jugendgangs durch die Mainmetropole und verteilten unter lautstarken Jubelgesängen Bonbons und andere Süßigkeiten an Passanten - "als Nachtisch", wie es hieß.&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-184864128884225621?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/184864128884225621/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=184864128884225621' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/184864128884225621'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/184864128884225621'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/roland-koch-aufgegessen-taz.html' title='Roland Koch aufgegessen (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4304359970980748906</id><published>2008-02-28T01:56:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T01:57:41.562-08:00</updated><title type='text'>Redaktion fordert Rücktritt von Chef (taz)</title><content type='html'>15.02.2008  &lt;br /&gt;Krach um "Berliner Zeitung"-Sparpläne&lt;br /&gt;Redaktion fordert Rücktritt von Chef&lt;br /&gt;Die Redaktion der "Berliner Zeitung" hat Chefredakteur Depenbrock aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Zuvor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Enthusiastisch" ist das Wort, das David Montgomery vor kurzem benutzte, um zu beschreiben, wie seine Berliner Mitarbeiter seine Pläne aufnähmen. Enthusiastisch laut Wörterbuch: begeistert, schwärmerisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahrheit ist: Am Donnerstag flossen in der Redaktion der Berliner Zeitung Tränen. Sie forderte ihren Chefredakteur danach zum Rücktritt auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mecom-Konzern des Briten David Montgomery hält die BV Deutsche Zeitungsholding, zu der der Berliner Verlag und damit auch die Berliner Zeitung gehört. Nachdem am Mittwoch Chefredakteur Josef Depenbrock, zugleich Geschäftsführer der Holding, mit Montgomery zusammengetroffen war, bat die Redaktion Depenbrock am Donnerstagmorgen in der Redaktionskonferenz um eine Stellungnahme zu einer langeschwelenden Frage: Werden offene Stellen nachbesetzt? Depenbrocks Antwort lautete, es müsse "weiter gespart" werden, und er brauche Zeit, um über die Neubesetzung der Stellen nachzudenken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dies, sagt Ewald Schulte, Mitglied des Redaktionsausschusses, sei von der Redaktion "mit lähmendem Entsetzen zur Kenntnis genommen" worden. Die Teilnehmer der Konferenz seien "konsterniert" gewesen. Einem anderen Redakteur zufolge habe ein Teil der Belegschaft die Konferenz vorzeitig verlassen, einige Mitarbeiter seien in Tränen ausgebrochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa ein Dutzend Stellen wurden frei und nicht wieder besetzt, seit Montgomery die Zeitung gekauft hatte und Depenbrock Chef geworden war. Stellen im Sport-, Wirtschafts- und Medienressort sind unbesetzt, die Ressortleiter der Seite 4 verließen das Blatt ebenfalls. Die Befürchtung der Redaktion, es würde unter dem neuen Eigner Montgomery zu Entlassungen kommen, hat sich zwar nicht bewahrheitet. Pauschalisten und langjährige freie Mitarbeiter wurden unter Depenbrock sogar mit "vernünftigen Arbeitsverträgen" ausgestattet, wie Schulte sagt. Doch der freiwillige Exodus geht weiter, die Zeitung entsteht mit immer weniger Personal. Redakteure, deren Namen eng mit der Zeitung verbunden sind, haben das Blatt verlassen oder werden 2008 gehen - auch Schulte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Wenn eine Zeitung eine gute Perspektive hat, überlegt man sich gut, ob man sie verlässt", sagt ein Redakteur. "Die überragende Meinung ist aber, dass sie keine gute Perspektive hat." Von schleichenden Prozessen ist die Rede, "und es geht nicht aufwärts, sondern abwärts."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht erst nun sehen sich viele Redakteure als unfreiwillige Erfüllungsgehilfen einer Renditevorstellung des Mecom-Konzerns, die 2007 bei etwa 14 Prozent gelegen haben dürfte und 2008 bei mindestens 18 Prozent liegt. Doch die gestrige Nachricht, dass weitere Sparmaßnahmen bevorstünden, hat nun Konsequenzen: Als Reaktion auf die Nachricht kam die Redaktion am Nachmittag zusammen und beschloss, Chefredakteur Depenbrock, der - was der Redaktion seit Monaten schwer im Magen liegt - eben auch Geschäftsführer ist, das Misstrauen auszusprechen. Briefe an Depenbrock und an die Mecom-Spitze wurden aufgesetzt. Zur gleichen Zeit ruderte Depenbrock zurück und kündigte an, vier freie Stellen würden nun doch neu besetzt, drei davon extern. Die betroffene Reaktion der Redaktion habe den Ausschlag dafür gegeben, heißt es. Depenbrock habe sie richtig gedeutet: Das Fass läuft über.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit langem fordert die Redaktion, Depenbrock solle einen seiner Posten abgeben; man könne nicht die Interessen einer Redaktion vertreten, wenn man zugleich Geschäftsführer sei. Zudem verstoße die Doppelrolle gegen das Redaktionsstatut, das die strikte Trennung von Verlag und Redaktion vorsehe. Depenbrock hat sich bislang hartnäckig geweigert. Spätestens jetzt aber ist er schwer angeschlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2006, als er als Chefredakteur antrat, ohne dass der Redaktion ein Mitspracherecht eingeräumt worden war, hatte die protestiert, indem sie eine nur zwölf Seiten starke Ausgabe produzierte. Sie schrieb von ihrer "Sorge über die Zukunft unserer Zeitung" und ihre journalistische "Qualität und Unabhängigkeit". In den Augen vieler Redakteure hat sich diese Sorge bewahrheitet. Mittlerweile lautet die zum Teil harsche Kritik an Depenbrock, er sei nicht Journalist, sondern Unternehmer, "auch wenn er das Gegenteil behauptet". Die "Glaubwürdigkeit des Chefredakteurs hat bei vielen stark gelitten", sagt Ewald Schulte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinter dem Konflikt mit Depenbrock, der das Verbindungsglied zwischen der Redaktion und Mecom ist, stehen die Renditeerwartungen des britischen Unternehmens. Im Januar war der Börsenkurs von Mecom dramatisch eingebrochen. In einer Pressemitteilung, die Mecom herausgab, hatte der Konzern - ein rein handwerkliches Versäumnis - verschwiegen, dass er die kartellrechtliche Auflage bekommen habe, eine niederländische Zeitung zu verkaufen. Analysten hätten sich daraufhin "veralbert" gefühlt, wie es heißt - und der Kurs fiel. Diesen Kommunikationsfehler müssten nun die Mitarbeiter des ganzen Konzerns ausbaden, heißt es aus Berlin.&lt;br /&gt;&lt;a title="Artikel kommentieren" onfocus="blur()" href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/kommentarseite/1/redaktion-fordert-ruecktritt-von-chef/?tx_skpagecomments_pi1%5BshowComments%5D=1&amp;amp;tx_skpagecomments_pi1%5BshowForm%5D=1&amp;amp;cHash=6acf680473" alt="Artikel kommentieren"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a title="Artikel drucken" href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/redaktion-fordert-ruecktritt-von-chef/?src=SE&amp;amp;cHash=30fed3f022&amp;amp;type=98" target="_blank" alt="Artikel drucken"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/index.php?id=2012"&gt;&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4304359970980748906?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4304359970980748906/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4304359970980748906' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4304359970980748906'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4304359970980748906'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/redaktion-fordert-rcktritt-von-chef-taz.html' title='Redaktion fordert Rücktritt von Chef (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1731072217892074192</id><published>2008-02-28T01:53:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T01:55:43.160-08:00</updated><title type='text'>"Es muss brezeln" (taz)</title><content type='html'>14.02.2008 &lt;br /&gt;"Es muss brezeln"&lt;br /&gt;Moses Schneider produziert Platten von Jens Friebe, Peter Licht und den Beatsteaks. Dafür wird er vom Feuilleton geliebt und ist nun zwei Mal für den Echo-Preis nominiert.&lt;br /&gt;VON THOMAS WINKLER&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moses Schneider weiß, was Rockbands wünschen. "Der Kühlschrank ist voll!", verkündet er breit grinsend. Und tatsächlich: Im weißen Ungetüm in der Ecke der Fabriketage wartet eine Batterie Flaschbier. Die Musiker, die hier auf speckigen Sofas auf ihren nächsten Einsatz warten, wollen schließlich bei Laune gehalten werden. Und die erste Pflicht eines Musikproduzenten wie Schneider ist es, für kreative Stimmung zu sorgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch es sind nicht in erster Linie die Qualitäten von Moses Schneider als Getränkelieferant, die für seinen mittlerweile legendären Ruf in der deutschen Musiklandschaft gesorgt haben. Der 42-Jährige ist verantwortlich für einige der erfolgreichsten Schallplatten der vergangenen Jahre. Seine Arbeit wird immer von der Kritik geschätzt und oft auch vom Publikum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter seiner Regie stürmten die Beatsteaks, eine zuvor allgemein als eher durchschnittlich eingestufte Berliner Punkband, an die Spitze der deutschen Charts. Auf Platten von Seeed, Fehlfarben, der ehemaligen Skunk-Anansie- Sängerin Skin, Peter Licht, Ohrbooten, Jens Friebe und Mediengruppe Telekommander findet sich sein Name. Auch die letzten beiden, sehr überzeugenden Alben von Tocotronic hat er produziert, und Peter Thiessen, der Schneider für die letzte vorzügliche CD seiner Band Kante engagierte, hat seinen kürzlich geborene Sohn auf den Namen Oscar Moses taufen lassen. Und nun beginnt auch das Musik-Establishment die Künste des Produzenten zu würdigen: Für den deutschen Musikpreis Echo, der am 15.2. in Berlin feierlich verliehen wird, ist Schneider gleich zwei Mal nominiert: Für seine Arbeit an "Kapitulation" von Tocotronic und "Limbo Messiah" von den Beatsteaks.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor allem Rockbands sind es, die es nach Berlin ins Transporterraum-Studio zieht, das Schneider zusammen mit seinem Partner Ben Lauber betreibt. Dort mischt er die Stücke ab, die er zuvor am liebsten im ChezCherie-Studio aufgenommen hat, einer weitgehend gewöhnlichen Kreuzberger Fabrik-Etage, die von einem Künstler-Pärchen bewohnt wird. Neben der familiären Atmosphäre schätzt Schneider vor allem die Beton-Decke, die die Höhen verteilt "wie ein Springbrunnen" und so für einen harmonischen Gesamtsound sorgt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter dieser Decke gruppiert Schneider an einem trüben Frühwintertag Kettcar. Die Hamburger Band nimmt vier Songs ihres neuen Albums, das im kommenden April erscheinen soll, mit dem Produzenten auf. Dessen Arbeit in den ersten Stunden besteht darin, zusammen mit dem Sound-Engineer die verschiedenen Mikrofone im Raum zu platzieren, Instrumente und Verstärker zu verkabeln. Einzelne dieser Klang-Settings tragen Namen wie "Wurst1" oder "Ghettoblaster". Ein Mikrofon liegt am Boden direkt hinter dem Schlagzeugschemel und ist mit Duct-Tape auf einem Frühstücksbrettchen fixiert. Effektgeräte heißen bei Schneider "Ratte" oder "Tretmine", gegessen werden Kartoffelchips. "Für Studio-Füchse ist das hier nichts", sagt Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn nach zähen, von missglückten Metaphern und lautmalerischen Wortneuschöpfungen geprägten Diskussionen der gesuchte Gesamtsound gefunden ist, dann stellt Schneider seine Klienten im Kreis auf und lässt sie einfach losspielen. Aufgenommen werden alle Instrumente gleichzeitig, und während andere Produzenten sich dabei hinter schallsicherem Glas verschanzen, steht Schneider mitten zwischen der Band, eine Selbstgedrehte zwischen den Zähnen, rudert mit den Armen, schneidet Grimassen zu den Gitarrenriffs, schüttelt den wirren Haarschopf im Rhythmus und gibt Einsätze. Alle sollen "gemeinsam schwitzen", sagt er. Und das immer wieder: Take folgt auf Take, "manchmal 40 Mal", lächelt Schneider, der bei den Aufnahmen ungleich euphorischer wirkt als die norddeutsch zurückhaltende Band. Eine neue Erfahrung auch für Kettcar-Gitarrist Erik Langer: "Das ist extrem emotional, fast ein bisschen freakig". Im Ergebnis aber "fühlt man sich wieder wie ein Musiker", findet Sänger Wiebusch, "nicht mehr nur wie ein Erfüllungsgehilfe".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatsächlich wirkt der Kettenraucher Schneider ganz und gar nicht wie einer der üblichen Knöpfchendreher, die sich Produzent nennen. Für den technischen Ablauf ist ein Assistent zuständig, und der sagt nur leicht ironisch: "Wir machen alles mögliche, um keinen sauberen Sound zu haben". Schneider ist eher ein Dirigent und tatsächlich ist seine Arbeitsweise bei Klassik- und Jazz-Aufnahmen bis heute Standard. In der üblichen Rockproduktion allerdings wird jeder Musiker einzeln in den Aufnahmeraum geschickt, gewöhnlich zuerst Schlagzeuger, dann Bassist und schließlich Keyboarder und Gitarristen. Ein Vermächtnis aus der Disco-Zeit Ende der Siebziger Jahre, als die Studio-Aufnahmen immer aufwändiger und die Produzenten immer selbstverliebter wurden. Heute wird gewöhnlich zum Clicktrack aufgenommen, einem elektronischen Metronom, mit dem die einzelnen Spuren dann anschließend im Computer synchronisiert werden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Kein Clicktrack, darauf haben wir uns spezialisiert", sagt Schneider. Mit seiner in der europäischen Rockmusik nahezu einzigartigen Methode will der gebürtige Berliner herausarbeiten, was er "Spielgefühl" nennt. "Spielgefühl" ist Schneiders Lieblingswort. Öfter sagt er nur noch "coole Scheiße". Dann nämlich, wenn er es geschafft hat, bei einer Band dieses Spielgefühl zu evozieren. Es bezeichnet jene seltsame, schwer zu greifende Magie, die entsteht, wenn Menschen zusammen Musik machen, wenn etwas entsteht, was mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. "Das, was eine Band einzigartig macht, das ist ja das Gefühl für Timing und für Tempo", sagt Schneider, "und das will ich auf Band bringen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelernt hat der aus einer Musikerfamilie stammende Schneider sein Handwerk in den legendären Hansa-Studios. Dort, wo wegweisende Alben von U2, Depeche Mode, David Bowie oder später Nick Cave entstanden, hat er nach einem drei Wochen währenden Studium als Kaffeekocher angefangen und dann jahrelang als Assistent gearbeitet. Ende der Achtziger Jahre standen dann plötzlich die Pixies im Studio und wollten einen Song aufnehmen für ihr Album "Bossanova". Schneider war zwar ganz allein, aber stellte den Post-Punkern kurzentschlossen die Regler ein. Die dankten es ihm mit einem Vermerk auf der Platte, seinem ersten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittlerweile ist das "Wunderkind" (Der Tagesspiegel) zum "Starproduzent" (taz) aufgestiegen, ist einer gar, der Bands einen Sound verpasst, der "international konkurrenzfähig" (Die Zeit) ist. Zuletzt wurde sogar das Londoner Dancefloor-Duo Basement Jaxx vorstellig und hat sich vom Rockproduzenten Schneider aufnehmen lassen. Auch sie dürften an dem nach Selbsteinschätzung Besessenen geschätzt haben, was Tocotronics Dirk von Lowtzow so beschreibt: "Moses ist verrückt, aber auch extrem effektiv".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Verrückte selbst glaubt allerdings, dass seine ganze Zunft demnächst kaum noch vonnöten sein wird. "Der Produzent wird aussterben", sagt Schneider. Studios, nicht nur die teuren, sondern auch ein solch improvisiertes, wie er es benutzt, werden dank der sinkenden Umsätze im Musikgeschäft zukünftig kaum noch finanziert werden können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Alternative könnte eine Weiterentwicklung seiner Arbeitsweise sein. Schon jetzt bereitet Schneider mit den Bands in deren Probenraum "ohne Zeit- und Geldstress" die Aufnahmen vor, oft wochenlang. "Mit der Band zusammen wachsen", nennt er das, und als praktischer Nebeneffekt kommt die Band mit bereits fertig arrangierten Songs ins Studio, die so viel effektiver aufgenommen werden können. "Das Studio ist dann nur noch eine Art Theater- Aufführung", beschreibt es Schneider. Diese Aufnahmen erfolgen dann schon heute mit kleinem Equipment, das in einem PKW transportiert werden kann. "Der Übungsraum ist das Tonstudio von morgen", prophezeit Schneider der Rockmusik eine ähnliche Entwicklung wie sie in der elektronischen Musik schon Gegenwart ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst einmal aber gilt es, den richtigen Sound für zu finden für den Song, der den Arbeitstitel "Würde" trägt. "Zu muffig", findet einer den Klang. "Es müsste mehr brezeln", sagt ein anderer. "Bratfettig", "altbacken", "doomig", "wie ein Rasier-Apparat". So ein Nachmittag im Tonstudio beweist vor allem wieder einmal die alte Weisheit, dass man über Musik nicht sprechen kann, sonst könnte man zu Architektur ja auch tanzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das größte Talent von Schneider ist es wohl, diese so ziel- wie endlosen, entnervenden Diskussionen geschickt zu manipulieren und die Band davor zu bewahren, sich in der eigenen Detailverliebtheit zu verlieren und zu viel an Kleinigkeiten zu tüfteln. "90 Prozent Psychologie" sei sein Job, sagt er. Und: "Mir kommt es so vor, als sei ich ein Fußball-Trainer". Der stellt die Mannschaft auf, aber spielen müssen die anderen. Und das tun sie. Immer wieder und wieder. Bis sich im Laufe des Nachmittags "Würde" ganz vorsichtig verändert. Langsam aber sicher wird der Song immer kompakter und der Kühlschrank wird immer leerer, und plötzlich, irgendwann, auf einmal, in Take fünf oder sechs oder vielleicht auch sieben spielen Kettcar das Stück auf den Punkt. Die Musik verklingt, ein paar verlorene Rückkopplungen irren noch durch den Raum, Moses Schneider hat die Arme hochgerissen wie ein Stürmer nach dem Torerfolg und blickt in die Runde. Und jeder weiß: Das war's jetzt. Das war der Moment. Das war jetzt "coole Scheiße".&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1731072217892074192?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1731072217892074192/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1731072217892074192' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1731072217892074192'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1731072217892074192'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/es-muss-brezeln-taz.html' title='&quot;Es muss brezeln&quot; (taz)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1868848465749626671</id><published>2008-02-28T01:50:00.001-08:00</published><updated>2008-02-28T01:50:47.406-08:00</updated><title type='text'>Sandra Grether hat Angst vor Konzertkritiken (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>SHORTCUTS&lt;br /&gt;Sandra Grether hat Angst vor Konzertkritiken&lt;br /&gt;Jens Balzer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neulich beim Popredakteur zu Hause. Es ist Abend, die Kinder sind schon im Bett, die Erwachsenen haben sich gerade ein vollständig veganes Tofuhacksteak in die Pfanne gehauen und eine Flasche frischen Weißburgunder von der Nahe entkorkt. Da klingelt plötzlich das Telefon. "Klingeling!" - "Balzer." - "Ja, hallo Jens, hier ist die Sandra Grether, ich hab deine Nummer von der Elke." - "Elke? Welche Elke?" - "Es geht darum, du weißt doch, ich hab mit meiner Schwester Kerstin eine neue Band, Jens Friebe macht da auch mit, der spielt Bass, wir heißen Doctorella." - "Ja." - "Und am Sonntag treten wir im Bang Bang Club auf." - "Ja, ich ." - "Und da hat mir der Ran Huber von Am Start, unser Veranstalter, erzählt, dass du da auch jemanden hinschicken willst, wegen einem Konzertbericht." - "Genau, da soll eine Kollegin ." - "Du, das ist total lieb von dir, und wir freuen uns da auch total drüber, aber weißt du, für uns ist das echt noch so ein Testkonzert, wir spielen ja zum ersten Mal mit der Band in Berlin, und da fänden wir das besser, wenn es noch keine Presseberichte geben würde, weißt du." - "Ach." - "Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht etwas ungewöhnlich an." - "Allerdings." - "Die Kollegin kann ja gerne kommen, das ist überhaupt kein Problem, auch mit der Gästeliste, nur dass die was schreibt, das wollen wir nicht so." - "Weil ihr noch zu schlecht seid, oder warum?" - "Nein, schlecht sind wir überhaupt, nein nein, wir sind total gut, eine echte Super-Band. Aber wir sind eben noch in der Testphase. Das verstehst du doch, oder?" - "Also ." - "Ihr könnt dann ja beim nächsten Mal kommen und was drüber schreiben." - "Wenn die Testphase abgeschlossen ist." - "Ja, genau, hihihi." - Plötzlich ist nur noch das Besetzt-Zeichen zu hören; der Popredakteur nutzt die Gelegenheit, um zur Bratpfanne zu eilen, wo er das bereits leicht angebrannte Tofuhacksteak wendet und mit ein wenig Olivenöl beträufelt. Das Telefon klingelt erneut. "Klingeling." - "Balzer." - "Ja, hallo Jens, hier ist noch mal die Sandra Grether, ich bin eben aus Versehen auf den Aus-Knopf gekommen." - "Oh." - "Also, ich wollte noch mal sagen, wegen dem Konzert ." - "Ich hab schon verstanden: Ihr wollt nicht, dass da jemand was drüber schreibt, weil ihr noch in der Testphase seid." - "Ja, hihihi." - "Schade, denn die Leser der Berliner Zeitung interessieren sich sicher brennend für Doctorella." - "Ich hoffe, du kommst jetzt nicht in Schwierigkeiten deswegen." - "Unser Chefredakteur ist bestimmt sauer." - "Oh." - Ach, weißt du was, ich werde stattdessen einfach einen Konzertbericht von den Smashing Pumpkins bringen." - "Ja, Smashing Pumpkins, hihihi." - "Auch eine total gute Band." - "Wir sind ja auch total gut." - "Aber eben noch in der Testphase." - "Genau, das verstehst du doch." - "Sandra, vielen Dank für Deinen Anruf." - "Ja, danke Jens, tschüss dann."&lt;br /&gt;Berliner Zeitung, 27.02.2008&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1868848465749626671?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1868848465749626671/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1868848465749626671' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1868848465749626671'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1868848465749626671'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/sandra-grether-hat-angst-vor.html' title='Sandra Grether hat Angst vor Konzertkritiken (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-2374702790422402372</id><published>2008-02-28T01:42:00.000-08:00</published><updated>2008-02-28T01:48:07.079-08:00</updated><title type='text'>Jagd im Nebel (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Jagd im Nebel&lt;br /&gt;Alexander Litwinenko: Sein ungeklärter Tod wird Putin nachhängen, er wird Medwedew ins Amt begleiten – und das, obwohl nun Spuren öffentlich geworden sind, die nicht mehr allein nach Moskau führen. Aber wieder führen sie zu einem alten Bekannten: Andrej Lugowoj. Begegnung mit einem mutmaßlichen Mörder&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Von"&gt;Von Jens Mühling, Moskau/London&lt;/a&gt; 27.2.2008&lt;br /&gt;&lt;a onclick="javascript: var los = window.open('http://asp.readspeaker.net/cgi-bin/tagesspiegelrsone?customerid=1004244&amp;amp;id=1&amp;amp;lang=de&amp;amp;type=2&amp;amp;url='+encodeURIComponent(document.location), 'realspeaker', 'width=660,height=560,innerHeight=560,innerWidth=660,left=5,top=5,scrollbars=no,toolbar=no,status=no,resizable=yes'); return false;" href="http://www.blogger.com/post-create.g?blogID=32989977#"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Als alles gesagt ist, beugt sich Andrej Lugowoj noch einmal über den Schreibtisch, seine Augen funkeln, sein Atem riecht nach Minze und männlichem Selbstbewusstsein. „Alle reden von einem neuen Kalten Krieg“, sagt er leise. „Aber neu ist daran nichts. Er hat nie geendet, der Kalte Krieg.“ Ein düsteres Lächeln, und die Audienz mit dem Mann, der Alexander Litwinenkos Mörder sein könnte, ist beendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moskau. Ein Wintertag kurz vor den Präsidentschaftswahlen. Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, diese Stadt, sie hat sich in Schale geworfen, sie trägt weiß, blau und rot, die russischen Nationalfarben. Symbole der Stärke, wohin man auch blickt, gigantische Baustellen, triumphale Neubauten, deren Fronten hinter Wahlplakaten verschwinden. Sie bäumt sich auf, diese Zwölf-Millionen-Metropole, ihr Antlitz funkelt, ihr Atem riecht nach Staub und nach Stolz. Wir sind wieder wer, sagt diese Hauptstadt, sie sagt es für das ganze Land: Wir sind wieder da.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein paar Tage noch, dann will Wladimir Putin das Präsidentenamt abgeben an seinen auserkorenen Nachfolger Dmitri Medwedew, die Wahlplakate versprechen einen geordneten Wachwechsel. Und obwohl sich dieser Medwedew derzeit überall als umgänglicher Mann präsentiert, dürfte sich wenig ändern an der harten Interessenpolitik dieses neu erstarkten Staates, der so viel Gefallen gefunden hat an der Konfrontation mit dem Westen. Da war der Gaskrieg mit der Ukraine. Der Konflikt um die US-Raketenabwehr. Putins Drohrede in München. Und nicht zuletzt war da ein Mordfall, der das Klima zwischen Russland und dem Westen so nachhaltig ramponierte, dass manche von einem neuen Kalten Krieg zu sprechen begannen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alexander Litwinenko. Die halbe Welt kennt den Namen des abtrünnigen russischen Geheimdienstlers, der am 23. November 2006 im Londoner Exil starb. Sein ungeklärter Tod wird Putin nachhängen, er wird Medwedew ins Amt begleiten, er wird den Westen weiter um den richtigen Umgang mit Russland rätseln lassen. Es mag ruhiger geworden sein um den Mordfall, doch hinter den Kulissen wird weiter gerungen. Kurz vor seinem Tod war Litwinenko eingebürgert worden, ein Brite also war ermordet worden, mitten in London, mit einem radioaktiven Gift, Polonium, das Spuren in der halben Stadt hinterließ. Spuren, die die britischen Behörden bald zu einem Verdächtigen führten, den Moskau nicht auslieferte, weil es die Landesverfassung verbot. Vier russische Diplomaten wies London daraufhin aus, vier Briten mussten Moskau verlassen, die Engländer erschwerten die Visavergabe für Russen, der Kreml schloss Filialen des britischen Kulturinstituts British Council. Die Affäre ist nicht ausgestanden, sagt London bis heute. Nicht, solange der Täter frei herumläuft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der mutmaßliche Täter aber läuft nicht nur frei herum, er ist inzwischen sogar Abgeordneter der russischen Staatsduma und damit immun gegen Strafverfolgung. In Moskau geht er ungehindert seiner Arbeit nach, er betreibt eine Personenschutzagentur, deren Büro in einem Vier-Sterne-Hotel mit Blick auf die Moskwa liegt. Und hier empfängt der Mann, der Litwinenko Gift in den Tee geschüttet haben soll, mitunter sogar Gäste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein stummes Nicken. Kein Lächeln. Kein Tee. Andrej Lugowoj, ein ehemaliger Personenschützer des russischen Geheimdiensts, ist ein schmaler, aber äußerst durchtrainierter Mann Anfang 40, dessen konzentrierter Blick nicht eine Sekunde vom Gesprächspartner ablässt. Die Gratulation zum Wahlsieg quittiert er mit einem Nicken, die Frage nach seinem Tätigkeitsfeld in der Duma mit knappen Auskünften: Sicherheit und Wirtschaft, wie es sein Hintergrund nahelege. In der Tat hat Lugowoj in Russland einen gewissen Ruf als Geschäftsmann: Zu seinen Kunden soll die halbe Moskauer Wirtschaftselite zählen, sein Dollarvermögen siedeln russische Medien im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei der Frage, warum er ausgerechnet für die Partei des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski kandidiert habe, muss Lugowoj lächeln. „Weil ich wie Schirinowski für ein starkes Russland bin“, sagt er. Aus dem Lächeln wird ein Grinsen: „Für ein Russland, das seine Feinde kennt.“ Und plötzlich wechselt Lugowoj Tempo und Lautstärke, in atemlosem Russisch feuert er eine Anklagerede heraus: Russlands Feind sei Großbritannien, London wünsche Moskau die Pest an den Hals, man müsse sich bloß die britisch-russische Geschichte ansehen, Feindschaft seit 150 Jahren: Mit dem Krimkrieg habe es begonnen, und der vorläufige Höhepunkt sei die Provokation, die sich mit seinem, mit Lugowojs Namen verbinde: „Die Litwinenko-Affäre ist der zynische Versuch, Russland als Staat zu diskreditieren.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er selbst, sagt Lugowoj, habe Litwinenko Ende der 90er Jahre kennengelernt, flüchtig, im Umfeld des Oligarchen Boris Beresowski. Natürlich habe er gewusst, mit wem er es zu tun hatte: Alexander Litwinenko, der berühmte Geheimdienst-Renegat, der 1998 in Moskau öffentlich verkündet hatte, ebenjener Geheimdienst, der FSB, wolle Beresowski ermorden. Dann war er nach England geflohen, ein Jahr vor Beresowski. Aus dem Exil heraus schrieben beide dem FSB die Terroranschläge zu, mit denen 1999 der zweite Tschetschenienkrieg rechtfertigt worden war, Litwinenko schrieb ein ganzes Buch darüber. Litwinenko, der Verräter. Jeder Geheimdienstler in Russland kannte seinen Namen. Sein Konterfei soll bei FSB-Schießübungen als Zielscheibe benutzt worden sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enger bekannt, sagt Lugowoj, sei er mit Litwinenko nie gewesen, sie hätten sich immer gesiezt, er habe ihn nie gemocht. Dann aber, im November 2005, habe Litwinenko ihm einen Geschäftskontakt zu einer britischen Firma vermitteln wollen. Schnell habe sich herausgestellt, worum es ihm wirklich ging: „Er brachte mich mit britischen Agenten in Kontakt, die mich anwerben wollten. Sie spekulierten auf Informationen über meine Kunden. Litwinenko hoffte, dass der Kontakt zu mir sein Ansehen bei den Briten steigern würde. Er hatte ja nichts mehr zu verkaufen, sein Wissen über den FSB war abgeschöpft, seine Verschwörungstheorien nahm niemand mehr ernst.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den angeblichen Werbeversuch kommentieren die britischen Behörden genausowenig wie das Gerücht, Litwinenko habe für einen ihrer Geheimdienste gearbeitet. Die britische „Daily Mail“ immerhin schrieb im Oktober 2007 unter Berufung auf ungenannte Quellen: „Litwinenko war ein bezahlter MI 6-Agent“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schuld an Litwinenkos Tod streitet Lugowoj ab. „Warum hätte ich das tun sollen?“ Er sei mit seiner Frau und drei Kindern in London gewesen, auch bei ihnen seien Poloniumspuren festgestellt worden. „Die Engländer haben uns nicht einmal über Litwinenkos Vergiftung informiert, obwohl sie wussten, dass ich mit ihm zusammen war. Sie haben das Leben meiner Familie aufs Spiel gesetzt, und jetzt wollen sie mir den Mord anhängen.“ Warum gerade ihm? „Ich gab die perfekte Figur ab: ein Ex-KGB-Mitarbeiter, der unter Jelzin im Knast saß und heute Bodyguards für die russische Elite stellt – besser geht’s doch nicht!“ Seine eigene Theorie zu Litwinenkos Tod? „Entweder, er hat mit Polonium gedealt und sich selbst vergiftet. Oder Beresowski steckt dahinter. Er hasst Putin, er prahlt ständig damit, wie viel Geld er verschleudert hat, um Putin zu schaden. Wenn jemand von Litwinenkos Tod profitiert hat, dann er. Und die Briten haben sich bereitwillig einspannen lassen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist die Version, die auch in den russischen Medien präsentiert wurde: Man will Putin einen Mord anhängen, die Hintermänner sind Russlands Feinde im Ausland, der Kalte Krieg ist nicht vorbei. Bei genau diesen düsteren Abschlussworten ist jetzt auch Lugowoj angekommen, und als er sie ausspricht, erinnert sein ganzes gereiztes Verteidigungsgebaren plötzlich enorm an jenen Wladimir Putin, der kurz nach Litwinenkos Tod mit gepresster Stimme der Presse verkündete: „Es ist höchst bedauerlich, dass ein tragisches Ereignis wie der Tod eines Menschen als politische Provokation benutzt wird.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin. Ein Herbsttag im vergangenen Jahr. „Für Putin war Litwinenko ein Terrorist“, sagt Alex Goldfarb. „Und der Geheimdienst hat Weisung, Terroristen notfalls auch im Ausland auszuschalten.“ Goldfarb, ein bärtiger Mittfünfziger, ist ein enger Mitarbeiter Boris Beresowskis, der in London einen großen Kreis russischer Regimegegner um sich geschart hat: die „Londoner Gruppe“, zu der einst auch Litwinenko gehörte. Goldfarb war es, der unmittelbar nach Litwinenkos Tod dessen letzte Worte verlas, vor dem Krankenhaus, umringt von Journalisten: „Es mag Ihnen gelingen, einen Menschen zum Schweigen zu bringen“, hieß es darin. „Mister Putin, möge Gott Ihnen vergeben, was Sie getan haben.“ Worte, die sich auch in dem Buch wiederfinden, das Goldfarb über Litwinenko geschrieben hat, zusammen mit dessen Witwe. Marina Litwinenko ist mitgekommen zur Buchvorstellung nach Berlin, eine zierliche Frau mit gefasstem Blick, die bereitwillig über das Leben mit ihrem ungewöhnlichen Ehemann spricht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ungewöhnlich war es in der Tat, was Litwinenko über Putin und den FSB zu wissen glaubte. Er behauptete, es gebe Videos von Putin beim Sex mit kleinen Jungen. Er behauptete, EU-Kommissionspräsident Romano Prodi stehe mit dem FSB in Verbindung. Er behauptete, der russische Geheimdienst habe bei den Anschlägen des 11. September mitgemischt und den dänischen Karikaturenstreit entfacht. „Sascha war ein gefühlsgeleiteter Mensch, er war nicht immer rational“, sagt Marina. Andererseits, fällt Goldfarb ihr ins Wort, hätte wohl auch niemand Litwinenko geglaubt, wenn er behauptet hätte, man wolle ihn mitten in London radioaktiv verstrahlen. „Alle hätten ihn für verrückt erklärt. Passiert ist es trotzdem.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Marina und Goldfarb müssen weiter, nach Washington, wo sie vor Putins Staatsbesuch einige Medienauftritte geplant haben. Letzte Frage an Goldfarb: Frustriert es ihn und Beresowski nicht, dass ihre Bemühungen beim Aufbau einer innerrussischen Opposition nie gefruchtet haben? Goldfarb lächelt. Ja, sagt er, sie hätten eingesehen, dass auf diesem Wege kein Regimewechsel machbar sei. Wichtiger sei ihnen heute, den Westen gegen Putin einzunehmen – und das sei gelungen: „Die gesamte westliche Presse“, sagt Goldfarb, „schreibt inzwischen das Gleiche über Putin, und wer anders schreibt, wird schräg angesehen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was den Litwinenko-Fall betrifft, hat Goldfarb damit Recht. Unmittelbar nach dem Mord stand für die westliche Öffentlichkeit fest, dass Litwinenko wegen seiner Kritik an Putin beseitigt worden war. Inzwischen kratzt einiges an diesem Bild.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während die britischen Behörden nach wie vor Stillschweigen über ihre Ermittlungen wahren, erhielt der britische „Guardian“ im Januar Einblick in ein Litwinenko-Dossier der italienischen Polizei. Litwinenko war demnach italienischen Ermittlern aufgefallen, weil er 2003 für die so genannte Mitrochin-Kommission zu arbeiten begann. Offiziell sollte das von Silvio Berlusconi eingesetzte Parlamentsgremium Verbindungen italienischer Politiker zum russischen Geheimdienst aufdecken – in Wirklichkeit aber lancierte die Kommission dem Polizeidossier zufolge Schmutzkampagnen gegen Berlusconis Gegner. In einem von der Polizei mitgeschnittenen Telefonat gab der Vorsitzende des Gremiums offen zu, erklärtes Ziel sei die Diskreditierung Romano Prodis und anderer Politiker durch erfundene FSB-Kontakte. Wenig später ging Litwinenko mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, einer seiner FSB-Kontaktleute habe Prodi als „unseren Mann in Italien“ bezeichnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als zentrale Figur agierte in der Kommission ein Italiener namens Mario Scaramella – jener Scaramella, mit dem Litwinenko am Tag seiner Vergiftung in London Sushi aß. Der Polizeiakte zufolge sollen er und Litwinenko sich seit 2004 monatlich in Italien getroffen und sich dabei gefährliche Feinde gemacht haben – auf der Suche nach belastenden Informationen gingen sie auch russisch-italienischen Mafiaverbindungen nach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Oktober 2005 alarmierten Scaramella und Litwinenko die italienische Polizei: Die russische Mafia, erklärten sie, plane ihre Ermordung. Die Details des Plans waren bizarr: Scaramellas Aussage zufolge sollte ein ukrainischer Lieferwagen in Bibeln versteckte Handgranaten nach Italien schmuggeln. Die Polizei stellte tatsächlich einen solchen Lieferwagen sicher, die Beamten wurden jedoch misstrauisch, als sie den angeblichen Empfänger des Wagens verhörten, einen in Neapel lebenden Ex-KGB-Mitarbeiter namens Alexander Talik. Der stritt alles ab – und erklärte, Scaramella habe ihn zuvor zur Mitarbeit in der Mitrochin-Kommission zwingen wollen. Scaramella geriet daraufhin in Verdacht, das Mordkomplott erfunden und die Granaten selbst nach Italien geschmuggelt zu haben. Im Dezember 2006, unmittelbar nach seinem letzten Treffen mit Litwinenko, wurde er in Italien verhaftet. Bis heute läuft gegen ihn ein Verfahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Litwinenko wurde den Ermittlungen der Italiener zufolge kurz vor seinem Tod vor einem weiteren Mordkomplott gegen ihn und Scaramella gewarnt – und Alexander Talik, der angebliche Empfänger des Bibel-Lieferwagens, soll Beziehungen zu Andrej Lugowoj in Moskau unterhalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die britischen Ermittler dürften von dieser italienischen Querverbindung wissen. Sollte sich eines Tages herausstellen, dass ihre Beweisspur gegen Lugowoj nach Italien führt und nicht in Richtung Kreml, könnte die britische Regierung mit der Frage konfrontiert sein, warum Litwinenkos Tod so unmissverständlich dem russischen Regime angelastet wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;London. Ein milder Wintertag. Der Mann, den viele für den Kalten Krieg verantwortlich machen, liegt auf dem Highgate-Friedhof begraben. Manchmal fragen Touristen nach ihm, viele lassen sich vor der Marmorbüste fotografieren, die über seinem Grab thront. „Sieh mal“, sagt ein russischer Tourist zu seiner Tochter, „das ist der Mann, der unser Land ruiniert hat.“ Das Mädchen starrt ängstlich auf den wallenden Marmorbart. Es ist das Grab von Karl Marx.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann, mit dessen Tod der neue Kalte Krieg begann, liegt 500 Meter weiter begraben, im älteren, öffentlich nicht zugänglichen Teil des Friedhofs. Touristen, die nach seinem Grab fragen, werden höflich abgewiesen. Wer eine Führung bucht, bemerkt höchstens zufällig eine unscheinbare Grabstelle, die kein Stein ziert und kein Name, nur ein kleines, gerahmtes Foto. Der Mann auf dem Bild ist etwa 40 Jahre alt, er blickt ernst, fast anklagend in die Kamera. Kaum jemand würde auf diesem Bild Alexander Litwinenko erkennen, in Erinnerung ist eher das Foto, das vor seinem Tod im Krankenhaus entstand. Blass, erschöpft und kahlköpfig war Litwinenko da. Allein sein Blick war immer noch derselbe. Der Blick eines furchtlosen Streiters. Oder eines bedauernswerten Spinners. Unmöglich zu sagen, wie die Welt diesen Mann im Gedächtnis behalten wird. (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.02.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-2374702790422402372?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/2374702790422402372/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=2374702790422402372' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2374702790422402372'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/2374702790422402372'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/jagd-im-nebel-tagesspiegel.html' title='Jagd im Nebel (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-3697648059258152797</id><published>2008-02-27T01:24:00.000-08:00</published><updated>2008-02-27T01:30:37.803-08:00</updated><title type='text'>Aufschwung mit aller Macht (frankfurter rundschau)</title><content type='html'>Putins Russland&lt;br /&gt;Aufschwung mit aller Macht&lt;br /&gt;VON MARK OBERT&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1294623&amp;amp;em_src=383751&amp;amp;em_ivw=fr_feuilleto" target="_top"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;In Strelna, vor den Toren Sankt Petersburgs, protzt und prunkt weithin sichtbar die Residenz des Präsidenten, Wladimir Putins Geschenk an sich selbst. Geschätzte 300 Millionen Euro hat die Renovierung des maroden Konstantinpalasts verschlungen; nicht wenige Russen befürchteten damals, der Ex-KGB-Chef mit der wundersamen Blitzkarriere sei in Selbstherrlichkeit verfallen, schneller noch als die eitelsten Kremlführer vor ihm, von den Zaren ganz zu schweigen. Putins Gegner sehen in dem Palast bis heute das offensichtliche Symbol dafür, Putins Anhänger erkennen in ihm einen Kraftausdruck des wiedererstarkten, selbstbewussten Russlands.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor zehn Jahren, als sich die Amtszeit Boris Jelzins dem Ende zuneigte, meldete Russland Bankrott. Der Rubel war ins Bodenlose gefallen, die Banken waren pleite, der Staat war zahlungsunfähig, das Volk verzweifelt. Nun, nach acht Jahren Putin, ist der Lebensstandard höher denn je, auch der der kleinen Leute.&lt;a onmouseover="self.status='';return true;" onmouseout="self.status='';return true;" href="http://red.ads.t-online.de/red?cmd=url&amp;amp;flg=0&amp;amp;&amp;amp;rdm=72004549&amp;amp;dlv=1,26834,455187,22099,36115&amp;amp;kid=22099&amp;amp;ucl=111111A&amp;amp;dmn=.sbb.spk-berlin.de&amp;amp;scx=1024&amp;amp;scy=768&amp;amp;scc=16&amp;amp;sta=,,,1,,,,,,,0,2,0,8975,8974,5161,28812,0&amp;amp;iid=455187&amp;amp;bid=36115&amp;amp;dat=http%3A//www.fr-online.de" target="_blank"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1294623&amp;amp;em_src=383752&amp;amp;em_ivw=fr_feuilleto" target="_top"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Putin kennt seinen Dostojewskij, sagt unsere Cousine Anna, Ärztin aus Petersburg. "Arme Leute" und so weiter. Sie schätzt Putin, Sympathie wäre ein zu großes Wort, lokalpatriotische Verbundenheit, das trifft es eher. Er stammt ja auch aus Leningrad, hatte eine schwere Kindheit, Vollwaise - und das in den 50er Jahren, als die von den Moskauer Zentralisten vernachlässigte Nordmetropole im künstlichen Koma lag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unweit vom Präsidentenpalast, auf der anderen Seite der Landstraße zu den Stränden des Finnischen Meerbusens, wo man am Wochenende baden geht, an schwertlangen Spießen sein Schaschlik grillt und die Wälder vollmüllt, pflanzen sie zurzeit wie in der Peripherie bald jeder großen Stadt kreuz und quer Reihenhaussiedlungen hin; der wachsende Mittelstand will adäquat leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Bagger zur nächsten Großbaustelle weiter gezogen sein werden, wird drumherum ein hoher Zaun errichtet, werden die Wachmänner jeden ins Visier nehmen, der durchs Eisentor will. Dann werden auch dort die hochsensiblen Alarmanlagen der Mittelklassewagen bei jedem Katzenkontakt die Nachtruhe stören, wie heute schon in den abgeriegelten Hochhausvierteln mit den aufwendig renovierten Zwei-Zimmer-Wohnungen in Toplage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Russen haben im vergangenen Jahr mehr Mittelklassewagen angemeldet als die Deutschen, und, um die Kleinfamilie komplett zu machen, so viele Kinder gezeugt wie seit 15 Jahren nicht mehr. In der Ära Jelzin, dem ersten Präsidenten der postsowjetischen Föderation, sank die Geburtenrate stetig. Es gibt Russen, die all das nicht für Zufall halten. Arbeitsverträge mit Kündigungsfrist, mehr Kindergeld, bessere Gesundheitsversorgung führen sie angesichts unaufhörlicher Kritik aus dem Ausland mit trotzigem Stolz ins Feld. Westliche Standards, man ist ja nicht kühn, sind noch Utopie. Aber man kann ein bisschen planen. Der Aufschwung, 7,7 Prozent stetes Wirtschaftswachstum, ist spürbar. Sie sind nicht euphorisch, aber sie haben die große Depression überwunden: die Schichten, die in den anfangs verheißungsvollen 90er Jahren des Turbokapitalismus' abgehängt worden waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;80 Prozent Zustimmung für den Staatschef, nach acht Jahren an der Macht, wann hat es das je in Russland gegeben? Selbst auf Michail Gorbatschow, den Architekten von Glasnost und Perestroika, ist die Mehrheit nicht gut zu sprechen. Minister Mineral nannten sie ihn Ende der 80er Jahre spöttisch. Den Wodka hat er ihnen verboten, mehr Offenheit hat er ihnen versprochen, und dann, als alle sehnsüchtig warteten, schien er zu kraftlos, zu wankelmütig für den organisierten Wandel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ach was", raunt Freund Dimi beim Schaschlik am Meerbusen, "feige und faul war er, hat sich im Westen lieber feiern lassen, anstatt seiner Pflicht nachzukommen." Dimi ist 34 und spricht typisch für seine Generation. Nach wie vor schwingt da auch jene Sowjet-Nostalgie mit, die Putin nährt, sei es mit dem Personenkult zu seinen Ehren, den er mit koketter Bescheidenheit würdigt, sei es mit der Entscheidung, die Melodie der alten Hymne, der zweifelsfrei schönen, wieder einzuführen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dimis Nostalgie basiert auf früher Prägung. Sein Jungpionier-Dasein war gelenkt und sorgenfrei, die Eltern waren nicht ausgelaugt vom schier vergeblichen Existenzkampf. Man musste sich bloß raushalten, darin ist man ja geübt - oder halt in die Küche gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Küchengespräche hießen die konspirativen Treffen der Dissidenten, die die Verbannung riskierten, weil sie das kommunistische Regime, das dahinsiechte wie seine greisen Despoten, nicht ertragen wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute mäkelt selbst Alexander Solschenizyn, der Dissident mit Literaturnobelpreis und Exilantenbiografie, an Gorbatschow herum. Auch der Panslawist Solschenizyn ist ungerecht, auch er verzeiht Gorbatschow Jelzin nicht. Auch er lobt Putin um so mehr. Wie so viele. So wie Dimi. Der hat seit vier Jahren einen festen Job, das Gehalt kommt so pünktlich wie die Rente von Babuschka. 80 Prozent für Putin, unglaublich. Ein Institut in Moskau hat die Umfrage vorgenommen, eines unter staatlicher Kontrolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Putin beherrscht alles und jeden, notfalls mit Gewalt, sagen seine Gegner. Für sie steht außer Frage: Wenn die tschekistische Miliz Demonstranten niederprügelt, kam der Befehl direkt von Putin. Die tödliche Polonium-Attacke gegen den abtrünnigen KGB-Agenten Litwinenko in London: Putins Rache. Als die Journalistin Anna Politkowskaja vor ihrer Wohnung erschossen wurde, richteten sich alle Augen auf Putin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittlerweile hat sich der Verdacht verbreitet, dass der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hinter dem Attentat steckt. 31 ist er erst, frönt seiner Großmannssucht und lässt seine Privatarmee in Grosny Angst und Schrecken verbreiten. Präsident von Putins Gnaden ist er, als solcher Garant für einen trügerischen Frieden in Tschetschenien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gesehen könnte man Putin die Mitschuld am Politkowskaja-Mord unterstellen, an den Massakern, die seine Armee im Moskauer Musicaltheater Nord-Ost und in der Grundschule von Beslan angerichtet hat, ohnehin. Hunderte von Geiseln wurden geopfert, um die tschetschenischen Geiselnehmer zu töten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war nach Tragödien wie diesen immer auch diese Gesichtsstarre Putins, dieser unangemessen teilnahmslose Blick, die besonders im Westen Konspirationsphantasien beflügelten, die man - bezogen auf die USA - als Verschwörungstheorien abtun würde. 1999, Ex-Geheimdienstchef Putin war gerade Ministerpräsident in der Jelzin-Regierung geworden, wurden zwei Wohnhochhäuser in Moskau Ziel eines Bombenanschlags mit zahllosen Toten. Bis heute wird in unseren Medien wie selbstverständlich der Verdacht geäußert, Putins Geheimdienstschergen hätten die Tat begangen, um die Bevölkerung moralisch zu mobilisieren für eine härtere Gangart gegen tschetschenische Terroristen. Es gibt dafür nicht mal Indizien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Putins Kritiker widersprechen Theorien vom allmächtigen Kremlherrscher schon lange: Putin würde gerne alles beherrschen, sagen sie. In Wahrheit gehe längst nicht mehr alle Gewalt von ihm aus. Seine gierigen Seilschaften verselbstständigten sich, seine eiserne Machtvertikale sei längst in Schieflage geraten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Handfest belegen lässt sich unterhalb der sichtbaren Verfehlungen auch das so wenig wie Gerhard Schröders legendäres Urteil, sein Freund Wladimir sei ein "lupenreiner Demokrat". Für Normalsterbliche blieb Putins System uneinsehbar, die Informationsdemokratie fern, die Bilanz der gemäßigten Kritiker entsprechend vage. "Die Unkalkulierbarkeit ist die Konstante in Putins Autokratie", sagt eine Politologin aus Moskau. "Die Stabilität des Staates ist ein Mythos", sagt ein Wirtschaftswissenschaftler aus Petersburg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So redet man in Russland übrigens nicht hinter vorgehaltener Hand. Zweifel an Putins Kompetenz, Gesinnung und Integrität sind ständig Anlass auch öffentlicher Debatten, ob im Radioprogramm von Echo Moskau, das dem staatlichen Gas-Giganten Gazprom gehört, ob in den unabhängigen, mangels Leserinteresse auflagenschwachen Zeitungen wie der Nowaja Gazeta.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hin und wieder und selbstverständlich viel zu selten kommen Oppositionelle im sonst propagandistischen Staats-TV zu Wort. "In Russland ist nichts unzensiert." Der Satz, allein schon angesichts unermüdlich bloggender Dissidenten absurd, stand dieser Tage in einer deutschen Zeitung. Dass man ungeachtet dessen nur seinen Hut ziehen kann vor unbeugsamen Rechercheuren, ist Ehrensache. Denn wehe dem, der tatsächlich mal ein Dokument in den Händen hält, das die Selbstbedienungsmentalität in Politik und staatlicher Wirtschaft entlarvt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich überwacht der Geheimdienst FSB, dessen obere Etagen von Vertrauten Putins aus alten Tagen besetzt sind, das Internet mit großem Aufwand. Dass er Redaktionen unterwandert und unter Druck setzt, ist bekannt. Dass er in alle Richtungen spitzelt, gilt in Russland nach wie vor als Gratisverdacht, und wer überhaupt Intrige und Verrat hinter den Mauern des Kreml nicht voraussetzt, als naiv.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Institutionen vertrauen Russen grundsätzlich nicht. In Jahrhunderten der Unterdrückung und Bevormundung haben sich Misstrauen und Fatalismus als Konstanten in der Mentalitätsgeschichte genauso festgesetzt wie Willkür und Korruption im Beamtenapparat. Gängeleien auf dem Amt sind noch das geringste Übel. Hast du nur ein Feld des Formulars vergessen auszufüllen, befehlen sie dich wieder ans Ende der Schlange. Staatsdiener? Bürgernähe? Lachhaft, mindestens bis zur nächsten Generation. Allein daran mag man ermessen, wie steinig und lang der Weg zu einer Demokratie nach westlichen Maßstäben sein wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachdem Boris Jelzin im April vergangenen Jahres gestorben war, verabschiedete mancher Nekrolog in Deutschland einen großen Demokraten. Von Aufbruchstimmung unter Jelzin war die Rede, vom kühnen Experiment mit Pluralismus, Rechtssicherheit und Pressefreiheit. Zwölf Journalisten sind in der Ära Putin ermordet worden, der Tod der großartigen Anna Politkowskaja am 7. Oktober 2006, an Putins 54. Geburtstag, hat weltweit für Empörung gesorgt. Endlich. In der Ära Jelzin sind mehr als 200 Journalisten umgebracht worden, meistens blieben die Auftraggeber im Dunkeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals tyrannisierte das Recht des Stärkeren die Russen. Und die Stärksten wollten viele sein. Regionale Mafiabanden kontrollierten die lokalen Märkte und erpressten mittelständische Investoren. Die Oligarchen rissen sich mit ihren dubiosen Beteiligungsfirmen die Bodenschätze unter den Nagel. Jelzins so genannte Familie, ein von den Oligarchen Roman Abramowitsch und Boris Beresowskij unterstützter Kreis aus Verwandten und Freunden des Präsidenten, drückte zwei Augen zu und drohte unverhohlen - und vielleicht tatsächlich weniger subtil als die Regierung heute - jedem, der ihm in die Quere kam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es waren die Oligarchen, die Jelzins Wahlkampf vor seiner zweiten Amtszeit finanziert hatten und dafür freie Hand erhielten für Steuerhinterziehung in gigantischem Umfang. Boris Beresowskij war es auch, der den vermeintlich loyalen Putin als kommenden Präsidenten vorschlug und im eigenen TV-Sender aufbaute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 31. Dezember 1999 dann trat Jelzin zurück und übergab Putin sein Amt, freilich nicht, ohne sich eine Generalamnestie zusichern zu lassen. Die Oligarchen waren zufrieden, ihre Partner, die Ölmultis im Westen, frohlockten. Der Weg zu Russlands Rohstoffen schien frei zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute lebt Beresowskij im Exil in England, sein Protegé Putin hat ihn strafverfolgen lassen, wegen Bestechung und Steuerhinterziehung. Abramowitsch verkaufte seine einst dem Staat abgetrotzten Firmen zurück, um der Anklage zu entgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzig Michail Chodorkowskij, der Milliardär mit Sendungsbewusstsein, begehrte auf, prangerte Korruption und Rechtsbeugung an. Anderthalb Jahre später war er wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, neuneinhalb Jahre in Sibirien. Sein Erdölkonzern Yukos, den er für 300 Millionen Euro erworben hatte und für eine Milliardensumme an US-Firmen zu verkaufen drohte, meldete Konkurs an. Der Staat hatte die Rohstoffe zurückerlangt; Putins Popularität stieg so rasant, wie der Argwohn im Westen wuchs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Demokratie wird man nicht satt, sagen die kleinen Leute in Russland auch in diesen Tagen, da die große Bilanz gezogen wird, die gar keine ist, weil Putin als Ministerpräsident nicht alle Fäden aus der Hand geben wird. Mag es auch sein, dass er vom gestiegenen Ölpreis profitiert hat, "wir haben es auch", sagt Cousine Anna. In seinem persönlichen Resümee vergangene Woche hat sich Putin denn auch einmal mehr als Diener der Unterschichten inszeniert, als "Sklave des Staates". Bürokratismus und Korruption seien nicht hinreichend bekämpft worden, schon gar nicht die Armut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach ihm trat der Mann vor die Presse, der bald nach den Wahlen in den prächtigen Konstantinpalast vor den Toren Petersburgs ziehen wird: Dimitrij Medwedew, 42, Vize-Ministerpräsident, Gazprom-Vorstand, Präsidentschaftskandidat der Putin-Partei Einiges Russland - eine Marionette, wie seine Gegenkandidaten sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann dies: Mehr Freiheit, mehr Rechtssicherheit, mehr Demokratie versprach Medwedew - und betonte auf diese Weise den großen Makel, den die Mehrheit der Russen Putin nie und nimmer anlasten würde. Denn was wäre die Alternative gewesen? Vor allem: wer? Die Frage kommt ja immer. Russen sind pragmatisch, aus leidvoller Erfahrung, manchmal auch aus mangelnder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Medwedew sprach, blickten viele auf Wladimir Putin. Er verzog keine Miene.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-3697648059258152797?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/3697648059258152797/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=3697648059258152797' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3697648059258152797'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/3697648059258152797'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/aufschwung-mit-aller-macht-frankfurter.html' title='Aufschwung mit aller Macht (frankfurter rundschau)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-6203915505863772128</id><published>2008-02-11T10:25:00.000-08:00</published><updated>2008-02-11T10:26:33.035-08:00</updated><title type='text'>Das Ebay-Embargo (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Das Ebay-Embargo&lt;br /&gt;Das Online-Auktionshaus ändert sein Bewertungssystem, deutsche Händler wollen nun streiken&lt;br /&gt;Jakob Schlandt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;BERLIN. Die Sprüche sind markig: "Ebay macht mich krank. Wir werden es ihnen mit dem Embargo zeigen!", kündigt ein Nutzer in einem Diskussionsforum an. In genau einer Woche weiß Ebay, das größte Online-Auktionshaus der Welt, wie ernst es die enttäuschten Kunden meinen. Dann wird sich herausstellen, wie viele Händler tatsächlich einem Boykottaufruf folgen, der seit einigen Wochen im US-Ebay-Forum kursiert: Mehr als 5 000 Nutzer haben sich schon eingetragen in die Liste jener Verkäufer, die vom 18. bis zum 25. Februar keine Waren über das Portal anbieten wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rache ist nicht mehr süß&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den vergangenen Tagen schwappte die digitale Protestwelle auch nach Deutschland über, den zweitwichtigsten Ebay-Markt. Eine Auswertung der wichtigsten Diskussionsforen zum Thema Ebay ergab: Nun kursieren auch in deutschen Diskussionsforen zahlreiche Streikaufrufe. Dem US-Unternehmen, dessen Börsenkurs zuletzt stagnierte, drohen damit schmerzhafte Umsatzeinbußen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grund für die Aufregung in der Ebay-Gemeinde ist ein neues Bewertungssystem, das in Deutschland voraussichtlich im Juni und in den USA einen Monat früher eingeführt werden soll. Es hebt eine eherne Ebay-Regel auf: Die Waffengleichheit zwischen Verkäufer und Käufer. Wer Ware anbietet, hatte bisher, genau wie der Käufer, die Möglichkeit, in den Wochen nach der Versteigerung eine Bewertung (positiv, negativ, neutral) über den Ebay-Geschäftspartner abzugeben. Doch in Zukunft sollen Verkäufer nur noch positive Urteile über Käufer abgeben können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ebay rüttelt damit zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahr 1995 an den fundamentalen Grundprinzipien, die die Seite so erfolgreich gemacht haben, dass sie bei Internet-Auktionen in den USA und Deutschland sowie zahlreichen anderen Ländern quasi ein Monopol mit Milliardenumsätzen genießt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer viele rote Negativ-Einschätzungen in seinem Nutzerprofil aufweist, der muss damit rechnen, nichts mehr an den Mann bringen zu können oder zumindest deutlich billiger - quasi mit Risikoprämie - verkaufen zu müssen. Das gleiche Misstrauen bringt die Ebay-Käuferschaft jenen entgegen, die erst sehr wenige Transaktionen aufweisen können. Deshalb nützt es Sündern mit vielen Rot-Einträgen wenig, sich unter anderem Namen anzumelden. Das System funktionierte lange recht gut als natürliches Regulativ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch in den vergangenen Jahren ist das Ebay-Ökosystem immer mehr aus dem Gleichgewicht geraten. Hauptproblem wurde, dass das Bewertungssystem immer stärker von den Verkäufern missbraucht wurde. Über sogenannte Rachebewertungen wurden viele Privatnutzer vor allem von den "Powersellern", den Großhändlern bei Ebay, erpresst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schrieben die kleinen Ebay-Kunden eine negative Bewertung über den Händler, etwa weil dieser das neue Handy gar nicht oder zu spät lieferte, drohten dieser dem Käufer seinerseits mit einer Negativ-Bewertung, auch wenn dafür kein Grund vorlag. Viele knickten ob der Drohung ein und zogen ihre Negativ-Einschätzung zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahlreiche Verkäufer sind nun stocksauer, sie fürchten, in Zukunft von den Käufern mit unzulässigen Nachverhandlungen und schlechter Zahlungsmoral malträtiert zu werden, weil sie ohne Reaktionsmöglichkeit mit schlechten Bewertungen unter Druck gesetzt werden können. Unter dem Namen mausi3003 schreibt ein deutscher Powerseller, der angibt, pro Jahr rund 65 000 Artikel über Ebay zu vertreiben und mehr als eine Viertelmillion Euro pro Jahr zu überweisen: "Die Kunden zahlen nicht und bewerten dann auch noch negativ, und wir können uns nicht mehr wehren, ohne uns. Wir werden uns dem Boykott vom 18. bis 25 Februar anschließen und keine Ware mehr bei Ebay anbieten." Dutzende andere Powerseller haben ebenfalls angekündigt, beim Ebay-Streik mitzumachen. Die Rede ist vom "Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt" und der Notwendigkeit einer "roten Karte für die Diktatur".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei Ebay räumt man ein, dass das neue System auf Widerstand stößt: "Es gibt eine intensive Diskussion um das neue Bewertungssystem, das ist richtig", sagt Ebay-Deutschland-Sprecherin Maike Fuest. Trotzdem verteidigt sie den Schritt als "richtig, weil er das Vertrauen in das Bewertungssystem stärken wird. In den vergangenen Jahren hat sich das Problem der sogenannten Rachebewertungen immer weiter verschärft." Deshalb habe Ebay reagieren müssen, so Fuest. Die Wucht der Ablehnung hat das Unternehmen aber kalt erwischt: Heute wird in Berlin eine eilig anberaumte Pressekonferenz zu dem Thema stattfinden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beobachter deuten die Änderungen im Bewertungssystem vor allem als Zeichen der Schwäche. Holger Maaß, Geschäftsführer der Internet-Unternehmensberatung Fittkau &amp;amp; Maaß, sagt: "Eigentlich ist das neue Modell kein dramatischer Einschnitt. Aber die Aufregung zeigt, dass die Seite ein grundsätzliches Transparenz- und Vertrauensproblem hat. Die gefühlte Sicherheit wird für viele jetzt weiter sinken." Für Powerseller sei es eine immer attraktivere Alternative, einen eigenen Internet-Shop aufzumachen, der über Preisvergleichs-Seiten sein Publikum erreicht. Das Ebay-Geschäftsmodell sei an seine Grenzen gestoßen. "Im aktuellen Konflikt zeigt sich, wie schwierig es ist, Ansprüche von professionellen Händlern und den Flohmarktcharakter unter einen Hut zu bekommen", sagt Maaß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berliner Zeitung, 11.02.2008&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-6203915505863772128?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/6203915505863772128/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=6203915505863772128' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6203915505863772128'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/6203915505863772128'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/das-ebay-embargo-berliner-zeitung.html' title='Das Ebay-Embargo (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-472006839615551191</id><published>2008-02-08T01:52:00.000-08:00</published><updated>2008-02-08T01:55:09.342-08:00</updated><title type='text'>Britain is slithering down (Guardian)</title><content type='html'>Britain is slithering down the road towards a police state&lt;br /&gt;The pretence of oversight has been ripped aside by the Khan bugging affair: the security apparat has become a law unto itself&lt;br /&gt;Simon Jenkins&lt;br /&gt;Wednesday February 6, 2008&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The machine is out of control. Personal surveillance in Britain is so extensive that no democratic oversight is remotely plausible. Some 800 organisations, including the police, the revenue, local and central government, demanded (and almost always got) 253,000 intrusions on citizen privacy in the last recorded year, 2006. This is way beyond that of any other country in the free world.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The Sadiq Khan affair has killed stone dead the thesis, beloved of Tony Blair and Gordon Brown, that any accretion of power to the state is sustainable because ministers are in control. Whether this applies to phone tapping, bugging devices, ID cards, NHS records, childcare computer systems, video surveillance or detention without trial, it is simply a lie. Nobody can control this torrent of intrusion. Nobody can oversee a burst dam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Khan, an MP and government whip, was allegedly targeted by the police for having been a "civil rights lawyer" and thus a nuisance, though the recording of his meetings with a constituent in prison was supposedly directed at the inmate. Either way, the bugging destroyed the "Wilson doctrine", that MPs cannot be bugged. It appears that they can if ministers, or the police, so decide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Security machismo claims that in the "age of terrorism", real men bug everyone and everything. The former flying squad chief and BBC dial-a-quote, John O'Connor, implied this week that it would be negligent of the police not to bug anyone they - repeat they - thought a threat. The Blair thesis that "9/11 changes everything" has been a green light to every security consultant, surveillance salesman and Labour minister wanting to flex his - or her- muscles in the tabloids.&lt;br /&gt;Years ago a lawyer gave me unassailable evidence that a call with a client had been tapped by the police and handed to the prosecution. Such tapping allegedly required a personal warrant from the home secretary who, when tackled on the subject, flatly denied it could have happened without his approval, which he would never give in such a case. I checked back with a police chief, who roared with laughter. "The home secretary is absolutely right. He must authorise all taps sent to him for authorisation. But not, of course, the rest." Orwell's cuttlefish were squirting ink.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The grim reality of the past week alone is that it has seen a substantial section of the British establishment allowing itself to believe that private dealings between lawyer and client, and between MP and constituent, should no longer be considered immune from state surveillance. A cardinal principle of a free democracy is thus coolly abandoned. It is not a victory for national security. It is a victory for terrorism.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The monitoring organisation Privacy International now gives Britain the worst record in Europe for such intrusion, indeed the worst among the so-called democratic world and on a par with "endemic surveillance societies", such as Russia and Singapore. The Thames Valley policeman, Mark Kearney, who bugged Khan's conversation in Woodhill prison, claims to have protested that it was "unethical" but was overruled and placed under "significant pressure" from the Metropolitan police. He has since had to leave the force. The saga reads like a script from the film about East German espionage, The Lives of Others.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Britain's poor record is the result of government weakness towards the security apparat. Even among supposed liberals, the response is to demand not less surveillance but more oversight. David Davis, the Tory spokesman, said yesterday: "It's got to be controlled; it's got to be accountable." Civil rights champion Liberty wants "simpler and stronger surveillance laws, with warrants issued by judges, not policemen nor politicians".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;People have been saying this for years. Britain has a Kafkaesque oversight bureaucracy ranking with the one it purports to oversee. Some six separate surveillance monitors trip over themselves. All operate in secret and appear to be one gigantic rubber stamp. The distinction drawn by the justice secretary, Jack Straw, between "intrusive" and "directed" bugging, illustrates the prevailing mumbo-jumbo. The chief surveillance monitor, Sir Christopher Rose, has been asked by Straw to investigate the Khan affair, which appears to be a failure by the chief surveillance monitor. Is this to be taken seriously?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;When the council can bug you for fly-tipping, when prisons can record conversations with defence lawyers, when any potentially criminal act can justify electronic intrusion - and when ministers resort to the dictator's excuse, "The innocent need not fear" - warning bells should sound.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;There is no "balance" to be struck between civil liberty and national security. Civil liberty is absolute, security its handmaid. Measures are needed to protect the public, but a firm line needs to be drawn round them. The line must accept a degree of risk, or a police state is just around the corner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A quarter of a million surveillances in Britain are beyond all power of politicians or overseers to check. It is state paranoia, justified only by that catch-all, the "war on terror". In truth it is not countering terror, but promoting it. Mass surveillances one of the poisons that the terrorist seeks to inject into the veins of civil society.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;It is clear the overseers have gone native. Even the "independent" security watchdog, Lord Carlile, has bought 42-day detention. More oversight will not cure surveillance but mask its spread. The extension from terrorism to benefit fraud, fly-tipping and trading standards demonstrates how the official mind flips to Stasi mode at the least excuse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;To claim that Britain is a police state insults those who are victims of real ones. But I have no doubt that feeble ministers are slithering down just this road, pushed by the security/industrial complex. It is not oversight that must be increased, but rather the categories and boundaries of surveillance that must be drastically curbed.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Of course there are people who want to explode bombs in Britain. Taxpayers spend a fortune trying to stop them. But how often must we remind ourselves that the bomber need not kill to achieve his end when we appease his yearning for the martyrdom of repression? The amount of surveillance in Britain is grotesque. It is a sign of the corruption of power, and nothing else.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-472006839615551191?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/472006839615551191/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=472006839615551191' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/472006839615551191'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/472006839615551191'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/britain-is-slithering-down-guardian.html' title='Britain is slithering down (Guardian)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4086599698275871118</id><published>2008-02-08T01:43:00.000-08:00</published><updated>2008-02-08T01:45:49.905-08:00</updated><title type='text'>It's no beauty pageant (Guardian)</title><content type='html'>It's no beauty pageant - there are real differences between the candidatesThe US campaign has been painted as all about image, but there are policy distinctions - and they do matter&lt;br /&gt;Jonathan Freedland&lt;br /&gt;Wednesday February 6, 2008&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Funny, isn't it, how we have come this far in the US election campaign, reaching the milestone of results from 24 states in the early hours of this morning, and still a mystery remains - one that has vexed more than a few Guardian readers. Despite all the ink spilled, the pages filled and the airwaves crammed with coverage, they complain, there is something large they still don't know. What, exactly, do these warring candidates stand for?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a name="article_continue"&gt;&lt;/a&gt;Partly this is a media mea culpa, to go alongside the, er, misreading of the New Hampshire primary. For what have been the dominant themes so far? Barack Obama's rhetoric in Iowa, Hillary Clinton's tears in New Hampshire, the role - asset or liability? - of Bill, the cost or benefit of Obama's race and of Clinton's gender. On the Republican side, we've had Mitt Romney's Mormonism, John McCain's age and Mike Huckabee's wit. That's a bit of a caricature, but not so far off. Policy differences have not exactly been centre stage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;And yet, it would be a grave mistake to conclude that somehow this election is nothing more than a personality contest, albeit a gripping one. We could repeat the old cliche - that, under the surface, all these politicians are the same - but too many made that mistake before. In 2000 it was fashionable to say that Al Gore and George W Bush were ideological twins, the Tweedledum and Tweedledee of bland centrism. Now we know, to our cost, how wrong that was. So perhaps today, as the presidential campaign enters a new phase, we should take a hard look at what these candidates are about.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Start with Obama, the candidate who, more than any other, is accused of being light on detail. It's true that he offers nothing like the programmatic minutiae of Clinton, but it's still clear where he stands. During the last month, Obama's standard stump speech opened with a declaration that "The nation is at war and the planet is in peril". In that single sentence, he signalled two radical breaks with the last eight years, on Iraq and on climate change.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On Iraq, he cites his own early opposition to the war to draw one of his sharpest dividing lines with Clinton. Back in October 2002, when he was a mere member of the Illinois state senate, he addressed an anti-war rally. At that same moment, Hillary Clinton voted in the US Senate to authorise the use of force in Iraq, a decision she has never renounced. Obama doesn't quote his own speech but it would be powerful if he did. He condemned "a dumb war, a rash war" in terms that look remarkably prescient now.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;More than five years on, Obama promises a US withdrawal and "no permanent bases" in Iraq, besides a garrison to protect the US embassy in Baghdad. He would send more troops to Afghanistan. He would then open talks with Iraq's neighbours, including Iran and Syria, because strong countries "talk to their enemies as well as their friends".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He would not only end the war in Iraq, he says, but end the "mindset that led to the war in Iraq". That means an effort to restore America's standing in the world. Accordingly, he would close Guantánamo and restore habeas corpus rights so that no suspect could be detained without charge. He speaks about the assault on civil liberties entailed by what he does not call the "war on terror".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Related will be his effort to wean the US off Middle Eastern oil, required anyway to make the move towards "green energy". (Both he and Clinton avoid the language of climate change and global warming, as if preferring to focus on the solution rather than naming the problem.) He suggests setting a new fuel efficiency standard of 40mpg for motor cars.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Domestically, he wants to pay teachers more, to offer help with college bills to young people who do voluntary work and to do the same for returning military veterans. He speaks about financial excesses, citing "the CEOs who earn more in 10 minutes than ordinary people earn all year". He wants to raise the cap on social security contributions which at present sees Bill Gates pay as much as a worker who brings in $97,000 a year. "Millionaires should pay their fair share," he says.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton touches some of the very same points, even in the same language, though she has wavered on the social security payment question. She, too, is for help with student grants, and keen to forgive the debts of those who become teachers, nurses or police officers. She, too, wants greener energy, favouring micro-generating solutions that would feed electricity back into the grid or that would see solar panels on household roofs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;She also wants to "end the war in Iraq and bring our troops home", promising to start withdrawing personnel within 60 days of taking office. Her husband says "we're going to use diplomacy with friend and foe alike", a slight shift from her earlier condemnation of Obama as "naive and irresponsible" for suggesting he would talk to the likes of Mahmoud Ahmadinejad and Fidel Castro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Her signature difference with Obama is in the provision of universal healthcare. Both agree it's a calamity that tens of millions of Americans have no cover. She would impose mandates, obliging everyone to be insured; he proposes no such compulsion, assuming that people will buy insurance once it becomes affordable.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Crudely, then, she is to the left of him on healthcare and he is to the left of her on Iraq. Otherwise there is huge overlap between their programmes - and, what's more, both would be recognisable to European eyes as pitched firmly on the centre-left. That has not always been the case with America's Democratic party. (Much credit for that goes to former candidate John Edwards, whose message of economic populism dragged both Obama and Clinton leftwards and obliged them to replace platitudes with gritty policies.)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Given this closeness between them on so much of the substance, it's hardly surprising their contest has turned into a duel over their personal merits as candidates. But that should not obscure a larger truth, also made clear this primary season - that the gulf between them and the Republicans remains wide and real.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On the large themes that unite Obama and Clinton, the leading Republicans are squarely opposed. During the last month, they have competed to declare their support for the Iraq war: Baptist preacher Huckabee said that just because no Iraqi weapons of mass destruction had been found it doesn't mean they weren't there: "Just because you didn't find every Easter egg didn't mean that it wasn't planted." Romney promised to double the size of Guantánamo.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On climate change, McCain concedes the problem, but would have little support in his party for taking any action: his arch-rival Romney would only say that man "probably" plays a role in global warming. As for the rest, the social programmes favoured by the Democrats are condemned as wasteful spending, and the need for universal health coverage barely registers.&lt;br /&gt;The battle so far may seem to have been about identity politics, résumés and political style. But don't be misled: the ultimate battle will be about two entirely different conceptions of the US and its place in the world.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4086599698275871118?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4086599698275871118/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4086599698275871118' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4086599698275871118'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4086599698275871118'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/its-no-beauty-pageant-guardian.html' title='It&apos;s no beauty pageant (Guardian)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5673295034010674871</id><published>2008-02-04T10:08:00.000-08:00</published><updated>2008-02-04T10:11:09.959-08:00</updated><title type='text'>Laute Welle (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Laute Welle&lt;br /&gt;Seit drei Jahren sendet Motor FM – und zeigt, wie Radio jenseits des Einheitsgedudels funktioniert.&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Yoko"&gt;Yoko Rückerl&lt;/a&gt; 3.2.2008 0:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Brunnenstraße in Berlin Mitte, ein Hinterhof, vierter Stock, 500 Quadratmeter Altbau, Schreibtische, mit Magazinen, CD’s und Kaffeetassen überladen, Konzertposter an den Wänden, junge Menschen mit Kopfhörern auf den Ohren oder dem Telefonhörer in der Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Markus Kühn kommt einem entgegen, fester Händedruck, „Kaffee?“. Wir sind bei Motor FM, Frequenz 100,6, dem Radiosender für Rock- und Independent-Musik. Gerade ist er drei Jahre alt geworden. Geschäftsführer Kühn teilt sich mit Partnerin Mona Rübsamen einen Raum, ein paar Schritte weiter arbeitet Tim Renner. Der ehemalige Universal-Music-Chef ist neben Kühn und Rübsamen dritter Geschäftsführer von Motor FM. Der Sender ist ein Sammelbecken für Musikliebhaber. Wie die meisten der rund dreißig Mitarbeiter bei Motor FM arbeiteten die drei Geschäftsführer bereits bei großen Musikunternehmen. „Wir haben die goldenen Zeiten erlebt“, sagt die 42-jährige Rübsamen, die lange bei MTV als Programmverantwortliche angestellt war. Kühn arbeitete als Marketingleiter bei Universal Music.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch, weil sie keine Lust mehr auf kommerzielle „Mainstream-Musik“ hatten, haben die drei mit Motor FM einen alternativen Radiosender entwickelt. Er gehört jeweils zu 50 Prozent der Marketingagentur M2M von Rübsamen und Kühn sowie Renners Motor Entertainment GmbH. Ihr Anspruch: Ein Musikprogramm jenseits des Gedudels vieler anderer Sender. „Wir spielen wirklich nur, was uns gefällt“, sagt Silke Super, Moderatorin bei Motor FM. „Das ist die größte Freiheit, die man im Musikgeschäft haben kann“, so die ehemalige MTV-Musikchefin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 1. Februar 2005 um 18 Uhr 48 ging Motor FM das erste Mal auf Sendung. Im Programm: Alternative-, Independent-, Punk- und Elektro-Musik, Musiker wie die Stereophonics, The Black Lips oder Pete Yorn. Im Radio ist der Sender in Berlin, Brandenburg und Stuttgart zu empfangen, über die Internetseite www.motorfm.de weltweit. Rund 300 Titel laufen am Tag, durchschnittlich 14 Titel in der Stunde. „Wir haben eine Playlist von über 8000 Titeln“, sagt Kühn. 104.6 RTL oder Radio Energy, zwei Radiosender, bei denen ein Hit gefühlte hundert Mal am Tag wiederholt wird, verraten erst gar nicht, wieviele Lieder sie im Programm haben. Brancheninsider schätzen, dass bei vielen Privatsendern gerade mal 150 Titel in der Rotation laufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mona Rübsamen zeigt auf die Stereoanlage im Konferenzraum. „Hier diskutieren wir, was wir spielen und was nicht“, sagt sie. Die Moderatoren spielen in ihren Sendungen also oft Musik, die sie selbst mögen – musikalischer Einheitsbrei kann so erst gar nicht entstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Motor FM versteht sich als Talentsucher, ist bekannt dafür, Nachwuchsmusiker wie die Sängerin Soko zu entdecken. Wer bei Motor FM läuft, dem wird musikalisches Können attestiert. Silke Super: „Es gibt Musiker, die rufen schon mal an und fragen, wann sie zum Interview kommen können.“ Auch, weil die Bands das Gefühl hätten, nicht mit Moderatoren, sondern mit Musikern zu sprechen. „Wir hören uns ein Album an, bevor wir ein Interview machen.“ Musikredakteure wie Ueli Haefliger oder der Motor FM- DJ Max Spallek suchen jeden Tag stundenlang auf Internetseiten nach neuester Musik, frischen Künstlern oder basteln an Projekten wie der „Auslandsspionage“, einer Kooperation mit zwei Radiosendern aus Los Angeles und Großbritannien. Der Wortanteil bei Motor FM liegt bei knapp 40 Prozent. In den Reportagen und Interviews geht es nicht nur um Musik, sondern auch um Politik und Kultur. Der Sender hält Kontakt zu iranischen Bloggern, berichtet von der Berlinale.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zielgruppe von Motor FM sind Musikliebhaber ab 25. 16 000 Hörer erreicht der Sender laut Media-Analyse 2007 in der Stunde. Kühn verweist aber darauf, dass viele der jungen Zuhörer bei solchen Erhebungen nicht erreicht werden: „Viele junge, aktive Menschen, die uns hören, sind ständig unterwegs und haben nur noch Handys. Bei der MA-Befragung werden die Leute aber zuhause auf dem Festnetz angerufen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Motor FM finanziert sich über Werbung und Marketingkooperationen. „Wenn sich eine Marke glaubwürdig und ernsthaft für Musik engagiert, habe ich kein Problem damit, das nicht auch bei uns stattfinden zu lassen“, sagt Kühn. Das „Download“-Geschäft kommt ebenfalls dazu. Wer bei Motor FM ein Lied hört, das ihm gefällt, kann es sich auf der Homepage für rund einen Euro – je nach Länge des Titels – herunterladen. Spontaneität und Unberechenbarkeit sind das Erfolgsrezept des Senders. Zum Geburtstag des Papstes sendete Motor FM die Morgensendung auf Latein. Und danach gab’s Musik von Rammstein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yoko Rückerl(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.02.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5673295034010674871?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5673295034010674871/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5673295034010674871' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5673295034010674871'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5673295034010674871'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/laute-welle-tagesspiegel.html' title='Laute Welle (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5704503110997077373</id><published>2008-02-04T10:02:00.000-08:00</published><updated>2008-02-04T10:07:45.384-08:00</updated><title type='text'>Klub der toten Gesichter (Tagesspiegel)</title><content type='html'>Klub der toten Gesichter&lt;br /&gt;Keine Identität mehr und keine Helden. Sollen sie etwa „Aaarne Friedrich!!!“ brüllen? Den Berliner Fans wird ihr Verein zu öde und den Managern auch. Aber wie verwandelt man Langweiler-Fußball in aufregenden Sport? Hertha und seine Experimente.&lt;br /&gt;&lt;a class="ISI_IGNORE" href="http://www.tagesspiegel.de/suche/?fs%5Barchivsuche%5D=archivsuche&amp;amp;fs%5Bnum%5D=10&amp;amp;fs%5Bqall%5D=%22Von"&gt;Von Sven Goldmann&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach getaner Arbeit an einem kalten Berliner Abend zieht Lucien Favre, Fußballlehrer aus der Schweiz, die Handschuhe aus und setzt die Kapuze ab. Ihm ist richtig warm geworden, so schön hat seine Mannschaft gespielt und dazu noch Tore geschossen, sieben Stück, das kommt nicht oft vor bei Hertha BSC. Favre gestikuliert mit beiden Armen, er lacht und sagt, dass es jetzt endlich losgehen könne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Berlin geht es schon seit Jahren los. Immer mit dem Anspruch, ganz oben mitzuspielen, wenn möglich in der Champions League. Die Wirklichkeit sieht bescheidener aus. Die sieben Tore, über die Lucien Favre sich am Dienstag gefreut hat, sind nicht in der Champions League gefallen, sondern in Herthas kleinem Amateurstadion, im Testspiel gegen den Viertligisten Germania Schöneiche. Von hinten blinzelt das Flutlicht des Olympiastadions herüber. Dort wird es am Samstag ernst. Dann tritt Eintracht Frankfurt zum ersten Spiel der Bundesliga-Rückrunde in Berlin an. Nach diesem Spiel werden sie wissen, ob es wirklich losgeht, ob die in der Winterpause runderneuerte Mannschaft oben mitspielen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer es gut meint, der nennt Hertha BSC das spannendste Experiment der Bundesliga. Gesteuert von einem Trainer, der bisher überall Erfolg hatte und schönen Fußball spielen ließ und der sich in Berlin jetzt eine neue Mannschaft zusammenbastelt. Wer es realistisch sieht, wendet ein, dass vom schönen Fußball noch nicht viel zu sehen war und dass es nicht ungefährlich sei, das Schicksal des Vereins ganz in die Hände eines Mannes zu legen, der bislang den schönen Fußball ausschließlich in der Schweiz geliefert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lucien Favre, 50, ist ein graziler Mann mit früh ergrautem Haar, sein französischer Akzent verleiht ihm eine gewisse Weltläufigkeit. In den sieben Monaten seines Wirkens am Olympiastadion hat sich Favre so ziemlich der gesamten Belegschaft entledigt. Als Verstärkung hat er in der Winterpause ausschließlich junge Spieler geholt, solche, die die Bundesliga nur aus dem Fernsehen kennen – ratzfatz, fast wie in einem Computerspiel. Aber natürlich braucht eine Mannschaft im virtuellen Raum keine Zeit zum Einspielen. Hertha BSC spielt in der Bundesliga gegen höchst reale Gegner, und die Zeit zum Einspielen ist abgelaufen. Bis zum ersten Abstiegsplatz sind es fünf Punkte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oben auf der kleinen Tribüne des kleinen Amateurstadions steht Dieter Hoeneß. Ein großer, kräftiger Mann. Seit Hoeneß in einem Spiel für Bayern München mal mit blutdurchtränktem Turban ein Kopfballtor erzielt hat, gilt er den Fußballfans als der Inbegriff des deutschen Kämpfers. Bei Hertha wird er meist Manager gerufen. Dieter Hoeneß hatte in den vergangenen Wochen so viel zu tun wie lange nicht mehr. Vorbei sind die Zeiten, da er ein unglücklicher Geschäftsführer war, weil er kaum Geld zum Führen seiner Geschäfte hatte. Die Last von gut 50 Millionen Euro Schulden ließ keine großen Sprünge zu. Doch dann verlängerte Hertha vor ein paar Wochen den Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive vorzeitig bis 2018 und strich im Vorgriff auf zukünftige Erlöse 25 Millionen Euro ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das ist ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte“, verkündete Hoeneß und sprach von einem „Vorgriff auf die Zukunft von Hertha BSC“. 15 Millionen wurden in den Abbau der Schulden gesteckt. Mit dem Rest ist Hoeneß losgezogen wie weiland Lotto-Lothar mit seinem Millionengewinn. Einen brasilianischen Stürmer hat er eingekauft, einen Mittelfeldspieler aus Serbien, noch einen aus den USA, am Dienstag kam, quasi im Schlussverkauf, noch ein Stürmer aus Bulgarien nach Berlin. Schön, mal wieder Geld zu haben. Berlin kann auch reich und sexy sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hertha BSC hat immer ein wenig darunter gelitten, dass vom Glanz der wiedererwachten Metropole so wenig abfällt auf den erfolgreichsten Fußballklub der Stadt. Gern wäre Hertha BSC der Verein des kreativen Berlins. Doch das kreative Berlin besteht zu einem nicht unwesentlichen Prozentsatz aus zugezogenen Schwaben, Bayern oder Rheinländern, und die tragen noch immer den Verein ihrer Heimat im Herzen. Es werden ein, zwei Dekaden ins Land gehen, bis das kreative Berlin Hertha liebgewonnen hat, wenn überhaupt. Kritiker nörgeln, einstweilen erschöpfe sich Herthas Beitrag zum weltstädtischen Potenzial der Stadt in Frank Zanders Stadionhymne „Nur nach Hause geh’n wir nicht“. Selbst Herthas Präsident Bernd Schiphorst gibt zu, sein Verein sei „ein bisschen blass“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war früher das Letzte, was man über Hertha BSC sagen konnte. Hertha war skandalumwittert, größenwahnsinnig und oft genug am Rand der Kriminalität, mal dies-, mal jenseits. Aber blass?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; „Schiphorst hat recht, endlich spricht es mal einer aus“, sagt Marcel. Marcel kommt aus Tempelhof, wird bald 30 und ist Herthafan seit Kindheitstagen. Als Student hat er für seinen Verein manche Vorlesung sausen lassen, wenn gerade ein wichtiges Auswärtsspiel anstand. Am Dienstag steht er mit ein paar Freunden am Bierstand und schaut sich das Spiel gegen Schöneiche an. Marcel sagt, er habe es immer genossen, „dass man uns nirgendwo gern gesehen hat, wir waren die arroganten Berliner, die Großmäuler“. Vor ein paar Monaten war er zu einem Auswärtsspiel in Hamburg. Nach dem Spiel hat ein Hamburger Fan gefragt: „Was ist denn mit euch los? Man liest nichts mehr über euch, man hört nichts mehr. Warum seid ihr denn so ein langweiliger Verein geworden?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dieser Ansage hat Marcel das Bier nicht mehr geschmeckt. Nicht, dass der Fußball auch ganz gut ohne großmäulige Berliner zurechtkäme, aber das allein ist es ja nicht. Am Bierstand beim Spiel gegen Schöneiche sagen Marcel und seine Freunde, der Abend mit den Hamburger Fans habe ihnen die Augen geöffnet. „Es interessiert sich keiner mehr für uns, für die Mannschaft, für den Verein. Alles ist so austauschbar.“ Früher, da hätten sie immer Lieblinge gehabt. Andreas Neuendorf, den Techniker mit der Berliner Schnauze, den alle nur Zecke nannten. Marcelinho, den Wunder-Brasilianer, über den man sich so schön aufregen konnte, der nächtens mit den Mädchen in der Disko tanzte und tagsüber mit den Gegenspielern auf dem Platz. Oder den Torwart Christian Fiedler, der seit der Jugend für Hertha spielte und nach dem Spiel immer in die Fankurve kam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alles vorbei. Neuendorfs Vertrag wurde nicht verlängert, Marcelinho schon vor zwei Jahren abgeschoben, weil er wieder mal zu spät aus dem Urlaub kam. Der vereinstreue Fiedler sitzt nur noch auf der Ersatzbank. „Es gibt keine Typen mehr bei Hertha“, sagt Marcel, „keinen, den man mit Sprechchören anfeuern kann.“ Mal abgesehen vom nigerianischen Stürmer Solomon Okoronkwo, der sich so ergriffen ans Herz fasst, wenn er ein Tor schießt, aber er schießt so selten ein Tor, weil er ja fast nie spielt. „Und sonst? Alles stromlinienförmige Typen, die überall spielen könnten.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sollen sie etwa „Aaarne Friiiedrich!!!!“ brüllen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arne Friedrich ist der Kapitän der Hertha-Mannschaft 2008. Und Nationalspieler. Er fährt Porsche, trägt einen sorgfältig getrimmten Dreitagebart und spielt gern Golf. Über Berlin sagt er auf seiner Homepage. „Ich mag diese Stadt, die niemals schläft.“ Seinen Musikgeschmack definiert er so: „Ich höre das, was im Radio gespielt wird.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Verteidiger Friedrich verdient bei Hertha geschätzt 2,5 Millionen Euro im Jahr, sein Nebenmann Josip Simunic kommt etwa auf dieselbe Summe. Zwei Defensivkräfte stehen auf den ersten beiden Plätzen auf der Berliner Gehaltsliste. Der Branchenführer Bayern München investierte seine Millionen in dieser Saison vornehmlich in drei Offensivspieler, den Deutschen Miroslav Klose, den Italiener Luca Toni und den Franzosen Franck Ribery. Wer will, kann darin ein Zeichen sehen für die unterschiedliche Ausprägung beider Stilrichtungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für das strategische Geschäft ist bei Hertha BSC seit gut elf Jahren Dieter Hoeneß zuständig. Als Geschäftsmann zehrt er immer noch von dem alten Hertha-Image. Nicht weil es so gut war. Hoeneß‘ Bruder Uli, der Macher beim großen FC Bayern, hat einmal gesagt: „Wenn du Leuten wie dem ehemaligen Hertha-Präsidenten Holst 100 Millionen Mark gibst, haben die anschließend 150 Millionen Mark Schulden.“ Vor diesem Hintergrund konnte Dieter Hoeneß nicht viel falsch machen, als er im November 1996 nach Berlin kam und Hertha mit dem Geld des Sportfive-Vorläufers Ufa fitmachte für den Aufstieg in die Bundesliga.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seitdem hat er immer wieder versucht, den Verein neu zu erfinden. Das spricht für Fantasie, erhöht aber nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit. Am erfolgreichsten waren Hoeneß’ Anfangsjahre. Er inszenierte Hertha als Heimat der heimkehrenden Profis aus der Region und führte den Verein nach oben, einmal sogar bis in die Champions League. Danach kam die brasilianische Phase mit der Akquise spektakulärer Interpreten aus dem gelobten Fußballland. Das kostete viel Geld, brachte aber nicht die erhoffte Etablierung in der Beletage des deutschen Fußballs. Also modelten sich die Berliner um zum ehrgeizigsten Nachwuchsprojekt des Landes, das gar nicht mehr hinterherkam mit dem Zählen seiner Jugend-Nationalspieler. „Bei uns wächst etwas zusammen“, verkündete Dieter Hoeneß immer wieder stolz. Aber auch die Konkurrenz registrierte, was da in Berlin heranwuchs, und in diesem Sommer waren die drei Besten auf einmal weg. Und damit auch Herthas Image als Ausbildungsverein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit dieser Saison definiert sich der Verein nicht mehr über Inhalte, sondern über seinen Trainer. Lucien Favre soll dem gesichtslosen Gebilde eine neue Identität verpassen mit dem schönsten, aufregendsten und modernsten Fußball der gesamten Liga. Das ist leicht gesagt und schwer umzusetzen. In seinem ersten Jahr beim FC Zürich stand Favre als Tabellenletzter schon mal kurz vor der Entlassung und feierte später noch zwei Meisterschaften. Als Favre im Sommer aus Zürich nach Berlin kam, freute er sich über die guten Arbeitsbedingungen und wunderte sich, dass es in den Zügen der Deutschen Bahn kein Rauchverbot gab. Immerhin dieses Problem hat sich seitdem erledigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil Favre im Frühling noch schnell den FC Zürich zur Schweizer Meisterschaft geführt und Hertha erst spät seine Zusage gegeben hatte, ließ sich die Mannschaft nicht mehr komplett nach seinen Wünschen zusammenstellen. Für eilig zusammengekauftes Personal wurde viel Geld ausgegeben und wenig Qualität erworben. Das entsprach nun so gar nicht den Vorstellungen des neuen Trainers. In der Woche vor dem Bundesligastart soll Favre im Büro von Manager Dieter Hoeneß seinen sofortigen Rücktritt angeboten haben. Hoeneß hat diese Geschichte immer dementiert, im Kreis der Mannschaft aber zweifelt kaum einer daran, dass sie stimmt. Zu oft hätten die Spieler mitbekommen, wie selten Manager und Trainer einer Meinung seien. Ein junger Spieler erzählt von einer turbulenten Mannschaftssitzung. „Der Trainer hat dem Manager gesagt: ‚Sie haben keine Ahnung!’ Dann ist er einfach rausgegangen.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann Lucien Favre schlecht vorwerfen, dass er nicht sagt, was er denkt. Oft genug hat er öffentlich verkündet, dass er sein System vom schnellen Fußball nur mit dem entsprechenden Personal umsetzen könne. Das hat dem vorhandenen Personal nicht besonders gut gefallen und auch die Motivation nicht gesteigert, worauf Hertha in der Tabelle immer tiefer fiel und Favre immer lauter nach neuen Spielern rief.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt sind die Neuen da, am Dienstag haben sie gegen den Viertligisten Schöneiche erstmals vor Berliner Publikum gespielt. Lucien Favre freut sich über die sieben Tore, Marcel und seine Freunde ziehen weiter in die nächste Kneipe. Der Fernseher läuft. Pokal-Achtelfinale, Dortmund besiegt Bremen, und die Dortmunder Fans rufen: „Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!“, zum Finale im April ins Olympiastadion. Hertha ist mal wieder früh aus dem Pokal ausgeschieden. Marcel setzt sich an die Theke und seufzt: „In Dortmund brüllen sie Berlin, Berlin! Und wir spielen auf einem Nebenplatz gegen Schöneiche. Na prima!“&lt;br /&gt;(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.02.2008)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-5704503110997077373?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/5704503110997077373/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=5704503110997077373' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5704503110997077373'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/5704503110997077373'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/klub-der-toten-gesichter-tagesspiegel.html' title='Klub der toten Gesichter (Tagesspiegel)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-7723568213780234601</id><published>2008-02-01T01:09:00.000-08:00</published><updated>2008-02-01T01:10:53.528-08:00</updated><title type='text'>Our state collects more data (guardian)</title><content type='html'>Our state collects more data than the Stasi ever did. We need to fight backTo trust in the good intentions of our rulers is to put liberty at risk. I'd go to jail rather than accept this kind of ID card&lt;br /&gt;Timothy Garton Ash&lt;br /&gt;Thursday January 31, 2008&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;This has got to stop. Britain's snooper state is getting completely out of hand. We are sleepwalking into a surveillance society, and we must wake up. When the Stasi started spying on me, as I moved around East Germany 30 years ago, I travelled on the assumption that I was coming from one of the freest countries in the world to one of the least free. I don't think I was wrong then, but I would certainly be wrong now. Today, the people of East Germany are much less spied upon than the people of Britain. The human rights group Privacy International rates Britain as an "endemic surveillance society", along with China and Russia, whereas Germany scores much better.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a name="article_continue"&gt;&lt;/a&gt;An official report by Britain's interception of communications commissioner has just revealed that nearly 800 public bodies are between them making an average of nearly 1,000 requests a day for "communications data", including actual phone taps, mobile phone records, email or web search histories, not to mention old-fashioned snail mail. The Home Office website notes that all communication service providers "may be served with a notice by the secretary of state requiring them to maintain a permanent intercept capability. In practice, agreement is always reached by consultation and negotiation." How reassuring.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The fantastic advance of information and communications technology gives the state - and private companies as well - technical possibilities of which the Stasi could only dream. Most of your life is now mapped electronically, minute by minute, centimetre by centimetre, through your mobile phone calls, your emails, your web searches, your credit card purchases, your involuntary appearances on CCTV, and so on. Had the East German secret police had these snooping super-tools, my Stasi file would have measured at least 3,000 pages, not a mere 325.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;We therefore need to strengthen the protection of data, privacy and civil rights simply to remain as free as we were before. As technology lifts the sea level of information flow, we have to build up the dykes. To a limited extent, this has been happening; some legal data protection safeguards have been improved. Our stalwart information commissioner, Richard Thomas, has fought a valiant battle to protect what the Germans call, with portentous profundity, the right to informational self-determination. A valiant battle, but a losing one - as the commissioner himself acknowledges. The warning that we are "sleepwalking into a surveillance society" comes from him.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;For even as he tries to strengthen the dykes, more powerful arms of government are busy tearing them down: in the name of fighting terrorism, crime, fraud, child molestation, drugs, religious extremism, racial abuse, tax evasion, speeding, illegal parking, fly-tipping, leaving too many garbage bags outside your home, and any other "risk" that any of those nearly 800 public (busy)bodies feels called upon to "protect" us from. Well, thank you, nanny - but kindly eff off to East Germany. I'd rather stay a bit more free, even if means being a bit less safe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yes, I recognise that the threat from homegrown suicide bombers - like those who struck London on July 7 2005, and extremists who have been picked up since, including the recently convicted would-be beheader of a British soldier - is particularly difficult to detect. I accept that it requires some extra surveillance and prevention powers. The balance between security and liberty needs to be recalibrated. But in the last decade the British government has erred too far on the side of what is alleged to be increased security.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An over-mighty executive, authoritarian busybody instincts at all levels of government, a political culture of "commonsense" bureaucratic judgments, rather than codified rights protected by supreme courts and, until recently, a gung-ho press forever calling for "something to be done": this fateful combination has made Britain a dark outrider among liberal democracies.&lt;br /&gt;The birthplace of laissez-faire liberalism has morphed into the database state. We have more CCTV cameras than anyone. We have the largest DNA database anywhere. Plans are far advanced to centralise all our medical records and introduce the most elaborate biometric ID cards in the world. All this from a government which, having collected so much data on us, goes around losing it like a late-night drunk spreading the contents of his pockets down the street. Twenty-five million people's details mislaid by Her Majesty's Revenue and Customs; at least 100,000 more on an awol Royal Navy laptop; and so it goes on.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meanwhile, the government has just laid before parliament its latest counter-terrorism bill. Besides the notorious proposal to increase the period of detention without charge to 42 days, this includes provisions that, as the attached official notes explain, allow anyone to give information to the intelligence services "regardless of any duty to keep the information private or of any other restriction" (other than those mentioned in a pair of elastic subclauses). Such information can then be shared or disclosed by that service more or less at will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;This will not do; and even the staunchest supporters of the smack of firm government are beginning to say as much. The Daily Mail, that prince of firm-smackers, yesterday ran a leading article which concluded that "Under this government - of whom the Stasi would have been proud - the balance between state power and individual liberty has been outrageously skewed. It must be restored." This is something on which press and politicians of left and right are beginning to agree.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Of course that flourish about the Stasi is hyperbole. As someone who actually lived under the Stasi, I know we're nowhere near that. But the amount of information collected and shared - not to mention lost - by the British government far exceeds the Stasi's modest 160km of paper files. The potential for it to be abused, in the wrong hands, is simply enormous. Liberty is not preserved simply by putting our trust in the good intentions of our rulers, civil servants and spooks. The road to hell is paved with good intentions.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;My sense is that the tide is just beginning to turn in British public, published and parliamentary opinion. I hope the Liberal Democrats, Conservatives, Labour backbenchers and the House of Lords will between them give the new bill the roasting it deserves. Some of our watchdog commissioners and more independent-minded judges are already sounding the alarm. If the government were still to be so foolish as to try to introduce the new ID cards before the next election, it could be to Gordon Brown what the poll tax was to Margaret Thatcher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Comprehensive, compulsory ID cards would directly impinge on every single citizen; this is just the kind of thing the British like to get bloody-minded about.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The Liberal Democrat leader Nick Clegg has said he would go to jail rather than accept an ID card of this intrusive kind. So would I. And so, I believe, would many thousands of our fellow-citizens. (There's a good website called NO2ID where you can join the fray.) Which is why, I suspect, the government won't be so foolish. But we need to draw the line well before ID cards. There are liberties that we have already given away, while sleeping, and we must claim them back.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-7723568213780234601?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/7723568213780234601/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=7723568213780234601' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7723568213780234601'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/7723568213780234601'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/our-state-collects-more-data-guardian.html' title='Our state collects more data (guardian)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-4097784760047850169</id><published>2008-02-01T01:04:00.000-08:00</published><updated>2008-02-01T01:08:47.908-08:00</updated><title type='text'>Der Unbeugsame (Berliner Zeitung)</title><content type='html'>Der Unbeugsame&lt;br /&gt;Von den Frauen geliebt, von der Stasi überwacht und vom eigenen Vater angezeigt. Der Dichter Thomas Brasch und das Jahr 1968&lt;br /&gt;26.01.2008&lt;br /&gt;Magazin - Seite 1&lt;br /&gt;Stephan Suschke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennen gelernt habe ich Thomas Brasch in den neunziger Jahren in Berlin, die erste Begegnung aber war ein zerlesenes, von Hand zu Hand weitergegebenes Buch in den Siebzigern: "Vor den Vätern sterben die Söhne". Wenn man etwas über die DDR, über ihre Hoffnung und ihre Verzweiflung wissen will, muss man dieses Buch lesen. Während meiner Zeit am Berliner Ensemble pflegten Brasch und ich eine Arbeitsbeziehung, seine Anregungen waren substanziell, jenseits des üblichen Geschwätzes in den Theaterkantinen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Brasch starb im November 2001. Seitdem interessiert mich die Geschichte seiner Familie, eine deutsche Geschichte, die in ihrer geschichtlichen und individuellen Komplexität beispielhaft ist und in keine simplen Raster passt. Die Anpassungsversuche des Vaters in der DDR, einem Westemigranten und Juden, führten zum Konflikt mit seinen Söhnen. Sie starben früh; Klaus, der Schauspieler mit 29, der Schriftsteller Peter mit 45 und Thomas mit 56 Jahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mit jüdischen Emigranten, ZK-Mitgliedern, früheren Freunden von Thomas Brasch wie Bettina Wegner und Florian Havemann geredet und im Thomas-Brasch-Archiv der Akademie der Künste recherchiert. Thomas Brasch besaß die Fähigkeit, sich oft in Gefahr zu begeben und seine existenziellen Erfahrungen zur Schwerkraft seines Schreibens zu machen. Das Jahr 1968 bot eine solche Möglichkeit. Brasch hat sie genutzt:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Braschs 1968 beginnt mit einem Silvesterkater. Mit seiner Freundin Sanda Weigl hat er die Nacht verbracht. Im neuen Jahr soll er Vater werden - Bettina Wegner erwartet ein Kind von ihm. Er will es nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brasch ist 22 Jahre alt, wohnt in der Boxhagener Straße und studiert Filmwissenschaften in Potsdam Babelsberg. Der Informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit mit dem Decknamen Ruth Blume berichtet über ihn: Er ist in der Seminargruppe der motorisierende Faktor, der auch viel auf marxistischer Grundlage diskutiert, aber auch einen bestimmten Subjektivismus und zum Teil fragwürdige Tendenzen vertritt... Im Kollektiv als Ganzes trägt er seine wahre Meinung nicht vor, weil er in den Genossen potenzielle, zumindest aber verdeckte Spitzel sieht. Sehr starken Einfluss hat er auf die Mädchen der Gruppe, bedingt durch seinen Lebensstil. Er hat eine lockere Lebensauffassung und auch Geld und hat schon Partys in seiner eigenen Wohnung gegeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Tage vor dem Aktenvermerk ist Alexander Dubcek in der Tschechoslowakei Parteichef der Kommunistischen Partei geworden. Schnell leitet er Reformen ein. Schon am 27. Januar öffnet im historischen Zentrum von Prag ein Kiosk, in dem Zeitungen aus aller Welt verkauft werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 26. Februar notiert IM Blume zunehmende Schwierigkeiten mit Thomas Braschs Studiendisziplin. Die Englisch-Lehrerin hat er mit der Bemerkung provoziert, dass man bei ihr überhaupt nichts lerne. Zur Zeit hat "St"(Deckname eines Informellen Mitarbeiters) ihn für einige Tage vom Unterricht befreit, da seine Freundin, die bei ihm wohnt, in diesen Tagen ein Kind von ihm erwartet. Thomas selbst äußert sich über diese Freundin, dass er nie die Absicht habe, sie zu heiraten, sondern es jetzt nur als eine gewisse Pflichterfüllung betrachte, ihr beizustehen, da das Kind ja von ihm sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der Abschaffung der Zensur in der Tschechoslowakei ermutigt, marschieren am 8. März einige hundert Studenten der Warschauer Universität zum Büro des Rektors und rufen: "Kein Studium ohne Freiheit". Eine "Arbeitermiliz" rückt an und schlägt die Demonstranten zusammen. Am 11. März eskaliert eine weitere Demonstration mit mehreren tausend Studenten zu einer achtstündigen Straßenschlacht zwischen Polizisten und Studenten. Die Regierung beteuert, das Problem entspringe einer zionistischen Verschwörung, einem stalinistischen Komplott.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Tage später wird der Hauptabteilung XX/2 aus zuverlässiger Quelle bekannt, dass Thomas Brasch sich wie folgt äußert: Es wäre gut, dass die Studenten in Warschau auf die Straße gegangen seien. Auch im Sozialismus müssten sich die Menschen wehren. In Polen und in der CSSR sei man nicht so eng und dogmatisch. Dort protestierten die Menschen gegen ihre Kulturpolitik. "Bei uns in der DDR" wäre das viel, viel nötiger. Ein Beispiel sei der Film "Spur der Steine". Leute, die nicht die Stimmung des Volkes beachteten, würden Filme verbieten, die gut seien und die das Volk wolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 21. März kommt in der Charité Thomas Braschs Sohn Benjamin zur Welt. Zwei Tage danach löst Alexander Dubcek den Stalinisten Novotny als Staatspräsident ab. Dubcek wird für Braschs Leben wichtiger werden als sein Sohn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Probleme an der Filmhochschule nehmen zu. Am 29. März stellt der Prorektor für Bildung und Erziehung den Antrag auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens, weil Brasch wiederholt ernsthaft die Studiendisziplin verletzt habe. Besonders irritierend ist für die Verantwortlichen, dass Student Brasch nicht nur unentschuldigt fehlt, sondern auch darauf besteht, die Studenten seien erwachsen genug, selbst zu entscheiden, welcher Unterricht sinnvoll ist. Die Angst vor der negativen Beeinflussung labiler Studenten verschärft die Situation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 1. April beschließt die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei den Übergang von einem Sozialismus sowjetischen Typs zum demokratischen Sozialismus. Am gleichen Tag erfährt die Abteilung XX/1 der Staatssicherheit von einem Offenen Brief, den Brasch in seiner Seminargruppe verlesen hat. Mit Zitaten von Marx und Genossen Walter Ulbricht polemisiere er gegen die Hochschulpolitik und Prinzipien der Ausbildung und fordere die Beteiligung der Studenten am "Umgestaltungsprozess". Die Studenten sollten geschlossen hinter seinen Offenen Brief treten und die Forderungen beim Rektor und der Hochschulleitung durchsetzen... Der Prorektor schreibt einen Brief an Horst Brasch, in dem er ihn über das anstehende Disziplinarverfahren und die ideologischen Probleme seines Sohnes informiert. Ein vergeblicher Brief. Horst Brasch hat schon längst keinen Einfluss mehr auf seinen Sohn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im beginnenden Frühling, der den Prager Ereignissen seinen Namen leiht, eskalieren die Proteste in Westeuropa und den USA. Das von der BILD-Zeitung inspirierte Attentat auf Rudi Dutschke löst fünftägige Straßenschlachten im Westteil Berlins aus. In Paris werden bei Straßenschlachten 600 Protestierer und 345 Polizisten verletzt. Während im Westen diese Unruhen zu einer Modernisierung der Gesellschaft führen, die kreativen Momente der Bewegung aufgesaugt werden, behält die Moskauer Führung unter Breschnew ihren starren Kurs bei. Obwohl sich bei einer Volksabstimmung 89 Prozent der Tschechoslowaken für den Kommunismus und nur fünf für den Kapitalismus entscheiden, beginnen in der Sowjetunion die Vorbereitungen für einen Einmarsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Brasch arbeitet an seiner Jahresabschlussarbeit über marxistische Entfremdungstheorie und Brechts "Dreigroschenoper". Wegen revisionistischer Tendenzen soll sie zurückgewiesen werden. Der Rektor möchte, dass Brasch die Prüfung wiederholen kann, andere fordern, ihn von der Filmhochschule zu exmatrikulieren. Ab 6. Juli wird er von der Staatssicherheit unter Personenkontrolle genommen, seine Post wird von nun an kontrolliert und kopiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seinen Verpflichtungen als Vater wird Brasch kaum gerecht, stattdessen plant er eine Reise mit seiner Freundin Sanda Weigl nach Rumänien und Polen. Als die Reiseanträge abgelehnt werden, sprechen sie in der Hauptabteilung Pass- und Meldewesen vor: In den Akten heißt es: Thomas B. tritt äußerst hartnäckig auf und verlangt Auskunft über die Gründe, die zur Ablehnung führten. Unter anderem bringt er zum Ausdruck, dass er nicht die geringste Lust verspüre, seinen Urlaub im Thüringer Wald zu verbringen und versteigt sich in der Erklärung, dass er, wenn ihm die Gründe der Ablehnung nicht unverzüglich mitgeteilt werden, die Staatsbürgerschaft der DDR ablehnen werde! Die Anträge bleiben abgelehnt, da beide von unserem Organ in die Ausreisesperre eingelegt wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 17. August beschließt in Moskau das Politbüro der KPdSU eine militärische Intervention in der CSSR. Einen Tag später schließen sich die DDR, Polen, Bulgarien und Ungarn bedingungslos an. Thomas Brasch weiß nichts davon. Er macht mit Sanda Weigl Urlaub an der Ostsee, im Haus der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger in Ahrenshoop.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Dienstag, den 20. August, um 23.00 Uhr überqueren sowjetische Panzer die tschechische Grenze. 4600 Panzer und 16 5000 Soldaten des Warschauer Pakts dringen in die Tschechoslowakei ein. Die DDR ist mit einer Nachrichteneinheit vertreten, ihr Territorium dient als Aufmarschgebiet, außerdem stehen zwei Divisionen an der Grenze in Bereitschaft. Die tschechoslowakische Armee leistet auf Anordnung von Dubcek keine Gegenwehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 21. August neun Uhr morgens wird Dubceks Büro durch sowjetische Soldaten gestürmt, die Mitglieder seiner Regierung werden verhaftet. Dubcek und seine engsten Vertrauten werden nach Polen verschleppt und dort festgehalten. Wütende junge Menschen ziehen zu Radio Prag, blockieren die Straße. Die sowjetischen Soldaten schießen zuerst über die Köpfe, dann in die Menge. Molotowcocktails lassen einige Panzer in Brand geraten. In kurzer Zeit gibt es 30 Todesopfer, mehr als 300 Verletzte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am selben Vormittag versucht Thomas Brasch in Ahrenshoop vergeblich ein "Neues Deutschland" zu kaufen. Erst aus dem Radio erfährt er vom Einmarsch der Armeen. Brasch und Sanda Weigl entschließen sich, sofort nach Berlin zu trampen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am nächsten Tag gehen sie in die Buchhandlung "Das gute Buch" am Alexanderplatz, in der Erika Berthold, eine Freundin Sanda Weigls, arbeitet. Erika Berthold ist die Tochter des Direktors des Institutes für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Schnell werden sie sich einig, etwas gegen den Einmarsch zu unternehmen. Am Nachmittag schreiben sie in Sanda Weigls Wohnung mit Filzstiften verschiedene Losungen auf Papier wie: "Hände weg vom roten Prag", "Stalin lebt" und "Ein Dubcek für die DDR". Im Verlauf des Nachmittags stoßen Sandas Bruder Vladimir Weigl, Rosita Hunzinger sowie die Bulgarin Juliana Grigorowa hinzu. Gegen 19.30 Uhr verlässt Thomas Brasch die Wohnung, um Florian Havemann im Kino International zu treffen. Er wartet vergebens - Florian Havemann wurde auf dem Weg ins Kino verhaftet - und kehrt in die Wohnung zurück. Bis etwa 22.00 Uhr schreiben sie Flugblätter, es sind zirka 400. Erika Berthold und Rosita Hunzinger übernehmen die Verteilung entlang der Friedrichstraße, Brasch und Sanda Weigl im Prenzlauer Berg. Bevor sie sich gegen 22.30 Uhr trennen, verabreden sie, bei einer Verhaftung die anderen nicht zu belasten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Brasch hat etwa 180 Flugblätter bei sich, er steckt sie in Hausbriefkästen in der Kollwitzstraße, in der Husemannstraße, in der Buchholzer Straße, in der Wichert-straße; 20 bis 30 Flugblätter legt er auf den Verbindungssteg zwischen dem U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee. Mit der U-Bahn fahren sie zurück und sind gegen 0.30 Uhr wieder in der Wohnung Sanda Weigls. Es beginnt eine Zeit des Wartens, der Ungewissheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Innenministerium der DDR zählt an diesem Tag 126 "Vorkommnisse", die den Tatbestand der "Hetze bzw. Staatsverleumdung" erfüllen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Freitag, den 23. August, verhandelt das Breschnewsche Politbüro mit Teilen der tschechischen Führung, als Thomas Brasch zu Bettina Wegner nach Pankow fährt. "Er ist zu mir gekommen, hat gesagt, er wird wahrscheinlich verhaftet, und ich soll um Gottes willen nichts machen, weil ich an das Kind denken soll. Ich glaube, er hatte nicht so eine große Angst. Er war sehr klar", erinnert sie sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bettina Wegner hält sich nicht an die Bitte von Thomas Brasch. Auch um ihn und die anderen zu decken, fertigt sie Flugblätter an, die sie zusammen mit einem Kumpel in Pankow verteilt. Gegen 16.00 Uhr verlässt Thomas Brasch die Mutter seines Sohnes. Mittlerweile ist klar, dass Rosita Hunzinger und Erika Berthold verhaftet wurden. Um sich zu schützen, fahren Brasch und Sanda Weigl zu Klaus Richter, einem Freund, nach Berlin-Hirschgarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Samstag, den 24. August, wird Bettina Wegner verhaftet. Sie bleibt sieben Tage in U-Haft, wird auf Bewährung verurteilt. Thomas Brasch verbringt seinen Tag gemeinsam mit Klaus Richter und Sanda Weigl. Florian Havemann erzählt: "Thomas ist verrückt geworden, bei jedem Auto was um die Ecke bog, und an seiner Freundin Sanda, weil die im Bikini im Garten gelegen hat, und Urlaub machen wollte."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Montag, den 26. August, kehren Brasch und Sanda Weigl nach Berlin zurück; Brasch geht direkt zu seinen Eltern, die seine Handlungsweise verurteilen und ihn auffordern, sich unverzüglich den Sicherheitsorganen der DDR zu stellen. "Ich sprach mich zunächst dagegen aus, obwohl ich prinzipiell damit einverstanden war, mich zu stellen, wollte dies jedoch nicht auf Weisung meiner Eltern tun, sondern es selbst entscheiden." Er geht in die wenige Minuten entfernt liegende Wohnung von Sanda Weigl. Als er erneut seine Eltern aufsucht, wird er festgenommen. Horst Brasch hatte seinen Sohn angezeigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um 22 Uhr beginnt Thomas Braschs erste Vernehmung im Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit Magdalenenstraße. Sie dauert bis fünf Uhr morgens. Laut Effektenaufstellung trägt er: "1 Sporthemd, bunt kariert, 1 Niethose, blau; 1 Turnhose, grün; 1 Paar Sandaletten, hellbraun". Außerdem hatte er bei der Verhaftung "1 Brieftasche, braun, 1 Zündschlüssel und 1 kl. Sicherheitsschlüssel" bei sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während Brasch aussagt, dass er die Politik der führenden Funktionäre der KPC für richtig hält, weil sie wesentliche Voraussetzungen für einen demokratischen Sozialismus schufen, kehrt Alexander Dubcek nach Prag zurück. Thomas Brasch wird als Häftling Nummer 78 in Zelle 35 der U-Haftanstalt der Staatssicherheit, Magdalenen-straße eingesperrt. Er kommt in Einzelhaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Dienstag, den 27. August, findet die zweite Vernehmung statt. "Zu den Verhören ist man von sogenannten Läufern aus der Zelle abgeholt worden", berichtet Florian Havemann. "Die brachten dich in den Vernehmertrakt. Du musstest immer um Ecken rum. Dabei musstest du damit rechnen, dass die hinter der Ecke mit der Maschinenpistole stehen und dich umnieten. Es war ein völlig gesetzesfreier Ort, das geheimste Gefängnis, nie wäre etwas rausgekommen."&lt;br /&gt;Am gleichen Tag hält Alexander Dubcek, der nach den erpresserischen Tagen in Moskau nur mit Mühe sprechen kann, eine Rede, in der er das Volk erneut um Vertrauen bittet und versichert, dass der Einmarsch nur eine vorübergehende Maßnahme sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Mittwoch, den 28. August, steht der Einfluss Robert Havemanns im Mittelpunkt der Vernehmung. Brasch sagt aus, dass die Gespräche bzw. die Lektüre des Havemann-Buches "Dialektik ohne Dogma" ihn in seinem Denken und Handeln in keiner Weise beeinflusst haben.&lt;br /&gt;Thomas Braschs Wohnung in der Boxhagener Straße wird durch das VP Revier 83 versiegelt.&lt;br /&gt;Am Freitag, den 30. August, äußert sich Thomas Brasch zu seinem familiären Hintergrund und seinem Werdegang. Anschließend wird er im Haftkrankenhaus des Ministeriums für Staatssicherheit untersucht. Der Gesundheitsbericht des leitenden Arztes Haarfeldt konstatiert: 23-jähriger Patient in normalem Allgemein- und Ernährungszustand. Haut und sichtbare Schleimhäute sind gut durchblutet. Herz und Lungen klinisch unauffällig. Der Häftling ist haft-, vernehmungs-, und prozessfähig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der 31. August und der 1. September vergehen ohne Vernehmungen. In der Tschechoslowakei sind bis zu diesem Tag 71 Tschechoslowaken getötet und 701 verletzt worden.&lt;br /&gt;Am 3. September wird Thomas Brasch beim Arzt vorstellig: Er klagt über Beklemmungsgefühl, Herzbeschwerden, allgemeine Abgeschlagenheit. Hat Angst, nicht wieder aus der Haft zu kommen. Führt Selbstgespräche, ohne sich an den Inhalt erinnern zu können. Beginnende Haftreaktion. Morgens u. Mittags 1 abds. 2 Librium. EKG wird veranlasst. Thomas Brasch wird in Zelle 112 verlegt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immer wieder wird er nach Robert Havemann und Wolf Biermann befragt. Die Staatssicherheit und die Anklagevertretung versuchen, belastendes Material gegen beide zu sammeln, als auch Einflüsse "auf die Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen" von außen zu finden. Dazu zählen das Westfernsehen, westliche Zeitungen und Zeitschriften, sowie "feindliche" Bücher. Brasch äußert sich "umfänglich und differenziert zu allen ihm gestellten Fragen". Er bekennt sich zu seiner "Tat" und begründet sie: Er habe am 22. 8. 1968 gemeinsam mit weiteren Personen Flugblätter hergestellt, deren Inhalt sich gegen die Maßnahmen der sozialistischen Staaten richtet und habe anschließend einen Teil der Flugblätter in der Hauptstadt der DDR verbreitet. Mit dieser Handlung verfolgte ich das Ziel, andere Bürger anzuregen, sich über die genannten Maßnahmen Gedanken zu machen und sie zu veranlassen, in Diskussionen gegen die Maßnahmen der sozialistischen Staaten Stellung zu nehmen. Ich wollte damit dazu beitragen, dass es zu einer öffentlichen Ablehnung der Maßnahmen vom 21. 8. 1968 kommt, diese rückgängig gemacht und die strittigen Fragen auf dem Weg von Verhandlungen geklärt werden. In den Vernehmungen verleugnet er nie seine grundsätzliche Überzeugung, dass der Einmarsch falsch ist. Zweifel darüber, ob seine Reaktion richtig war, hat er schon. Immer wieder betont er, dass er prinzipiell den Sozialismus und so wie er in der DDR aufgebaut wird, befürworte. Ablehnende Auffassungen habe ich zu einigen Fragen der Kulturpolitik in der DDR. So bin ich nicht einverstanden, dass noch so viele Filme, Bücher und Fernsehsendungen produziert werden, die nicht zu einer aktiven Auseinandersetzung mit unserer Wirklichkeit anregen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Einzelhaft hat auf Thomas Brasch verheerende Auswirkungen, wie Arztberichte zeigen. Jahre später schreibt er an seinen Vater: "Ich würde Dir gern vom Gefängnis erzählen. Du würdest verstehen, daß es nichts Schlimmeres gibt als in einem Gefängnis zu sein und das nicht richtig zu finden und gleichzeitig dazu stehen zu wollen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Brasch stellt sich auf die Situation ein. Am 13. September sind die Herzbeschwerden weg, er fühlt sich "subjektiv" wohler. Im Oktober werden die Beruhigungstabletten auf seinen Wunsch hin abgesetzt. Die Wiegekarte der Haftanstalt weist für August ein Gewicht von 66 Kilogramm aus, für September von 65 und für Oktober 68. Die auf seinen Wunsch ab 1. Oktober verabreichte Verpflegungsänderung - Doppelt-Normale-Kost - wird am 19. Oktober, auch auf seinen Wunsch, wieder in normale Essenportionen umgewandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er liest viel, zum ersten Mal Ulysses von Joyce, auch Dostojewski, Tolstoi, die er wegen der genauen Beschreibung der Realität schätzen lernt. "Diese Texte waren wie ein Gewicht gegen den Realitätsverlust, wenn man Wochen oder Monate nur die Wand sieht."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Realität "draußen" verändert sich während dieser Zeit dramatisch. In der CSSR werden der noch im Amt befindlichen Regierung Dubcek von den sowjetischen Besatzern Maßnahmen auferlegt, die schrittweise die Reformen rückgängig machen. Einen Monat nach dem Einmarsch haben 50 000 der insgesamt 14 Millionen Tschechoslowaken das Land verlassen. In der DDR wurden in der Folge der Ereignisse in der CSSR insgesamt 313 Personen festgenommen. Die SED schloss 223 Mitglieder aus, Tausende wurden "verwarnt" oder mit "Rügen" belegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Mexico-City beginnen die Olympischen Spiele. Die erstmals eigenständig auftretende DDR-Mannschaft belegt in der Länderwertung hinter den USA und der UdSSR den dritten Platz. Ihre Stars sind der 17-jährige Rückenschwimmer Roland Matthes, der Boxer Manfred Wolke und die Kugelstoßerin Margitta Gummel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fünf Tage später, am 23.Oktober 11.00 Uhr, findet die Urteilsverkündung vor dem Strafsenat 1c des Stadtgerichts Berlin statt. Auch Thomas Braschs Mutter ist gekommen. Eines der Bilder, das sich in die Erinnerung Braschs einbrennt, werden die Möwen sein, die an den Fenstern des Gerichtssaales vorbei fliegen - das Bild einer Freiheit, von der er sich für lange Zeit abgeschnitten weiß: Thomas Brasch erhält zwei Jahre und drei Monate Gefängnis wegen staatsfeindlicher Hetze.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einige Tage später schreibt Gerda Brasch einen Brief an ihren Sohn im Gefängnis, indem sie ihm mitteilt, dass sie und Horst Brasch ihm helfen werden, "sobald die reale Möglichkeit gegeben ist". Bald, wie sie hofft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Filmhochschule werden die Studenten über das Urteil gegen Thomas Brasch an dem Tag informiert, als in Frankfurt Andreas Baader, Gudrun Ensslin und andere wegen der Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt werden. IM Ruth Blume berichtet, dass das Strafmaß mit eisigem Schweigen quittiert wurde. Die Studenten seien regelrecht zusammengezuckt, als sie von der Höhe der Strafe hörten, auch als das Wort "verbrecherische Handlung" gebraucht wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenige Tage später werden Frank Havemann, Thomas Brasch, Rosita Hunzinger, Sanda Weigl, Erika-Dorothea Berthold und Hans-Jürgen Uzkoreit, gemäß §349 der Strafprozessordnung Strafaussetzung auf Bewährung zugebilligt, "da die Verurteilten reuevolle Einsicht zeigten und dazu beitrugen, Klarheit über die Hintergründe der von ihnen begangenen Gesetzesverletzungen zu schaffen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Hamburg erscheint die Zeitschrift "Konkret" mit einem Text Ulrike Meinhofs: "Das progressive Moment einer Warenhausbrandstiftung liegt nicht in der Vernichtung der Waren, es liegt in der Kriminalität der Tat, im Gesetzesbruch."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 11. November wird Thomas Brasch nach 77 Tagen Haft entlassen. Gegen 13.00 Uhr verlässt er in einem roten Wartburg den Gefängnishof. Ein Jahr später schreibt er über sein Gefühl an diesem Tag: "Alles leer. Keine Freude."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Haftentlassung ist mit rigiden Bewährungsauflagen verbunden. Zur "Wiedereingliederung" gehört die "Arbeitsaufnahme in einem sozialistischen Großbetrieb", verbunden mit der Hoffnung, dass "die Arbeiterklasse die Jugendlichen auf den Boden der Tatsachen des Sozialismus holt". Brasch versucht, sich dem zu entziehen, indem er Kontakt mit der Filmhochschule aufnimmt, um im Filmarchiv oder in der Filmbibliothek zu arbeiten, was aber kategorisch abgelehnt wird. Auch eine Bewerbung im Brecht-Archiv scheitert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 6. Dezember füllt er schließlich einen Personalbogen im VEB Transformatorenwerk Oberschöneweide aus. Er arbeitet als Fräser; als Haftentlassener mit dreijähriger Bewährung hat er eine unbefristete Arbeitsplatzbindung. Er wird offiziell vom Meister der Abteilung und von einer Genossin der Kaderabteilung betreut. Sie geben alle vier Wochen eine Einschätzung über sein Verhalten an Genossen des ZK. Zwei Monate später wird ihm in einem Bericht "gute Arbeit" bescheinigt: Seine Normerfüllung mit 90 % ist ebenfalls gut. Er benimmt sich anständig und ist zurückhaltend. Über politische Äußerungen ist bisher nicht bekannt geworden...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr endet für Thomas Brasch nur scheinbar, wie es begonnen hatte. Barbara Honigmann ist die Gastgeberin einer Silvesterparty, bei der 40 bis 50 Leute anwesend sind. Ein Mitarbeiter der Staatssicherheit berichtet, dass politische Diskussionen kaum aufkamen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Autor Stephan Suschke lebt in Berlin und arbeitet als Schauspiel- und Opernregisseur.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-4097784760047850169?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/4097784760047850169/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=4097784760047850169' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4097784760047850169'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/4097784760047850169'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/der-unbeugsame-berliner-zeitung.html' title='Der Unbeugsame (Berliner Zeitung)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-1817705268987813171</id><published>2008-02-01T01:00:00.000-08:00</published><updated>2008-02-01T01:03:11.687-08:00</updated><title type='text'>Im Westen was Neues (fr)</title><content type='html'>Analyse&lt;br /&gt;Im Westen was Neues&lt;br /&gt;VON BERNHARD HONNIGFORT&lt;br /&gt;&lt;a class="media-body-link" href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessenwahl_2008/?em_cnt=1279199&amp;amp;em_src=331183&amp;amp;em_ivw=fr_hesswahl" target="_top"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Da stand sie und konnte ihr Glück nicht fassen: Kreszentia Flauger, genannt Tina, die unbekannte 41-jährige Spitzenkandidatin der Linken in Niedersachsen. Die Wahlsiegerin. Sie lächelte, wirkte ein bisschen linkisch und machte den Fotografen ein Victory-Zeichen nach dem anderen. Die Szene erinnerte an die Zeit vor 25 Jahren, als die ersten Grünen, auch etwas linkisch und neugierig um sich blickend, erstmals im Bundestag auftauchten.Niedersachsen und Hessen, das bedeutet: Die Linke ist gesamtdeutsch geworden. Sie hat den Sprung aus dem Osten in den Westen geschafft, deutlich und überraschend in Niedersachsen, etwas weniger klar in Hessen. Die Linke wird sich im Westen etablieren, so wie es einst die Grünen schafften. Es ist der Durchbruch, von dem die Partei träumte. Noch 2003 waren linke Parteien in beiden Ländern bedeutungslos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Linke-West, das ist zunächst eine Protestpartei. Ein teils sektiererisch anmutendes Sammelbecken, in das die Stimmen Enttäuschter fließen. Die Linke ist auch ein Nebenprodukt der Globalisierung: Solange es Fälle wie Nokia in Bochum gibt, wird die Partei an Zuspruch gewinnen. Es sind Arbeiter und Arbeitslose, die in Niedersachsen und Hessen links wählten. In Niedersachsen konnten sie mit der SPD nichts anfangen. Kandidat Wolfgang Jüttner blieb blass. Und sein Slogan "Gerechtigkeit kommt wieder" warf eher Fragen auf: Wo war denn die Gerechtigkeit? Und wo die SPD, als die Gerechtigkeit ein paar Jahre außer Haus war?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der SPD wird es nicht mehr gelingen, die Linke wegzudrücken. Da helfen ihr keine Mindestlohn-Kampagnen und kein Kurt Beck. So links kann selbst die nach links gerückte Beck-SPD gar nicht sein, wenn sie sozialdemokratisch, in der politischen Mitte und in der Wirklichkeit verankert bleiben will. Die Linke erledigen, das kann von nun an nur die Linke selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Wahrheit gibt es zwei Linke-Parteien, die so tun, als seien sie eine. Die Ost- und die West-Linken. Es ist zusammengewachsen, was gar nicht zusammenpasst. Die Ost-Linke hat ein Spektrum, das von der bizarren Genossin Sahra Wagenknecht bis zu den CDU-nahen Dresdner Linken reicht, die mit ihren Stimmen den Komplettverkauf der 48 000 städtischen Wohnungen an einen US-Pensionsfonds ermöglichten. Der Bogen spannt sich vom Talkshow-Genossen Gregor Gysi bis zu den nordostdeutschen Linken, die einst unter SPD-Ministerpräsident Harald Ringstorff einschneidende Reformen und beinharte Sparpolitik mitverantworteten. Die Linke-Ost ist zudem überaltert. Ihr sterben die Mitglieder weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die neuen Ableger im Westen sind ein Sammelsurium aus Gewerkschaftern, ausgetretenen Sozialdemokraten, aus Agenda- 2010-Gegnern, Friedensaktivisten und Altkommunisten. Sie alle führte der Protest gegen die von Gerhard Schröder begonnene Reformpolitik zusammen. Oskar Lafontaine gab der Bewegung ein West-Gesicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt ziehen sie in Landtage ein, jetzt beginnt ihr Reifeprozess. Zunächst haben sie es einfach: Sie können als Protestpartei auf der Oppositionsbank weitermachen. Der schmerzhafte Wirklichkeitstest, den ein Teil ihrer Genossen in ostdeutschen Landesregierungen absolvieren musste, dürfte in westdeutschen Bundesländern noch länger auf sich warten lassen. Wenn Becks und Ypsilantis Worte Gültigkeit haben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/32989977-1817705268987813171?l=knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/feeds/1817705268987813171/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=32989977&amp;postID=1817705268987813171' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1817705268987813171'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/32989977/posts/default/1817705268987813171'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://knaller-an-der-zeitungsfront.blogspot.com/2008/02/im-westen-was-neues-fr.html' title='Im Westen was Neues (fr)'/><author><name>eppi</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-32989977.post-5355707919210348304</id><published>2008-01-28T01:48:00.000-08:00</published><updated>2008-01-28T01:51:04.187-08:00</updated><title type='text'>He was a brilliant but controversial /Guardian</title><content type='html'>Obituary&lt;br /&gt;Bobby Fischer&lt;br /&gt;He was a brilliant but controversial chess world champion responsible for a global boom in the game&lt;br /&gt;Leonard Barden&lt;br /&gt;Saturday January 19, 2008&lt;a href="http://www.guardian.co.uk/"&gt;The Guardian&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert "Bobby" Fischer, who has died aged 64 of kidney failure after a long illness, was the best-known and most controversial player in the history of chess. His world championship victory over Boris Spassky at Reykjavik in 1972 captured public and media imagination with its image of a lone American eccentric defeating the massive resources of the Soviet state.&lt;br /&gt;Fischer's achievement sparked a global chess boom, yet he defaulted his title without pushing a pawn, did not play a single competitive game for another 20 years, and alienated many of his admirers by his extreme and profanely expressed political views.&lt;br /&gt;&lt;a name="article_continue"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Although Fischer had swept aside all opponents in eliminators leading up to Reykjavik, Spassky had beaten him three times without reply in their previous games. The New Yorker failed to appear in Iceland for the opening ceremony, but the London financier Jim Slater saved the 24-game match by doubling the prize fund. When play began, Fischer made a terrible start. He lost the first game by a simple miscalculation and forfeited the second after a dispute over television cameras. The series seemed on the brink of collapse, but US supporters, including Henry Kissinger, urged him to continue as a patriotic duty, while the match referee Lothar Schmid persuaded Spassky to play the third game in a small room without spectators.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fischer won it in style, and his first victory over Spassky unleashed his creative energy. In the next seven games he overwhelmed the Russian by inventive chess, helped by some elementary mistakes from the champion. By game 13, Fischer was 8-5 up and coasting, and the final score was 12.5-8.5. On his return home, New York gave him a civic reception, but Fischer complained that President Nixon had failed to invite him to the White House.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fischer was born in Chicago and raised in Brooklyn. His Jewish mother Regina was a nurse, and his German father Hans-Gerhardt Fischer a physicist. The pair divorced when Fischer was two, and there is evidence that his biological father was actually a Hungarian, Paul Nemenyi, who Regina met while separated from her husband. Nemenyi, also a physicist, worked in Chicago in 1942 on the Manhattan project, developing the nuclear bomb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;When Fischer was six, his older sister Joan bought a chess set, and they learned to play from the enclosed instructions. The boy soon became obsessed with the game, though his improvement was steady and unspectacular until in 1955 he joined the Manhattan, the leading club in the US, and began regular visits to Jack Collins, an expert who possessed an extensive library which Fischer read avidly.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;During the next two years he went from moderate amateur to US champion. Early adolescence is the most common age for such huge improvements, and Fischer's was honed by daily five-minute blitz sessions at the Manhattan and by Collins's Russian magazines and bulletins. In late 1956 he achieved world prominence when his queen sacrifice against Donald Byrne at New York was dubbed "the game of the century" by Chess Review. In chess circles, it remains the best-known of all his wins.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He continued to improve throughout 1957 at an extravagant rate. In August, he won the US Open at Cleveland, Ohio, thus qualifying for the 1957-58 US closed championship. There, scoring eight wins, five draws and no losses, he became the nation's youngest ever titleholder. From then on, except for Santa Monica in 1966, Fischer won every US tournament in which he competed. Most significant for his ambitions, the US closed was a qualifier for the 1958 world championship interzonal at Portoroz, Yugoslavia. He started the interzonal slowly but finished fifth to become the youngest ever world title candidate and grandmaster.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The 1959 candidates, also in Yugoslavia, included those who would challenge for the world crown in 1960. Fischer was fifth out of eight and the highest non-Soviet competitor, a unique achievement for a 16-year-old, but was crushed 4-0 by Mikhail Tal, who went on to beat Mikhail Botvinnik for the title.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In autumn 1960 Fischer led the US team to silver medals behind the USSR in the chess Olympiad at Leipzig, drawing his individual game with Tal. Handsome and more than 6ft tall, he was friendly, talkative, and took pride in his growing collection of suits. Claiming to be a palm-reader, he took Tal's hand and said: "I can see that the next world champion is going to be a young American." After Leipzig, he visited London and Savile Row, and agreed to take part in a consultation game on BBC radio's weekly half-hour chess programme. His fee was £50, which covered the cost of the suit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fischer's opponents were Jonathan Penrose, the British champion, and Peter Clarke. I was nominally the American's consultation partner, but the producer told me that my real job was to encourage the sometimes taciturn Fischer to verbalise his ideas. This proved unexpectedly easy since Fischer had the advantage throughout and explained eloquently the value of two bishops against knights. However, the opponents proved good defenders, and after a marathon eight-hour session, the studio recording time ran out with no decision. Despite Fischer's claims that the game was resignable, the producer ruled that the position should go for adjudication, and the former world champion Max Euwe declared it drawn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The next day, after being fitted for his suit, Fischer visited my home. He had a prodigious appetite and ate most of the contents of my mother's well-stocked fridge. We played five-minute blitz at which, although I was then British lightning champion, he trounced me: "You're just a British weakie." Fischer's deep-set eyes, large hands and talon-like fingers had a charismatic, even hypnotic effect. He also had an excellent memory - but only for his own wins.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The first of his many disputes with organisers came in 1961, when the cellist Gregor Piatigorsky sponsored his match against Samuel Reshevsky, the top US grandmaster of the 1940s and early 1950s. There was mutual dislike between the players, and the games were bitterly fought until the score reached 5.5 each with five games left. Game 12 was rescheduled for a morning start because Piatigorsky had a concert that evening, but Fischer refused to appear. He was quoted as saying: "When he's losing, Reshevsky is like a cornered rat. How can you face that at breakfast?" Reshevsky was awarded the game and won the match by forfeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The next time I saw Fischer was at the 1962 Stockholm interzonal, which he won impressively with 17.5/22. The Soviet players were in awe, and he became the favourite among that summer's candidates on the Caribbean island of Curacao to decide a challenger to the ageing Botvinnik, who had regained the title from Tal. But Fischer began badly, while three Soviets, including Tigran Petrosian who won the event, arranged to draw among themselves in the hot climate and use their energies against the others. The pact leaked out, and Fischer brought it into the open with an article alleging "the Russians have fixed world chess".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;He was still angry when the biennial team Olympiad opened in Varna, Bulgaria, in September 1962, where his game with Botvinnik in the US v USSR match was their only encounter. At first it went well for Fischer, and the game was adjourned overnight with his advantage. But Soviet analysts found a hidden trap which could save the champion, one also spotted by Fischer's teammate, the endgame specialist Pal Benko. According to the American captain, Fischer had refused to analyse with his teammate following an earlier argument which had ended in fisticuffs.&lt;br /&gt;When play resumed, Fischer fell into the trap and the game was drawn. Fischer was in denial, tried to claim that Botvinnik was receiving advice during play, and left the board close to tears. Botvinnik told me: "Fischer has only spoken three words to me in his life. When we were introduced, he pointed to himself and said 'Fischer'. When we sat down to play here, we bumped heads and he said 'sorry'. At the end of the game, he said 'draw'."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fischer then abandoned a direct quest for the world title for five years. He became involved with the Worldwide Church of God, a Californian sect, and this led to a further setback, despite impressive results. His performances up to the mid-1960s had included the occasional poor game or mediocre tournament, but from 1966 onwards he became almost invincible. He analysed openings such as the Ruy Lopez and poisoned pawn in depth, rarely got up from the board, refused draw offers, and squeezed out points from tiny endgame advantages. During this, his most fruitful creative period, he also wrote My 60 Memorable Games (1969), which proved an instant classic with its lucid insights and accurate analysis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So it was no surprise in 1967 when Fischer began the Sousse interzonal in Tunisia with 8.5/10, but then a scheduling dispute with the organisers led to his withdrawal. As on other occasions, his rigid adherence to principle was continued to the point of self-destruction. A year later, he walked out of the US team at the start of the Lugano Olympiad after complaining about the light in the hall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The US Chess Federation had watched events in Sousse and Lugano with dismay, so its chief executive Ed Edmondson arranged to act as manager during the next championship cycle. Starting with first place in the 1970 Palma interzonal, Fischer began an unprecedented surge which transformed him from world title contender to legend. His 6-0 win over Mark Taimanov in the 1971 candidates quarter-final at Vancouver caused panic in the Soviet chess establishment, who stripped the loser of his state stipend. Another 6-0 followed at Denver against Bent Larsen, the Dane who had been Fischer's rival as the leading western grandmaster. When Fischer won the opening round of his candidates final against Petrosian in Buenos Aires, his winning sequence had stretched to 21 games, still a record for top level chess. Petrosian won the next, but the final score, 6.5-2.5, was crushing.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The 1972 24-game world title match between Fischer and Spassky (who had won the crown from Petrosian in 1969) was originally intended to be split between Belgrade and Reykjavik, but the Yugoslav capital withdrew amid growing uncertainty over whether Fischer would play. Ostensibly, his reason was the low prize fund, $50,000 - he wanted a share of TV and spectator receipts - but there were also signs that, with his lifetime target so close, he was unsettled by the huge media interest and finding it hard to motivate himself. He was still in New York on the day of the opening ceremony, but the International Chess Federation (Fide) president Max Euwe postponed the start for two days, which was when Slater doubled the prize fund. Moscow pressed Spassky to claim a default but the Russian, who had struck up a friendship with Fischer years earlier, refused. It seemed he was right when Fischer lost game one by the simple blunder while the television camera dispute forfeited the second. At that stage, Spassky's lifetime score against his rival was 5-0, apart from draws.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;From the next eight games, Fischer scored five wins and three draws, effectively deciding the match which limped on till game 21 and 12.5-8.5. Why such a huge swing? The months before the match had gone very differently for the two grandmasters. Spassky's preparation was casual, almost fatalistic. He preferred the tennis court to the chessboard, and his laziness shocked the rising star Anatoly Karpov, then his training partner. For his black games, Spassky worked almost exclusively on 1 e4 and king's side openings, but the American had a complete file of Spassky games provided by the British master Bob Wade, and made the crucial decision to use queen's side openings if his prime weapon, the Bc4 anti-Sicilian, was defused.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;This occurred as early as the drawn fourth game, so for game six Fischer switched to 1 c4, transposing to the queen's gambit and winning in style. The next few games were a debacle with Fischer in prime form while Spassky became so blunder-prone that the Soviet camp filed a bizarre protest, asking that Fischer's executive chair and the light fittings above the board be examined for hidden devices. X-rays and inspections revealed just a pair of dead flies.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;When Fischer returned to New York in triumph, he donated almost one-third of his winnings to the Worldwide Church of God. A global chess boom began, but he turned down all offers, both to play and to make commercial endorsements. By early 1974, there were growing rumours that he would not defend his title. When Karpov became the official challenger, Fischer issued a list of 179 demands as a condition to play. Fide accepted almost all, but the sticking point was the champion's request for an unlimited series of games, with 10 games required for victory and Fischer retaining his title at 9-9. When this condition was not met, Fischer sent a telegram resigning his title.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The wording implied that he still regarded himself as the real champion, and when Karpov was awarded the crown by default in April 1975, many regarded the Russian as unproven. Karpov wanted a match, and so did the new Fide president Florencio Campomanes of the Philippines, who had $3m backing from his country's president, Ferdinand Marcos. A secret meeting was arranged in Tokyo where Fischer greeted Karpov with the words: "Why don't you leave the Soviet Union?" Despite this start, the negotiations continued on and off for several months, finally foundering when Fischer demanded that the match be for the "professional world championship"- a term Karpov knew would be unacceptable in the USSR, which still maintained the fiction that its grandmasters were amateurs.&l
